Gründungsalter: Wann ist die beste Zeit für eine Unternehmensgründung?

17.02.2019 15:30 | Ein Unternehmen gründen

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Immer mehr Existenzgründungen finden im höheren Alter statt. Viele ältere Gründer machen sich mit einem eigenen Business selbstständig – entweder verwirklichen sie ihre eigene Geschäftsidee oder aber sie nutzen ein etabliertes Konzept aus der Welt des Franchisings. Der heutige Artikel beschäftigt sich mit dem besten Zeitpunkt für eine Existenzgründung. Vielleicht fühlen Sie sich ja auch angesprochen?

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Existenzgründung im Alter? Heutzutage ist alles möglich!

Eine Studie des RKW Rationalisierung- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft hat eine Studie zum Thema Existenzgründungen durchgeführt. Auch wenn die individuellen und persönlichen Lebensumstände sowie die Sozialisierung eine entscheidende Rolle spielen, wenn es um die Umstände und Motivation einer Gründung geht, so konnte diese Umfrage gewisse Trends ausfindig machen.

Das Leben 2.0: Ab der Lebensmitte geht’s erst richtig los!

Im Rahmen der Studie wurden 150 Gründer befragt und siehe da: Viele der Befragten war über 50 Jahre alt! Dabei ist das nicht überraschend, da den Gründern im mittleren Alter viele Vorteile zukommen, die als entscheidende Erfolgsfaktoren ausgemacht werden konnten.

Welche Vorteile haben ältere Existenzgründer?

Ältere Gründer profitieren von ihrer eigenen Berufs- und Lebenserfahrung. In der Regel können sie auf zahlreiche Berufsjahre als Angestellter zurückblicken, in denen sie viele Kenntnisse über den Markt und die Branche sammeln konnten. Dieses Wissen hilft ihnen, um neue Geschäfts- oder Tätigkeitsfelder zu erkennen und vielleicht können sie sogar noch nicht entdeckte Marktnischen entlarven. Gerade wenn es sich bei den Gründern im mittleren Alter handelt, dann verfügen sie über eine Nähe zu der sogenannten Silver Ager Generation. Diese Zielgruppe stellt einen wachsenden Kundenmarkt nach, dessen Bedürfnisse die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen stark verändern wird.

Darüber hinaus haben ältere Gründer bereits all die Fehler begangen, die Berufsneulingen noch unterlaufen werden, sie wissen, wie man mit Lieferanten und Kunden verhandelt, so dass sie bereit sind für die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Selbstständigkeit. Dank ihrer Lebenserfahrung sind sie besonnener geworden und arbeiten sehr zielgerichtet. Sie können Vorhaben und Situationen daher auch oft besser einschätzen. Unter anderem liegt das auch daran, da sie sich selbst besser kennen, sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst sind. Schließlich haben ältere Gründer in ihrem Leben bereits einige Höhen und Tiefen gemeistert und kennen sich selbst meist besser als Jüngere. Ebenso sind ältere Gründer meist besser dazu in der Lage, dank ihrer beruflichen Erfahrungen ein Team zu führen und mehr Verantwortung zu übernehmen.

Außerdem verfügen sie meist über zahlreiche Kontakte und ein großes Netzwerk, was eine wichtige persönliche Voraussetzung darstellt. Erfahrene Gründer sind meist zudem für ihre Fachkompetenz und gute Arbeit bekannt. All dies sind interessante Startvorteile für die erfahrenen Gründer. Eine gute Vernetzung und ein gewisses Ansehen in der Branche stellen eine ideale Grundlage für einen erfolgreichen Vertrieb dar.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass lebensältere Gründer außerdem über einen höheren Anteil an Eigenkapital verfügen, was ebenso eine wichtige organisatorische Bedingung für eine Existenzgründung ist. Das liegt ganz einfach daran, dass sie bereits über viele Jahre Zeit für den Vermögensaufbau hatten. Meist haben sie die Hypothek für das Haus abgezahlt und die Kinder sind bereits aus dem Haus, so dass ältere Gründer auch keinen finanziellen Verpflichtungen mehr nachzukommen haben.

Das perfekte Alter für die Existenzgründung

Bei den befragten Gründern lag das Gründungsalter im Schnitt bei 40 Jahren. Während die bis zu 25-Jährigen nur mit 7 Prozent vertreten sind, sind sowohl die 26 bis 35-Jährigen sowie die älter als 45-Jährigen mit jeweils 29 Prozent vertreten. Bei den 36 bis 45-Jährigen liegt der Prozentsatz bei 34 Prozent. Aber auch die über 65-Jährigen sind eine sehr interessante Gruppe, die immer stärker in der Gründungslandschaft vertreten sind. Auffallend ist außerdem, dass auch viele Frauen unter den Gründern sind. Für viele ist es eine sehr interessante Möglichkeit, um nach einer längeren Familienphase wieder in die Berufstätigkeit einzusteigen, so dass Kinder und Karriere gut miteinander vereint werden können. Abgesehen von den Wiedereinsteigerinnen ist für viele berufstätige Frauen allerdings auch die Selbstverwirklichung und berufliche Anerkennung wichtig.

Existenzgründung im Alter: Was motiviert ältere Gründer?

Weiter oben wurde bereits erwähnt, dass ältere Gründer gewisse Startvorteile haben. Auch wenn die älteren Existenzgründer ab 45 nicht den Löwenanteil an Existenzgründern darstellen, so sind sie trotzdem bedeutsam, da sie mehr als ein Drittel aller Gründungen ausmachen. Auch die Gruppe der Gründer ab 65plus, die sogenannten Rentner-Gründer, sind auf den Spielplan getreten. Und zwar liegt das ganz einfach an dem demografischen Wandel: Die Anzahl der lebensälteren Menschen nimmt zu, während die jüngeren Menschen weniger werden. Und das hat natürlich auch Einfluss auf die Existenzgründungen: Allein deshalb wird die Anzahl der lebensälteren Gründer zunehmen und die Zahl jüngerer Erwerbsfähiger und Existenzgründer abnehmen. Schließlich leben die älteren Menschen heute um einiges gesünder und sind fitter und leistungsfähiger als Gleichaltrige vor einigen Jahrzehnten. Sie sind hochmotiviert und möchten die unternehmerischen Chancen nutzen, die sich ihnen bieten.

Was motiviert ältere Gründer zu einer Existenzgründung?

Die Gründungsmotive für die lebensälteren Gründer können sehr vielseitig sein.

  • Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung

Getreu dem Motto: Besser spät als nie. Auch die lebensälteren Gründer möchten einfach unabhängig, frei und flexibel sein. Viele dieser Gründer haben viele Jahre als Angestellter verbracht und möchten ihre Berufs- und Branchenkenntnisse nun für ein eigenes Projekt umsetzen. Gerade auch Frauen, die in ihrer Lebensmitte stehen, nutzen eine Existenzgründung um beruflich aufzusteigen, falls dies in ihrem aktuellen Beschäftigungsverhältnis nicht möglich ist.

  • Der Traum von der Selbstständigkeit!

Viele der lebensälteren Gründer haben schon seit langem an ihrer eigenen Geschäftsidee getüpfelt und betrachten die Zeit als reif, um diese endlich in die Tat umzusetzen. Vor allem im Dienstleistungsbereich und im Handel finden viele Gründungen statt. Meist werden unternehmensnahe Dienstleistungen angeboten, die im wissenschaftlichen, technischen oder kreativen Bereich angesiedelt sind. Wer über keine eigene Gründungsidee verfügt, der kann das Franchising nutzen und sich als Franchisenehmer mit dem etablierten Konzept eines Franchisegebers selbstständig machen.

  • Erfahrungen und Wissen nutzen und teilen

Lebensältere Gründer nutzen eine Existenzgründung meist auch, um ihre Erfahrungen und ihr umfangreiches Wissen weiterzugeben. Die Studie der RKW hat gezeigt, dass ihre Gründungsvorhaben meist eine höhere Qualität und Nachhaltigkeit als die Gründungsvorhaben jüngerer Gründer aufweisen. Außerdem setzen sich die Älteren meist für einen guten Zweck ein und werden zu einem sozialen Unternehmer, der primär ein ökologisches und gesellschaftliches Ziel verfolgt.

  • Einkommen oder Rente aufbessern

Eine Gründung kann auch dazu dienen, um noch eine letzte Karrierechance wahrzunehmen und einen höheren Verdienst anzustreben. Diejenigen mit niedrigen Rentenansprüchen nutzen eine Gründung als einen attraktiven Dazuverdienst, um die monatliche Rente aufzustocken.

  • Alternative für den Wiedereinstieg oder als Weg aus der Arbeitslosigkeit

Eine Existenzgründung ist auch für Wiedereinsteiger, sprich Frauen, die aufgrund der Kinderbetreuung für längere Zeit aus dem Job ausgestiegen sind, oder Langzeitarbeitslose eine gute Möglichkeit, um den Weg zurück ins Arbeitsleben zu finden. Eine eigenständige Gründung ist die Alternative fernab einer abhängigen Beschäftigung, um einen Wiedereinstieg zu finden.

Zweite Lebenshälfte Reloaded

Egal, ob es sich nun um Existenzgründung mit 45, 55 oder 65 Jahren handelt, eines haben sie gemeinsam: Gründungen in der zweiten Lebenshälfte nehmen zu! Lebensältere Menschen werden somit zum Schlüsselfaktor für die Wirtschaft. Die Tendenz geht dazu über, dass der durchschnittliche Gründer heute lebensälter ist – was die Entwicklung unseres demografischen Wandels wiederspiegelt. Viele dieser Gründer gehen freiberuflichen Tätigkeiten in personen- und unternehmensnahen Dienstleistungen nach. Neben Beratung, Consulting, Weiterbildung und Training bietet auch das Franchising interessante Optionen für die erfahrenen Gründer.

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