Götz Rehn: Unternehmerporträt des Alnatura Gründers

29.09.2018 08:00 | Ein Unternehmen gründen

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Bio liegt seit Langem schon im Trend, doch in seiner ganzen Vielfalt zeigt er sich vornehmlich in der Auswahl von Alnatura. Ein Sortiment von 3.500 Produkten scheint so unüberschaubar zu sein, dass man eine ganze Weile braucht, um es vollständig kennengelernt zu haben. Dahinter steht ein Konzept, das sich dem Franchising leider verschließt, erdacht und umgesetzt wurde es vom Gründer Götz Rehn. Was hat ihn dazu veranlasst, welche bislang erreichten Erfolge sollen in Zukunft noch übertrumpft werden?

Götz Rehn ist einer von zwei Kampfhähnen

Die Namensähnlichkeit mit dem dm-Boss mag Zufall ein, sie hatte indes Konsequenzen. Anhaltende Streitigkeiten, die Markenrechte betreffend, sind inzwischen beigelegt, sie haben jedoch viel Energie gebunden. Oder gerade freigesetzt? Manchmal geht es eben nicht anders, wenn zwei mit Entschiedenheit verfochtene Strategien aufeinandertreffen. Dabei war man sich geraume Zeit einig, bis es zum Eklat kam. Das kommt auch in anderen vornehmen Häusern vor, Hauptsache, man kann noch miteinander reden. Wer unter das schützende Dach von jemand anderem schlüpft – das gilt auch für Franchisenehmer – kann sich darunter wohlbehütet fühlen, bis es an der Zeit dafür ist, flügge zu werden.

Erst vereint, dann eigenständig: Götz Rehn

Franchisegeber wissen es: Man muss sich zunächst starke Partner suchen, um später erst dem eigenen Kurs zu folgen. Der Bio-Markt ist weder vor Plagiaten noch vor denen sehr wirksam geschützt, die sich ein Siegel an die Fersen heften. Für einen, der sich allergrößte Mühe gibt bei der Aufzucht etwa von Getreide ist es alles andere als einfach, sich Kampfpreisen gegenüber zu behaupten. Da bieten sich Zusammenschlüsse an, um die Interessen des Einzelnen wirksam zu vertreten. Gelegentlich ist das nicht von Dauer, und dann muss man sich umorientieren, wenn man nicht auf der Strecke bleiben will. Redliches Handeln wird nicht per se schon anerkannt, auch dafür braucht es ein tragfähiges Image.

Wer in die Zukunft schauen will, muss großen Mut beweisen

Für manchen ist es an sich schon ein Unding, biologisch wertvolle Lebensmittel im Supermarkt anzubieten, doch wenn die Entwicklung keine Wahl lässt, kann man sich nur darin bestätigt fühlen, zum Vorreiter geworden zu sein. Den Märzenbecher aus dem Breisgau verschlug es bald ins Ruhrgebiet, auch hier gibt es Waldorfschulen. Doch sobald man ihm den universitären Einlass gewährte, kehrte er zurück und widmete sich neben der Volkswirtschaft auch der Bildhauerei. Als dissertierter Sohn aus einer Arztfamilie ließen weitere Ehrungen nicht lange auf sich warten, und der heutige Honorarprofessor wurde Produktmanager bei Nestlé. Das konnte wohl nicht lange gut gehen, zum Glück gab es den späteren Schwager.

Aufbauhilfe von verständigen, vorübergehenden Begleitern

Sein Geschäft im Geschäft führte Rehn zunächst bei dm und auch bei tegut, bis der 1. Oktober 1987 kam. Er kann als Geburtsstunde der Bio-Supermärkte gelten, nachdem das Wort Alnatura bereits knappe drei Jahre zuvor eine Marke geworden war. Schon zur Jahrtausendwende wurde von Gluten und Laktose Befreites angeboten, die Verabschiedung aus den Verflechtungen des Konzerns hatte seinerzeit bereits dazu geführt, andere Unternehmen organisch sozial zu beraten. Auch gesamtgesellschaftlich zieht Götz Rehn an den Fäden für mehr Umweltbewusstsein im Management und vertritt in diesem Zusammenhang die Ansicht, dass Menschen nicht dressiert werden dürfen.

Vielseitig orientiert, doch immer seiner eigenen Linie treu

Von früher Jugend an in viele Richtungen offen, suchte Götz Rehn sowohl die Nähe zum Gießen von Kokillen als auch zu den damals üblichen Praktiken bei Ackerbau und Viehzucht. Ganz nebenbei wäre aus ihm beinahe ein Schreiner geworden, doch währenddessen ließ ihn die Philosophie nicht los. Prägend war für ihn der Besuch in einer hydraulischen Fabrik am Main, der ihm verdeutlichte, dass auch im Wirtschaftsleben jemand gebraucht wird, der mit dem Hörrohr ausgestattet ans Werk geht. Man muss den Organismus wertschätzen können, um ihn zu außergewöhnlich bekömmlichen Leistungen zu motivieren. Das wurde früh erkannt und hat sich in der Folgezeit oftmals bewahrheitet.

Entscheidender als manches andere ist die Überzeugung

Wer die Betriebswirtschaft in führender Rolle mit der Seelen- und Gesellschaftskunde anerkannt zu verbinden weiß, der kommt darüber hinausgehend auf noch ganz andere Ideen. Seiner Zeit voraus zu sein ist etwas, das Maßstäbe setzt, auch wenn es noch eine Weile braucht, bis sie sich durchsetzen können. Der Glaube daran aber darf ruhig unerschütterlich sein, das hilft beim Durchhalten. Eine Idee zu verkaufen, die Sinn ergeben soll, erfordert Geduld und Unterstützung, mit irreführender Vielfalt bei verbreiteter Kleinkrämerei aufzuräumen ist kein Zuckerschlecken. Den Erzeugern hat es gut getan, selbst wenn nicht alle dabei mitziehen konnten oder wollten.

Organisches Wachstum verabscheut Aufgezwungenes

Gegen den Widerstand der Banken ein langwieriges Projekt auf die Beine stellen zu müssen, verlangt auch Opfer von den Förderern. Wegweisend war, Frisches bewässernd länger ansehnlich zu erhalten, sparsam, Regale bei Nacht und Nebel selbsttätig zu befüllen. Bei der Standortwahl richtete man sich nicht zuletzt nach der Verbreitung von Biohöfen in der näheren Umgebung, sodass Produkten kein regionaler Stempel aufzudrücken war. Beweglichkeit ist das, was zählt, vor allem in den Köpfen. Man muss keine Rekorde brechen wollen, wenn man überschaubar und dabei verantwortlich bleiben möchte.

Auch ein Portemonnaie verschimmelt in den Fluten

Dabei darf manches auch einzigartig sein, wie etwa Kekse aus Dinkel und Kokos oder Linsen als Snacks, die kaum zu imitieren sind. Doch alles braucht seine Zeit. Wer denkt schon an sauberes Grundwasser, wenn er den Geldbeutel schonen will? Probleme wird es immer geben, doch wie sie anzugehen sind, das duldet mitunter keinen Aufschub. Wer sich als Franchisenehmer einer allgemein verträglicheren Linie verschreiben will, der kann es zum Beispiel bei tegut versuchen.

Den Spagat zu wagen, zwischen industrieller Fertigung und individuell Einträglichem einen Kompromiss zu schließen ist nicht leicht, es gibt indes schon eine ganze Reihe vorgefertigter Modelle dafür. Schauen Sie mal beim Sonnentor herein, oder verschaffen Sie sich generell einen Überblick darüber, inwieweit der nachhaltige Anbau Einzug in die Vermarktung dessen gehalten hat, was man zum Überleben dringend braucht.

Grundnahrungsmittel sind die eine Seite der Medaille, wie man sie herstellt und was man daraus macht, wirft unter Umständen viele Fragen auf. Völlig kontraproduktiv ist es indes, wenn krank macht, was am Leben erhalten soll. Es kann durchaus sehr schwierig werden, sich diesbezüglich Klarheit zu verschaffen.

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