Die Gründung einer Genossenschaft – was ist der Unterschied zum Franchising?

25.05.2018 14:00 | Ein Unternehmen gründen

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Viele Menschen träumen davon, sich selbstständig zu machen und beruflich eigene Wege zu gehen. Allerdings stellt der Schritt vom Angestelltenverhältnis zur Selbstständigkeit einen großen Einschnitt dar. Viele schrecken dann letztlich doch vor den zahlreichen Herausforderungen und Risiken zurück. Die Unsicherheit, die die Existenzgründung gegenüber einem mehr oder weniger sicheren Angestelltenverhältnis mit sich bringt, ist vielen dann doch zu groß. Allerdings gibt es auch sicherere Varianten, um sich selbstständig zu machen. So könnte die Gründung einer Genossenschaft vielleicht interessant für Sie sein? Dieser Artikel klärt Sie über dieses Modell auf und zeigt den Unterschied zum Franchising auf.

Was genau hat es mit einer Genossenschaft eigentlich auf sich?

Bei einer Genossenschaft handelt es sich um einen Zusammenschluss von juristischen oder natürlichen Personen, die gemeinsam ein bestimmtes wirtschaftliches Ziel verfolgen. Eine Genossenschaft bündelt die Kräfte seiner Mitglieder, so dass diese sich besser unterstützen und ihre Ziele erreichen können. Allerdings bewahren die Mitglieder im Verbund ihre Selbstständigkeit, jeder ist gleichberechtigt, aber gemeinsam sind sie stärker: Mit gebündelten Kräften übersteigt ihr Verbund die Möglichkeiten der einzelnen Mitglieder.

Was für Arten von Genossenschaften gibt es?

Es gibt ganz verschiedene Arten von Genossenschaften, die sich durch alle Bereiche unserer Wirtschaftssektoren ziehen:

  • Absatzgenossenschaften vertreiben Produkte gemeinsam unter einem Markennamen;
  • Einkaufs-, Beschaffungs- oder Bezugsgenossenschaften beschaffen größere Bestellmengen und können so zu günstigeren Einkaufspreisen beschaffen;
  • Landwirtschaftliche Produktions- und Absatzgenossenschaften gibt es beispielsweise in der Milchwirtschaft in Form von Molkereigenossenschaften;
  • Winzergenossenschaften bewirtschaften Felder, produzieren und füllen gemeinsam ab und vermarkten sich zentral;
  • Im Finanzwissen haben sich Kreditgenossenschaften in Form von Volks- und Raiffeisenbanken etabliert.

Bei einer Genossenschaft handelt es sich um eine eingetragene Genossenschaft, die in der Regel als eG abgekürzt wird, und eine Form der Kapitalgesellschaft darstellt.

Diese privatwirtschaftliche Kooperationsform besteht aus mindestens 3 Mitglieder, die ein gemeinsames wirtschaftliches Ziel verfolgen.

Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit: Seit wann gibt es Genossenschaften?

Die ersten Genossenschaften wurden bereits im Mittelalter gegründet. Damals kamen solche Verbunde vor allem bei den Handwerkern oder im Bergbau als Knappschaft zum Tragen. Im 19. Jahrhundert entstanden dann primär die unterschiedlichen Arten der modernen Genossenschaften: So entstand die erste Einkaufsgenossenschaft in der Textilindustrie im Schottland der 1840er Jahre. Die Raiffeisenbanken verdanken ihren Namen Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der 1847 einen Hilfsverein für das notleidende Landvolk gründete. Wenige Jahre später entstanden die ersten Einzelhandels-Genossenschaften – diese stellten den Ursprung für die Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler dar, die abgekürzt als E.d.K. bekannt wurde und die wir heute noch als Edeka kennen.

Welche Rechte und Pflichten gibt es innerhalb einer Genossenschaft?

Für die Gründung sind mindestens 3 Personen nötig. Bei der Gründung wird die Satzung beschlossen und es wird der Vorstand gewählt. Sobald eine Genossenschaft aus mehr als 20 Mitgliedern besteht, muss es auch einen Aufsichtsrat geben.

Die Mitglieder beteiligen sich mit unterschiedlich hohem Kapital an der Genossenschaft und werden somit zum Mitentscheidungsträger. Unabhängig von der investierten Kapitaleinlage erhalten sie eine Stimme in der Genossenschaft, so sind alle Mitglieder untereinander gleichberechtigt.

Das Motto einer Genossenschaft lautet „gemeinsam sind wir stark“: Denn ein jedes Mitglied trägt weiterhin Eigenverantwortung, man profitiert aber von den wirtschaftlichen Möglichkeiten, die der freiwillige Zusammenschluss mit sich bringt. So profitiert man als Mitglied von den Stärken der anderen. Dabei bilden das gemeinsame wirtschaftliche Handeln und die soziale Verantwortung die Basis des Genossenschaftskonzeptes. Trotz Mitgliedschaft in dem Verbund, bleibt ein Jeder selbstständig. Ein Jeder besitzt also sein eigenes von ihm gegründetes und geführtes Unternehmen.

  • Mindestens 3 Personen sind zur Gründung nötig
  • Satzung und Vorstand werden bei der Gründung beschlossen
  • Alle Mitglieder sind untereinander gleichberechtigt
  • Unterschiedlich hohe Kapitaleinlagen können von den Mitgliedern investiert werden
  • „Gemeinsam sind wir stark!“
  • Eigenständigkeit geht nicht verloren
  • Jedes Mitglied besitzt sein eigenes Unternehmen

Die Vorteile an der Gründung einer Genossenschaft

Bei einer Genossenschaft werden die Herausforderungen gemeinsam gemeistert und lassen sich so einfacher bewältigen. Dank des Zusammenschlusses sind die einzelnen, selbstständigen Mitglieder stärker und können so gemeinsam erfolgreicher sein.

Ist die Gründung einer Genossenschaft kompliziert?

Hierbei handelt es sich um ein unkompliziertes Unterfangen: Der Verbund muss sich lediglich beim Amtsgericht in das Genossenschaftsregister eintragen. Der regionale Genossenschaftsverband prüft daraufhin die Zukunftsaussichten des frisch gegründeten Verbundes.

Da die Gründung einer Genossenschaft so unkompliziert vonstatten geht, ist es für viele Gründer sehr attraktiv. Vor allem wenn eine Kooperation mehrere Gründer angestrebt wird, die dieselben wirtschaftlichen Ziele verfolgen, ist diese Art der Rechtsform nahezu perfekt.

Worin liegt der Unterschied zwischen einer Genossenschaft und dem Franchising?

Auch beim Franchising geht es darum, dass man gemeinsam als Netzwerk stärker ist von zahlreichen Vorteilen profitiert. Beim Franchising ist man gemeinsam stärker – das ist der allseits bekannte Unterschied zu einer herkömmlichen Gründung. Der Unterschied zur Genossenschaft ist, dass es sich hierbei nicht um einen Zusammenschluss gleichberechtigter Mitglieder handelt, sondern dass es lediglich eine partnerschaftliche Vertriebsform für ein am Markt getestetes und etabliertes Geschäftskonzept ist.

Dem Franchisegeber gehören die Rechte für dieses Geschäftskonzept. Er ist der Alleininhaber und Besitzer aller gewerblichen Schutzrechte, was die Marke, den Namen, das Warenzeichen, Patente oder Gebrauchsmuster angeht. Mit Entrichten der Franchisegebühr erwerben die Franchisenehmer das Recht und die Pflicht zur Umsetzung dieses Geschäftskonzeptes. Ferner regelt der Franchisevertrag die genauen Rechte und Pflichten für beide Geschäftspartner.

Franchisenehmer profitieren somit von einem Geschäftskonzept und einer umfassenden Unterstützung durch den Franchisegeber. Allerdings haben sie sich auch an seine Vorgaben zu halten. Dafür profitieren die Franchisenehmer von den Vorteilen des Franchisenetzwerkes. Auch wenn sie rechtlich und finanziell eigenständig sind und ihren Franchisebetrieb im eigenen Namen führen, so haben sie sich an die Vorgaben des Franchisegebers zu halten. Allen voran ist hier der einheitliche Marktauftritt zu nennen. Während die Mitglieder einer Genossenschaft vollkommen eigenständig und selbstbestimmt agieren, sind Franchisenehmer zwar rechtlich selbstständige Unternehmer, allerdings haben sie sich an die Vorgaben des Franchisegebers zu halten. So sind Franchisenehmer in vielerlei Hinsicht, was den Auftritt und die Ausübung der Geschäftstätigkeit angeht weisungsgebunden.

Genossenschaften sind also eher gesellschaftsrechtlich organisiert, während im Franchising die individual-rechtliche Beziehung dominiert.

Vorteile vom Franchising:

  • Franchisenehmer erhalten umfassende Starthilfe, so dass viele Barrieren abgebaut werden und diese von einem schnelleren Markteintritt profitieren können;
  • Franchisenehmer bedürfen keiner eigenen zündenden Geschäftsidee, diese wird ihnen vom Franchisegeber vorgegeben;
  • Franchisenehmer erhalten vom Franchisegeber sämtliches Know-How, Marktwissen und Expertise, was für das Betrieben ihres Franchisebetriebes notwendig ist;
  • Franchisenehmer profitieren in der Regel von einem minimierten unternehmerischen Risiko und einer erhöhten Kreditwürdigkeit, da das Geschäftskonzept sich bereits am Markt bewährt hat;
  • Franchisenehmer erhalten Zugriff auf ein ausgeklügeltes Marketingprogramm.

Auch beim Franchising profitieren die Franchisenehmer also von zahlreichen Vorteilen. Und auch das Franchisenetzwerk lebt von dem Motto „gemeinsam sind wir stark.“ Denn eine Einzelperson wäre nicht in der Lage so schnell am Markt mit einer neuen Geschäftsidee Fuß zu fassen. Der Unterschied zu einer Genossenschaft besteht also darin, dass eine Genossenschaft sich lediglich auf das Erreichen der gemeinsamen wirtschaftlichen Ziele beschränkt, während jedes Mitglied seine vollständige Selbstständigkeit behält und sein eigenes Unternehmen führt. Die Selbstständigkeit wird beim Franchising nämlich in gewisser Weise eingeschränkt, auch wenn sich dadurch andere wirtschaftliche Vorteile für Franchisenehmer ergeben.

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