Franchising: Was ist ein Pilotbetrieb?

12.01.2018 16:45 | Ein Unternehmen gründen

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Von einem Pilotprojekt erwartet man sich die Erkundung des Terrains. Wer von seinem Standort aus in größere Höhen aufsteigen kann, gewinnt den Überblick im angrenzenden Gebiet. Auf dem Rückflug sieht er die Dinge zudem in umgekehrter Richtung, was mehr Aufschluss verspricht, als immer nur stur geradeaus zu blicken. Natürlich kann man sich auch auf der Stelle drehen, doch die Reichweite nimmt dadurch nicht zu. Der Pilot hat unterwegs viel gesehen und bei seiner Landung Einsichten im Gepäck, die ohne sein Bemühen verborgen geblieben wären.

Damit lässt es sich besser beurteilen, was aus der Ferne auf einen zukommt, gegebenenfalls können rechtzeitig Vorkehrungen getroffen werden. Es kann jedoch auch sein, dass die Gewissheit geliefert wird, einer ungehinderten Ausdehnung stünde nichts im Wege. So lässt es sich besser planen, befürchtete Hindernisse haben sich als unbegründet herausgestellt. Vor bösen Überraschungen kann man halbwegs sicher sein, die Zuversicht in die eigene Leistungsfähigkeit ist nicht unbedingt weiterhin infrage zu stellen. Damit wäre der Boden bereitet für eine Expansion.

Experimente in gesichertem Rahmen beim Franchising

Der Pilotbetrieb ist ein Testfall für weitere Unternehmungen. Wenn es an der einen Stelle gut läuft, kann man es daraufhin gleich an mehreren anderen vergleichbarer Qualität probieren. Dumm ist nur, wenn einem jemand dabei zuvorkommt, denn es dauert seine Zeit, und die Konkurrenz schläft währenddessen nicht. Andererseits würde man über gesicherte Erkenntnisse verfügen, die sich nahezu unverändert übertragen lassen. Auf deren Grundlage kann man besser planen, Fehler vermeiden und Neues von einer realistischen Basis aus angehen. Manche lassen sogar zwei Piloten gleichzeitig steigen, um zu sehen, wer schneller vorankommt und sich dann für den Sieger zu entscheiden. Doch das bringt Schwierigkeiten mit sich, die gehandhabt werden wollen. Den richtigen Zeitpunkt beispielsweise festzulegen ist nicht leicht – und was soll aus den Resten werden? Damit kann sich dann wer anders amüsieren, Hauptsache, das Projekt bleibt nicht auf der Strecke. Bei Ladeneinrichtungen von der Stange ist ein Wechsel kein Problem, man könnte sich auf diesem Wege sogar eine Art vertraglicher Erfolgsgarantie beschaffen.

Ein Hoch auf das Pflegen guter Sitten beim Franchising

Auf solche Händel allerdings würden sich wohl nur solche Franchisegeber einlassen, die es wirklich nötig haben und bei denen dann auch entsprechend wenig zu holen sein dürfte. Doch das muss man nur richtig anstellen, ohne Rücksicht auf Schönheit und Gerechtigkeit. Die Heuschrecken sind überall, wohl dem, der ihnen Einhalt zu gebieten vermag. Besonders angreifbar wird das Franchising dann, wenn es zu stark expandiert, anstatt organisch zu wachsen. Allzu schnell ist der Kern ausgehöhlt und lauter Schalen bleiben übrig. Dann leidet ein gutes Image derart, dass man dem Erscheinungsbild verwaister Innenstädte nahekommt und die zu allem entschlossenen Franchisenehmer sich die Klinke in die Hand geben.

Es mag ein Zug der Zeit sein, doch große Zukunft hat es nicht. Sie könnte nur darin bestehen, weiterhin abzugrasen, was noch irgendwie besteht. Das Franchising ist dagegen noch längst nicht im Stadium seiner Verschrottung angelangt, es klettert behände auf dem aufsteigenden Ast. Solange alles in danach ausgerichteten Bahnen verläuft, ist wenig einzuwenden gegen Pilotunternehmen.

Der Verband wacht treulich über zahlreiche Schäfchen

Ein Pilotbetrieb im Franchising ist ein Verhaltenskodex, der vorsieht, dass der Franchisegeber sein Geschäftsmodell mindestens ein Mal einem Praxistest unterzogen haben muss, bevor er sich auf die Suche nach geeigneten Partnern zur Weiterverbreitung machen darf. Dafür muss eine angemessene Zeitspanne absolviert worden sein und der währenddessen erzielte Erfolg nachweisbar. Auf diese Weise will man ein etwaig unlauteres Gebaren vermeiden, es soll denen Sicherheit bescheren, die als Franchisenehmer auftreten. Was schon im ersten Versuch ganz gut geklappt hat, muss indes nicht unbedingt auch in der Zukunft funktionieren. An die berühmten Eintagsfliegen könnte man in diesem Zusammenhang denken, wenn nicht so strenge Maßstäbe angelegt würden. Außerdem wären schwarze Schafe oder Unglücksraben einer sofortigen Geißelung auf Verbandsebene ausgesetzt, und das könnte sich niemand erlauben. Dennoch mag der eine oder andere es versuchen und mit geschönten Zahlen dafür sorgen, dass etwas Auftrieb erhält, das beinahe schon dem Untergang geweiht sein müsste. Doch dem sind die Wächter vor, sie haben ihre Augen überall.

Gegen feindliche Übernahmen und Ähnliches geschützt

Vor Piraterie ist das Franchisesystem insofern gut gefeit, als der Initiator selbst als Vorreiter fungieren soll. Unzulässig wäre es, die Leitung eines Pilotbetriebs einem auserwählten Stellvertreter zu überlassen. Nun kann es aber sein, dass der Ideengeber in eigener Person nicht dazu in der Lage ist, eine brillante Theorie in die Praxis umzusetzen, und ein anderer förmlich darauf brennt. Was macht man da – das Ideengut übertragen? Der Normalfall ist das nicht, doch im Zweifel ließen sich wohl Mittel und Wege dafür finden. Das Franchising an sich ist weniger justiziabel, tragfähigere Bestimmungen und strafende Instanzen müssten noch entstehen. Bis dahin tragen andere Organe die Verantwortung, und übergreifende Rechtsgrundlagen wirken, sofern sie angewendet werden.

Beim Organisieren des Pilotbetriebs kann es schwerfallen, die künftig zu übertragenden Aufgaben so abzugrenzen, dass keine Irritationen entstehen. Der Franchisegeber wird nicht dafür herhalten wollen, von seinem Verhalten ausgehend Klone zu züchten, er muss im Erstversuch zunächst beide Rollen spielen, um in der Folgezeit das eine von dem anderen möglichst trennscharf abzugrenzen.

Statt grauer Theorie gleich die lebendige Praxis büffeln

Da wäre ein begleiteter Erstversuch womöglich näher an der Realität. Es könnten sich zudem die Regeln für weitere Partnerschaften lebhaft einspielen und müssten nicht ihrer vorherigen Begutachtung im Labor unterzogen werden. Oft ist es vorteilhafter, sich der rauen Wirklichkeit auszusetzen, als strategisch zu planen, wie man ihr begegnen könnte. Stellen Sie Ausgereiftes auf den Prüfstand, Versuch macht klug. Viele Probleme, die sonst umsichtig umgangen oder einer vorsorglichen Lösung zugeführt werden müssten, treten gar nicht erst auf. Wenn zwei sich verstehen, kommen sie auch zurecht und arbeiten gemeinsam auf das gleiche Ziel hin. Unstimmigkeiten, zu denen es dabei dennoch kommen kann, werden entweder aus der Welt geschafft, oder der Versuch muss als gescheitert gelten. Derartiges kann auch dann geschehen, wenn ein verklausuliertes Reglement zu befolgen ist, wozu sich die Vertragsparteien im Vorfeld verpflichten. Damit wird die Auseinandersetzung jedoch nicht einfacher, es kann wohl sein, dass einer besser wegkommt. Zu wünschen bleibt, dass alle Bemühungen münden in eine harmonische Zusammenarbeit.

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