Bilanzstichtag: Wann sollte man ihn am besten setzen?

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bilanzstichtag setzen

Als Unternehmer gibt es so einiges zu beachten. Gerade in der schwierigen Startphase und den ersten Geschäftsjahren kommen für Gründer immer wieder neue Fragen auf. Finanzierung, Standortsuche und Personalauswahl sind nur die ersten Hürden, um die sich Start-up Gründer kümmern müssen. Auch Fragen zu Steuern, Jahresabschluss und Bilanzstichtag kommen immer wieder auf. Was sollte dabei beachtet werden?

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Was ist der Bilanzstichtag?

Beim Bilanzstichtag handelt es sich um den letzten Tag des Geschäftsjahres von Unternehmen. Der Jahresabschluss und die Bilanz beziehen sich dann auf die Daten dieses Tages. Die Bilanz setzt sich vorwiegend zusammen aus:

  • Bruttovermögen
  • Schulden
  • Nettovermögen

Es müssen also sämtliche Beträge zu einem ausgewählten Stichtag erfasst werden. Am Bilanzstichtag werden alle Daten der Buchhaltung bis zu diesem Tag erfasst und somit ist das Wirtschaftsjahr abgeschlossen. Beim Jahresabschluss werden dann genau die Daten dieses Zeitpunkts festgehalten. Auch Bewertungsfragen und Bilanzierungswahlrechte werden dabei berücksichtigt. Alle Ereignisse oder Daten, „werterhellende Tatsachen“ genannt, die nach dem Bilanzstichtag aufkommen, aber vor diesem stattgefunden haben, können im Jahresabschluss noch berücksichtigt werden. Jene, die sich erst danach ereignet haben, fließen in die Berechnungen des folgenden Geschäftsjahres ein. Die Bilanz ist vor allen Dingen für Finanzierungsfragen wichtig - auch, wenn Sie als Franchisenehmer von Finanzierungsvorteilen profitieren.

Was ist der Zweck des Bilanzstichtages?

Der Bilanzstichtag wird von Unternehmen gesetzt, um den Erfolg periodisch zu ermitteln. Die Daten werden also jedes Geschäftsjahr zum selben Zeitpunkt ermittelt, damit keine Verfälschungen entstehen. Der Stichtag wird außerdem gewählt, um sozusagen eine Stichprobe des Unternehmenserfolgs zu nehmen. Gewinn- und Verlustberechnungen berücksichtigen die Abläufe des gesamten Geschäftsjahres, während der Bilanzstichtag einen Überblick über den jährlichen Erfolg zu einem bestimmten ausgewählten Zeitpunkt geben soll.

Die Wahl des Bilanzstichtages

Unternehmen sind gesetzlich in der Lage, den Bilanzstichtag frei zu wählen. Oft deckt sich dieser mit dem 31. 12., also dem Abschluss des Kalenderjahres. Dies ist aber nicht zwingend erforderlich. Gerade kleinere Unternehmen wählen oft einen anderen Tag, zum Beispiel das Jubiläum der Geschäftseröffnung. Da die Bilanz an einem günstigen Zeitpunkt erfasst werden sollte, gilt es bei der Auswahl Acht zu geben. Denn der Tag muss zwar nicht der 31.12 sein, bleibt aber der einmal Gesetzte. Ausnahmen gibt es etwa bei Konzernen. Wenn es hier bei den Tochterunternehmen etwa unterschiedliche Bilanzstichtage gibt, können diese unter Umständen an den Mutterkonzern angepasst werden.

Doch was muss nun alles bedacht werden? Zahlen und Daten, die in die Berechnung miteinfließen zeigen den Erfolg des Unternehmens zu einem gewissen Zeitpunkt. Doch mit der Auswahl des Zeitpunkts kann viel verändert werden.

Saisonale Schwankungen

Saisonale Schwankungen etwa können sich negativ auf die Bilanz auswirken und sollten berücksichtigt werden. Betroffen können hier unter anderem sein:

  • Pralinengeschäfte
  • Weihnachtsdekorationsläden
  • Eisgeschäfte

>> Lesen Sie auch: Wie Sie saisonale Schwankungen überleben

Dies sind nur ein paar Beispiele für Bereiche, die von saisonalen Schwankungen betroffen sein können. Viele Unternehmen und Franchisebetriebe kreieren hier bereits innovative Lösungen für ihren Betrieb. So gibt es mittlerweile Eis Franchisesysteme, die im Winter andere Leckerbissen anbieten wie etwa Ice and Roll & Cake and Roll, oder Pralinen Franchisesysteme, die im Sommer Eis anbieten. Doch auch der Jahresabschluss und die Daten des Bilanzstichtages können unter den Schwankungen leiden. So haben etwa Pralinengeschäfte in der Weihnachtssaison eine größere Nachfrage und demnach einen größeren Lagerbestand. Dieser kann sich aber negativ auf die Bilanz auswirken, denn auch die Inventur liefert wichtige Daten, die in die Bilanz einfließen. Aus diesem Grund ist der Bilanzstichtag in der Regel auch Inventurtag. Das liegt daran, dass eine Inventur bis zehn Tage vor oder nach dem Bilanzstichtag stattfinden muss. Die genauen Bestandsdaten müssen nämlich unbedingt für den Bilanzstichtag gelten.

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Das Problem des hohen Lagerbestandes gilt etwa auch für Unternehmen, die Weihnachtsdekoration verkaufen oder andere feiertagsabhängige Produkte anbieten. Die negativen Zahlen müssen jedoch nicht in den Bilanzstichtag aufgenommen werden. Eine Option ist hier, einfach einen Sommertag als Bilanzstichtag zu wählen. Somit fallen alle Zahlen und Daten, die einberechnet werden auf einen Tag, in dem sich die hohen Lagerbestandszahlen nicht negativ auf die Bilanz auswirken.

Genau umgekehrt verhält es sich mit Geschäften, die ihren Höhepunkt im Sommer haben. Eisdielen etwa, haben in der Hochsaison im Sommer die höchste Nachfrage und daher auch den größten Lagerbestand. Hier gilt wieder dasselbe wie für Betriebe, die in der Weihnachtszeit erblühen: Der Bilanzstichtag sollte nicht in der gleichen Saison gewählt werden. Der Stichtag wird also bei Eisgeschäften oder Eis Franchisesystemen gerne auf einen Tag im Winter gelegt. Somit fließen die Zahlen für den erhöhten Lagerbestand nicht in die Rechnung mit ein und können sich nicht negativ auf das Unternehmen auswirken.

Der richtige Bilanzstichtag

Der Bilanzstichtag ist ein Schnappschuss im jährlichen Erfolg eines Unternehmens. Dadurch, dass er die Entwicklung der Zahlen im Laufe des Jahres nicht berücksichtigt, weder die der Gewinne noch die der Verluste, bietet sich Gründern hier viel Spielraum. Der Bilanzstichtag kann für jedes Unternehmen, Start-up oder Franchisesystem ganz individuell ausgewählt werden und damit können die Zahlen zwar nicht geändert, aber ihre Wirkung beeinflusst werden. Der Vorteil ist hier also, dass die Bilanz schlicht und einfach am günstigsten Zeitpunkt gewählt und somit sehr vorteilhaft präsentiert werden kann.

Wer sich also für den richtigen Bilanzstichtag entscheiden will, sollte verschiedene Faktoren berücksichtigen, wie eben saisonale Schwankungen und eine gut durchdachte Entscheidung treffen, denn der Stichtag bleibt dann jedes Jahr der gleiche. Wer sich also hier verschätzt, muss nicht nur einmalig, sondern wiederholt mit einer negativen Bilanz rechnen.

Hilfe für Gründer/Innen

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Der Bilanzstichtag ist ein Thema, dem also viel Beachtung geschenkt werden sollte. Es gibt verschiedene Optionen der Beratung für steuerrechtliche Themen sowie Bilanz, Jahresabschluss und Bilanzstichtag. Franchisenehmer haben hier etwa den Vorteil, dass sich ihr Stichtag nach dem Franchisesystem richtet und daher in der Regel schon gut ausgewählt wurde. Inkubatoren etwa oder Business Angels bieten Gründern diverse Unterstützung und Know-how und können sie auch in diesen Themen beraten. Auch die kompetente Beratung von Buchhalterunternehmen ist hier eine wichtige Hilfestellung für Gründer.

Wer sich also noch den Kopf über diese Themen zerbricht, kann sich getrost Hilfe suchen und beraten lassen. Die Unternehmensgründung kann ein wichtiger aber auch herausfordernder Meilenstein sein und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Viele Hürden und Fragen können aufkommen und dabei ist es oft wichtig, sich ausgiebig zu informieren und bei Bedarf auch Unterstützung zu suchen. Heute muss man sich als Existenzgründer nicht mehr alleine ins kalte Wasser stürzen.

>> Lesen Sie auch: Traumjob gesucht ? 6 Tipps für Ihre Selbstständigkeit!

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