Gründung einer Genossenschaft erzeugt vom Franchising abweichende Bedingungen

26.05.2018 08:00 | Ein Unternehmen gründen

gründung einer gnossenschaft

Bei der Genossenschaft ist im Gegensatz zum Franchising vieles günstig, selbst ihre Gründung. Wenn sich alle, die sich dadurch zusammenschließen wollen, einig sind, unterzeichnen sie die vorgefertigte Satzung, und das war’s dann. Es entstehen noch nicht einmal Kosten für die Anwesenheit eines Notars, allerdings steht daraufhin bald eine Prüfung an. Die Repräsentanten der verschiedenen Organe werden durch mehrheitlichen Beschluss bestimmt, festzustellen ist, ob die Vermögenslage Gefährdungen ausschließt. Erst nach erfolgter Stellungnahme kann der Eintrag ins Register vorgenommen werden.

Partnerschaft auf einer anderen Ebene als im Franchising

Genossen sind gleichberechtigte Partner, es gibt kein Weisungsrecht, das durch die Gründung einer Genossenschaft ausgestaltet werden könnte. Nicht ungewöhnlich ist, dass mehrere Einzelhändler sich auf diese Weise zusammentun, um beim Einkauf bessere Konditionen auszuhandeln. Im Franchising ist dies bereits vollzogen, der Einzelne kann aber weiter keinen Einfluss darauf nehmen, sondern lediglich die vorgegebenen Bedingungen akzeptieren oder nicht. Man hat oft den Eindruck, als würden sich neu gegründete Genossenschaften immer noch stark an historische Vorbilder anlehnen, während sich das Franchising seit seinen Anfängen sehr gewandelt hat. Spricht das für die Bestandsfähigkeit eines ehernen Prinzips oder dafür, mit der Zeit zu gehen?

Ab Gründung ist eine Genossenschaft rechtswirksam

Man ist halt mehr unter sich in der Genossenschaft, solidarisiert sich eher zum eigenen Vorteil als zu dem Zweck, sein Gewerbe kräftig auszubauen.

  • Gemeinsam sind wir schlagkräftiger, sagen die einen und behaupten sich damit gegen einen übermächtigen Gegner,
  • die anderen wissen, dass einmal Ausprobiertes sich unbegrenzt oft wiederholen lässt.

Dass auch dabei die Menge eine ausschlaggebende Rolle spielt, ist im Grunde von untergeordneter Bedeutung. Der wichtigste Unterschied zwischen einer Genossenschaft und einem Franchise-Unternehmen ergibt sich durch die Verpflichtung zum Erwirtschaften eines möglichst hohen Gewinns, worauf Genossen gut und gern verzichten können. Sie geben sich damit zufrieden, so manches gespart zu haben, etwa beim Zahlen der Miete.

Mit einer Telefonkonferenz ist es nicht getan

Wenn die Genossenschaft ein entsprechendes Ausmaß angenommen hat, kann es sehr formell zugehen. Regelmäßig sind Vollversammlungen einzuberufen, bei denen unter anderem die Mitglieder des Aufsichtsrats gewählt werden sollen. Sie sind ihr gegenüber zum Bericht verpflichtet und können ihrerseits den Vorstand bestimmen, der wiederum sie unterrichtet. Grundsätzlich aber reicht ein Dreigestirn zur Gründung aus, wobei dazu auch Gesellschaften zählen können. Um die Satzung ordnungsgemäß prüfen zu lassen, ist der Beitritt zu einem von derzeit 21 in Deutschland aktiven Zusammenschlüssen angegliederten Prüfungsverband erforderlich, auch muss Eingereichtes mit einer notariellen Beglaubigung versehen sein. Das Verfahren wird alljährlich wiederholt, wenn die Bilanzsumme zwei Millionen überschreitet.

Verschwindend gering oder unüberschaubar

Im Vorstand sollten wenigstens zwei kompetente Repräsentanten tätig sein, wenn die Genossenschaft nicht auf 20 Mitglieder beschränkt bleibt. Bis zu dieser Größe reicht auch einer, der die Geschäfte korrekt führen muss und vertretungsberechtigt ist. Aufsichtsräte treten dreifach oder noch zahlreicher in Erscheinung, sofern die Personaldecke dafür ausreicht. Es macht wenig Sinn, dass ein paar Gründer gleichzeitig diese Funktion ausüben. In dem Fall kann der Verzicht auf das Organ der Genossenschaft satzungsgemäß erklärt werden. Sollten für die Vollversammlung 1.500 Stühle oder mehr zu reservieren sein, darf eine Vertreterversammlung der Einfachheit halber deren Interessen wahrnehmen, etwa geplante Änderungen des Richtlinienkodexes betreffend.

Wirksamkeit erst nach der Registrierung

Auch wenn ein einzelnes Mitglied der Genossenschaft über mehrere Anteile verfügt, kann es nur seine eigene Stimme in die Waagschale werfen. Das wäre zum Beispiel für Aktiengesellschaften undenkbar, was sie grundsätzlich davon unterscheidet. Die Pflicht zur Haftung braucht wie bei einer GmbH das Vermögen nicht zu überschreiten, wenn Nachschüsse explizit ausgeschlossen worden sind. Es können auch andere Summen festgelegt werden, wirksam wird die Klausel jedoch erst nach vollzogener Eintragung ins Register. Bis dahin steht Privatleuten ähnlich der gesamte Besitz auf dem Spiel. Gewinne und Verluste sind anteilsmäßig zu verteilen, von dieser Regelung Abweichendes kann jedoch ebenfalls vorab vereinbart werden.

Ordnungsgemäße Buchführung als Übel

Wie jeder Kaufmann muss auch die Genossenschaft regelmäßig den Jahresabschluss erstellen, wobei der Bilanz neben der Gewinn- und Verlustrechnung auch Anhänge sowie ein Lagebericht anzufügen sind. Die eingetragene Genossenschaft ist als juristische Person sowohl vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen als auch dazu ermächtigt, ihre Rechte wahrzunehmen. Ein Mindestkapital ist für die Gründung nicht vonnöten, die Körperschaftssteuer muss jedoch abgeführt werden. Und eventuell wird zudem eine Gewerbesteuer fällig, es sei denn, der Zweck des Unternehmens wäre auf den Wald, das Wohnen oder Vergleichbares hin ausgerichtet. Insgesamt überwiegen die Vorteile bei dieser Rechtsform, doch es sind auch Hemmnisse zu beklagen.

Problematisches hält sich in Grenzen

Dazu zählt neben der Buchführungspflicht sicher auch der Beitrittszwang, weiterhin kann als belastend empfunden werden, dass

  • der Geschäftszweck sich nicht ausweiten lässt,
  • zum Austritt in der Regel das Ende des Geschäftsjahrs abgewartet werden muss, und
  • es schwierig werden kann, bei einer Vielzahl von Stimmberechtigten Entscheidungen herbeizuführen.

Die beschränkte Haftung erweitert natürlich den Handlungsspielraum, wenn Risiken einzugehen sind, auch werden vereinigte Genossen es zu schätzen wissen, dass sie von geschäftlichen Erfolgen profitieren.

Flexibles Instrument für Freigeister

Ebenso einfach, wie die innere Beschaffenheit einer Genossenschaft gehandelt werden kann, wenn sie nur wenige Köpfe zählt, ist es, ihre Mitgliederzahl zu erweitern. Die Gesellschaft hat Bestand, wie auch immer es um ihre Akteure bestellt sein mag. Sie genießt eine gewisse Reputation, weil ihr kaufmännisches Gebaren von anerkannter Qualität geprägt erscheint. Innerhalb ihrer Struktur gibt es keine Alleinherrschaft, sie bleibt von diktatorischen Allüren befreit und funktioniert lupenrein demokratisch. Ideal ist diese Gründungsform, wenn mehrere Selbstständige dasselbe Ziel verfolgen und es gemeinsam realisieren wollen. Es dürften keinerlei Probleme entstehen, sollte zu einem späteren Zeitpunkt jemand hinzukommen wollen.

Sich selbst helfen – aber wie?

Allerdings muss man sich klar darüber sein, dass prinzipiell die Selbsthilfe regiert und so mancher Geschäftszweck dem entgegensteht. Es geht dabei im Wesentlichen um nichts anderes, als Probleme, die man selbst hat, durch eigene Anstrengung zu lösen. Und wenn es mehrere betrifft, lässt sich das ja ebenso gemeinsam tun. Was genau darunter zu verstehen ist, kann im Einzelfall solidarisch ausdiskutiert werden, der Begriff wird zudem in anderen Zusammenhängen verwendet, ohne dass immer ganz eindeutig ist, wie er sich verschiedenen Formen der Unterstützung gegenüber abgrenzt. Im Franchising sind diese Wege vorgezeichnet.

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