Checkliste: So prüfen Sie Franchisesysteme!

11.03.2018 14:35 | Ein Unternehmen gründen

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Wenn Sie sich erst einmal dazu entschieden haben mit Franchising in Ihre Existenzgründung zu starten, geht es im nächsten Schritt darum, das passende Franchisesystem zu finden. Um das richtige Geschäftskonzept aus der Hülle und Fülle an Franchisesystemen herauszufinden, bedarf es einer sorgfältig durchdachten Entscheidung, mit der Sie sich wohl fühlen. Damit hier nichts schiefgehen kann, möchten wir Ihnen in diesem Artikel 10 wichtige Schritte ans Herz legen, die eine ausgiebige Prüfung beinhaltet.

Ene, mene, muh und raus bist du! Welches Franchisesystem passt zu Ihnen?

Für eine sorgfältige Prüfung von Franchisesystemen hilft ein Vergleich mehrere Systeme. Hier bietet es sich an, dass Sie sich zunächst einmal Ihre top drei Franchisesysteme heraussuchen. Selbst wenn Sie bereits einen Favoriten genauer ins Auge gefasst haben, so sollten Sie ähnliche Systeme mit diesem vergleichen. Denn: Sie benötigen Vergleichswerte, um zu sehen, was Ihnen gefällt und was Ihnen weniger zusagt.

Ebenso sollten Sie vorab klären, wie hoch das nötige Eigenkapital angesetzt wird und ob in Ihrer favorisierten Region überhaupt Franchiselizenzen vergeben werden. Ansonsten könnte sich nämlich im Nachhinein herausstellen, dass Ihre Recherchen für die Katz’ waren.

In diesen 10 Schritten können Sie Ihr passendes Franchisesystem finden

Wenn Sie Ihre top drei Franchise-Unternehmen vorliegen haben, geht es nun an die sorgfältige Prüfung mithilfe dieser Checkliste.

I. Recherchieren Sie den Franchisegeber

Sie haben natürlich vom Franchisegeber selbst viele Informationen und Broschüren vorliegen. Versuchen Sie aber auch darüber hinausgehend Informationen über Ihren zukünftigen Franchisegeber einzuholen.

Bringen Sie in Erfahrung, wie sich das Franchise-Unternehmen zusammensetzt und wie es um die Umsätze des Unternehmens bestellt sind. Nur ein finanziell gut aufgestellter Franchisegeber kann auch gut für seine Franchisenehmer sorgen.

  • Recherchieren Sie die Gesellschafterverhältnisse Ihres zukünftigen Franchisegebers
  • Welche Informationen gibt Ihnen die Geschichte des Unternehmens preis?
  • Schauen Sie, ob Sie Zahlen und aktuelle Jahresabschlüsse im Internet finden können. Unter www.bundesanzeiger.de sollten Sie nach Möglichkeit dazu fündig werden.

II. Recherchieren Sie Verbandszugehörigkeiten, Auszeichnungen und Bewertungen!

Schauen Sie, ob das Franchisesystem Mitglied in Verbänden ist, Auszeichnungen erhalten hat oder aber Mitglied im Deutschen Franchiseverband ist. Eine Mitgliedschaft im Deutschen Franchiseverband ist eine gute, seriöse Auskunft, da dies von einer gewissen Qualität des Franchisesystems zeugt.

  • Ist das Franchisesystem Mitglied beim Deutschen Franchiseverband – falls nein, warum nicht?
  • Hat das Unternehmen bereits Auszeichnungen enthalten? Falls ja, welche?
  • Auf welchem Platz befindet sich das Unternehmen bei aktuellen Rankings von Franchisesystemen?

III. Sprechen Sie den Franchisegeber direkt zu Umsätzen und den seinen einzelnen Standorten an!

Ihr Franchiseunternehmen sollte mehrere erfolgreiche Franchisestandorte unterhalten. Wichtig ist, dass es zumindest einen funktionieren Standort gibt, da das Unternehmen letztlich auch nur mit einem funktionieren Pilotbetrieb Lizenzen vergeben darf. Achten Sie also darauf, wie viele Standorte zum Franchisesystem gehören und ob sich das Geschäftsmodell tatsächlich schon am Markt bewährt hat.

In einem nächsten Schritt sollten Sie darauf schauen, wie sich die Umsatzzahlen und einzelnen Standorte entwickelt haben. Im Idealfall steigen diese Zahlen, falls dies nicht der Fall ist, sollten Sie sich die Abweichungen vom Franchisegeber genauestens erklären lassen.

  • Wo befindet sich der erfolgreiche Pilotbetrieb des Franchisesystems? Wer führt diesen Betrieb? Der Franchisegeber selbst oder wird der Standort von einem Franchisenehmer geführt?
  • Wann wurde der Pilotbetrieb eröffnet und seit wann gibt es das Franchisesystem?
  • Analysieren Sie die Umsatzentwicklung der letzten 5 Jahre! Wie sieht diese aus?
  • Ist das Franchisesystem nur national oder aber auch international tätig?

IV. Schauen Sie sich das Geschäftsmodell kritisch an und durchleuchten Sie es!

Analysieren Sie das Geschäftsmodell Ihres zukünftigen Franchisesystems und nehmen Sie es genauestens unter die Lupe. Sie selbst sollten auch von dem Geschäftskonzept überzeugt sein und daran glauben.

Achten Sie auch darauf, ob der Franchisegeber das System über die Jahre bereits weiterentwickelt und an neue Marktbedingungen angepasst hat. Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Zukunft für das Geschäftskonzept ein? Ebenso könnte es interessant sein herauszufinden, inwieweit Franchisenehmer sich einbringen dürfen und ihnen Gehör geschenkt wird.

  • Stellt Ihr Franchisesystem etwas Besonderes dar? Könnten andere Gründer Ihr System einfach übernehmen und kopieren?
  • Hat sich das Geschäftskonzept in der Vergangenheit bereits bewährt?
  • Gibt es einen Bereich in der Systemzentrale, der sich mit Innovationen und Neuerungen auseinandersetzt?
  • Können Sie sich als Franchisenehmer über einen Betriebsrat oder Ähnliches einbringen?

V. Was sagt der Wettbewerb? Die Konkurrenz schläft nicht!

Behalten Sie einen wachsamen Blick auf den Markt: Was für Veränderungen finden dort statt? Was macht die Konkurrenz? Wie sind die Mitbewerber aufgestellt? Was halten Sie von deren Geschäftskonzepten? Wenn Sie die Konkurrenz besser aufgestellt sehen, sollten Sie über den Eintritt in das Franchisesystem vielleicht doch noch einmal überdenken. Eine Wettbewerbsanalyse bringt hier Klarheit!

  • Wie steht es um den direkten Wettbewerb? Wer bietet dieselben Produkte oder Dienstleistungen wie Ihr Franchisesystem an?
  • Was sagt der indirekte Wettbewerb? Welche anderen Unternehmen könnten Ihnen Ihre Kunden abwerben?
  • Was sind die Stärken und wo liegen die Schwächen bei Ihrem Unternehmen?
  • Wo sehen Sie Ihr Franchisesystem eher nachteilig verglichen mit der Konkurrenz?

VI. Stehen die Gebühren und Leistungen des Franchisegebers im Verhältnis?

Schauen Sie genau darauf, welche Leistungen und Unterstützungen Ihnen Ihr zukünftiger Franchisegeber bietet und ob diese im Rahmen mit den zu zahlenden monatlichen Gebühren liegen! Prüfen Sie also, welche Leistungen Ihnen vertraglich zugesichert werden.

  • Welche Unterstützungen erhalten Sie und in welchem Umfang?
  • Wie steht es um die Markenrechte? Wurden diese vom Franchisegeber ausreichend geschützt oder hat er sich diese womöglich noch patentieren lassen?
  • Wie hoch sind die einmaligen und monatlichen Gebühren?

VII. Wie wirtschaftlich ist das Franchisesystem tatsächlich?

Als Franchisenehmer werden Sie früher oder später ohnehin noch einen detaillierten Businessplan erstellen müssen. Es kann allerdings nicht schaden, die zukünftigen Kosten und möglichen Erträge des Franchisesystems bereits schon einmal durchzukalkulieren. Schauen Sie sich Ihre persönlichen wirtschaftlichen Verhältnisse an und planen Sie diese anhand des Standortes fiktiv durch. Hier sollten Sie die monatlichen Kosten für das Franchisesystem und Ihre eigenen Lebenshaltungskosten den realistischen Umsatzerwartungen gegenüberstellen.

  • Wie hoch sind die monatlichen Fixkosten und die variablen Kosten?
  • Wo liegen Ihre Lebenshaltungskosten?
  • Wann können Sie Ihren Break-Even-Point erreichen?
  • Wie sehen die durchschnittlichen Umsatzwerte anderer Franchisenehmer aus?

VIII. Schließen Sie sich mit anderen Franchisenehmern kurz und tauschen Sie sich aus!

Unterhalten Sie sich mit aktuellen Franchisenehmern und holen Sie deren Meinung zum Franchisesystem ein. Diese werden Ihnen sehr hilfreiches und ehrliches Feedback geben können. Seien Sie hier sehr kritisch und fragen all das nach, was Ihnen auf den Nägeln brennt. Suchen Sie mit unterschiedlich erfolgreichen Franchisepartnern das Gespräch, um eine möglichst breite Meinung zu erhalten.

  • Was macht einen erfolgreichen Geschäftspartner in diesem Franchisesystem aus?
  • Würden sich die Franchisenehmer nach heutigem Wissensstand erneut für das Franchisesystem entscheiden?
  • Wie sehen die täglichen Routinen aus? Was sind die Hauptaufgaben im Leben eines Franchisenehmers?
  • Wann haben sie den Break-Even-Point erreicht?
  • Sind die vom Franchisegeber genannten Umsätze und Ziele realistisch?

IX. Prüfen Sie sorgfältig Ihren Franchisevertrag!

Achten Sie hier auch auf Dinge wie Vertragslaufzeiten, Kündigungsfristen, Gebietsschutz, etc. – damit Sie von Anfang an wissen, worauf Sie sich einlassen.

Und behalten Sie im Hinterkopf, dass kein Franchisevertrag die Wirtschaftlichkeit eines Geschäftskonzeptes vorab garantieren kann. Dies liegt schließlich in Ihren Händen.

  • Welche Fristen und Laufzeiten erwähnt der Vertrag?
  • In welchem Fall wäre eine außerordentliche Kündigung möglich?
  • Welche Unterstützungen garantiert Ihnen der Franchisegeber vertraglich?
  • Gibt es womöglich Vertragsstrafen? Wenn ja, aus welchen Gründen können diese verhängt werden?
  • Können Sie als Franchisenehmer weitere Standorte eröffnen?

X. Halten Sie die Augen offen und checken Sie auch diese Fragen kritisch:

  • Sind in den letzten Jahren Partner aus dem Franchisesystem ausgestiegen? Wenn ja, wie viele?
  • Warum sind Partner aus dem System ausgestiegen?
  • Gab es Auseinandersetzungen zwischen dem Franchisegeber und seinen Geschäftspartnern?
  • Gab es gerichtliche Auseinandersetzungen?
  • Gibt es eine Produktbindung oder können Sie auch andere Services und Waren in Ihr Sortiment aufnehmen?
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