Aktien und Firmenanteile: Wie verhält es sich bei einer Gründung mit mehreren Partnern?

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Eine gemeinsame Gründung hat viele Vorteile. Auch beim Franchising lassen sich zahlreiche Franchisekonzepte von einem Gründer-Team realisieren. Allerdings gibt es bei solch einer Gründung auch zu bedenken, wie man die Geschäftsanteile und Aktien gerecht unter den Gründern aufteilt, damit es im Nachhinein nicht zu Auseinandersetzungen kommen. Heute erzählen wir Ihnen mehr zum Thema Stimmrechte und geben Ihnen wertvolle Rechtstipps, wie Sie nicht nur Geschäftspartner sondern auch Freunde bleiben.

Gemeinsame Gründung: Wie verhält es sich mit Stimmrechten und Aktien?

Wer sich mit einem Partner oder sogar als Team als Franchisenehmer selbstständig macht, der hat den großen Vorteil, dass sich so von Anfang an zahlreiche Talente, Arbeitskräfte und Ressourcen bündeln lassen. Je nach Talenten und Fähigkeiten kann so jeder der einzelnen Gründer gewisse Schlüsselpositionen einnehmen, was vor allem in der Anfangsphase die Startbedingungen vereinfacht. So kann beispielsweise jeder Verantwortung für einen bestimmten Bereich übernehmen und gemeinsam ergänzt man sich perfekt. Damit dies in der Praxis allerdings auch so erfolgreich funktioniert, wie es in der Theorie den Anschein macht, sollte Sie jedoch ein paar Tipps und Kniffe bedenken.

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So bleiben Sie selbst als gemeinsame Gründer Freunde!

Fakt ist, wer vor der Gründung des eigenen Start-ups oder als Franchisenehmer gewisse Dinge klärt, räumt zukünftiges Konfliktpotential effektiv aus dem Weg. Auch wenn dies bedeutet, dass Sie vor Ihrer Gründung ein wenig Mehraufwand haben, so profitieren Sie im Nachhinein davon! Denn gerade wenn Sie eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG) gründen, sollten Sie vorab gewisse Rechtstipps beherzigen, damit Sie möglichst lange Freunde bleiben können.

Mit dem Gesellschaftsvertrag vorab kritische Punkte klären

Damit es später nicht heißt: „Da habe ich keine Aktien dran!“ sollten Sie vor der Gründung Ihrer gemeinsamen GmbH oder UG als Franchisenehmer zahlreiche gesetzlich vorgeschriebene Punkte klären. Wichtig ist hier nur, dass Sie auch darüber hinausgehen und auch die kritischen, unschönen Punkte in Angriff nehmen. Nur wenn im Vorfeld alle Punkte geregelt sind, lässt sich effektiv das Streitpotential aus dem Weg räumen. Viele Franchisenehmer, die mit Bekannten gründen, können es oft nicht abwarten und möchten einfach möglichst schnell und kostensparend die rechtlichen Aspekte der Gründung geklärt wissen. Daher haben sich die UG und die GmbH als beliebte Rechtsformen durchgesetzt. Und dabei ist ein verlässliches Regelwerk, auf das man sich im Streitfall berufen kann, essentiell.

Was muss geregelt werden?

Für folgende Aspekte besteht vorab Regelungsbedarf:

  • Wie steht es um die Aufteilung beziehungsweise die Verteilung von Geschäftsanteilen?

Hier empfiehlt es sich, dass die Geschäftsanteile jeweils zu einem Euro eingeteilt werden. Das ist deshalb sinnvoll, da Ihnen dieses Vorgehen Arbeit abnimmt, sollten Sie im Nachhinein Anteilsverschiebungen vornehmen wollen. Jeder Anteil an denselben Wert! Im Rahmen der Aufklärung gilt es zu klären, ob alle Beteiligten dieselbe Anzahl an Geschäftsanteilen erhalten beziehungsweise auf welcher Grundlage die Anteile verteilt werden sollen. Denn die Anteile und Aktien der einzelnen lassen sich je nach eingebrachter Leistung festlegen. Wichtig ist hier nur, dass zudem vertraglich festgehalten wird, wer was einbringt und wie es zu einem Leistungs- oder aber Anteil-Übergewicht eines einzelnen Gründers kommen kann.

Und zwar gestaltet sich diese Aufteilung umso komplexer, wenn die einzelnen Franchisenehmer unterschiedliche Anteile in die Gesellschaft einbringen. So kann einer der Gründer vor allem Sachwerte einbringen, während andere Gründer lediglich ihre Kreativität oder Arbeitskraft einbringen. Gerade bei solch vielschichtigen Verhältnissen ist eine klare Klärung und ein vertragliches Festhalten unabdingbar. Finden Sie einen Weg, so dass jeder über einen gerechten Stimmanteil oder Aktien verfügt.

  • Stimmrechte, Stimmgewichte und weitere Stellschrauben

In der Regel sollten die Stimmrechte in einem Unternehmen den Anteilsverhältnissen entsprechen. So ist es auch von offizieller Seite im Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung – auch als GmbH-Gesetz bekannt – niedergeschrieben. Wie bei einem demokratischen System sind hier Veto-Rechte möglich, die manchen Gesellschaftern beziehungsweise bei bestimmten Entscheidungen angewendet werden können. In der Praxis könnte das so aussehen, dass Entscheidungen, die in den Kompetenzbereich einer der Franchisenehmer fallen, nur von der Gesellschaft getroffen werden können, wenn dieser zustimmt. Oder aber man beschränkt die Stimmrechte eines Mehrheitsgesellschafters, um auf diese Weise seine Macht in der Gesellschaft ein wenig zu beschneiden.

Auch diese Aspekte sollten vorab gesetzlich geregelt werden, da sie wichtige Stellschrauben darstellen, was die Funktionsweise einer Gesellschaft angeht. So lässt sich vorab festlegen, wie bestimmte Beschlüsse getroffen werden können, so dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt.

  • Wie kann man bei der Entziehung von Geschäftsanteilen vorgehen?

Schon von Anfang an, sollte man auch an Exit-Strategien denken und sich überlegen, wie man vorgehen möchte, wenn die Integrität des Franchisenehmer-Teams in Frage gestellt wird. Denn schließlich kann es vorkommen, dass sich einer der Partner nicht an Vereinbarungen hält oder im schlimmsten Fall durch eine Privatinsolvenz den Franchisebetrieb gefährdet.

>>> Erfahren Sie hier mehr, wie Sie als Unternehmer und Franchisenehmer Ihr Privatvermögen schützen können.

Um eine Entziehung der Geschäftsanteile möglich zu machen, sollten Sie vorab eine entsprechende Passage in der Satzung der Gesellschaft festhalten und die Umstände definieren, die zum Entzug der Anteile und Aktien führen. Hier ist es wichtig, dass die Gründe klar dargelegt werden, da eine Entziehung der Anteile aus rechtlicher Sicht eine schwierige Angelegenheit darstellt. So muss derjenige schon gegen elementare Grundsätze verstoßen, damit sich solch ein Vorgang rechtfertigen lässt!

  • Klären Sie das Vorgehen beim Ausscheiden von Gesellschaftern!

Wie gesagt: Auch der Exit sollte geplant sein. So sollte man bereits bei der Gründung überlegen, wie man bei einem Exit eines Gesellschafters mit der Erlösverteilung von Anteilen und Aktien verfahren möchte. Es ist keine extra Regelung notwendig, wenn die Erlöse entsprechend der Anteile ausgezahlt werden sollen. Möchte man allerdings einen individuellen Schlüssel für das Auszahlen vereinbaren, so ist auch das möglich.

  • Wie möchten Sie bei Konflikten und Auseinandersetzungen verfahren?

Wie bei jeder Partnerschaft kann es auch unter Geschäftspartnern zu Problemen kommen. Hier ist definitiv eine offene und transparente Kommunikationskultur gefordert. Sprechen Sie Dinge sofort an, die Sie stören und eliminieren Sie so unnötige Störfaktoren.

Fazit: Schützen Sie Ihre Anteile und Aktien durch klare, vertragliche Absprachen!

Als zukünftiger Franchisenehmer haben Sie bereits vor der Gründung zahlreiche Dinge zu bedenken. Gerade wenn es um die rechtliche Gründung des Unternehmens und die Rechtsform geht, sollten Sie vorab sämtliches Konfliktpotential entschärfen. Zahlreiche vertragliche Regelungen und Satzungen können also Ihr Leben in Zukunft einfacher machen beziehungsweise Streitigkeiten abmildern. Investieren Sie also lieber von Anfang an ein wenig Zeit, Kraft und Geld, damit Sie später einen größeren Nutzen haben.

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