Franchising: Was bedeutet der Kundenschutz für Franchisenehmer?

21.03.2018 07:45 | Ein Unternehmen gründen

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Der Kundenschutz im Franchising ist einseitig und zweischneidig. Er beschränkt sich auf die aktive Akquise; kommt jemand von sich aus, muss er nicht abgewiesen werden. Oft in Übereinstimmung mit gewährtem Gebietsschutz wird die dort ansässige Kundengruppe zur alleinigen Nutzung zugewiesen, was aber auch bedeutet, dass darüber Hinausgehendes nicht unternommen werden darf. Es ist nicht unbedingt ausdrücklich so vorgesehen, ergibt sich aber als logische Folgerung daraus.

Klare Einteilungen mit gelegentlicher Überschreitung im Franchising

Wenn nun jemand ins Nachbarland der Franchisenehmer umzieht, der bislang den Stamm maßgeblich verstärkte, müsste er eigentlich dorthin verweisen werden. Sollte er aber aus lieb gewonnener Gewohnheit seinem alten Lieferanten treu bleiben wollen, wäre für diese Ausnahme von der Regel eine Ablösesumme zu entrichten, sofern das Manöver auffällt. Ob es unter der Decke gehalten werden kann oder ordnungsgemäß zu verbuchen ist, bleibt der Einzelentscheidung überlassen. Kunden sind im Zeitalter des Internets nicht mehr leicht zu verorten, von ihnen zu verlangen, erst ein Stück Wegs zurückzulegen, wäre absurd. Dennoch wird es immer wieder Streitigkeiten um die Beantwortung der Frage geben, zu wem ein beliebter Abnehmer gehört.

Beim Franchising arbeitet mitunter einer etwas mehr für den anderen

Es ist eine Frage der Absprache und der Einhaltung guter Sitten, Auseinandersetzungen zu vermeiden, die langwierig werden können. Man denke nur an das Ausmaß der Vorarbeiten, die ein Nachfolger ohne jede Anstrengung und möglicherweise rein zufällig quasi geschenkt bekommt. Dennoch muss Ordnung herrschen, ein Regelwerk ist festzulegen und zu respektieren. Solange es um Kleinigkeiten geht, wird man darüber hinwegsehen, handelt es sich aber um einen großen Brocken, sollte eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Undenkbar wäre es, dass Franchisenehmer alles daransetzen, sich gegenseitig eine fette Beute abzujagen. Dabei könnte sich allerdings herausstellen, dass ein enormes Potenzial in der Vergangenheit nicht vollständig ausgeschöpft worden ist.

Nicht jeder gegen jeden, aber stets zum eigenen Nutzen

Doch solche Dinge regelt man eher kollegial, Gebiete lassen sich auch ausweiten, beständige Grenzverletzungen aber können nicht geduldet werden. Angesichts der wachsenden Mobilität ließen sich auch Abschläge vereinbaren, wenn das nicht einen erheblichen Aufwand für die Verwaltung bedeutet. Wenn es hart auf hart kommt, wird es jedoch kaum anders möglich sein, im Allgemeinen aber dient der Kundenschutz im Franchising eher als eine Art Richtschnur für das Handeln der Franchisenehmer, die anderen nicht fortlaufend ins Gehege kommen sollen. Manchmal wird auch nach dem Muster verfahren, dass der Bessere gewinnt und der Verlierer seine Chance nicht genutzt hat. Schließlich landet doch mehr oder weniger alles in demselben Topf, nur nicht in dem desjenigen, der sich darauf verlassen hat.

Aggressivität ist nicht immer zu vermeiden

Wer da geschickter ist, der setzt sich eben durch. Sich auf die Bequemlichkeit zurückzuziehen, führt nicht notwendigerweise zum Erfolg. Angestammte Rechte jedoch müssen auch verteidigt werden, darauf zu pochen reicht indes nicht immer aus. Einer, der sich etwas abnehmen lässt, ist selbst daran schuld, er muss sich den Vorwurf machen lassen, zu wenig unternommen zu haben. Zurückhaltung ist nur dann empfehlenswert, wenn ein chaotisches Gewusel dadurch vermieden werden kann. Ansonsten gilt es, offensiv an den Markt heranzugehen. Es weiß ja niemand, ob nicht noch mehr zu holen ist. Zumindest der beherzte Versuch muss gestattet sein. Möglicherweise war es längst an der Zeit dafür, andere Wege einzuschlagen.

Kein Ewigkeitsanspruch auf sichere Plätze

Wenn jemand vom heimischen Computer im Schutzgebiet aus die gesamte Republik beliefern lässt, dürfen die Händler vor Ort sich darüber nicht beschweren. Zudem könnten Kunden durch pfiffige Werbemaßnahmen auch dazu veranlasst werden, hierhin oder dorthin zu ziehen, anstatt an ihrem Wohnort einzukaufen.

  • Der Kundenschutz ist eine Mär, wenn man es recht betrachtet.

Doch ganz so wild wie in der freieren Wirtschaft sollte es beim Franchising nicht zugehen. Ein wenig mehr Respekt vor der Leistung anderer Partner kann nicht schaden, es sitzen doch alle in einem Boot, das aber eines schönen Tages zu klein werden könnte und dann die ganze Mannschaft nicht mehr trägt.

Verdienst um angeworbene Kundschaft

Besonders lukrative Kunden lassen sich natürlich auch einzeln schützen. Man übergibt sie zur weiteren Betreuung vielleicht jemandem, der besser mit ihnen umzugehen versteht als andere. Sich nur darauf zu berufen, dass man schließlich den Kontakt geschlossen hat, kann nicht akzeptiert werden, wenn es nicht genügend abwirft. Das Angeln ist die eine Seite der Medaille, den Fang ordentlich auszuweiten etwas Übergeordnetes. Im Franchising sollte jeder zu seinem Recht kommen, und gerade darum geht es. Es muss auch zu delegieren sein, damit eine anstehende Aufgabe optimal erfüllt werden kann. Wer als Franchisenehmer zum Zurückstehen aufgefordert wird, hat nicht das geleistet, was man von ihm erwarten durfte. Er kann vielleicht sein Netz erneut auswerfen, wenn er sich damit profilieren konnte.

Verzicht zum Besten der Organisation

Das wird der gemaßregelte Franchisenehmer womöglich nicht allzu gerne tun, also muss er aus seinen Fehlern lernen oder sich gegen die individuelle Verwendung seiner Fähigkeiten nicht länger sträuben. Beim Franchising wirtschaftet man weniger in die Tasche als in die des ganzen Apparats. Da darf der Einzelne sich ruhig auch einmal übergangen fühlen, denn nicht zuletzt ihm selbst kommt der Erfolg solcher Maßnahmen zugute. Die beleidigte Leberwurst zu spielen aber dient der Sache nicht, Talente sind nun mal verschieden verteilt, und ihr Einsatz im Sinne der Gemeinschaft nützt allen mehr. Der Franchisenehmer ist nur bedingt ein Einzelkämpfer, er muss in seinem Laden Ordnung halten, Übergreifendes aber den dafür Zuständigen überlassen.

Verhalten nicht komplett berechenbar

Ein Kundenschutz, der nicht mit den Grenzen eines abgeteilten Gebiets identisch ist, dürfte sehr viel einfacher einzuhalten sein. Dann spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob jemand gerade unterwegs ist, seine Kaufbewegungen müssten aber festgehalten werden, soweit das ohne Verletzung von Rechten möglich ist. Schwierig kann es werden, wenn ein neuer Standort innerhalb eines bestehenden Komplexes eröffnet wird. Man sollte es allerdings auch nicht übertreiben und zu viel regulieren wollen, das nicht akut werden muss. Keinen Menschen schert es, ob jemand nur deshalb seine Brötchen hier statt da mitnimmt, weil er ohnehin zum Fleischer wollte. So verschieden wie die Käufer sind auch Absichten, die man mit ihrem Verhalten verknüpfen kann. Nicht alles lohnt die Mühe der akribischen Erfassung.

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