Franchise Manager: Wer ist das?

Veröffentlicht am

letztes Update: 13/06/2019

franchise manager

Franchising ist eine Vertriebsart, die auf der gesamten Welt großen Anklang findet. Das System, das seinen Ursprung bereits im Mittelalter hat, fand erst in den 70er Jahren seinen Weg nach Deutschland. Es zeichnet sich durch die Zusammenarbeit des Franchisegebers mit seinen Franchisenehmern aus. Diese sollen die Expansion des Unternehmens vorantreiben und somit einen höheren Jahresumsatz garantieren.

Die Franchisenehmer sind selbstständige Unternehmer, welche die Gründung durch ihr eigenes Kapital finanziert haben. Dementsprechend tragen sie das finanzielle Risiko auch selbst. Durch die Partnerschaft haben sie zum Beispiel Zugriff auf den Namen, die Marke oder das Know How des Franchisegebers. Im Gegensatz dazu sind die Franchisenehmer dazu verpflichtet, bestimmte Abgaben, wie die Lizenzgebühr oder Marketinggebühren, an ihren Partner zu tätigen.

Je größer das Franchisenetzwerk des Franchisegebers wird, desto mehr Pflichten und Aufgaben sind mit dessen Organisation verbunden. Da diese unmöglich allein zu bewältigen sind, betraut der Franchisegeber Mitarbeiter mit dieser Tätigkeit. Diese entstandene Abteilung nennt sich die Systemzentrale und in dieser arbeitet der Franchise Manager.

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1. Das Tätigkeitsfeld des Franchisemanagers

Die Arbeit des Franchisemanagers ist vor allem geprägt durch die Betreuung der Franchisenehmer. Dies ist eine der wichtigsten Aufgaben in einem Franchiseunternehmen, die sich auf der unternehmenseigenen Prioritätenliste im oberen Bereich befinden sollte. Denn nur zufriedene Partner können sicherstellen, dass das Unternehmen einen hohen Jahresumsatz generiert und somit die ständige Expansion vorantreiben. Deren Betreuung ist also das A und O eines laufenden Franchiseunternehmens.

Die Akquisition

Um ein Franchiseunternehmen aufzubauen, benötigt man zunächst einmal Franchisenehmer. Die Akquisition der Franchisepartner ist die wichtigste Tätigkeit der Franchisemanager. Denn sie sind hauptsächlich dafür verantwortlich, das Unternehmen positiv zu präsentieren und zu vermarkten, um die zukünftigen Partner anzulocken und im Anschluss an sich zu binden.

Gleichzeitig müssen die Franchisemanager allerdings auch darauf achten, dass sie die richtige Wahl treffen. Den Franchisenehmer ist nicht gleich Franchisenehmer. Abgesehen von den finanziellen Voraussetzungen ist es bei vielen Unternehmen heutzutage gang und gäbe, dass die Bewerber entsprechende Qualifizierungen vorweisen müssen. In den meisten Fällen ist eine kaufmännische Ausbildung gefragt.

Manchmal verlangen die Franchisegeber aber auch Erfahrung im unternehmerischen Bereich. Auch wenn diese Vorgaben ausdrücklich in den Stellenbeschreibungen vermerkt sind, probieren es immer wieder Bewerber, die den Anforderungen nicht entsprechen. Um im weiteren Verlauf der Partnerschaft keine bösen Überraschungen zu erleben, muss der Franchisemanager also besondere Vorsicht bei der Auswahl des zukünftigen Existenzgründers walten lassen.

Abgesehen von den finanziellen Mitteln und den fachlichen Kenntnissen, spielen jedoch vor allem auch die charakterlichen Eigenschaften in die Wahl mit hinein. Als selbstständiger Unternehmer zu fungieren, ist eine Tätigkeit, deren Anforderungen nicht jeder umsetzen kann. Abgesehen von der großen Verantwortung und dem weiten Tätigkeitsfeld, ist das Unternehmertum von einer hohen Arbeits- und Stressbelastung geprägt. Der Franchisemanager muss in der Lage sein, die Kandidaten objektiv einschätzen zu können, um sicherzustellen, dass sie dem Druck standhalten können und die gewünschten Voraussetzungen erfüllen.

>> Welche Rolle spielen bisherige Erfahrungen für eine Gründung im Franchising?

Fortlaufende Unterstützung

Sind die passenden Bewerber ausfindig gemacht worden, beginnt der eigentliche Teil der Arbeit. Der zukünftige Franchisenehmer muss einen Businessplan erstellen, der nötig ist, um einen Kredit bei einer Bank zu erhalten. Der Franchisemanager greift dem Franchisenehmer bei dieser Arbeit tatkräftig unter die Arme, da das Unternehmen ja ebenso am Erfolg dieses Vorgangs interessiert ist. Hinzu kommt hierbei noch, dass der Franchisemanager meistens schon Kontakt zu einer Bank pflegt, die bereits seit mehreren Jahren die zukünftigen Franchisenehmer betreut. Das Finanzinstitut steckt aufgrund dessen schon tief in der Materie drin und verschafft den Kredit dementsprechend unter erleichterten Konditionen.

Sind die Finanzierungsfragen geklärt, geht es an die Gründung.

Die Niederlassung muss mit dem passenden Inventar und Sortiment ausgestattet werden. Weiterhin müssen Mitarbeiter eingestellt werden, welche die entsprechenden Anforderungen erfüllen. Der Franchisemanager hat hierbei eine beratende Funktion.
Im weiteren Verlauf der Zusammenarbeit wird dem Franchisenehmer das nötige Know How vermittelt, damit er sich in Zukunft selbstständig im unternehmerischen Alltag zurechtfinden kann. Er wird in die verwaltungstechnischen Prozesse eingeweiht, im administrativen Bereich geschult und über die aktuellen Marketingstrategien informiert. Die Kundengewinnung und vor allem die Kundenbindung stellen einen essenziellen Teil der geschäftlichen Tätigkeiten dar. Der Franchisemanager legt deswegen sehr viel Wert darauf, dass diese Punkte im Sinn des Franchisegebers umgesetzt werden.

Des Weiteren achtet der Franchisemanager darauf, dass die Serviceleistungen richtig ausgeführt werden. Sowohl die Abwicklung, als auch die Erfüllung der Aufträge sollte reibungslos ablaufen. Hierfür ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren nötig, wodurch sich gerade zu Beginn der Gründung Probleme ergeben können.

Für diesen Prozess müssen die Lieferung, die Produktion und der Vertrieb aufeinander abgestimmt werden, damit der Endverbraucher letztendlich die gewünschte Serviceleistung oder das geforderte Produkt kaufen kann. Um den problemlosen Ablauf zu garantieren und einzustudieren, zeigt der Franchisemanager deswegen gerade am Anfang vermehrt Präsenz in der neu eröffneten Filiale.

Die aktive und intensive Unterstützung der einzelnen Franchisenehmer findet mit dem Erreichen des Break Evens ein Ende. Dies wird als Zeitpunkt angesehen, zu welchem der Franchisenehmer bereits über ausreichend Erfahrung verfügt und von nun an den geschäftlichen Alltag zum größten Teil selbst bewältigen kann. Sollten sich im weiteren Verlauf der Zusammenarbeit trotzdem noch Fragen ergeben, steht die Systemzentrale natürlich trotzdem weiterhin zur Verfügung. Ab nun umfasst die Hauptaufgabe des Franchisemanagers jedoch vor allem die Kontrolle der Franchisenehmer.

Kontrollbesuche werden veranlasst, um zu überprüfen, ob die Partner im Sinne des Franchisegebers arbeiten. Dies betrifft die geschäftlichen Abläufe, aber auch vor allem die Unternehmensphilosophie. Der Franchisemanager überprüft dementsprechend, ob der Umgang mit der Kundschaft, den gesetzten Ansprüchen entspricht, ob die verpflichtenden Weiterbildungsmöglichkeiten wahrgenommen wurden oder ob die vom Staat vorgegebenen Gesetze und Regelungen eingehalten wurden.

Das Ende der Zusammenarbeit

Auch wenn dieses Thema gerne unter den Tisch gekehrt wird, als Unternehmer muss man auch stets damit rechnen, dass die Franchisenehmer die gemeinsame Zusammenarbeit irgendwann beenden. Dementsprechend ist es die Aufgabe des Franchisemanagers, sich auch mit der De-Rekrutierung zu beschäftigen. Es sollten dafür bereits die nötigen Formulare und Dokumente erstellt worden sein, auf die man in diesem Fall zurückgreifen kann. Auch wenn nicht jede Partnerschaft einvernehmlich endet, sollte der Franchisemanager stets auf einen angemessenen Umgangston achten und die Höflichkeit wahren.

Entwicklung

Während die Rolle des Franchisemanagers bei der Beratung und Hilfe der Franchisenehmer offensichtlich ist, laufen viele andere Aktivitäten des Franchisemanagers jedoch auch im Hintergrund ab.
Viele Franchisegeber haben sich beispielsweise dafür entschieden, die Buchhaltung zentral in der Systemzentrale bearbeiten zu lassen.

Dadurch ist der Franchisegeber stets auf dem aktuellen Stand und der Franchisemanager kann die erzielten Umsätze kontrollieren und miteinander vergleichen. Dementsprechend ist es der Systemzentrale im Anschluss möglich, umfassende Analysen zu verfassen, mit deren Hilfe der Umsatz der einzelnen Niederlassungen gesteigert werden kann. Dieses Verfahren entlastet gleichzeitig auch noch die Franchisenehmer, die sich in Folge dessen verstärkt auf Tätigkeiten in ihrer Filiale konzentrieren können.
Außerdem führt der Franchisemanager fundierte Analysen durch. Diese müssen nicht nur auf den Umsatz bezogen sein, sondern können sich ganz im Allgemeinen mit der Verbesserung des Systems auseinandersetzen. Schließlich gibt es immer Prozesse und Abläufe, die noch nicht völlig reibungslos ablaufen und verbessert werden müssen. Andererseits kann es natürlich auch vorkommen, dass manche Routinen mittlerweile veraltet sind und dringend innoviert und überarbeitet werden müssen.
Zusätzlich kümmert sich der Franchisemanager außerdem noch um die Suche nach passenden Standorten. Der Franchisegeber ist stets daran interessiert, sein Franchisenetzwerk zu vergrößern und hat bestimmte Ansprüche an die zukünftigen Niederlassungen.

Diese sollten über folgende Eigenschaften verfügen:
• Passendes Gebiet/Region
• Gute Infrastruktur
• Die Möglichkeit zur Belieferung
• Ausreichend Platz zur Expansion
• Vorhandensein der gewünschten Zielgruppe
Der Franchisemanager analysiert dementsprechend den Markt ausführlich, um den Wünschen des Franchisegebers nachzukommen.

2. Die Ausbildung zum Franchisemanager

Lässt man das Tätigkeitsfeld des Franchisemanagers Revue passieren, wird klar, dass dieser eine tragende Rolle im Unternehmen hat. Er ist Dreh- und Angelpunkt von unzähligen Abläufen und ist für die Betreuung der Franchisenehmer zuständig. Deren Unterstützung, Motivation, aber auch Kontrolle sind die Hauptaufgaben in einem Franchiseunternehmen. Im Laufe der Zeit wurden den Franchisegebern immer mehr bewusst, dass eine gut strukturierte Systemzentrale das A und O eines gut laufenden Franchiseunternehmens ausmacht. Dementsprechend ist es von enormer Wichtigkeit, dass die Systemzentrale mit qualifizierten Fachpersonal ausgestattet wird.

Im Zuge dessen entwickelte sich in den Jahren 1998/ 1999 der Zertifikatslehrgang Franchise-Management der IHK. Dieser Studiengang erstreckt sich über zwei Jahre und ist allerdings nicht für jeden geeignet. Die Bewerber sollten nämlich über mehrjährige Berufserfahrung verfügen und eine Ausbildung im kaufmännischen oder verwaltungstechnischen Bereich absolviert haben. Sind diese Voraussetzungen gegeben, können sie sich auf eine fundierte Ausbildung freuen.
Der Studiengang bereitet seine Teilnehmer ganz spezifisch auf die Arbeitsabläufe in einem Franchiseunternehmen vor. Den Studenten wird deswegen fachspezifisches Wissen vermittelt, das darauf abzielt die Teilnehmer in diesen Bereichen fit zu machen:

• Ursprung und Basiswissen des Franchisings
• Management von Partnerschaften
• Strategien und Konzepte für das Management
• Digitalisierung
• Einblicke in die rechtlichen Grundlagen und Voraussetzungen
• Streitschlichterprogramme

Nach erfolgreicher Absolvierung dieses spezifischen Studiengangs sind die Absolventen in der Lage, die Franchisegeber in deren unternehmerischen Alltag zu unterstützen, dass diese ihre Wünsche und Ziele in kürzerer Zeit und vor allem effektiver umsetzen können. Der Deutsche Franchise-Verband fördert und befürwortet diese Weiterbildungsmöglichkeit und rät jeder zukunftsorientierten Fachkraft dazu, diese Zusatzausbildung zu absolvieren. Denn die Absolventen machen sich selbst nicht nur attraktiver auf dem bestehenden Arbeitsmarkt, sondern haben auch noch bessere Aufstiegschancen.

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