Gaia X: Welche Chancen und Risiken bestehen für Unternehmen und Franchises ?

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gaia x franchise

Die Modernisierung unserer Gesellschaft schreitet beständig voran. Waren vor einigen Jahren tragbare Computer – also Laptops – Flachbildschirme und Smartphones noch eine unglaubliche Neuerung und stellten einen bahnbrechenden Fortschritt dar, hat unsere Technik seitdem nochmals einen enormen Sprung gemacht. Mittlerweile verzichten immer mehr Unternehmen auf Medien und Akten in ausgedruckter Form und speichern stattdessen die großen Datenmengen online in sogenannten Clouds ab.

Auch Privatpersonen kennen diese Art des Speicherns und laden ihre Fotos, Videos und Dokumente fleißig in sogenannten Ordnern und Clouds hoch. So kann man von überall auf die Daten zugreifen und muss nicht befürchten, dass diese in Papierstapeln verschwinden oder aus Versehen vom Computer oder dem Handy gelöscht werden. Ganz in diesem Sinne wurde im Oktober das von unserem deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier ins Leben gerufene Projekt Gaia X auf dem Digital-Gipfel in Dortmund vorgestellt. Was sich hinter diesem Projekt verbirgt und welche Chancen und Risiken damit für Unternehmen und Franchises verbunden sind, wollen wir im folgenden Artikel darstellen.

1) Gaia X – Ein Projekt für die Gegenwart?

Wie schon erklärt, bieten Clouds Speicherplatz, Rechenleistung und Anwendungssoftware in virtueller Form an. Die Clouds müssen nicht wie andere Programme heruntergeladen werden und auf dem Computer, Tablet oder Smartphone gespeichert werden. Stattdessen sind sie im Internet abrufbar und schützen die Nutzer dadurch vor Datenverlust und können zu jeder Zeit und an jedem Ort abgerufen werden. Unternehmen nutzen diese Clouds nun beispielsweise auch, um Kundendaten zu speichern oder Ergebnisse und Informationen festzuhalten. Auf die firmeninternen Clouds können dann alle befugten Mitarbeiter zugreifen und parallel daran arbeiten. Heutzutage ist diese IT-Infrastruktur schon gut entwickelt und eine große Anzahl von Unternehmen arbeitet mit eigenen Versionen der Cloud. Die bekanntesten Unternehmen, welche über ihre eigene Cloud verfügen, sind:

• Google Drive
• Apple iCloud
• OneDrive von Microsoft
• Nextcloud
• Dropbox
• Mega
• MagentaCLOUD
• Baidu Yun
• Yunwei
• 360 Yunpan

Schaut man sich diese Liste genauer an, stellt man fest, dass die Anbieter der Clouds ausschließlich ausländische Unternehmen sind, obwohl Deutschland sogar maßgeblich bei der Entwicklung der Technologie mitgewirkt hat. Denn der deutsche Bundesstaat ist wie so oft vorsichtig geblieben und wollte sich die Neuerung zunächst mal aus der Ferne genau anschauen. Nur 73 Prozent der deutschen Unternehmen arbeiten mit Clouds, wohingegen zum Beispiel in der USA bereits vor mehreren Jahren unglaubliche 90 Prozent die Dienste der IT-Infrastruktur nutzten. Das zeigt, dass Deutschland zwar weltweit als wirtschaftliche Macht gilt, technisch gesehen jedoch noch so einigen Nachholbedarf hat.

In letzter Zeit sind jedoch Bestrebungen aufgekommen, ein eigenes deutsches bzw. europäisches Cloudnetzwerk zu erstellen und genau darum dreht sich das Projekt Gaia X. Dieses Projekt soll auf europäischer Ebene ablaufen und somit allen europäischen Unternehmen, die Möglichkeit bieten, sich auf einer Datenplattform anzusammeln, auf welcher den Unternehmen die höchsten Sicherheitsstandards geboten werden sollen. Somit entsteht eine Vernetzung der Unternehmen. Mit der Hilfe von innovativen und hochmodernen Instrumenten wären die Unternehmen somit in der Lage, Daten zu analysieren und für ihre Zwecke zu nutzen. Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, arbeiten aktuell fast 100 Unternehmen aus 17 Ländern zusammen, um das Projekt Gaia im nächsten Jahr realisieren zu können. Momentan wirken an der Entwicklung des Projekts Gaia X vor allem Großunternehmen wie Bosch, SAP, Telekom, die Deutsche Bank und Siemens mit. Jedoch auch das Ministerium , die öffentliche Verwaltung, die Gesundheitsindustrie und wissenschaftliche Einrichtungen beteiligen sich maßgeblich an dem europäischen Fortschritt.

2) Chancen, die aus dem Projekt Gaia X resultieren

Bisher nutzten Unternehmen vor allem Clouds aus dem Ausland. Vor allem Anbieter aus China und Amerika profitierten dabei stark von den europäischen Kunden. Die deutschen Unternehmen jedoch sind häufig noch nicht wirklich in die Materie eingetaucht und beäugten die Cloud-Dienste zunächst kritisch. Die Angst, das vorhandene Kapital in etwas zu investieren, was dem Unternehmen nicht förderlich ist, war bisher groß, weswegen nur ein kleiner Teil des Leistungsangebots solcher Dienstleister in Anspruch genommen wurde. Doch gerade kleine und mittelständische Unternehmen profitieren enorm von den Cloud-Diensten und könnten sich durch deren Einsatz auf dem deutschen und internationalen Wirtschaftsmarkt besser platzieren. Durch ein von Deutschland initialisiertes Projekt könnten deutsche Unternehmen endlich Vertrauen in die Technologie setzen, Fachkräfte ausbilden und die bisherigen Wettbewerbsnachteile hinter sich lassen. Denn durch die Cloud können innovative und neue Geschäftsmodelle nun umgesetzt werden. Die Entwickler von Gaia X achten zudem sehr darauf, dass Gaia X benutzerfreundlich bleibt und sich somit leicht in schon bestehende Unternehmen eingliedern lässt.

Weiterhin befürchteten Unternehmen bis jetzt Spionage und Überwachung der eigenen Daten. In den letzten Jahren landeten vor allem die Länder China, Russland und Amerika mit negativen Schlagzeilen in der Zeitung, da sie sich unberechtigterweise Zugriff auf persönliche Daten von Privatpersonen aber auch von Unternehmen beschafft haben. Durch einen europäischen Anbieter der IT-Infrastruktur müssten die Unternehmen keine Angst mehr um ihre vertraulichen Daten haben und könnten diese beruhigt und ohne böse Vorahnungen in die Cloud laden. Damit hängt auch das Thema Datenschutz zusammen. Denn im Mai 2018 wurde die Datenschutzgrundverordnung erlassen, die verbindliche Regeln für Unternehmen formuliert, um die Verbraucher vor Missbrauch zu schützen. Unternehmen, welche gegen diese verstoßen, müssen mit Strafen bis zu 20 Millionen Euro rechnen oder den Einzug von bis zu 4 Prozent der weltweiten Einnahmen. Bisher stellten diese neuen Vorgaben die deutschen und europäischen Unternehmen vor ein großes Problem, da sich die Cloudanbieter aus nicht-europäischen Ländern wenig um deren Einhaltung scherten. Durch eine europäische Cloud wären diese Schwierigkeiten aus dem Weg geschafft. Gleiches gilt auch für die Sicherheitsbestimmungen und die AGBs. Diese könnten nun auf die europäischen Bedürfnisse angepasst werden und unsere Unternehmen müssten sich nicht länger den amerikanischen oder chinesischen Standards unterordnen.

Durch die Entwicklung des Projekts Gaia X wird allerdings auch die europäische Wirtschaft an sich gestärkt. Denn unsere Unternehmen sind selbst an der Umsetzung der Datencloud beteiligt und können somit eigene Innovationen und Ideen mit einfließen lassen. Die Unternehmen, welche sich dann anschließend für Gaia X entscheiden, müssen einiges in die Fort-und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Doch von diesen Fachkräften werden letztendlich am meisten die Unternehmen selbst profitieren.

Denn die Angestellten können ihr gewonnenes Wissen und Know-how nun auch im geschäftlichen Alltag einfließen lassen und die Stellung des Unternehmens durch Innovation beflügeln. So kann das gesamte Potenzial der Modernisierungen ausgeschöpft werden, was letztendlich zu einer Stärkung des deutschen Marktes führen wird. Ausländische Unternehmen werden durch eine europäische Datencloud letztendlich einen gewissen Teil ihres umfassenden Einflusses auf Europa verlieren und sich möglicherweise ein gutes Stück zurückziehen. Das Monopol der ausländischen Unternehmen in Europa würde weichen. Somit wäre mehr Platz für die Entfaltung unserer nationalen und europäischen Unternehmen, um sich zu entfalten und zu wachsen.

Weiterhin sind vor allem Dienste der chinesischen Cloudanbieter in deren Landessprache verfasst. Kunden in anderen Ländern wird es aus diesen Gründen eher schwerfallen, die Anweisungen zu befolgen und das volle Angebot der Clouds zu nutzen. Allerdings tun sich auch gerade kleine und mittelständische Unternehmen schwer damit, die Clouds in englischer Sprache zu gebrauchen. Denn nicht jeder beherrscht die Fremdsprache perfekt und kann vor allem die spezifische Fachsprache verstehen. Durch eine europäische Cloud bestünde die Möglichkeit, dass die einzelnen Länder ihre Sprache in der Anwendung wiederfinden. Die Nutzung wäre somit erleichtert und teure Übersetzer müssten nicht mehr engagiert werden.

Letztendlich kann man sagen, dass der Austausch europäischer Unternehmen gefördert wird und die einzelnen Domänen sich dadurch besser herausbilden und erweitern können. Gleichzeitig sind die einzelnen Industrien allerdings in der Lage untereinander zu kommunizieren und dadurch das wirtschaftliche Wachstum von Europa zu beschleunigen. Zusätzlich werden sich durch das Projekt neue Arbeitsplätze entwickeln und Unternehmen gründen, die speziell auf die Arbeit mit Gaia X ausgerichtet sind.

3) Risiken, mit welchen die europäischen Unternehmen rechnen sollten

So ambitioniert die Absichten der Europäischen Union auch sind, klar ist, dass viele Fragen rund um das Projekt noch nicht geklärt sind. Und die Zeit drängt, denn schon nächstes Jahr soll Gaia X auf dem europäischen Markt bereits getestet werden. Vor allem die finanziellen Belange sind noch nicht geklärt. Wer wird die Finanzierung übernehmen und mit welchen Summen ist zu rechnen? Wie sehen die technischen Details aus und wie kann die Cloud letztendlich umgesetzt werden?

Weiterhin müssen auch Schnittstellen erstellt werden, welche es sämtlichen Ländern ermöglicht, auf die Cloud zu zugreifen. Es sollte nämlich unbedingt vermieden werden, dass die einzelnen Unternehmen sich zusätzlich noch ein neues IT-System einrichten müssen, welches teuer ist und große fachliche Anforderungen erfordert.

Außerdem ist anzumerken, dass andere Anbieter von Cloud-Diensten bereits seit mehren Jahren oder sogar Jahrzehnten auf dem Markt bestehen! Sie konnten ihr Produkt durch eine intensive Testphase etablieren und durch die langjährige Erfahrung optimieren. Das Projekt Gaia X hinkt im internationalen Vergleich also enorm nach. Zudem haben Amazon und Microsoft schon angekündigt, dass sie sich gerne an dem Projekt beteiligen möchten. Inwieweit dann die Sicherheitsbestimmungen wirklich gewährleistet werden, ist fraglich.

Da die deutschen Unternehmen im Moment ja auch die internationalen Angebote nutzen, muss sich Gaia X durch eine hohe Effizienz und einen niedrigen Preis auszeichnen, sodass die Unternehmen gewillt sind, auf die europäische Alternative umzusteigen. Wirft man allerdings einen Blick auf die aktuellen Nachrichten, scheint dies im Moment noch weit von der Realität entfernt zu sein. Unternehmen, welche die Bestrebungen der Europäischen Union unterstützen wollen, könnten dementsprechend gerade zu Beginn mit hohen Kosten und geringerer Leistung konfrontiert werden. Sollten sich diese Probleme dann nicht schnell einstellen, kann es sein, dass die Cloud genauso schnell vom europäischen Markt verschwindet, wie sie gekommen ist.

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