Amazon Prime Same Day Delivery & ungeduldige Kunden: Wie Sie am Besten mit der Situation umgehen

06.04.2019 19:30 | Diverse Themen - Trends

Amazon Prime Day

Amazon ist mit 11,9 Milliarden US-Dollar Umsatz in Deutschland einer der größten Händler des Landes. Amazon ist groß, und, das können nicht nur Buchverlage bestätigen, nutzt die dadurch entstehende Einkaufsmacht. Kombiniert mit Skaleneffekten bei der Lagerung und Lieferung und anderen Größenvorteilen hat Amazon bereits einen immanenten Vorsprung gegenüber kleineren Online-Händlern.

Der Online-Handel hat das Nutzerverhalten und die Erwartungen der Kunden verändert. Kunden wollen Produkte und Dienstleistungen im Hier und Jetzt, sofort. Google Trends Suchanfragen belegen diese Entwicklung: User suchen immer häufiger nach “jetzt geöffnet” oder “same day delivery”. Für lokale Händler und kleine Online-Shops ist es herausfordernd, sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben. Wie können Franchisegeber und Franchisenehmer damit umgehen? Um mögliche Lösungsansätze zu finden, hilft es, das Erfolgsrezept von Amazon Prime Same Day Delivery zu verstehen.

Erfolgsmodell Amazon Prime

Amazon baut seit nunmehr zehn Jahren Amazon Prime Stück für Stück für Stück aus. Amazon Prime startete 2005 in den USA und kam 2007 nach Deutschland. Amazon Prime war ursprünglich ein fester Jahresbetrag, für den man kostenloses Two-Day-Shipping erhielt. Noch heute ist das Kernangebot von Amazon Prime die kostenfreie Expresszustellung.

Amazon Prime umfasst aber längst sehr viel mehr. Prime-Kunden erhalten Zugang zu Amazons Videostreamingdienst “Amazon Instant Video”. Prime-Mitglieder können in den USA jeden Monat eins von 500.000 E-Books für ihr Kindle ausleihen. Als Prime-Kunde bekommt man außerdem unbegrenzten Onlinespeicher für seine Fotos in Amazon Cloud Drive. Auch Amazons Musikstreamingangebot "Prime Music" gehört zum Prime-Paket dazu.

Filme, Musik, Fotos, Bücher und keine Versandkosten. Und niemand weiß, was morgen alles noch zu Prime gehören wird.

Im April 2014 erhöhte Amazon die jährliche Prime-Gebühr um 20 US-Dollar auf 99 US-Dollar. Diese Preissteigerung hat dem Wachstum der Mitgliederzahlen laut Amazon keinen Abbruch getan. Um 53 Prozent sind die Mitgliedschaften bei Amazon Prime gegenüber dem Vorjahr laut Amazon gewachsen.

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Starke Kundenbindung bei Amazon Prime

Amazon Prime scheint ausgesprochen attraktiv für die Kunden zu sein, wie man sehen kann. Kein Wunder: Im Gegensatz zu anderen Rabattprogrammen wie Payback und Co. sind die Vorteile bei Amazon Prime sehr leicht kommunuzierbar.

Amazon kann mit Prime, wie es mit jeder Form von Bündelung möglich ist, mit Mischkalkulationen arbeiten, die einem rein von einzelnen Bestellvorgängen getriebenem Anbieter verwehrt bleibt. Dadurch, dass über die Jahresgebühr die Versandgebühren aus Sicht der Prime-Kunden abgedeckt sind, bestellen diese öfter auf Amazon.

Amazon kann davon ausgehen, dass Vielbesteller zu Prime tendieren und, sobald sie erst einmal Prime-Mitglieder sind, noch mehr bestellen. Das Mehr an Umsätzen und Gewinnen kann Amazon direkt in die Kalkulation von Prime einfließen lassen. Zusätzlich ist die Nachfrage von Prime-Kunden preiselastischer. Da man bereits 99 US-Dollar im Jahr für Prime bezahlt, will man auch sicherstellen, dass es sich rechnet. Also bestellt man auch bei Amazon, wenn ein Produkt etwas mehr als anderenorts kostet. Das mag nicht in allen Fällen rational sein. Aber niemand handelt immer rational. In diesem Zusammenhang sollte auch die Macht der Gewohnheit nicht unterschätzt werden. Wer einmal bei Prime ist und deshalb bevorzugt bei Amazon kauft, wird nicht selten den Preisvergleich mit anderen Händlern komplett einstellen.

Amazon bindet auf diesem Weg die attraktivsten Kunden an sich: die Vielbesteller, die aufhören, ständig auf den Preis zu schielen.

Was bedeutet das für Ihr Franchise?

Kann nun nicht jeder Händler sein eigenes Prime anbieten? Leider nein. So einfach ist das nicht. Welcher herkömmliche Onlinehändler kann mit diesem Gesamtangebot von Amazon konkurrieren? Eine jährliche Gebühr, die einen Teil der Versandkosten abdeckt und für mehr Umsatz pro Mitglied sorgt, ist noch vorstellbar. Aber TV-Streaming oben drauf? Und alles andere, was Amazon in Prime bündelt?

Amazon nutzt immer aggressiver die Skaleneffekte, die dem Handelsriesen zur Verfügung stehen. Und das bedeutet ein größer werdendes Problem für den Rest des Handels.

Die einzige Lösung für den Handel ist so leicht dahergesagt, wie sie schwer umsetzbar ist: Geschäftsmodellinnovation. Ein kleiner Einzelhändler/Franchisenehmer könnte zum Beispiel die Lieferung seiner Produkte durch einen Kurier anbieten, um den Wunsch nach Sofort zu erfüllen. Viel bedeutender aber ist, daß die Franchisezentrale sich um dieses Thema kümmert, da es überlebensnotwendig werden wird.

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