Handyverbot am Arbeitsplatz – Ist diese Regel noch zeitgemäß?

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handyverbot arbeitsplatz

Das Handy ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir möchten ständig erreichbar sein und verlangen auch unbewusst, dass die anderen ebenfalls immer erreichbar sind. Schon alleine die Diskussionen über das Handyverbot in der Schule zeigen, dass man damit schon fast in den persönlichen Freiraum eingreift. Generell betrifft es nicht nur das Privatleben, sondern auch das Arbeitsleben.

Auch hier ist man ständig mit dem Handy zugange, auch wenn es meistens auch beruflich ist. Es ist zu unserer rechten Hand geworden und man verzichtet ungern auf dieses Gerät. Hat man es mal zuhause vergessen, weiß man nicht was man in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit machen soll und einem fällt erst dann auf wie oft man eigentlich am Handy sitzt. Man liest entweder Nachrichten, schreibt Kollegen oder Freunden, hört Musik, schaut etwas im Internet nach oder telefoniert. Es gibt viele Möglichkeiten, das Handy zu nutzen und darauf möchten wir nicht mehr verzichten. Ist es da noch rechtens, das Handy bei der Arbeit zu verbieten?

Handys bei der Arbeit

Zunächst ist man vielleicht etwas verwundert, aber es ist dem Arbeitgeber grundsätzlich möglich, den Handygebrauch im Unternehmen einzuschränken. Teilweise darf er den Gebrauch sogar ganz verbieten. Dieses geschieht aufgrund seines Weisungsrechts. Dieses Weisungs- und Direktionsrecht ist im Arbeitsvertrag festgehalten. Der Arbeitgeber muss allerdings seine Weisungen „nach billigem Ermessen“ erteilen. Dies ist in Paragraph 315 im Bürgerlichen Gesetzbuch so vorgegeben. Diese Formulierung heißt so viel wie, dass die Regeln und Vorgaben, die der Arbeitgeber macht, nicht willkürlich sein dürfen. Er muss bei seinen Entscheidungen auch immer die Interessen des Arbeitnehmers beachten.

 

Eigentlich ist es ziemlich logisch, dass ein Arbeitgeber die private Handynutzung am Arbeitsplatz verbieten darf. Denn immerhin bezahlt er die Arbeitnehmer für ihre Arbeit und möchte dann auch, dass sie fokussiert und konzentriert ihre Arbeit verrichten. Des Weiteren sollte der Ablauf im Unternehmen auch weitestgehend reibungslos verlaufen. Es kann sein, dass andere Arbeitskollegen durch die private Nutzung eines Handys gestört werden. Zum Beispiel ist es nicht gerade förderlich, wenn jemand in einem Großraumbüro private Telefonate führt.

Allerdings streckt sich dieses Verbot nicht auf die Pausen aus. In den Pausen darf ein Arbeitgeber den Arbeitnehmer nicht verbieten, ihr Handy auch für private Zwecke zu nutzen. Außerdem müssen Arbeitnehmer auch im Notfall erreichbar sein. Dafür muss der Arbeitgeber sorgen. Das ist jedoch nicht immer zwingend über das Handy der jeweiligen Arbeitnehmer nötig. Da reicht es auch, dass die Arbeitnehmer den Festnetzanschluss des Unternehmens weitergeben dürfen und darüber in einem Notfall angerufen werden dürfen.

Der Arbeitgeber darf also grundsätzlich das Handy am Arbeitsplatz verbieten. Allerdings müssen folgende Punkte beachtet werden:

  • Verbot ist möglich
  • Weisungen müssen „nach billigem Ermessen“ erfolgen
  • Interessen der Arbeitnehmer müssen beachtet werden
  • Andere Arbeitnehmer dürfen durch Handynutzung nicht gestört werden
  • Arbeitnehmer muss im Notfall erreichbar sein

Schutz von Betriebsgeheimnissen

Eigentlich ist es nicht realistisch durchsetzbar, dass das Handy am Arbeitsplatz komplett ausgeschaltet sein muss. Trotzdem muss eine exzessive Nutzung des Handys am Arbeitsplatz verhindert und eingeschränkt werden. In manchen Unternehmen ist es allerdings Pflicht, dass Handys total verboten sind. Dabei werden die Interessen des Unternehmens geschützt. Es gibt zum Beispiel Störungen, die durch Handys hervorgerufen werden können und manche Maschinen und Messgeräte arbeiten nicht mehr gut und genau.

In diesem Fall ist es rechtens und auch vollkommen verständlich, dass ein Unternehmen seinen Mitarbeitern verbietet, ein Handy zu nutzen. Beispielsweise herrscht ja auch aus diesen Gründen im Flugzeug absolutes Handyverbot, welches auch weitestgehend akzeptiert wird. Unternehmen können aber auch ein absolutes Handyverbot erteilen, wenn Betriebsgeheimnisse geschützt werden müssen. Auch die Einhaltung der DSGVO wird durch die private Handynutzung gefährdet. Eigentlich gibt es kaum noch ein Handy, das nicht eine Kamerafunktion hat. Damit kann im schlimmsten Falle sogar Industriespionage betrieben werden. Auch die Persönlichkeitsrechte der anderen Mitarbeiter werden durch ein Handyverbot geschützt. So können keine privaten Fotos gemacht werden und man muss sich nicht auf das Recht am eigenen Bild berufen. Ein vollkommenes Handyverbot kann also in folgenden Fällen erteilt werden:

  • Störungen an Maschinen werden hervorgerufen
  • Messgeräte arbeiten nicht mehr genau
  • Betriebsgeheimnisse müssen geschützt werden
  • Einhaltung des DSGVO
  • Industriespionage
  • Private Fotos

Betriebsrat muss zu Rate gezogen werden

Wenn Handyverbote in einem Unternehmen erteilt werden sollen, darf und sollte der Betriebsrat auch zu Rate gezogen werden. Denn diese Verbote dürfen nicht ohne dessen Zustimmung ausgesprochen. Es gibt nicht in jedem Unternehmen einen Betriebsrat. Existiert dieser jedoch, muss er auch an der Entscheidung beteiligt werden. Bei dieser Entscheidung handelt es sich um eine Frage der Ordnung des Unternehmens. Der Betriebsrat hat also auf jeden Fall ein Mitbestimmungsrecht. Wenn die Arbeitnehmervertretung dem Verbot nicht zustimmt, kann der Arbeitgeber probieren den Entschluss vor der Eignungsstelle durchzusetzen. Bei Diensthandys kann in gewisser Weise eine andere Regelung gelten.

Die Mitarbeiter müssen ihre Diensthandys nutzen und darauf erreichbar sein. Es ist bis zu einem bestimmten Grad auch möglich, dass Diensthandys privat genutzt werden. Das muss allerdings auch wiederum der Arbeitgeber erlauben und dulden. Es gibt nicht immer offizielle Regeln dazu, die die Arbeitnehmer befolgen können. Wenn sie jedoch ihr Diensthandy auch privat nutzen wollen, sollten sie ihren Arbeitgeber darüber informieren. Aber auch hier gilt, dass man sein Diensthandy für private Zwecke am Arbeitsplatz nicht exzessiv nutzen darf und darauf achten sollte.

Oft sind Handyverbote Einzelfälle. Nicht alle Menschen haben ein Gespür dafür, wie ausgelassen sie ihr Handy bei der Arbeit nutzen können. Primär ist man dort zum Arbeiten und sollte sich darauf konzentrieren. Da kann die private Handynutzung einen selber, aber auch die Kollegen ablenken und stören.

Ist ein Handyverbot noch zeitgemäß?

Zu beachten ist, dass das Handy mit den Jahren eine ausgeprägte Rolle in unserer Gesellschaft eingenommen hat. Man macht viele Dinge mit dem Handy und organisiert teilweise sein Leben darüber. Deshalb hat sich die Rolle des Handys in unserem Leben verändert. Teilweise schaut man schon fast unbewusst auf das Handy und nutzt es viele Stunden am Tag. Deshalb ist vermutlich ein komplettes Handyverbot nicht mehr unbedingt zeitgemäß. Es gibt durchaus Fälle, in denen es gerechtfertigt ist und akzeptiert werden muss. Aber generell ist es heutzutage eigentlich normal, dass man sein Handy am Arbeitsplatz auch mal für private Zwecke nutzt. Dies muss allerdings in Maßen geschehen und darf die Arbeit nicht einschränken.

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