Götz Rehn: Unternehmerporträt des Alnatura Gründers

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Die ersten Jahre des Götz Rehns

Als Sprössling einer langen Reihe von erfolgreichen und berühmten Ärzten trat Götz Rehn in Fußstapfen, die seinen eigenen Werdegang von Beginn an vorzeichneten. 1950 in Freiburg geboren, besuchte Götz Rehn zunächst eine ansässige Grundschule, bevor er auf die Waldorfschule in Bochum-Langendrea wechselte. Diese Schulart unterscheidet sich enorm von der klassischen Sekundarstufe und prägte somit Rehns zukünftiges Denken und Handeln. Anstelle sich ausschließlich auf die Theorie von Wissen zu konzentrieren, vermittelt die Waldorfschule auch handwerkliche Fähigkeiten. Rehn wurde aufgrund dessen während seiner Schulzeit in landwirtschaftlichen Berufen geschult, konnte ein Praktikum in der Kokillengießerei absolvieren und durfte sich intensiv mit der Arbeit eines Schreiners auseinandersetzen. Diese Eindrücke, gepaart mit viel Philosophieunterricht stärkten die Persönlichkeit des Alnatura Gründers und veranlassten ihn dazu, nach seiner Schulzeit ein Studium anzustreben, das Wirtschaft mit Themen verbindet, die ihm wichtig sind. Rehn legte nämlich stets viel Wert auf das Wohl von Mensch und Tier und wollte die Umwelt in seinen späteren Beruf mitintegrieren.

Die Anfänge des Unternehmens Alnatura

Aus diesem Grund entschied sich Rehn nach der Schule, ein Studium der Volkswirtschaft zu absolvieren. Dadurch sah er sich als Arzt der Wirtschaft, der es meisterte, die Betriebswirtschaft mit Soziologie und Psychologie zu paaren. Somit war Rehn in der Lage, einen sozialen Organismus auf dessen Effizienz und Ertragsfähigkeit zu prüfen, aber auch seine Gestaltung so zu steuern, dass die Menschen gerne an ihrem Arbeitsplatz tätig waren und dies durch Motivation und eine ganz spezielle Beziehung zu ihrem Beruf verdeutlichten. Diese Thematik lag Götz Rehn so am Herzen, dass er daraus ein Modell entwickelte und in Vorträgen Interessierten vorstellte. Im Zuge dessen wurde auch der damalige, deutsche Chef Helmut Maucher des Unternehmens Nestlé auf Götz Rehn aufmerksam und bat ihm einen Posten als Trainee an. Ab August 1978 bekleidete Rehn verschiedene Posten bei Nestlé, die ihm vor allem viel Erfahrung und Expertise einbrachten. Im März 1884 kündigte Rehn den Vertrag mit Nestlé jedoch und beschloss, dass es nun an der Zeit war, eigene Wege zu gehen. Er gründete zunächst eine Unternehmensberatung für Sozialorganik, wusste allerdings, dass dies noch nicht die endgültige Richtung seiner Karriere sein wird.

Als Rehn auf den Vorsitzenden des Unternehmens dm - Götz Werner - stieß, der später sein Schwager werden sollte, fand er einen Sympathisanten seiner von der Anthroposophie angehauchten Ideen. In Kooperation mit Götz Werner und Wolfgang Gutberlet von tegut gründete Rehn im April schließlich sein Unternehmen Alnatura, das jedoch damals noch unter dem Namen Konzeption und Vertrieb natürlicher Lebensmittel Dr. Rehn lief. Die Zusammenarbeit war notwendig, da Rehn festgestellt hatte, dass seine geplante Geschäftskonzeption in diesem Format so nicht umsetzbar war. Denn die biologischen Sortimente zu dieser Zeit waren sehr begrenzt und hätten niemals dazu ausgereicht, einen ganzen Laden damit zu füllen. Außerdem ließ das Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als zu wünschen übrig. Aus diesem Grund war es nötig, dass Rehn nun zunächst seine eigenen Produkte entwarf und herstellte. Diese vertrieb er mit dem Einverständnis von Werner und Gutberlet in deren Niederlassungen, wodurch seine Marke an Popularität gewann.

Am 1. Oktober 1987 war es dann soweit: In Mannheim wurde der erste Supermarkt der Marke Alnatura eröffnet. Das Konzept, biologische Artikel zu vertreiben, die zudem teilweise auch noch gluten- und laktosefrei waren, kam so gut bei der Kundschaft an, dass Rehn in den Folgejahren mehr als 90 weitere Niederlassungen in Deutschland auf den Markt bringen konnte.

Der Schritt in den Einzelhandel ist schwierig und voller Hindernisse. Das wurde auch Götz Rehn schnell klar. Denn ohne finanzielle Rücklagen ist es mehr als schwer, ein eigenes Unternehmen auf dem deutschen Wirtschaftsmarkt zu etablieren. Doch Götz Rehn war klar, dass seine Marke nur den durchschlagenden Erfolg erlangen konnte, wenn die Produkte für die Kundschaft in einem eigenen Supermarkt zugänglich sind. Im üblichen Supermarkt kam Alnatura zwar gut an, ging jedoch trotzdem zwischen der Konkurrenz unter. Um sein Ziel also umzusetzen, galt es die finanziellen Mittel aufzutreiben. Dies setzte Götz Rehn mit der Hilfe von persönlichen Bürgschaftsbanken und der Sparkasse Fulda um. Diese hatten Vertrauen in den Unternehmer und seine Zukunftsvision gesetzt und ihm Unterstützung geboten, als viele andere Banken diese verweigerten.

Der laufende Betrieb

Mit viel Risiko und Zuversicht machte sich Götz Rehn daran, sein Projekt zum Erfolg zu führen. Die Regale der Niederlassungen wurden hauptsächlich nachts gefüllt, um sich tagsüber ausschließlich auf den Vertrieb der Produkte und die Kundenakquise fokussieren zu können. Denn das Unternehmen Rehns war sehr waghalsig: Den Kredit in Höhe von 600.000 D-Mark hatte der Alnatura-Gründer ohne Sicherheiten aufgenommen, weswegen er möglichst bald auf einen schnellen und vor allem hohen Umsatz angewiesen war.
Im Gegensatz zu anderen Unternehmen hatte Rehn nicht die Möglichkeit, seine Geschäftsidee zunächst in einer zweijährigen Testphase zu studieren und zu analysieren. Nein, das Geschäft musste sofort florieren, sonst lief er Gefahr, all seine Visionen und vor allem auch seine eigene Zukunft in den Sand zu setzen. Trotzdem zahlte sich seine Waghalsigkeit aus, denn Produkte in dieser Art gab es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf dem deutschen Wirtschaftsmarkt. Er revolutionierte die deutschen Supermärkte und Kunden waren sogar bereit, mehrere 100 Kilometer zurückzulegen, um sich mit den Artikeln von Alnatura einzudecken.
Bis 2018 schaffte es Rehn, auf insgesamt 126 Niederlassungen zu kommen, die 3.150 Menschen mit einem festen Job und einem regelmäßigen Gehalt versorgen. Er zeigt dadurch, dass man mit einer außergewöhnlichen Idee Großes erreichen kann und gleichzeitig, dass Alnatura sich zu einer wirtschaftlichen Größe entwickelt hat, die von dem deutschen Wirtschaftsmarkt nicht mehr wegzudenken ist.
Alnatura wird mittlerweile nicht nur in dm- und tegut-Filialen vertrieben, sondern auch in dem luxemburgischen Familienunternehmen Cactus S.A und den schweizer Unternehmen Migros und Luzern.

Alnatura – eine traditionelle Marke mit modernen Ansichten

Das Unternehmen legt sehr großen Wert auf ein harmonisches Miteinander. Deswegen werden den Mitarbeitern faire Arbeitsbedingungen geboten und auf eine einvernehmliche Zusammenarbeit geachtet. Alnatura möchte, dass sich die Angestellten wohl im Unternehmen fühlen, jeden Tag gerne ihre Schicht antreten und ihre Arbeit mit Motivation und Freude ausführen. Gleiches gilt für die Geschäftspartner. Alnatura hat sich von Massentierhaltung abgewandt und betont, dass es dem Unternehmen nicht um Profit und Umsatz geht, sondern darum, dass sinnvolle Alternativen zu den Billigprodukten aus den klassischen Supermärkten und Discountern gefunden werden. Diese zeichnen sich in erster Linie durch ihren niedrigen Preis aus, sind jedoch auch qualitativ gesehen weniger ansprechend. Außerdem beziehen diese Artikel weder das Wohl des Menschen, der Tiere noch der Umwelt mit ein.
Alnatura hingegen verkauft seine Produkte zu fairen und angemessenen Preisen. Diese ergeben sich aus den Ansprüchen der Bio-Bauern und dadurch, dass diese im Sinne der Nachhaltigkeit produziert werden. Es wird darauf geachtet, so wenig Zusatzstoffe wie möglich beizufügen und ausschließlich natürliche Zutaten zu verwenden. Qualität hat eben seinen Preis. Wer diese jedoch schätzt, wird gerne bereit sein, etwas mehr Geld für seine Artikel zu bezahlen.
Die Bio-Bauern, in welche Alnatura sein Vertrauen gesetzt hat, werden trotz ihrer Zuverlässigkeit immer wieder kontrolliert und überprüft. Gleiches gilt für die Aufnahme eines neuen Artikels in das Sortiment von Alnatura. Nur die Besten der Besten finden Einzug in die Regale und müssen eine ausgiebige Prüfung des Expertengremiums von Alnatura über sich ergehen lassen, bevor sie grünes Licht erhalten.
In unserer heutigen Gesellschaft wird sich extrem mit Themen wie der Umwelt und dem Tierschutz beschäftigt. Durch unser unreflektiertes Handeln in der Vergangenheit hat es der Mensch geschafft, die Erde nicht nur in Gefahr zu bringen, sondern sogar ihr zukünftiges Bestehen zu bedrohen. Im Zusammenhang damit steht natürlich das Artensterben und die Tatsache, dass die meisten Staaten und Länder immer noch keine Gesetze erlassen haben, die sich mehr dem Tierwohl widmen. Viele Küken kommen beispielsweise immer noch in den Häcksler, wenn sie männlichen Geschlechts sind. Dies ist auch eine Vorgehensweise, welche von vielen Biounternehmen umgesetzt wird. Alnatura hingegen weigert sich, mit dem Leben von Tieren so unachtsam und unethisch umzugehen. Dieses Beispiel spiegelt die Philosophie und die aufrichtigen Werte des Unternehmens wider.
Ähnlich respektvoll geht Alnatura auch mit den Menschen um. Die Existenz von vielen Bauern ist bedroht, da sich Supermärkte und Großhändler weigern, einen angemessenen Preis für deren Produkte zu zahlen. So stehen die Einnahmen und die Ausgaben der Landwirte kaum im Gleichgewicht und die Bauern, die täglich schwere Arbeit leisten, können sich kaum über Wasser halten. Alnatura setzt sich nicht nur für faire Milchpreise ein, sondern versucht auch, das Bestreben vieler Landwirte zu fördern, auf Bioprodukte umzustellen. In der unternehmenseigenen Bio-Bauern-Initiative werden die Landwirte unterstützt und finanziell gefördert, sodass sie ihren Weg in die Welt der Bioprodukte finden und starten können.

Ein Franchise mit Alnatura

Wer von dem Unternehmen und dessen Handeln und Ideen nun begeistert und überzeugt ist, wird enttäuscht sein zu hören, dass sich das Unternehmen nicht auf das Franchisesystem spezialisiert hat. Allerdings gibt es andere Franchisegeber, die sich auf die gleichen Werte wie Alnatura fokussiert haben und diese in ihrem täglichen, unternehmerischen Alltag umsetzen. Wem dies nicht reicht, der kann natürlich selbst sein eigenes Unternehmen eröffnen und nach dem Vorbild von Alnatura umsetzen. Die letzten Entwicklungen unserer Gesellschaft zeigen, dass die Menschen immer mehr im Sinne der Umwelt agieren wollen und dementsprechend auf Produkte setzten, die nachhaltig hergestellt wurden.

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