Einen Franchisestandort übernehmen: Lohnt sich das?

24.06.2018 08:00 | Ein Unternehmen gründen

franchisestandort übernehmen lohnt

Ja, sicher. Viel besser kann die Ausgangslage doch nicht sein. Das Stammpublikum wartet schon ganz gespannt auf den frischen Wind, der alsbald durch die altbekannten Hallen weht, will vielleicht auch wissen, ob die bislang gewohnten Standards weiterhin eingehalten werden können. Das schafft zusätzliche Nachfrage, und die eingearbeitete Belegschaft ist darauf bestens vorbereitet. Es fehlt nur noch ein kluger Kopf, der seinen Vorgänger im Franchising angemessen und dauerhaft vertreten kann. Und damit tauchen erste Probleme auf.

Das Franchising dient nicht zuletzt der eigenen Profilierung

Jeder, der neu anfängt, will auch seinen persönlichen Stil durchsetzen und könnte damit scheitern. Sowohl Mitarbeiter als auch Kunden sind an das gewöhnt, was bisher geschah, und könnten auf Änderungen empfindlich reagieren. Spielen Sie nicht die Axt im Walde, wenn Sie einen Franchisestandort übernehmen wollen, tasten Sie sich behutsam an Neuerungen heran. Verstehen Sie zunächst einmal, warum der Laden lief, bevor Sie alles auf den Kopf stellen, und streben Weitergehendes von einer gesicherten Grundlage aus an. Sollte das jedoch kaum möglich sein, weil der Betrieb keineswegs zur vollsten Zufriedenheit geführt worden ist, dann haben Sie noch mehr zu tun. Sie müssen erst einmal einen Scherbenhaufen beiseite kehren, bevor Sie neu dekorieren können.

Ein Neuanfang kann auch im Franchising von Vorteil sein

Das bietet jedoch gleichzeitig eine Chance, die einem nicht immer gegeben wird. Auf Ruinösem lässt es sich trefflich pflanzen, jede zarte Blüte erscheint beinahe schon wie ein kräftiger Spross, es müssen keine Erwartungen erfüllt werden, die hoch angesiedelt sein können.

  • Hier ist wahre Aufbauarbeit zu leisten,
  • die auf denjenigen zurückfällt, der sie zustande bringt
  • und nicht im Schatten der Vergangenheit agieren muss.

Ein Image, das am Boden liegt, lässt sich leichter aufpolieren als eines, das schon seit Menschengedenken in den prächtigsten Farben strahlt. Das ebenfalls übernommene Team allerdings könnte Ihnen einen markanten Strich durch diese Rechnung machen. Sie können kaum davon ausgehen, dass es besonders motiviert sein wird.

Wenn alles darniederliegt, sind leichter Akzente zu setzen

Dann müssen Sie entweder eine Zäsur verkünden und auch zeigen, dass Sie es ernst meinen damit, oder Sie tauschen den Bestand, sofern er überhaupt noch vorhanden ist, komplett aus. Machen Sie Tabula rasa, tun Sie so, als wäre nichts gewesen und fangen bei null an. Anders sieht es aus, wenn der vorherige Franchisenehmer in allen Ehren grau geworden ist. Dann können Sie noch manches von ihm lernen, auch wenn Ihnen das auf die Nerven gehen sollte. Halten Sie sich ein bisschen zurück und kehren den starken Mann erst dann hervor, wenn Sie sämtlichen Tricks auf die Schliche gekommen sind. Das erfordert Geduld, spart aber viel Zeit und Liebesmüh, es könnte Sie durchaus vor einer Niederlage bewahren, die drohen mag, wenn man zu forsch vorgeht.

Machen Sie es sich nicht schwerer, als es sein muss

Je schneller Sie eingearbeitet sind, desto mehr können Sie indes von den eingeheimsten Vorleistungen profitieren. Hier und da verbessern Sie noch dies und das, wenn Sie genau wissen, dass es funktionieren müsste und sonnen sich ansonsten in Erfolgen, die Sie nicht zu vertreten haben, aber auch nicht gefährden. Das kann eine größere Leistung sein als bereits Bewältigtes, es erfordert nämlich, dass man sich nach den Gegebenheiten richtet. Alles umzustürzen mag in den Augen mancher beeindruckender erscheinen, doch wenn man damit vor die Wand läuft, ist nicht viel gewonnen. Lohnender kann es sein, die vorliegende Situation akribisch zu analysieren, um ganz gelassen und mit kühlem Kopf seinen Nutzen daraus zu ziehen.

Seien Sie schau und einfühlsam, nicht radikal

Was längst erledigt ist, muss man nicht erneut angehen, sondern kann sich die nötige Zeit dafür lassen, Lücken gezielt aufzuspüren. Sie sind umso wirkungsvoller zu füllen, je intensiver man sich in die Materie vertiefen kann, als Versuchsballon bergen Sie die Gefahr, zu platzen. Sie sollten freilich auch nicht den Eindruck erzeugen, Sie würden sich lediglich in ein gemachtes Nest legen. Bringen Sie Ihre Persönlichkeit dort zum Ausdruck, wo es nicht schadet, interessieren Sie sich für Ihre Mitarbeiter, die Sie ja erst noch kennenlernen müssen. Saugen Sie vorhandene Strukturen in sich auf, studieren Sie Mechanismen, die jenseits des Tagesgeschäfts wirksam sind. Erst wenn Sie alle Geheimnisse aufgedeckt haben, dürfen Sie darangehen, das aus Ihrem Wirkungskreis zu verbannen, was Sie stört.

Nach allen Seiten hin geschickt absichern

Schließlich und endlich wird Ihnen auch der Franchisegeber beständig mehr oder weniger im Genick sitzen. So gänzlich frei schalten und walten können Sie nur mit seiner Zustimmung. Stecken Sie die Grenzen ab, bevor Sie sich auf das Abenteuer einlassen, geben Sie sich keinesfalls mit halbherzigen Verlautbarungen zufrieden. Sie müssen Ihre Möglichkeiten kennen, wenn Sie davon Gebrauch machen wollen, und dürfen nicht erst hinterher feststellen, dass Sie sich vergaloppiert haben. Voller Euphorie oder einer spontanen Eingebung folgend in die Wege Geleitetes kann üble Folgen nach sich ziehen, sollte es nicht wie auch immer abgesegnet gewesen sein.

Zwischen den Fronten klug taktieren

Sie können sich nicht jeden kleinen Schritt genehmigen lassen, sich aber auf Vereinbarungen berufen, die vielleicht in Ihrem Sinne zu interpretieren sind. Sollten Sie sich dabei jedoch verschätzt haben, wird man Ihnen das lange ankreiden und Ihre Mittel der Einflussnahme womöglich weiter einschränken. Das kann Ihnen jedoch auch passieren, wenn Sie einen Standort neu eröffnen, und dort ist das Risiko oft noch größer. Es kommt mitunter einer Gratwanderung gleich, zwischen verschiedenen Interessen abzuwägen und sich dabei nicht aufzureiben. Nehmen Sie jede Gelegenheit wahr, sich zu profilieren, aber nicht um den Preis, dass Sie damit Ihre Bewegungsfreiheit beschneiden.

Entwickeln Sie Spürsinn

Einen bestehenden Franchisestandort zu übernehmen kann sich mächtig lohnen, sofern die Bedingungen stimmen und man dafür wie geschaffen ist. Doch auch dann, wenn Sie grundsätzlich eher Abstand nehmen sollten von dieser Variante beim Franchising, empfiehlt sich ein Blick hinter die Kulissen, um die Besonderheiten des Einzelfalls entsprechend zu würdigen. Große Belastungen können Sie erwarten, es ist aber ebenso gut möglich, dass Sie auf ein Goldgrube stoßen, für deren Erhalt nicht außerordentlich viel zu tu ist. Das zu erkennen, zeigt Ihre Qualität als Unternehmer. Man muss einen Riecher dafür haben, was sich über die Maßen rentiert.

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