Franchisenehmer Definition - Was ist ein Franchisenehmer?

04.09.2017 18:00 | Ein Unternehmen gründen

Was ist ein Franchisenehmer?

Franchising ist zu einem der erfolgversprechendsten Vertriebsformen für Unternehmen geworden. Der größte Vorteil für Franchisenehmer und -geber ist bei diesem Modell der, dass jede Partei die eigenen Risiken reduzieren kann, während die Erfolgschancen gleichzeitig steigen.

Um zu verstehen, was ein Franchisenehmer ist, welches seine Vor- und Nachteile, Rechte und Pflichten bei der Übernahme von Unternehmenskonzessionen sind, kann man die Definition des Deutschen Franchise-Verbandes e.V. heranziehen. Danach ist Franchising „ein auf Partnerschaft basierendes Absatzsystem mit dem Ziel der Verkaufsförderung“.

Durch die Abgabe an Produkt- und Namensrechten etwa, kann ein Unternehmen sich relativ risikoarm eine Vielzahl von Standorten aufbauen. Der Franchisenehmer bezahlt seinen Franchisepartner hingegen für diese Rechte. Während der Franchisegeber für die Organisation und Konzeptionierung verantwortlich ist, verpflichtet sich der Franchisenehmer ihm gegenüber stets im Sinne und gemäß den Vorgaben des Unternehmens zu handeln.

Wodurch sich ein Franchisenehmer definiert

Um die „Definition Franchisenehmer“ wirklich festzulegen, muss man sie aus zwei Blickwinkeln betrachten.

Einerseits ist da der rechtliche Aspekt, gemäß dem ein Franchisenehmer als selbstständiger Unternehmer gewertet wird. In Deutschland bedeutet das neben einer Änderung des Versicherungsschutzes auch, dass der Franchisenehmer von seinem Franchisepartner haftbar gemacht werden kann. Das liegt darin begründet, dass Unternehmen die Franchiseverträge in der Regel als juristische Personen eingehen. Franchisenehmer hingegen – als natürliche Personen – haften bei Vertragsabschluss persönlich und uneingeschränkt, wenn die Franchisefiliale durch ihr Verschulden scheitert.

Andererseits spielt bei der Definition eines Franchisenehmers auch sein unternehmerisches Profil eine Rolle. Während er rechtlich also selbstständig ist, ist sein Franchisepartner in allen unternehmerischen Entscheidungen stets weisungsbefugt. Das schränkt zwar den Handlungsspielraum bis zu einem gewissen Grad ein, jedoch gibt er damit die Verantwortung an Erfolg oder Misserfolg von Unternehmensstrategie, -auftreten, Werbe- und Handlungsschemen an das Franchiseunternehmen ab.

Für die Nutzung von Marke, Logo, Produktpalette und Unterstützung durch das Unternehmen bezahlt der Franchisenehmer während der Vertragslaufzeit bis zu drei unterschiedliche Gebühren:

1. Die Eintrittsgebühr in das Franchisesystem muss er vor Vertragsabschluss nachweisen. Die Höhe dieser Gebühr variiert und kann vom Unternehmen selbst festgelegt werden.

2. Während der Vertragslaufzeit bezahlt der Franchisenehmer außerdem laufende Gebühren, die ihn zur Nutzung von Logo, Namen und Produkte seines Franchisepartners berechtigen.

3. Die Werbegebühr; entweder in Form einer wiederkehrenden Pauschale oder als Bestandteil der Lizenzgebühren. Als günstiger für den Franchisenehmer erweist sich meist die erste Variante.

Welche Vorteile hat ein Franchisenehmer?

Das Franchisesystem ist vor allem dann eine gute Alternative, wenn die angestrebte Selbstständigkeit möglichst risikoarm gestaltet werden soll oder muss. Allerdings muss ein Franchisenehmer auch bereit sein, einige Entscheidungsfreiheiten und Verantwortlichkeiten an den Franchisepartner abzugeben bzw. sein Mitspracherecht an der Corporate Identity zu haben. Das kann ein großer Vorteil sein, weil es den Erfolgsdruck auf eine einzelne Person mindert.

Die Vorteile für den Franchisenehmer auf einen Blick

• Franchising ist auch für Quereinsteiger mit Kenntnis über Betriebswirtschaftsgrundlagen interessant und realisierbar.

• Die Gründungskosten sind deutlich geringer als bei einer eigenen Existenzgründung. In Deutschland liegen sie im Durchschnitt bei etwa 10.000 €.

• Sollte dennoch Bedarf an einem Gründerkredit bestehen, hat der Franchisenehmer meist eine gute Verhandlungsposition bei Banken, weil

1. die Kreditsumme geringer ausfällt, als bei einer regulären Selbstständigkeit und

2. die Erfolgschancen bei einer Franchisegründung höher sind, weil auf ein bestehendes und in der Regel bewährtes System aufgebaut wird.

• Der Franchisenehmer erhält Unterstützung durch den Franchisepartner, etwa bei der Standortauswahl und -sicherung, Einrichtung des Ladenlokals, Marketingmaßnahmen, usw.

• Der Franchisegeber bildet den Franchisenehmer und eventuelle Angestellte regelmäßig aus und weiter, um die Qualitätssicherung zu wahren.

• Leichterer Zugang zu Markt und Klientel ohne langwierige Testphasen oder Reputationsaufbau.

• Die Kosten für Produkteinkauf und Marketingaktionen werden zwischen den Franchisepartnern geteilt, was die Kosten für den Franchisenehmer reduziert.

Wie man Franchisenehmer wird

Vor dem Start in eine erfolgreiche Karriere als Franchisepartner steht zunächst einmal die Wahl des richtigen Unternehmens. Im Internet finden Interessierte eine Vielzahl an Portalen, auf denen Franchisegeber nach potenziellen Partnern suchen. Dort sind meist auch Informationen dazu hinterlegt, wie viel Selbstbeteiligung der Franchisenehmer bereitstellen muss, um die Lizenzbeteiligung zu erhalten.

Wichtiger als die Übereinstimmung der finanziellen Anforderungen mit den wirtschaftlichen Verhältnissen des interessierten Franchisenehmers ist aber ob Franchisenehmer und Franchisegeber auf anderer Ebene zusammenpassen. So etwa, dass der Franchisenehmer dauerhaft hinter den Werten, Produkten und der Unternehmensphilosophie seines Franchisepartners stehen kann.

Wer sich als potenzieller Franchisenehmer nicht allein auf das Internet verlassen möchte, kann bei Gründermessen und ähnlichen Veranstaltungen mögliche Partner kennenlernen. Dort bekommt er Informationen aus erster Hand und hat bereits den persönlichen Kontakt zum Unternehmen. Es gibt auch auf Franchising spezialisierte Berater für interessierte Franchisenehmer.

Sind diese Grundsteine gelegt, können die Verhandlungen auf die nächste Ebene gehen. Die Wahl eines geeigneten Standortes und möglichst erste Trainings in Kooperation mit dem Franchiseunternehmen sollten an erster Stelle stehen. Seriöse Franchisegeber bieten auch Hilfe bei der Finanzplanung und Erstellung eines Businessplanes an.

Wenn die Verträge mit Franchisegeber und eventuell der Bank zur Zufriedenheit aller Parteien geschlossen sind, stehen für den Franchisenehmer die Anmeldung seiner Selbstständigkeit bei Gewerbeamt, Finanzamt und ggf. IHK, sowie die Eintragung in das Handelsregister an. Ist auch dieser Teil der Vorbereitungsphase abgeschlossen, kann der Franchise-Betrieb eröffnet werden.

Wann und wer sollte große oder kleine Franchisegeber wählen

Detailliert Informationen über die größten Franchisegeber bietet etwa der oben bereits zitierte Deutsche Franchise-Verband e.V. an. Hier können interessierte Einsteiger ins Franchise-System auch Hilfe bei der Wahl eines passenden Franchisegebers finden. Allerdings sind beim DFV vorrangig große Franchisegeber angemeldet. Ein Franchisevertrag mit großen Unternehmen erfordert für den Franchisenehmer höhere Einstiegssummen, birgt aber auch größere Erfolgschancen. Allerdings trägt der Franchisenehmer bei dieser Partnerschaft auch mehr Eigenrisiko.

Es gibt aber auch viele kleinere, nicht minder seriöse Unternehmen, die es möglich machen, Franchisenehmer zu werden. Meist sind bei diesen Franchisepartnern die Einstiegskosten geringer. Einige fordern gar überhaupt kein Eigenkapital seitens des Franchisenehmers. Das macht das Franchisenehmer Werden einerseits besonders leicht. Andererseits müssen sich vor allem Start-ups und neue Unternehmen oft selbst noch am Markt durchsetzen. Somit muss ein Franchisenehmer eines neuen Unternehmens mehr persönlichen und nicht selten auch finanziellen Einsatz während der Laufzeit erbringen.

Den passenden Franchisepartner zu finden ist nicht immer ganz einfach. Gute Kenntnis der Vor- und Nachteile des Franchisesystems und profunde Evaluation der Gewinnaussichten und Risiken sind bei der Wahl des richtigen Unternehmens ausschlaggebende Faktoren. Doch für einsatzwillige Interessierte ist die Möglichkeit Franchisenehmer zu werden eine risikoarme Alternative zur klassischen Selbstständigkeit. Die Vorteile bei dieser Form der Selbstständigkeit überwiegen deutlich die Risiken – Voraussetzung ist die richtige Wahl eines Franchisepartners.

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