Franchisestatistik 2018: Volle Kraft voraus

07.02.2019 08:08 | Ein Unternehmen gründen

franchise statistik

Das Geschäftsmodell Franchising kommt ursprünglich aus den USA, hat sich mittlerweile aber auch unwiderruflich am deutschen Markt eingegliedert. Das Geschäft mit Franchising ist am Boomen. Immer mehr Unternehmen setzten auf die Expansion mit Franchisenehmern. Wie sieht dabei das Wachstum der Systeme 2018 aus, und in welche Richtung könnte die Entwicklung gehen?

Franchising immer Beliebter

Die Tendenz ist klar, laut der Franchisestatistik 2018 wird Franchising wird in Deutschland immer beliebter. Bei einem Zuwachs von 3.5 % ist die Anzahl an Franchisebetrieben 2018 deutlich gestiegen. Mit der Zahl der Unternehmen wächst auch die Zahl der Angestellten. Mit 715.000 Mitarbeitern ist die Zahl um 1.2 % gestiegen. Ganz vorne liegt der Dienstleistungssektor mit 40 % der Franchisebetriebe. Dicht gefolgt wird dieser vom Handel mit 24 %, sowie gleichauf, Touristik, Gastronomie und Freizeit. Dieser Sektor lag 2017 noch knapp vor dem Handel. Auch der Handwerksbereich hat sich mit einem Anteil von 12 % weiterentwickelt. Einzelne handwerkliche Betriebe schließen sich mit einer Systemzentrale zusammen und profitieren von den zusammengelegten Ressourcen.

Vorteile für den Arbeitsmarkt

Franchising bewährt sich nicht zuletzt dadurch, dass es nicht einen einzigen Gewinner gibt. Im Idealfall profitieren davon:

  • Franchisegeber
  • Franchisenehmer
  • Endekunde
  • Angestellte

Franchisegeber

Die Unternehmen erhoffen sich durch die Partnerschaft mit Franchisenehmern eine schnelle sowie kostengünstige Expansion und die Verminderung der Verantwortung. Da die Franchisenehmer als selbstständige Unternehmer tätig sind, tragen sie einen Großteil der Verantwortung über ihren Standort. Franchising erleichtert somit den Systemgründern eine schnelle und weite Verbreitung ihrer Marke am Markt.

Franchisenehmer

Den Franchisenehmern wird mit dem Konzept die Existenzgründung erleichtert. Sie haben mehr Rückhalt, weniger Risiken und einen schnelleren Start ins Geschäftsleben. Durch die Arbeitsteilung mit der Franchisezentrale fallen viele Aufgaben für sie weg und durch Schulungen und Weiterbildungsprogramme sind auch die Anforderungen, die sie mitbringen müssen, nicht zu hoch.

Endkunde

Der Verbraucher erfreut sich über den erleichterten Kauf seiner Wunschmarke überall in Deutschland, oder sogar Europa- oder weltweit. Durch standardisierte Abläufe in den Franchisestandorten weiß der Kunde, was er erwarten kann und kann sich auf ein bestimmtes Maß an Qualität verlassen.

Angestellte

Franchising bietet nicht nur neue Expansionsmodelle und Methoden der Existenzgründung. Darüber hinaus wirkt es sich auch positiv auf den Arbeitsmarkt aus. Mit 8.500 neuen Arbeitsplätzen hat Franchising 2018 somit für 1,2 % neue Arbeitsplätze gesorgt. Ein bekanntes Unternehmen mit einer am Markt etablierten Marke lockt eben nicht nur Kunden, sondern auch Mitarbeiter an. Zudem gibt es durch die verschieden Franchisenehmermodelle auch zunehmend Aufstiegschancen zum Franchisepartner für viele Mitarbeiter.

Umsatzwachstum

Mit 4.500 neuen Franchisenehmern ist der Prozentsatz im Vergleich zu 2017 um 3.6 % gestiegen. Ein erhöhter Gesamtumsatz beim Franchising ist die Folge. Mit 122,8 Milliarden Euro im Jahr 2018 ist das eine Steigerung um 9,4 %. Ein Grund, dass Franchising so erfolgreich ist, und solch ein enormer Anstieg erzielt werden konnte, ist die Vielfältigkeit des Systems. Franchising bietet sich für die verschiedensten Geschäftsmodelle an und gliedert sich in allen möglichen Marktnischen ein.

Zukunftsaussichten

Auch in Zukunft sieht es so aus, als würde die Entwicklung des Franchisings nicht eingebremst werden. Ganz im Gegenteil. Durch eine steigende Nachfrage nach dem Konzept kommen immer neue Ideen auf. Trotz steigender Beliebtheit von Franchising gibt es mittlerweile einen Gründermangel.
Zum einen ist der Grund dafür eine mangelnde Motivation zur Existenzgründung bei einem stabilen Arbeitsmarkt. Obwohl es immer mehr Menschen gibt, die sich mit einer Franchisepartnerschaft selbstständig machen, gehen viele Interessenten schlussendlich das Risiko nicht ein, wenn sie die gleichen Verdienstaussichten mit einem Angestelltenverhältnis haben.
Ein weiterer Grund ist der steigende Bedarf an Gründern. Immer mehr Unternehmen wollen mit der Gründung eines Franchisesystems expandieren und immer mehr bestehende Systeme wollen noch größer werden. Da Franchising auch ein Geschäftskonzept ist, dass gerne Quereinsteiger miteinbindet wird die Zielgruppe noch um einiges erweitert. Die Folge der vermehrten Nachfrage ist jedoch, dass die neuen Franchisenehmer die Nachfrage nicht mehr decken können. Dies hat zur Entwicklung neuer Modelle in der Franchisewirtschaft geführt:

Multi-Unit-Franchising

Ein Modell, das immer beliebter wird, ist das Multi-Unit-Franchising. Wenn nicht genug Franchisenehmer vorhanden sind, werden eben mehrere Standorte an einen Partner vergeben. Dabei kann diese mehrfache Standortvergabe bereits von Beginn an geplant sein, oder es wird später entschieden. So gibt es bei vielen Franchisesystemen heute bereits Franchisenehmer, die zwei, oder sogar mehrere Standorte führen

Unternehmen als Franchisenehmer

Unternehmen wie zum Beispiel die Deutsche Bahn haben damit begonnen, Franchisepartnerschaften einzugehen. Die DB etwa ist Franchisenehmer von Gastronomiebetrieben verschiedener Unternehmen. Bei diesem System wird von dem Unternehmen als Franchisepartner eine Geschäftsleitung eingestellt, die die Aufgaben übernimmt, die normalerweise der einzelne Franchisenehmer innehat.

Angestellte als neue Partner

Eine weitere Option neue Franchisenehmer zu gewinnen ist die Eingliederung von internen Mitarbeitern. Diese profitieren von den Aufstiegsmöglichkeiten als Franchisenehmer und wissen bereits bestens über Businessplan und Produkt oder Dienstleistung Bescheid. Ein Vorteil ist hier für die Franchisegeber, dass sie genau wissen, auf wen sie sich einlassen. Das Risiko eine Partnerschaft mit einem unzuverlässigen Franchisenehmer einzugehen wird daher vermieden oder zumindest stark vermindert.
Mittlerweile werden 21 % der Standorte von eigenen Mitarbeitern geführt. Das sind 11 % mehr als noch 2017. Die Franchisegeber haben ihren Fokus also zum Teil auf neue Zielgruppen verlegt. Trotzdem bilden Führungs- und Fachkräfte und Angestellte mit 23 % immer noch den größten Teil der Führung von Franchisebetrieben. 20 % der Betriebe werden von freien Unternehmern und 18 % von Franchisenehmern, die bereits einen Standort führen, übernommen.
Ob mit Multi-Unit-Franchising, oder alternativen Franchisepartnern, feststeht: Das Konzept Franchising ist noch lange nicht fertig, sich am deutschen Markt auszubreiten. 9 % aller Franchisesysteme befinden sich momentan in der Aufbauphase ihres Unternehmens, während 14 % angeben, gerade in der Reifephase zu sein. Den Großteil der Systeme bilden aber Betriebe, die sich ganz klar in der Expansionsphase befinden. Sie machen einen Anteil von 55 % der Franchisesysteme aus.
Das rasante Wachstum von Franchising wird in ihrer flexiblen Einsatzweise wiedergespiegelt. Ein Grund, dass das Konzept so viel dynamischer wächst, als die Gesamtwirtschaft sind die vielfältigen Möglichkeiten, die sich mit Franchising bieten. Es gibt unter den beteiligten Parteien keinen hervorstechenden Gewinner, der das System ausnutzt. Was für den Franchisegeber gut ist, davon profitiert auch der Franchisenehmer und wenn dessen Betrieb gut läuft, ist das gut für seine Angestellten und Kunden. So wird durch Franchising eine Win-win-Situation generiert, die von allen Beteiligten genutzt werden kann. Es ist also keine große Überraschung, dass Franchising 2018 einen starken Wachstumsschub erfahren hat und dies wird sich auch nicht so schnell ändern.

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