Ein Franchise übernehmen: Wie geht man dabei vor, um Komplikationen zu vermeiden?

29.05.2018 07:30 | Ein Unternehmen gründen

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Was kann denn schon passieren? Alles ist sorgsam vorbereitet, die Mannschaft eingeübt und braucht nur einen neuen Boss, weil der Vorgänger sich ordnungsgemäß verabschiedet hat. So reibungslos kann es laufen im Franchising, doch oftmals nur dem Buchstaben nach. Möglich ist auch, dass Sie in überwiegend gequält lächelnde, abwartend skeptisch dreinblickende Gesichter schauen, wenn Sie sich in eigener Person präsentieren. Da nützen keine warmen Worte und kein Hurrageschrei, hier ist Überzeugungsarbeit zu leisten.

Wenn Sie als Neuling nicht akzeptiert werden beim Franchise übernehmen

Womöglich denken alle mit Wehmut an den alten Chef zurück, vielleicht hat er sie auch kaltlächelnd verlassen, und Sie müssen das nun ausbaden. Es kann auch sein, dass er wie ein Despot in seinem kleinen Imperium zu herrschen wusste und man nun nur noch Schlimmeres befürchtet. Auf dieser Ebene ist eine Einigung nur sehr schwer möglich. Ebenso, wie Sie Ihre übernommenen Mitarbeiter erst einmal näher kennenlernen müssen, sollten auch sie Ihnen eine faire Chance geben. Bleiben Sie sachlich im Tonfall bei der Begrüßung und halten den motivierenden Appell in Grenzen, Sie sind derjenige, der sich einfinden muss. Dabei sollten Sie jedoch keineswegs zu zögerlich auftreten, denn dann treibt man nur seinen Spaß mit Ihnen und das auch noch berechtigterweise.

Franchise übernehmen: Neue Besen können auch sanft gut kehren

Gehen Sie nicht gleich mit der Sense ran und schmeißen jeden raus, der Ihnen dumm kommt, studieren Sie das neue Umfeld aufmerksam und loten Ihre Möglichkeiten aus. Vielleicht gibt es jemanden im Team, der allzu gerne andere aufwiegelt, unter Umständen treffen Sie aber auch auf ein ausgleichendes Element. Sie könnten feststellen,

  • dass die Rollen nicht ganz so verteilt sind, wie Sie es sich wünschen würden,
  • dies müssen Sie beizeiten in Angriff nehmen.

Doch setzen Sie kein Karussell in Gang, auf dem einem nur schwindelig wird. Wenn Sie Änderungen vornehmen wollen, sollten sie begründet sein und allgemein nachvollziehbar. Sonst wagen Sie lieber einen radikalen Neuanfang als Franchisenehmer, der seine eigenen Maßstäbe setzt.

Personalfragen sollten stets fein säuberlich abgewogen sein

Es ist nicht sicher, dass ein radikaler Wechsel bis ins letzte Glied der Weisheit letzter Schluss sein soll. Auf eingearbeitete Kräfte verzichtet man nicht gern, sofern sie sich nicht gegenseitig ins Gehege kommen. Störende Faktoren jedoch müssen sie beseitigen, damit das Zusammenspiel des Ganzen nicht behindert wird. Verlassen Sie sich aber nicht auf Ihren ersten Eindruck, es könnte mehr dahinterstecken. Schauen Sie anfangs über Kleinigkeiten hinweg, lassen Sie sich etwas Zeit, um die Zusammenhänge zu verstehen. Sie sind derjenige, der hinzukommt und zunächst einmal etwas lernen soll. Vielleicht bitten Sie Ihre zukünftigen Mitarbeiter dabei um Hilfe, das kann besser sein, als routinierte Abwehrmechanismen mühsam aufbrechen zu müssen.

Holen Sie im Zweifelsfall die Zustimmung von oben ein

Wahrscheinlich hat Ihr Franchisegeber Sie hier und da schon vorgewarnt, möglich ist aber auch, dass er sich augenscheinlich davon überzeugen will, wie sehr Sie als Führungskraft geeignet sind. Das fällt in Ihren ureigensten Verantwortungsbereich, Sie sollten jedoch dennoch Rücksprache nehmen, bevor Sie gravierende Eingriffe in die Tat umsetzen. Eventuell treten Sie damit in eben das Fettnäpfchen, das eigens für Sie bereitgestellt worden ist. Handeln Sie nicht voreilig oder zu spontan, doch lassen Sie keinesfalls den Eindruck entstehen, Sie wären zu offensichtlich anstehenden Entscheidungen nicht fähig. Das wird man Ihnen lange ankreiden, und Sie können ihn nur durch vermehrte Anstrengungen aus der Welt schaffen, die zudem risikobelastet sind.

Schwierigkeiten bei außergewöhnlichen Vorgängen

Eine geregelte Übernahme im Franchising sollte jedoch problemlos über die Bühne gehen angesichts der Vielzahl von Beteiligten, die solidarisch daran mitwirken. Schwieriger kann es werden, wenn

  • der Vorherige einen außerordentlichen Abschied genommen hat oder
  • derselbe mit Ihren Vorstellungen nicht so ganz einverstanden ist.

Nehmen Sie gut gemeinte Tipps aus längjähriger Erfahrung geduldig zur Kenntnis, es wird schon etwas dran sein, und Sie können Erkenntnisse sammeln, die Sie sich sonst möglicherweise hart erarbeiten müssten. Bauen Sie keine Widerstände auf gegen das, was Ihnen bereitwillig entgegenkommt, aber nehmen Sie einen glatten Schnitt vor, wenn es Ihnen zu viel wird.

Das Zepter gehört einzig und allein in Ihre Hand

Sie müssen hier bestehen; alles, was war, mag seine Berechtigung haben, doch nun ist die Zukunft zu gestalten. Sie wären nicht da, wo Sie sind, wenn Sie das nicht könnten und brauchen sich dabei nicht hereinreden zu lassen. Schärfen Sie Ihr Profil, nicht unbedingt am ersten Tage, aber zögern Sie nicht zu lange, um keinerlei Missverständnisse zu fördern. Wenn man Ihnen zeigen will, wie’s geht, ist das sicher verständlich und vielleicht auch nur wohlwollend, doch wenn Sie erst einmal untergebuttert sind, haben Sie keine Chance mehr. Dann werden Sie sich fühlen wie das fünfte Rad am Wagen, es läuft doch wie geschmiert, und Sie sind eigentlich überflüssig. In Wirklichkeit aber müssten Sie jemand sein, der die Richtung vorgibt und nicht einer, der lediglich bei Laune gehalten werden will.

Wertschätzung auch zum Ausdruck bringen

Sich Anerkennung zu verdienen ist kein Pappenstiel, man wird es von Ihnen wissen wollen, ob Sie dazu in der Lage sind. Werfen Sie Ihre Persönlichkeit in die Waagschale, überzeugen Sie mit Souveränität, besonders in heiklen Lagen. Sollte die sich organisiert zugespitzt haben, müssen Sie das Übel an der Wurzel packen, nachdem Sie die Situation gemeistert haben. Verschaffen Sie sich den Respekt, der Ihnen gebührt, tappen Sie auch nicht in solche Fallen, mit denen nicht zu rechnen war. Sie müssen sich ohnehin auf Untergebene verlassen können, dürfen deren Unterstützung jedoch nicht überstrapazieren. Machen Sie keinen Hehl daraus, dass Sie wertvolle Mitarbeiter zu schätzen wissen.

In Harmonie Höchstleistungen erzielen

Es ist ein Geben und ein Nehmen im Franchising, der eine bekommt manchmal etwas mehr, ein anderer geht auch mal leer aus. Entscheidend ist, dass die eingeschlagene Route stimmt, wie auch immer Sie es anstellen, davon nicht abzuweichen. Sie bestimmt jedoch nicht nur ein vorzeigbares Zahlenwerk, es kommt auch auf sein Zustandekommen an. Man will es doch miteinander aushalten können, wenn viel verlangt wird und jeder Handgriff sitzen muss. An Ihnen liegt es, dafür zu sorgen, auch wenn es gelegentlich unvorstellbar erscheinen sollte.

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