Franchising Vor- und Nachteile: Alles, was Sie unbedingt wissen sollten!

24.01.2018 15:25 | Ein Unternehmen gründen

Franchising: Die Win-Win-Situation für Franchisegeber und Franchisenehmer?

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Das Franchising stellt im Idealfall für Franchisegeber und Franchisenehmer eine Win-Win-Situation dar. Denn an sich gehen beide Parteien eine wirtschaftliche Partnerschaft ein, um das Unternehmen gemeinsam zum Erfolg zu führen. Der Franchisegeber möchte durch Franchising sein Unternehmen und seinen Absatz ausweiten und der Franchisenehmer profitiert von einer bereits erfolgreichen Geschäftsidee, einer zentralen Organisation und einem überregionalen Marketingprogramm. Somit profitieren beide Seiten. Wichtig ist hierbei ein respektvoller Umgang miteinander, Ehrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen.

Aber auch beim Franchising gibt es Vor- und Nachteile. In diesem Artikel stellen wir Ihnen die Vor- und Nachteile beim Franchising sowohl für die Franchisegeber als auch für die Franchisenehmer vor.

Franchisegeber Vor- und Nachteile

Auch für den Franchisegeber ergeben sich positive sowie nachteilige Aspekte, wenn sie sich überlegen ihr Geschäftskonzept als Franchise auszubauen.

Vorteile des Franchisegebers:

  • Monatliche Einnahmen durch Umsatzbeteiligungen.

Franchisegeber erheben monatliche Franchise- sowie Werbegebühren, um die Kosten für den Wissenstransfer, das Marketing, die Unterstützung durch die Unternehmenszentrale abzudecken. Da sich diese Gebühren meist als Prozentsatz am Nettoumsatz berechnen, können Franchisegeber sehr davon profitieren und am Erfolg ihrer Franchisenehmer Teil haben.

  • Schnelle Vermarktung mit überschaubarem Risiko.

Wenn erst einmal ein Geschäftskonzept rund läuft und sich als Franchise-System eignet, ist es eine durchaus sinnvolle Idee, seinen Absatzmarkt via Franchise-Betriebe auszuweiten. So können Sie als Franchisegeber Ihre Marke ausbauen, ohne dass Sie all die Betriebe in Eigenregie in eigenem Filialsystem betreuen. Dank Franchising können Sie dies auf entspannte Art und Weise erledigen: Sie koordinieren Ihr Franchise von Ihrer Zentrale aus, trainieren Ihre Franchisenehmer und deren Mitarbeiter und müssen weder das wirtschaftliche noch das finanzielle Risiko für die Franchise-Betriebe übernehmen, da dies von den Franchisenehmern getragen wird. So lässt sich Ihre Geschäftsidee relativ schnell und risikoarm sowohl national als auch international ausbauen.

  • Profitieren Sie von Größenvorteilen.

Durch Franchising erweitern Sie Ihren Absatzmarkt und Umsatz, Sie wachsen enorm. Als größerer Player kommen Sie daraufhin in den Genuss, von Größenvorteilen zu profitieren: So können Sie für Ihr gesamtes Franchise bessere Konditionen und Einkaufspreise generieren. Sie setzen mehr um und benötigen aufgrund dessen auch mehr Menge an Produkten und Waren für Ihr Franchise. Je größer Sie sind, desto attraktiver sind Sie für Lieferanten und Zulieferern. Und mit günstigeren Einkaufspreisen machen Sie auch Ihre Franchisenehmer glücklich, welche im Idealfall Ihre Produkte oder Dienstleistungen günstiger anbieten können. Und das wiederum erfreut die Kunden. Der Preis ist heiß.

Nachteile für den Franchisegeber:

  • Hoher Kontrollaufwand für Einhaltung des Franchise-Standards.

Es ist Fluch und Segen zugleich: Beim Franchising treten alle Franchise-Betriebe mit identischem Corporate Design und Produkten und Dienstleistungen auf, so dass der Kunde das Gefühl hat, dass es sich um ein und dasselbe Unternehmen handelt. Aus diesem Grund müssen Franchisenehmer alle Vorgaben und Standards einhalten, die ihnen von den Franchisenehmern aufgetragen wurden. Für den Franchisegeber heißt das, dass er einen hohen Kontrollaufwand hat, um sicher zu stellen, dass alle Betriebe auch tatsächlich exakt seine Vorgaben einhalten und unternehmensweite Standards sowie die Identität des Konzeptes exakt umsetzen.

  • Verlust des direkten Kundenkontaktes.

Abgesehen von seinem eigenen Einzugsgebiet wird man als Franchisegeber den direkten Kundenkontakt an die jeweiligen Franchise-Betriebe abgeben. Das kann gut sein, man muss allerdings auch darauf vertrauen, dass die anderen Franchise-Betriebe diese Aufgabe, die eine Kernkompetenz in der heutigen Zeit darstellt, mit bestem Wissen und Gewissen ausführen und stets sehr kundenorientiert handeln. Denn sollte sich ein Kunde auf den Schlips getreten oder schlecht behandelt fühlen, wird er vermutlich alle Betriebe des Franchise meiden. Sie geben also eine Kernkompetenz in die Hände von Franchisenehmern. Ihr Ruf könnte auf dem Spiel stehen.

Franchisenehmer Vor- und Nachteile

Auch für die Franchisenehmer stellt das Franchising Vor- und Nachteile dar. Hier wird das Franchising oft mit der Existenzgründung in der klassischen Selbstständigkeit verglichen, da es ein höheres Maß an Sicherheit und ein geringeres wirtschaftliches Risiko darstellt.

Vorteile für den Franchisenehmer:

  • Geringe Markteintrittsbarrieren und schnellerer Markteintritt möglich.

Anstatt dass Sie sich als Existenzgründer mit unbekannter Marker und unbekanntem Geschäftskonzept am Markt behaupten müssen, können Sie als Franchisenehmer direkt durchstarten: Sie übernehmen ein am Markt etabliertes System mit effizienten, optimierten Geschäftsprozessen, am Markt erprobten Produkten oder Dienstleistungen und einer kompletten Marke sowie Corporate Identity. Darüber hinaus übergibt man Ihnen sozusagen ein kleines Monopol, da Sie in den meisten Fällen von Ihrem Franchisegeber Gebietsschutz erhalten und sich um unternehmenseigene Konkurrenz keine Gedanken machen müssen.

  • Höhere Erfolgswahrscheinlichkeit

Als Franchisenehmer übernehmen Sie meist eine am Markt bekannte Marke, so dass die Kunden Sie direkt kennen oder Sie Ihnen direkt geläufig sind. Allein aus diesem Grund müssen Sie sich selbst nicht erst noch am Markt durchsetzen, man kennt Sie bereits. Das lässt direkt die Kassen klingeln! Des Weiteren haben Sie einen starken, erfahrenen Geschäftspartner an Ihrer Seite, so dass Sie auf dessen Erfahrung zurückgreifen können und die Chance, selbst typische Gründungsfehler zu machen, durchaus geringer ist. Auch die Finanzierung ist beim Franchising oft leichter als bei der klassischen Existenzgründung: Banken kennen Franchise-Systeme und ihre Wirtschaftlichkeit. So kommen Sie zudem oft einfacher an Fremdkapital und können Finanzierungsfragen besser klären.

  • Umfassende Unterstützung durch den Franchisegeber

Als Franchisenehmer führen Sie Ihren Franchise-Betrieb wirtschaftlich und rechtlich eigenständig, aber Sie stehen nicht allein vor der Mammutaufgabe des Geschäftsaufbaus und den Tücken des operativen Tagesgeschäftes: Ihr Franchisegeber ist stets zur Seite und berät bei Standortwahl, Business Plan und Finanzierungsfragen. Bei Fragen können Sie stets auf die Expertise Ihres Franchisegebers zurückgreifen. Sogar bei der Aus- und Weiterbildung können Sie auf einen umfassenden, intensiven Wissenstransfer setzen, den Ihr Franchisegeber eigenhändig durchführt.

Nachteile für den Franchisenehmer:

  • Geringerer Entscheidungs- und Handlungsspielraum.

Als Franchisenehmer tragen Sie alleine das unternehmerische Risiko für Ihren Betrieb, Sie sind zwar selbstständig, aber trotz alle dem nicht vollständig Ihr eigener Chef: Denn von oben, von der Franchise-Zentrale kommen alle Vorgaben und werden alle Entscheidungen getroffen, die auch Ihren Betrieb betreffen. Sie tragen also das Risiko, auch wenn Sie nur wenig Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen können. Stattdessen müssen Sie das Geschäftskonzept 1:1 umsetzen und sich an alle Vorgaben und Standards halten – da bleibt wenig Spielraum für eigene Ideen.

  • Langfristige Bindung an den Franchisegeber

Sobald Sie den Franchisevertrag unterschreiben binden Sie sich meist für viele Jahre oder gar Jahrzehnte an den Geschäftspartner. Aufgrund von langfristige Vertragsbindungen sollten Sie sich sehr sicher sein und genau auf Ihr Bauchgefühl hören. Da es in Deutschland keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen zum Thema Franchising gibt, sind Franchiseverträge rechtlich sehr komplexe Dokumente, die sich von Franchise zu Franchise sehr stark unterscheiden können. Schauen Sie genauer hin und nehmen Sie sich nach Möglichkeit einen Rechts-Experten zur Seite.

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