Franchise Vorurteile: Was wirklich wahr ist

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Franchising ist mittlerweile eine beliebte Alternative zur Unternehmensgründung im Alleingang. Die Vorteile, die die Franchisewirtschaft mit sich bringt, überzeugen jedes Jahr mehr Menschen davon, sich in die Selbstständigkeit zu wagen. Verminderte Risiken und die Unterstützung der Franchisezentrale sind unter anderem verlockende Argumente für eine Franchisepartnerschaft. Doch mit steigender Beliebtheit kommt auch zunehmend Kritik auf. Welche Vorurteile gibt es über Franchising eigentlich, und wie viel Gewicht sollte diesen gegeben werden?

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Jede Münze hat zwei Seiten

Es gibt bei jedem Geschäftsmodell Vor- und Nachteile, die vor der Gründung beachtet werden sollten. Eigentlich handelt es sich dabei weniger um Vor- und Nachteile, und vielmehr um Charaktereigenschaften, die für jeden Interessenten individuell als gut oder schlecht gewertet werden. Jede Münze hat zwei Seiten, und so auch Franchising. Folgende Punkte können je nach Sichtweise entweder negativ oder positiv gesehen werden:

  • Bestehende Geschäftsidee
  • Einheitliches Auftreten der Marke
  • Kooperation mit einem Franchisesystem
  • Arbeitsteilung mit der Franchisezentrale

Bestehende Geschäftsidee

Die Tatsache, dass keine eigene Geschäftsidee entwickelt werden muss, kann von zwei Seiten betrachtet werden. Für viele Gründer ist dies einer der größten Vorteile, den sie sich von der Zusammenarbeit mit einem Franchisegeber erwarten. Sie müssen keine eigene Idee entwickeln und vermarkten. Kritiker merken jedoch an, dass damit Kreativität und Individualität verloren gehen. Wenn ein System, eine Marke, sich mit dem gleichen Produkt immer weiter ausbreitet, werden, ihrer Meinung nach, kleinere, individuelle Betriebe verdrängt.

Einheitliches Auftreten der Marke

Damit, und durch das einheitliche Auftreten der einzelnen Betriebe eines Franchisesystems kann die Individualität von Unternehmen verloren gehen. Doch auch hier kann man wieder durchaus positive Eigenschaften finden. Die Verbreitung eines Konzeptes kann die Verbreitung einer guten Idee bedeuten, die sich nicht umsonst durchgesetzt hat. Ein Betrieb ist ja nicht grundlos erfolgreich. Somit kann sich eine Marke verbreiten, nach der ein hohes Maß an Nachfrage gegeben ist. Auch die positiven Botschaften der Franchisesysteme können sich mit ihren Betrieben ausbreiten. Es gibt beispielsweise viele Systeme, die großen Wert auf die Themen Umwelt, soziale Verantwortung und Gesundheit legen. Die Verbreitung dieser Betriebe könnte also einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft leisten.

Kooperation mit einem Franchisesystem

Die Kooperation, die beim Eintritt in ein Franchisesystem entsteht, basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Um dieses zu gewährleisten, ist eine enge Zusammenarbeit notwendig. Diese wird von einigen Menschen kritisch betrachtet. Sie befürchten eine Einschränkung ihrer Unabhängigkeit. Auf der anderen Seite kann argumentiert werden, dass dieses gegenseitige Vertrauen eben genau das ist: gegenseitig. Es soll dabei ja nicht nur etwas für den Franchisegeber herausspringen, sondern auch der Partner soll zufriedengestellt werden. Der Franchisenehmer ist vielleicht nicht ganz so unabhängig, wie der Einzelkämpfer in der Start-up Gründung, dafür hat er aber den Rückhalt des Franchisegebers.

Arbeitsteilung mit der Franchisezentrale

Viele Gründungsinteressenten befürchten, mit der Arbeitsteilung ihre Entscheidungsfähigkeit zu verlieren. Ein Start-up Gründer, der sich ganz alleine in die Existenzgründung wagt, muss sich, vor allem am Anfang, um alles selbst kümmern. Dafür kann dieser Unternehmer auch alles alleine entscheiden. Niemand schaut ihm über den Rücken und er kann tun und lassen, was er will. Dazu gehört aber leider oft auch das Scheitern. Denn nicht ohne Grund werden bei einer Franchisepartnerschaft gewisse Aufgaben von der Zentrale übernommen. Diese hat Erfahrung im Umgang mit gewissen Tätigkeiten, wie Marketing und Organisatorischem und kann damit den Franchisenehmern weiterhelfen. Darüber hinaus können sich diese dadurch auch besser um andere Bereiche, wie die Geschäftsführung, Personalleitung und den Kundenkontakt kümmern.

Quid pro quo

Der Einwand, Franchising sei ein Geschäftsmodell, das seine Partner finanziell ausnutze, ist heute weit verbreitet. Doch handelt es sich hierbei um ein unberechtigtes Vorurteil, oder die harte Wahrheit? Folgende finanziellen Leistungen müssen in der Regel von Franchisenehmern erbracht werden:

  • Einmalige Eintrittsgebühr
  • Laufende Franchisegebühr
  • Marketinggebühr

Diese Leistungen können jedoch von System zu System variieren. Es gibt mittlerweile Unternehmen, die keine Eintrittsgebühr verlangen, oder auf die Marketinggebühr verzichten. Die meisten Systeme verlangen einen Prozentsatz des Nettoumsatzes Ihrer Partner als monatliche Franchisegebühr. Dieser kann aber stark variieren und hält sich in Deutschland etwa zwischen 1 und 15 % auf. Dabei ist zu beachten, ob das Franchisesystem selbst Produzent ist, denn dann fallen die laufenden Gebühren eher geringer aus. Bei Dienstleistern liegt der Wert des Systems jedoch vermehrt im Know-how des Betriebs und die Gebühren sind oft etwas höher. Die Unterschiede in der Höhe der Gebühren können auch branchenabhängig sein. Einige Franchisesysteme verlangen, anstatt eines Gewinnanteils, eine fixe Gebühr von Ihren Partnern, und manche verzichten sogar völlig auf eine laufende Franchisegebühr. Die finanziellen Leistungen können demnach also stark variieren.
Doch das Geld, das hier bezahlt wird, fällt natürlich nicht in ein großes schwarzes Loch. Die Franchisenehmer erhalten hierfür einiges an Gegenleistungen, darunter:

  • Etablierte Marke
  • Erprobtes Geschäftskonzept
  • Netzwerk
  • Know-how
  • Schulungen
  • Marketing- und Werbekonzepte
  • Unterstützung der Systemzentrale

Wenn man betrachtet, was die Partner alles im Gegenzug für ihren finanziellen Beitrag bekommen, erscheinen die Gebühren auf einmal nicht mehr so hoch. Als Erstes muss bedacht werden, wie viel ein erprobtes Geschäftskonzept mit einer etablierten Marke wert ist. Start-up Gründer kämpfen oft jahrelang mit der Etablierung ihres Produktes oder ihrer Dienstleistung am Markt. Franchisenehmer hingegen können sich bequem mit einem Konzept selbstständig machen, das vom Franchisegeber entwickelt und von anderen Franchisepartnern erprobt wurde. Das erleichtert nicht nur den Start in die Gründung, sondern beschleunigt diese auch erheblich. Es kann in der Regel viel schneller ein Gewinn erzielt werden.

Auch werden Leistungen bezahlt, für die das Franchisesystem selbst Geld ausgeben muss. Darunter fallen etwa verschiedene Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen, sowie die Entwicklung von überregionalen Marketing- und Werbekonzepten.

Zu guter Letzt werden mit den Gebühren auch wertvolle Gegenleistungen wie das Know-how des Betriebes erworben. Die Erfahrungen der einzelnen Franchisepartner und des Systems, die in der Systemzentrale gesammelt werden, werden an alle neuen Franchisenehmer weitergegeben und sind unverzichtbar für die erfolgreiche Umsetzung des Geschäftsplans.

Jedem das Seine

Im Grunde ist die Frage nach den Vor- und Nachteilen eines Geschäftsmodells viel mehr eine Persönlichkeitsfrage für den Gründer. Jede Person muss für sich selbst feststellen, was wichtig ist. Dabei gilt es, Prioritäten zu setzen und deren Konsequenzen zu akzeptieren. Vollkommen unabhängig ist nur, wer sich auf eine einsame Insel zurückzieht. Ansonsten ist man immer von gewissen Instanzen abhängig. Wer die vermehrte Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit der eigenständigen Start-up Gründung will, muss mit den Schwierigkeiten rechnen, die diese mitbringen. Wem es jedoch wichtiger ist, mit Rückhalt und Unterstützung in die Selbstständigkeit zu starten, der ist bei einem Franchisesystem sicher gut aufgehoben.

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