Existenzgründung in Deutschland: Von Mimosen und Ringeltäubchen

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Existenzgründung in Deutschland 2.0 (2020): Die Erwartungen sind hoch, die Konjunktur jedoch schwächelt. Wir beleuchten die Entwicklung von Geschäftsideen und die wichtigsten Indikatoren für eine erfolgreiche Gründung, die insbesondere im Franchising eine beachtliche Quote aufweist.

Existenzgründer und Jungunternehmer sind ein hohes Gut für jede florierende Wirtschaft. Zarte Pflänzchen, die eigentlich gehegt und gepflegt werden müssen wie eine junge Mimose. Doch die Realität ist anders: Es wird den Start-ups nichts geschenkt, alles muss mühsam erarbeitet, verdient und erdient werden. Es gibt leider keine gebratenen Tauben, die einem, wenn auch immer hochmotiviertem Macher in den Mund fliegen. Es gibt viele gute Ideen, es gibt viel Kapital und es gibt viel Rat und Hilfe. Aber euphorisches Hochjubeln und Herbeibeten nützt wenig, Ernüchterung und Sachlichkeit tun hingegen Not. Denn großartige politische Zeichen von ganz oben sind nicht an der Kimm auszumachen, das Gründerklima ist derzeit eher frostig. Und viele, die über Existenzgründung hierzulande reden und schreiben, wissen nicht oder vergessen dabei, wie es in der Praxis des kleinen Unternehmensalltags tatsächlich zugeht.

Natürlich gilt es im Umfeld der Gründung Formalien möglichst professionell auszuführen, denn der Kreis der letztlich Erfolgreichen ist leider eng. Und auf diejenigen, die den Hürdenlauf der Unternehmensgründung schnell absolvieren, warten dann die Alltagsprobleme, die immer noch die meisten unter den Jungen und Neuen in den ersten drei Jahren scheitern lassen. Der Jungunternehmer muss sich erstmal um seine Kunden kümmern und Geld verdienen. Das hat zu Anfang absolute Priorität. Wirtschaft und Existenzgründung auf einen Rundumschlag verwertbar auf einen brauchbaren Nenner zu bringen, kommt angesichts der komplexen Zusammenhänge und gigantischer Branchenunterschiede der Quadratur des Kreises gleich.

Geschäftsideen zum Nachmachen

Auf der Suche nach der all-seelig-machenden Geschäftsidee ist so mancher Gründungswillige schon verzweifelt. Nicht so Verlagsgründer Norman Rentrop aus Bad Godesberg: Vor weiland 30 Jahren nahm er professionell die Spur auf und gründete kurzerhand ein Magazin mit dem gleichlautenden Titel

„Die Geschäftsidee“.

So einfach und klar: Was drauf steht, ist auch drin! Ein genialer Schachzug seinerzeit, der im Verlagswesen großes Aufsehen erregte. Akribisch beschrieben dort Redakteure die entdeckten Ideen mit ihren jeweiligen Marktchancen und mit vielen Tipps zur Umsetzung. Clever fügte Rentrop noch eine Verkaufsidee hinzu, das Magazin gab's nur im Abo. Mit einer verkauften Auflage von bis zu 20.000 Exemplaren machte der Sohn eines Steuerberaters und Bundestagsabgeordneten das große Geld und baute mit diversen anderen Abo-Projekten und Magazinen einen florierenden Verlag auf.

Von Franchise-Ideen und Quoten

Schon damals identifizierte Norman Rentrop für seine diversen Objekte das Franchising als bedeutenden Zukunftsmarkt. Aber auch heute gilt, wer noch irgendwo den berühmten Blumentopf als selbständiger Unternehmer gewinnen will, dem bietet gerade der Franchise-Sektor Möglichkeiten en masse. Aktuelle Beispiele von der Franchise-Expo'19: Dogstyler verkauft hochwertiges Equipment für kleine Haustiere, MyAppCafé kredenzt mittels Roboter im Container vollautomatisch Espresso und Cafe-Latte, Yellowcorner bietet limitierte Fotokunst und badische Gründer ein Flammkuchen-System für Events. Mit der richtigen Motivation und einer Spur Hartnäckigkeit lässt sich manche Franchise-Idee zu einer profitablen Existenz ausbauen. Wer als Existenzgründer folglich in die Hände spuckt, in den identifizierten Zielgebieten des Franchising-Marktes seine Chancen nutzt und sofort die Claims absteckt, hat denkbar gute Aussichten, erfolgreich zu sein: Nach Untersuchungen der KfW sind öffentlich geförderte Franchise-Gründer sehr stabil.

Von allen seit 1988 geförderten Franchise-Unternehmen sind heute noch neun von zehn Geförderten am Markt tätig.

Der KfW-Gründungsmonitor 2019 prognostiziert allerdings auch ein Ende der Talfahrt im Gründergeschehen hierzulande. Alljährlich ermittelt die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW die Gründertätigkeit. Nach rückläufigen Jahren scheint jedoch diese Entwicklung nun gestoppt: Die gute Konjunktur sorgte für Impulse.

Mit im Rennen: 55 Plus

Die seit Jahren rückläufige Gründungstätigkeit in Deutschland hatte sich 2018 stabilisiert: Mit 547.000 Existenzgründungen wagten kaum weniger Personen den Schritt in die Selbständigkeit als im Vorjahr (-10.000 bzw. -2 Prozent). Die Gründerquote (Gründer pro 100 Erwerbsfähige) liegt kaum verändert bei 1,06 Prozent und hält sich somit weiterhin knapp oberhalb der 1 Prozent-Marke, wie der aktuelle KfW-Gründungsmonitor zeigt. Das Ergebnis: 547.000 Personen machten sich 2018 selbständig, Gründerquote stabil bei 1,06 Prozent, Neugründungen dominieren, Übernahmen legen zu. Mut machen Zahlen zur Gründung 55 Plus. Deshalb brechen wir eine Lanze für kompetente „Jung-Unternehmer“, gleich welchen Alters. Früher bestehende Altersbeschränkungen in den Förderprogrammen werden daher sukzessive gestrichen.

Zwar sehen die Auguren im KfW-Gründungsmonitor insgesamt wieder mehr Personen, die eine Gründung ernsthaft planen – was ein gutes Omen ist. Doch die Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung senden in Summe aber ein negatives Signal. Wie sich die Zahlen in 2021 entwickeln, steht also noch in den Sternen.

Solo für Querdenker

So ermittelte das Bonner Institut für Mittelstandsforschung IfM: Bringen einzelne Existenzgründungen neue Ideen und technologische Innovationen zur Marktreife, sorgt dies dafür, dass die etablierten Unternehmen kontinuierlich in Forschung und Entwicklung (FuE) investieren müssen, um nicht von den jungen Unternehmen ins Abseits gedrängt zu werden. Resümierend stellt das IfM fest, dass das aktuelle Gründungsgeschehen die Entwicklung im Mittelstand generell widerspiegelt. Beides ist im Umbruch – beides macht die Unternehmenslandschaft vielfältiger: Neben den klassischen Unternehmensgründungen finden sich zunehmend Soloselbstständige und technologische Start-ups. Von dieser Vielzahl an kreativen Gründern und Querdenkern wird Deutschland zweifellos auch in Zukunft profitieren – schließlich gehen von ihnen wichtige Impulse für eine permanente Erneuerung und Modernisierung der Wirtschaft aus.

Erprobtes Geschäftskonzept im Franchising

Franchising allein ist jedoch auch kein System ohne Risiken; es ist nicht auf die "schnelle Mark" ausgelegt - weder für Franchise-Geber, noch für Franchise-Nehmer. Die Herausforderung für Franchise-Geber, ein Franchise-System zu organisieren, besteht darin, hochmotivierte Mit-Unternehmer und zusätzliches Kapital für die Expansion zu gewinnen. Franchising seriös organisiert – verlangt dabei zunächst erhebliche Aufwendungen des Franchise-Gebers. Das Ergebnis ist wenn alles gut geht – eine erprobte Geschäftskonzeption und ein im Detail niedergelegtes Geschäftskonzept im Franchise-Handbuch, der sogenannten Franchise-Bibel. Diese Vorarbeit ist teuer. Experten rechnen mit Aufwendungen von mindestens ca. einer Million Euro selbst zu leisten.

Franchise-Nehmer: Kostenteilung und Arbeitsteilung Vorteilhaft für Franchise-Nehmer ist, das Know-how und die Erfahrung des System-Gebers übernehmen zu können, dessen erprobte und erfolgreiche Produkte oder Dienstleistungen.

Der Nehmer trifft seine Investitionsentscheidungen also unter größtmöglicher Sicherheit, profitiert von der Kostenteilung für Marketingausgaben, von Arbeitsteilung mit dem Franchise-Geber und erhält dadurch die Möglichkeit, sich auf die absolut wichtigste Aufgabe, nämlich den Kunden konzentrieren zu können.

Die zumeist jungen Existenzgründer können aus eigenen Mitteln in der Regel nur einen Bruchteil der Investitionssumme – das durchschnittliche Franchise-Investment liegt bei 50, - 100.000 Euro – aufbringen. Für viele von ihnen bleibt nur eine Geldquelle – der staatliche Fördertopf. Eine erste Adresse für Franchisegründer ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW in Frankfurt, die maßgeschneiderte Investitionskredit für den Auf- und Ausbau der Betriebe liefert.

Qual der Wahl

Selbständige, die sich unter den obengenannten Prämissen in ein Franchise-System einkaufen wollen, stehen vor der Qual der Wahl: Über 1.000 Systeme operieren am Markt. Davon sind etwa gut 300 im Deutschen Franchise-Verband DFV organisiert, der sich mit eigenen Aufnahmerichtlinien die Aufgabe gestellt hat, mit einem System-Check und einem Gütesiegel die Mitglieder zu prüfen.

Doch wie bei jeder Existenzgründung gibt es erst einmal eine Anlaufphase zu überwinden. Das erforderte nicht nur Geduld, sondern auch erfolgsbewährte Instrumente und insbesondere das nötige Geld für umfassende Werbemaßnahmen. Denn nicht ohne Grund scheitern die meisten Selbständigen insgesamt in den ersten drei Jahren.

Gemeinsame Ziele bestimmen das partnerschaftliche Verhältnis: Im Mittelpunkt des Interesses steht die Erfahrung (Dauer der Marktzugehörigkeit) und die derzeitige wirtschaftliche Situation. Damit wird dem Partner ermöglicht, die vereinbarten Ziele mit einer optimalen und vor allen Dingen effektiven Betreuungsleistung der Systemzentrale zu erhalten und sie weiter auszubauen. Eine ganzheitliche betriebswirtschaftliche Beratung sorgt außerdem dafür, dass sich die Partner selbst realistisch einschätzen können. Sie wählen dann im Einvernehmen mit der Franchise-Zentrale genau das Dienstleistungsniveau, das ihrer wirtschaftlichen Situation entspricht. Die Gebühren reichen dabei von so wenig wie 2 Prozent bis hin zu 9 Prozent. Eine Flexibilität, die im partnerschaftlichen Umgang mit den Franchise-Nehmern auch anderswo für Furore sorgen könnte.

Alle Experten am Start

Der entscheidende Vorteil der Firmengründung in ein Franchise-System Franchise-Betriebes besteht darin, dass hier - wie im großen Konzern - alle erdenklichen Stabstellen vorhanden sind. Vom Steuerberater, Marketingexperten, Verkaufstrainer, Personalfachmann bis zum Werbeexperten stehen dem Franchise-Unternehmer viele ausgewiesene Fachleute in der Franchise-Zentrale mit Rat und Tat zur Seite. Daher resultiert auch die niedrige Quote der Geschäftsaufgaben bei den Franchise-Nehmern. Doch bevor sich der Franchise-Nehmer auf ein Geschäftskonzept einlässt, sollte er dieses auf Herz und Nieren prüfen.

Knut Pauli | ADVISA Wirtschaftskommunikation | Franchising Mag., Punkt Franchise ©

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