Franchising: Fragen, die Sie nicht stellen wollen, aber unbedingt stellen sollten!

11.01.2018 08:50 | Ein Unternehmen gründen

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Hohe Kundenzahlen sind sicher beeindruckend, die Frage ist aber, was sich dahinter verbirgt. Es könnte durchaus sein, dass der zu betreibende Aufwand den erzielbaren Gewinn auffrisst, sodass man besser daran täte, das Betreiben des Geschäftes einzustellen. Oder es auf einer bekömmlicheren Grundlage errichten müsste. Beeindruckende Umsatzzahlen allein sprechen noch nicht dafür, dass Verluste zuverlässig vermieden werden können. Wenn die Kosten ausufern, ist auch mit bewegten Geldmengen in enormem Ausmaß kein Schnitt zu machen. Da heißt es, hinter die Kulissen zu schauen.

Doch wie stellt man das an? Die Erfolgsquote gilt es herauszufinden. Grundsätzlich sind Franchise-Betriebe zwar wesentlich erfolgreicher als anderweitig geführte Unternehmen, aber im Einzelfall bedarf die allgemein zu konstatierende Entwicklung einer genauen Überprüfung. Stellen Sie zunächst die Laufzeit abzuschließender Verträge angemessen in Rechnung. Wenn Sie von einer Durchschnittsdauer im 10-Jahres-Rhythmus ausgehen, müssen Sie zwei Dinge in Erfahrung bringen: Was passiert danach und was geschieht währenddessen? Sie können nicht mit Gewissheit darauf reflektieren, dass sich erneuern lässt, was abgelaufen ist.

Franchising bietet keinerlei Garantien für den Erfolg

Es wird nicht zuletzt davon abhängen, wie Sie innerhalb eines festgelegten Zeitraums reüssieren konnten. Mit vorzeigbaren Bilanzen in der Tasche gelangen Sie fraglos zu einer stärkeren Ausgangsposition für anstehende Verhandlungen. Die Bedingungen dafür lassen sich allerdings auch vorab festlegen, fraglich ist aber, ob das günstig ist. Eine Periode von mehreren Jahren lässt sich nur schwer abschätzen, vorteilhafter als eine frühzeitige Bindung kann es sein, abzuwarten, wie das Business währenddessen gedeiht und daraufhin eine Entscheidung zu fällen. Schrecken Sie nicht davor zurück, akzeptablere Konditionen auszuhandeln. Halten Sie sich den Rücken frei, wenn das angenehmer für Sie ist, oder pochen Sie auf Sicherheiten.

Kommt man Ihnen dabei weder in der einen noch der anderen Richtung zufriedenstellend entgegen, sind Sie möglicherweise an der falschen Adresse gelandet und müssen noch ein Stückchen weiterziehen. Erlegen Sie sich keine Belastungen auf, denen Sie nicht gerecht werden können oder wollen. Knebelungen behindern oft ein ersprießliches Florieren dessen, was Sie sich vorgenommen haben.

Pro Franchising ist eine grundsätzliche Entscheidung

Mit der getroffenen Auswahl Ihrer Form des Franchisings entscheiden Sie sich nicht nur für zu erwartende Gewinne, sondern müssen sich auch den dort herrschenden Gepflogenheiten anpassen. Bevor Sie selbst Ihre Erfahrungen mit dem besonderen Stil des Hauses sammeln, hören Sie sich doch erst einmal bei Ihren Vorgängern und künftigen Mitstreitern um. Beschränken Sie sich dabei nach Möglichkeit nicht auf Einzelstatements, sehen Sie zu, dass sich ein repräsentatives Bild ergibt. Das wird nicht einfach sein, aber die Mühe lohnt sich. Sichern Sie sich besonders in dieser Beziehung weitestgehend ab, bevor Sie eventuell in einer Falle sitzen, aus der Sie nicht mehr herausfinden können. Es kommt dabei nicht immer nur auf Kleinigkeiten an, doch auch sie mögen den Ausschlag geben, sofern sie als überaus störend empfunden werden. Was an der Oberfläche glitzert, kann weiter unterhalb empfindlich brodeln. Das wird schnell zum Ausbruch kommen, wenn Konflikte entstehen. Regiert in solchen Fällen ein rigider Ton, müssen Sie wissen, ob Sie diese Vorgehensweise als Zumutung betrachten.

Sich nicht schutzlos stürmischem Wetter ausliefern

Gegebenenfalls bevorstehende Auseinandersetzungen könnten sich derart zuspitzen, dass Sie einen Rechtsanwalt konsultieren müssen. Für diesen Fall sollten Sie jemanden kennen, der Sie kompetent beraten wird, weil er über das nötige Fachwissen verfügt. Offizielle Schlichtungsstellen ersetzen bisweilen Mediatoren, die für eine außergerichtliche Einigung sorgen können, doch wenn es hart auf hart kommt, hilft letztendlich nur die Entscheidung einer höheren Instanz. Der muss man sich dann allerdings auch beugen, und die einvernehmliche Zusammenarbeit dürfte dadurch sehr gefährdet sein. Dennoch ist es gut zu wissen, was man im Ernstfall unternehmen muss.

Wichtig ist zudem, im Vorfeld zu klären, ob sich einem erfolgreich geführten Franchisebetrieb weitere hinzugesellen können. Sollte dies beim Antreten unmöglich sein, ist es dagegen nicht ausgeschlossen, dass sich die Möglichkeit dazu im Lauf der Zeit ergibt. Locker Vereinbartes bedarf jedoch einer Absicherung, damit man bei Bedarf etwas in der Hand hat, auf das man sich berufen kann. Versprechungen sollte man keinen allzu großen Glauben schenken.

Bei wachsenden Zweifeln rechtzeitig abspringen

Es belastet indes das partnerschaftliche Klima, wenn man sich alles und jedes bestätigen lässt. Ein fairer Franchisegeber wird das von sich aus tun, um Unsicherheit gar nicht erst entstehen zu lassen. Böswillig wäre es, nur so zu tun als ob, um tatsächlich andere Karten zu ziehen. Wenn wachsendes Misstrauen Sie plagt, müssen Sie auf einen anderen Dampfer wechseln, anstatt sich ständig zu fragen, ob man Sie etwa hintergehen will. Sollte eine salvatorische Klausel im Vertragstext enthalten sein, ist in jedem Fall Vorsicht geboten, ihre Unwirksamkeit zu belegen keine Kleinigkeit.

Richtig schwierig wird es, wenn Haftungsfragen nur dem Anschein nach geklärt auftreten. Allzu schnell kann es geschehen, dass ein Mitarbeiter Fehler macht, für die sein Chef dann geradestehen muss. Gegen so manchen verhängnisvollen Zwischenfall kann man sich versichern, doch nicht mit allen Eventualitäten rechnen. Von entscheidender Bedeutung wird es sein, vorher zu wissen, wie man dann verfährt. Malen Sie sich spaßeshalber eine Katastrophe aus und konfrontieren Sie den Franchisegeber Ihrer Wahl damit. Dabei lernt man sich gleich etwas besser kennen.

Fragen sollten nicht auf taube Ohren stoßen

Wenn Ihr Anliegen ernst genommen wird, können Sie Vertrauen schöpfen. Sehen Sie sich jedoch nichts als lauter Abwiegelungen ausgesetzt, sollten Sie darauf nicht bauen. Ihr Gegenüber kennt die Risiken, die Sie auf sich nehmen sollen, womöglich aus eigener Anschauung. Lassen Sie sich nicht abspeisen, wenn es um Schwerwiegendes geht, das erhebliche Konsequenzen haben kann, besonders dabei sollte Fairness herrschen. Bei Alltäglichem kann man eher Fünfe als gerade ansehen, nicht jedoch, wenn es ums Ganze geht. Es wird zunehmend komplizierter, je stärker ein Unternehmen verzweigt ist. Beim Einzelbetrieb mag alles noch relativ überschaubar sein, was man weniger behaupten kann, wenn einer allein an einem halben Dutzend Fronten gleichzeitig kämpfen muss. Stürzen Sie sich nicht euphorisch auf das Zweitfranchise, wenn Sie gut vorangekommen sind, überlegen Sie auch weitere Schritte sorgfältig. Sie können zwar höchstwahrscheinlich günstigere Bedingungen aushandeln, müssen aber auch abschätzen können, ob die erforderlichen Anstrengungen diesen Vorteil überwiegen. Nur zu leicht stürzt einer ab, der groß herausgekommen ist beim Franchising.

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