Unternehmensnachfolge: Wie funktioniert das im Franchising?

28.02.2018 15:50 | Ein Unternehmen gründen

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Manche Betriebe laufen nur so lange, wie der Chef an Bord ist. Fällt er wegen schwerer Krankheit aus oder verunglückt gar, rennen alle kopflos durcheinander, und keiner weiß, was er zu tun hat. Selbst wenn der Zeitpunkt des Ausscheidens seit Längerem absehbar ist, kann so etwas passieren und in die Katastrophe münden. Im Franchising hat immer noch jemand ein Auge darauf, dass dies nicht geschehen kann. Es fällt jedoch nicht leicht, einen würdigen Stellvertreter auf Abruf vorzuhalten.

Statt Unternehmensnachfolge: Nachfolge im Franchising

Nicht unbedingt von Vorteil ist es, wenn der Nachrückende aus dem eigenen Unternehmen stammt. Schon im Vorfeld kann er zwar seine vermutliche Akzeptanz austesten, doch eingefleischte Gewohnheiten werden aller Voraussicht nach mitgeschleppt. Der Wechsel ist eine gute Gelegenheit für die Erneuerung, zumal im Franchising, wo es darauf ankommt. Es gilt, nicht länger als nötig an Eingefahrenem zu kleben, im Grunde kann jeder, der eine Filiale leitet, es auch an anderer Stelle tun. So weiß man gleich, dass sich demnächst einiges ändern wird, den allgemein gültigen Regeln folgend jedoch mehr oder weniger alles beim Alten bleibt. Mit von woanders her wehendem Wind ist nicht zu rechnen, wohl mit einer frischen Brise.

Unternehmensnachfolge im Franchising ist klar geregelt

Wer die Nachfolge anzutreten hat, ergibt sich aus der Situation. Sie kann programmgemäß eintreten oder auch durch einen schwer vorherzusehenden Zwischenfall bedingt. Für beides muss Vorsorge getroffen sein, schon beim Bankgespräch ist ein geeigneter Ersatzmann zu benennen. Dass ein Einzelner für den Bestand der Unternehmung einsteht, ist nicht länger denkbar und auch, weil mehrere Existenzen abhängig davon sind, kaum ratsam. Kein Mensch ist unersetzlich, im System funktioniert er nur, solange er seiner Rolle gerecht werden kann. Dass Franchisebetriebe zu verkommen drohen, kann höchstens vorübergehend hingenommen werden, Prinzipien entsprechend ist es mit allergrößter Sorgfalt zu vermeiden. Es würde Lücken reißen, die um sich greifen könnten.

Franchisenehmerwechsel bei Vertragsablauf

Es kann jedoch auch vorkommen, dass ein Spalt von anderer Art klafft, etwa dann, wenn die Zahlen nicht mehr stimmen, obwohl alles dafür getan worden ist. Franchisegeber nehmen sich die Freiheit, Vergleiche zu ziehen und auf diese Weise die Spreu vom Weizen zu trennen. Wenn ein Standort am unteren Ende der Erfolgsskala rangiert, wird er durchaus nicht gleich aufgegeben, denn seine Aussichten wurden ja auf Herz und Nieren geprüft. Dann muss gegebenenfalls das Wirken des Franchisenehmers als Erklärung dafür herhalten, und um dies zu verifizieren, wird ein Austausch vorgenommen. Dazu kann es kommen, wenn die Vertragsverlängerung ansteht, jedoch aus vielleicht fragwürdigen Gründen verweigert wird. Dann soll doch jemand anders sehen, wie er dort zurechtkommt, wo angeblich nicht genug zu holen war.

Die geplante Laufbahn kann vorzeitig enden

Zuzugeben wäre allerdings, dass man sich bei der Auswahl wohl vergriffen hat. Aber Menschen können sich ändern; was anfangs vielversprechend schien, muss sich nicht auf Dauer bewahrheiten. Auch auf eventuelle Wünsche des Franchisenehmers seinen Nachfolger betreffend ist nicht zwangsläufig Rücksicht zu nehmen, die Entscheidung fällt zugunsten des System aus der Verantwortung desjenigen heraus, der darüber zu befinden hat. Vorab festgelegt werden können Verfahrensweisen bei

  • einer Beendigung des abgeschlossenen Vertrags wie vorgesehen,
  • Aufkündigungen, die wegen anderer als gewöhnlicher Vorkommnisse nötig werden,
  • erneutem Vergeben der Lizenz infolge nicht erwarteter Ereignisse.

Demgegenüber kann es für Existenzgründer interessanter sein, eine Unternehmensnachfolge im Franchising anzutreten, als man vermuten sollte.

Bestehendes mit viel Sensibilität fortführen

Denn nur wenige machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Es lohnt sich aber oft aufgrund der Eingeführtheit, obwohl dafür mitunter überzogene Preise veranschlagt werden. Auch kann eine im Vergleich zu Neueröffnungen gesteigerte Anpassungsfähigkeit nötig sein, und zudem sind abwehrende Reaktionen der an Traditionelles gewöhnten Kundschaft nicht auszuschließen. Eine Frage der sorgsamen Abwägung scheint die Entscheidung darüber aufzuwerfen, ob man sich eine lukrative Chance vergibt oder sich aber einen Klotz am Bein aufbürdet. Neuland zu betreten kann schwieriger sein als Eingefahrenes zu übernehmen; wer das bevorzugt, sollte keinesfalls leichtfertig an die Sache herangehen, sondern sich detailliert in künftig eigener Sache umhören. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass alles so weiterläuft wie gehabt, stellen Sie sich darauf ein, nicht viel ändern zu können.

Den Wert des Unternehmens einschätzen

Grundlage jeder Übernahme sind aufschlussreiche Daten. Liegt eine Unternehmensbewertung von offizieller Seite vor, haben Sie etwas in der Hand, auf das Sie sich berufen können. Handelt es sich aber um Schätzungen oder unvollständige Unterlagen, sind Sie derjenige, der dafür geradestehen muss, wenn Sie sich darauf verlassen. Die Glaubwürdigkeit vorgezeigter Befunde kann mehr oder weniger überzeugend sein, ein letzter Zweifel wird immer bleiben. Dies und das können Sie zwar auch später noch reklamieren, doch über Ihr voraussichtliches Wohl und Wehe befinden nur Sie selbst. Spielen Sie auf größtmögliche Sicherheit, wenn es Sie beruhigen kann, gehen Sie ein Risiko ein, wenn Ihr Herz dafür plädiert. Die über intimere Kenntnisse verfügen, werden Ihnen stets einen Schritt voraus sein. Sie können ihnen auf die Schliche kommen, aber auch Problematisches in Kauf nehmen.

Jeder neue Anfang erfordert Zauberei

Dem Verkäufer muss es vergönnt sein, die Braut zu schmücken, schließlich hat er oft ein Leben lang darauf hingewirkt. Das kann er nun nicht mehr, stattdessen bekommen Sie Gelegenheit dazu, aus Vorhandenem mehr zu machen. Der Preis dafür mag hoch sein - genauso gut ist es möglich, jemandem etwas abzunehmen, der gar nicht weiß, was er aus der Hand gibt. Wer glücklich werden will, sollte mit offenen Karten spielen und darauf bauen, dass sein Gegenüber ebenso verfährt. Wenn ein Geschäft auf Trickserei gegründet ist, wird sich das alsbald rächen. Stellt sich jedoch heraus, dass man sich einen Bären hat aufbinden lassen, dann wird einem lange nachgesagt, naiv genug dafür gewesen zu sein.

Kunden bei der Stange halten

In die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten, birgt Chancen und Risiken. In manchen Franchisesystemen sind eigens Leute dafür abgestellt, dass die Übergangszeit keinen Stillstand verursacht. Sie müssen stets verfügbar sein und dürfen als Interimsmanager auch nicht insofern überfordert werden, dass sie an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen müssen. Doch selbst das ist immer noch besser, als die Schotten vorübergehend dichtzumachen, obwohl es die Neugier wecken kann, aber auch die Skepsis nährt. Ausfälle fördern das Vertrauen nicht.

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