Franchising = eingeschränkt selbstständig?

22.03.2018 08:00 | Ein Unternehmen gründen

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Oft ist die Rede davon, dass es sich bei Franchisenehmern nur um eingeschränkt selbstständige Unternehmer handelt. Was ist an der Aussage wirklich dran? Inwieweit nimmt Franchising einem Existenzgründer seine unternehmerische Freiheit? Dieser Artikel klärt Sie auf.

Franchising: Was bedeutet das für einen Franchisenehmer?

Beim Franchising handelt es sich um eine rechtliche Partnerschaft auf Augenhöhe. Für beide Geschäftspartner – Franchisegeber wie Franchisenehmer – sollte sich eine Win-Win-Situation ergeben: Der Franchisegeber gesteht seinem Geschäftspartner das Recht der Nutzung seiner Marke und seiner Corporate Identity zu und er profitiert so von einem weiteren Ausbau seines Franchisesystems und gesteigerten Absatzzahlen. Der Franchisenehmer wiederrum erhält durch die Entrichtung der Franchisegebühr das Recht, die Corporate Identity nutzen sowie die Produkte und Dienstleistungen des Franchisegebers in seinem eigenen Betrieb vertreiben zu dürfen.

Beim Franchising erhält der Franchisenehmer im Rahmen des Franchisevertrages primär folgende zwei Rechte:

  1. Das Recht, die Marke und die Corporate Identity des Franchisegebers für seinen eigenen Franchisebetrieb nutzen zu dürfen.
  2. Das Recht, unter dem Namen derselben Marke und Corporate Identity die Produkte und Services des Franchisegebers an seinem eigenen Standort vertreiben zu dürfen.

Ein Franchisenehmer erwirbt beim Franchising also das Recht, das erprobte Geschäftskonzept seines Franchisegebers ausführen zu dürfen. Im Rahmen vieler Franchisesysteme haben die Franchisenehmer zusätzlich die Möglichkeit, dass sie mit der Gründung weiterer Franchisebetriebe expandieren dürfen und so letztlich mehrere Filialen managen. Dieses Modell wiederrum ist als Multi-Unit-Franchising bekannt und stellt einen möglichen Schritt für Franchisenehmer dar, die noch mehr Verantwortung tragen und zu Managern werden möchten. Der Vorteil für Franchisegeber an dem Multi-Unit-Franchising ist, dass ein einziger Franchisepartner auf diese Weise regionale Märkte schneller erschließen kann. Das Franchisesystem wächst weiter und die Markenbekanntheit steigt.

Die Rechte und Pflichten beim Franchising

Das Besondere am Franchising ist nun aber, dass diese Rechte auch mit gewissen Pflichten einhergehen. Hier konnten vier sogenannte Hauptleistungspflichten identifiziert werden:

  1. Die Pflicht, die Marke des Franchisegebers eins zu eins am eigenen Standort umzusetzen und auszubauen;
  2. Die Pflicht, die Marke des Franchisegebers am eigenen Standort auszubauen und die Markenbekanntheit positiv zu pushen;
  3. Die Pflicht, die Produkte und Services des Franchisegebers im Rahmen seiner Markenwelt zu vertreiben;
  4. Die Pflicht, dass im Falle einer zukünftigen Expansion die vorab vereinbarte Region durch ein Filialnetz unter entsprechender Zeitvorgabe ausgebaut wird.

Wie selbstständig sind Franchisenehmer nun tatsächlich?

Beim Franchising ist ein Franchisenehmer rechtlich und finanziell selbstständig. Er trägt das vollständige unternehmerische Risiko für seinen Betrieb. Er agiert auf eigenen Namen auf eigene Rechnung, ist aber Teil des Franchisesystems und repräsentiert die Markenwelt seines Geschäftspartners. Das manifestiert sich auch auf der rechtlichen Ebene: Denn wenn der Franchisenehmer im Rahmen seines Franchisevertrages nicht als selbstständiger, sondern als abhängig Beschäftigter identifiziert wird, ist der Franchisevertrag hinfällig und unwirksam! Dies ist deshalb so entscheidend, da eine Scheinselbstständigkeit des Franchisenehmers erhebliche arbeitsrechtliche Konsequenzen hätte. Denn als Selbstständiger befindet man sich auf ganz anderem sozialversicherungs- und steuerrechtlichem Terrain!

Die unternehmerische Freiheit des Franchisenehmers wird insofern natürlich eingeschränkt, dass er die Marken- und Unternehmerwelt des Franchisesystems zu repräsentieren hat. Sprich: Dies geht mit einer gewissen Produktbindung und einem vorgeschriebenen Sortiment einher. Je nach Franchisesystem können die Franchisenehmer allerdings auch einen gewissen Prozentsatz ihres Sortiments selbst bestimmen und ihnen werden gewisse Freiheiten teil.

Allerdings sind Zweifel seitens des Franchisenehmers angebracht, wenn sein Geschäftspartner seine Weisungsrechte und Richtlinien zu sehr ausdehnt und sogar Personalentscheidungen, Finanzierungsthemen und die Preisgestaltung mit beeinflussen möchte. Sprich die unternehmerischen Kernbereiche sind dem Franchisenehmer vorbehalten und sollten auch von ihm gemanagt werden.

Zudem sollten zukünftige Franchisenehmer darauf achten, dass sie keine wirtschaftlichen Knebelverträge unterzeichnen! Als Franchisenehmer darf er nämlich nicht in seiner wirtschaftlichen Entfaltung zu stark eingeschränkt werden. Dies ist der Fall, wenn sich der Franchisegeber sehr viele Rechte zur Einflussnahme vorbehält, um den Franchisebetrieb in großen Teilen zu steuern und zu managen. Bei solch einer wirtschaftlichen Knebelung würde der Franchisenehmer alle wirtschaftlichen Risiken tragen, obwohl ihm alle unternehmerischen Freiheiten und Chance beschnitten wurden.

Weisungen durch den Franchisegeber sind nur rechtens, wenn diese erforderlich sind, um sicherzustellen, dass das Unternehmenskonzept so – wie es von ihm entwickelt wurde – auch weiterhin ausgeführt wird. So soll eine gleichbleibende Qualität gewährleistet werden, die für die Produkte und Services sowie den einheitlichen Markenauftritt relevant sind.

  • Unternehmerische Selbstständigkeit ist gegeben
  • Franchisenehmer ist im eigenen Namen auf eigene Rechnung tätig aber Teil des gesamten Franchisesystems
  • Identische Repräsentation der Marken- und Unternehmenswelt des Franchisegebers schränkt unternehmerische Freiheit ein wenig ein
  • Franchisegeber darf seine Weisungsrechte und Richtlinienkompetenzen nicht auf die unternehmerischen Kernbereiche des Franchisenehmers ausweiten
  • Vorsicht vor wirtschaftlichen Knebelverträgen!

Fazit: Wie steht es nun um die Selbstständigkeit eines Franchisenehmers?

Franchising baut auf einer rechtlichen Partnerschaft auf, die sich durch bestimmte Rechte und Pflichten definiert. Für den Franchisenehmer ergeben sich sicherlich einige Pflichten, denen er gewissenhaft nachzukommen hat. Dafür kommt er allerdings auch in den Genuss von vielen hilfreichen Rechten und Unterstützungsmaßnahmen. Denn obwohl der Franchisenehmer keine eigene Geschäftsidee hat, so kann er sich dank Franchising selbstständig machen und einen eigenen Betrieb managen. Franchising gibt ihm die Möglichkeit sich beruflich neu herauszufordern, neue Wege zu gehen und mehr Verantwortung zu tragen. Ein jeder Existenzgründer sollte also vorab abwägen, inwieweit eine Gründung mit Franchising in Frage kommt.

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