Franchise ohne Eigenkapital: Eine gute Investition?

05.09.2017 10:20 | Ein Unternehmen gründen

Um den Traum sich selbstständig zu machen zu verwirklichen, greifen viele Gründer auf die Hilfe von Franchise zurück. Sie hoffen, durch das übergeordnete Franchise-Unternehmen schnellen Erfolg zu erlangen, indem sie Teil eines bereits erprobten Unternehmenskonzepts werden. Am Anfang jeden Unternehmens steht die Finanzierung - so auch beim Franchise. Die Gesamtsumme der Investition einer Franchise-Finanzierung setzt sich aus unterschiedlichen Kostenfaktoren zusammen. Mit der nötigen Einstiegsgebühr erkauft sich der Franchisenehmer das Recht, sich unter dem Dach des Geschäftskonzepts des Franchisegebers selbstständig zu machen. Diese beläuft sich meist auf eine Summe zwischen 5.000 und 20.000 Euro. Auch muss die Investitionssumme für Baumaßnahmen, Geschäftsausstattung, ggf. Konzessionsgebühren und einem Grundstock an Waren berücksichtigt werden. Je nach Art und Größe des Franchise kann diese Summe variieren. Neben den anfänglichen Investitionen kommen auf den Gründer noch die laufenden Franchisegebühren zu. Hinter diesen verbergen sich unter anderem die Kosten für Schulungen und Betreuung des Franchisenehmers, Gebietsschutz, Hilfe der Standortwahl usw. Üblicherweise wird vom Franchisenehmer erwartet, 20 Prozent der Gesamtinvestition durch sein Eigenkapital zu decken. Es gibt jedoch durchaus auch die Möglichkeit Franchise-Unternehmen ohne Eigenkapital zu gründen. Inzwischen häufen sich in diesem Bereich die Angebote, für den zukünftigen Franchisenehmer ist es jedoch sinnvoll, die Seriosität der Unternehmen zu prüfen.

Wie grenzen sich also Franchise Angebote ohne Eigenkapital von solchen mit Eigenkapital ab?

Franchise mit wenig Eigenkapital oder ganz und gar ohne sind größtenteils im Handel und Dienstleistungssektor angesiedelt. Diese Bereiche setzen nämlich kleine oder keine Ladenräumlichkeiten voraus, sondern ermöglichen die Arbeit vom Home Office aus. Auch Investitionen im Bereich Personalkosten, Wareneinsatz und Fuhrpark fallen meist weg und damit auch eine beträchtliche Investitionssumme. Systemgastronomie und Einzelhandel sind eher im Bereich des klassischen Franchise mit Eigenkapital angesiedelt, weil in diesen Sektoren die Anfangsinvestitionen deutlich höher sind.

Typische Beispiele für Franchise-Unternehmen mit geringem oder ohne Eigenkapital sind im Bereich der Unternehmens- oder Immobilienberatungen zu finden. Auch der Vertrieb von Dienstleistungen wie z. B. Handwerksarbeiten oder Reinigungsservices sind beliebt. Angebote im Bildungsbereich wie Studienkreis oder Schülerhilfe haben sich inzwischen fest am Markt etabliert. Auch wenn klassische Gastronomie für Franchise-Unternehmen ohne Eigenkapital aus oben genannten Gründen meist nicht umsetzbar ist, gibt es doch kleine oder mobile Lösungen wie z.B. Food-Trucks. Bei letzteren beträgt das erforderliche Eigenkapital häufig 0 Euro und die Franchisegebühr wird lediglich pro verkauftes Produkt berechnet. Diese Bedingungen machen die Selbstständigkeit als Franchisenehmer auch ohne Eigenkapital möglich.

Doch wie profitabel sind diese Franchise-Unternehmen mit wenig Eigenkapital?

Der Businessplan sollte nicht nur in Hinblick auf die Franchise-Finanzierung sorgfältig und detailliert erstellt werden. Neben dem vordergründigen Zweck, die Investitionskosten der Gründung vor Kreditgebern zu argumentieren, sollte er vor allem auch als eigener Leitfaden dienen. Der Franchisenehmer muss sich darüber bewusst sein, dass die finanzielle Erleichterung beim Start keine Einkommenssicherheit darstellt. Bis der sogenannte Break Even Point erreicht ist und das eigene Unternehmen wirklich Geld abwirft, kann es dauern. Deshalb sollten genügend Reserven vorhanden sein, um diesen Zeitraum zu überbrücken. Eine Franchise-Finanzierung ohne Eigenkapital ist möglich, hat aber auch ihre Tücken. Wenn man sich die Angebote in diesem Bereich des Franchise genauer anschaut, fällt auf, dass die Gesamtinvestition, die der Gründer zu tätigen hat, trotz verlockender Angebote mit wenig oder keinem Eigenkapitaleinsatz, recht hoch sind. Sprich es liegt an dem zukünftigen Franchisenehmer, eine passende Finanzierung auf die Beine zu stellen. Und ohne die Sicherheit des Eigenkapitals ist es ungleich schwerer, den nötigen Kredit gewährt zu bekommen. Auch sind die Zinsen, die die Banken für Kredite ohne Sicherheit einfordern, bedeutend höher. Es sollte ebenfalls berücksichtigt werden, dass der Franchisenehmer eventuelle Personalkosten und Wareneinsätze selbst zwischenfinanzieren muss, wenn der Erfolg auf sich warten lässt. Diese und ähnliche unvorhergesehene Probleme können den Franchisenehmer in eine ernsthafte Existenzkrise führen. Scheitern ist kein Muss, doch wahrscheinlicher als mit finanzieller Sicherheit.

Dennoch zeigen eine Reihe von am Markt etablierten Franchise-Unternehmen, die auch mit wenig oder keinem Eigenkapital in der Gründungsphase auskommen, dass dieses Konzept durchaus ein lukratives Geschäft darstellen kann. Der zukünftige Franchisenehmer sollte jedoch berücksichtigen, dass es eines großen Durchhaltevermögens und eines Quäntchen Glücks bedarf, um langfristig erfolgreich zu sein.

Die Vorteile einer Franchise-Finanzierung ohne nennenswertes Eigenkapital liegen auf der Hand. Es ist für den Gründer ein risikoarmes Geschäft, da der Verlust des Eigenkapitals zu keinem Zeitpunkt eine Rolle spielt. Ganz generell erleichtert Franchising die Finanzierung von Gründern erheblich. Da es sich um bereits am Markt bewährte und geprüfte Unternehmenskonzepte handelt, sind Kreditinstitute eher bereit, in Franchise-Modelle zu investieren als in die Idee eines unabhängigen Gründers. Auch ist es keine Seltenheit, dass die Franchisegeber selbst ihren Franchisenehmern finanziell unter die Arme greifen oder ihnen die Vorteile der eigenen Kooperationen mit Banken oder Investoren bieten. Dadurch wird der Kreditgebungsprozess positiv beeinflusst und beschleunigt. Gründer, die ein Franchise ohne Eigenkapital aufziehen wollen, greifen häufig auch auf Bürgschafts- oder Förderbanken wie die KfW zurück. Deren spezielle Programme sind auf Gründungskonzepte mit minimalem Eigenkapital ausgerichtet und haben geringe Zugangsvoraussetzungen. So erhalten auch die Gründer Kredite, die ein größeres Risiko mitbringen. Besonders interessant für die Franchise-Finanzierung sind hier die bekanntesten Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau: 058 Kredit – ERP-Kapital für Gründung, 067 Kredit – ERP-Gründerkredit – StartGeld und 068 Kredit – ERP-Gründerkredit – Universell.

Auch ist es möglich, bankenunabhängig zu finanzieren, wenn kein Eigenkapital zur Verfügung steht. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, ob man dem jeweiligen Investor Mitspracherecht einräumen möchte oder diesen lieber als stillen Teilhaber involviert. Wenn es sich bei einem potenziellen Investor nicht um ein großes Investment Unternehmen handelt, das man mit seinem Businessplan von hohen Renditen überzeugen will, kann man auch auf Crowdfunding zurückgreifen.

Auch die Mitgliedschaft im Deutschen Franchise-Verband e.V. ist empfehlenswert. Diese erleichtert die Kreditvergabe an Franchisenehmer.

Trotz zahlreicher Förderprogramme sollte nicht vernachlässigt werden, dass die Kredite dennoch an die Bonität der Kreditnehmer gekoppelt sind. Sprich es ist durchaus möglich durch Förderprogramme an Kredite zu gelangen, jedoch werden diese über einen langen Zeitraum und mit teuren Zinsen bezahlt.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass es durchaus möglich ist, ein Franchise mit wenig Eigenkapital auf die Beine zu stellen und langfristig erfolgreich zu sein. Es sollte jedoch gut durchdacht sein und der potenzielle Franchisenehmer sollte einen langen Atem mitbringen.

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