Brauche ich einen Hochschulabschluss für den Einstieg ins Franchising?

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hochschule für franchising

Franchising ist ein Vertriebssystem, bei welchem der Franchisegeber seine Namen- und Markenrechte in Form eines Lizenzsystems verkauft. Den zukünftigen Partnern wird ein vollständiges Unterstützungsprogramm geboten, das bei der Erstellung des Businessplans und der Ausarbeitung der Finanzierung beginnt und mit dem Break Even endet – oder zumindest nur noch in abgeschwächter Form vorhanden ist.

Erfahrung wird weitergegeben, Betriebsgeheimnisse verraten und bestehende Geschäftspartner vermittelt. Das System des Franchisings hat seine Wurzeln bereits 1860. Der Nähmaschinenhersteller und -vertreiber Singer Sewing Machine Company beauftragte damals fahrende Händler damit, seine Nähmaschinen unter das Volk zu bringen. Franchising durchlief anschließend einige Veränderungen, bis es schließlich in den 60er Jahren in seiner heutigen Form in Amerika auftrat und seinen Weg in den 70er Jahren nach Europa fand.

Die fahrenden Händler und auch die ersten Franchisepartner mussten sicherlich keine Abitur oder Hochschulabschluss vorweisen können. Doch seit 2000 ist die Anzahl an Absolventen mit einem Bachelorabschluss von 126 auf unglaubliche 269.310 angestiegen! Einen Hochschulabschluss zu haben, scheint also in unserer Gesellschaft immer wichtiger zu werden. Da stellt sich uns doch nun die Frage, ob ein Universitätsabschluss unbedingt notwendig ist, um in das Franchising einzusteigen?

Die Karriere ohne den Hochschulabschluss

Das Franchising ist ein Konzept, das auf sämtliche Bereiche, Industrien und Sektoren anwendbar ist. Dementsprechend ist es in den unterschiedlichsten Branchen vertreten, die sich alle voneinander unterscheiden. So vielfältig wie die Industrien des Franchisings sind, sind natürlich auch die damit verbundenen Anforderungen. Und sogar die einzelnen Franchisegeber unterscheiden sich voneinander. So mancher fordert das Vorhandensein eines Standorts, andere berufliche Erfahrung oder die Höhen des Start- und Eigenkapitals variiert.

Doch gewisse Fähigkeiten sollen zweifelsohne vorhanden sein, wenn man sein eigenes Unternehmen führen möchte. Dies sind jedoch meistens persönliche Kompetenzen, die die Qualifikation zum Unternehmer beweist. Unter diese Eigenschaften fallen zum Beispiel:

  • Selbstständigkeit
  • Führungsfähigkeiten
  • Teamfähigkeit
  • Motivation
  • Engagement
  • Eigeninitiative
  • Die Bereitschaft Neues zu lernen und sich regelmäßig weiterzubilden
  • Ein stabiles privates Umfeld. Wer ein eigenes Unternehmen leitet, muss viel opfern, doch vor allem Freizeit. Man muss sich also darüber bewusst sein, dass man im Privatleben kürzertreten muss und sollte vonseiten der Familie Unterstützung und Rückhalt erfahren.
  • Integrationsfähigkeit
  • Respekt
  • Ordentliches Auftreten und hervorragendes Benehmen. Das Franchising ist eine Partnerschaft, die zwar eigentlich besagt, dass die Parteien zwei gleichwertige Partner sind, dennoch hält der Franchisegeber die längeren Zügel in der Hand. Man sollte sich also stets von seiner besten Seite zeigen und nicht durch respektloses Verhalten auffallen.
  • Kämpfergeist
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Risikobereitschaft
  • Innovationsstreben
  • Erfolgsstreben
  • Ausdauer und ein starker Wille
  • Spaß am Kontakt mit Kunden und Geschäftspartnern

Die Vorteile von Franchising mit Hochschulabschluss

Auch wenn ein Hochschulabschluss in den meisten Fällen nicht gefordert wird, freuen sich die Franchisegeber jedoch stets über Bewerber, die einen betreffenden Abschluss besitzen. Denn ein Studium muss zwar nicht zwangsweise bedeuten, dass die Absolventen über logisches Denken verfügen und dementsprechend Zusammenhalte, Sachverhalte und Problematiken leichter verstehen werden, heißt das nicht, dass sich jeder Hochschulabschluss gleich gut für die Arbeit als Franchisenehmer eignet. Ein Biologe beispielsweise wird wenig fundiertes Wissen beitragen können, wenn er in Zukunft als Partner eines Fachmarktes für Autozubehör auftritt. Denn das spezifische Wissen, das für Biologie erworben wurde, wird hierbei wohl kaum Anwendung finden. Ein Sprachenstudent auf der anderen Seite wird sich als Masterfranchisenehmer leichter tun, da er unter Umständen die Landessprache bereits spricht und sich somit einfacher an die örtlichen Gegebenheiten anpassen kann, als ein Quereinsteiger, der sich seinen Traum vom Leben im Ausland verwirklichen möchte, die Landessprache allerdings erst erlernen muss.

Immer von Vorteil sind allerdings Abschlüsse im wirtschaftlichen Bereich. Sei es Wirtschaftsinformatik, BWL, VWL, Finance Studium, oder Eventmanagement, die Absolventen mussten sich zwangsweise im Laufe ihres Studiums mit den kaufmännischen Grundlagen auseinandersetzen und haben dadurch einen tiefen Einblick in die Materie. Sie werden die Begriffe, mit denen sie zu Beginn der gemeinsamen Zusammenarbeit bombardiert werden, bereits kennen und können somit schneller handeln und agieren. Durch ihr bereits gegebenes Interesse können sie außerdem gemeinsam mit dem Franchisegeber neue Möglichkeiten und Wege finden, um die Prozesse besser und einfacher umzusetzen. Im Allgemeinen dürfte der Franchisenehmer mit einem wirtschaftlichen Studium die theoretischen Abläufe schneller verstehen und kann in Folge dessen schneller Lösungen und Mittel finden, um ein Maximum an Profit zu erhalten.

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Allerdings birgt ein Hochschulstudium auch ein gewisses Maß an Gefahr. Die Hochschulabsolventen verfügen häufig über nur wenig Praxiserfahrung und haben ihr Wissen dementsprechend bis jetzt nur in der Theorie angewendet. Sind sie mit akuten Problemen konfrontiert, kann dann schnell Ratlosigkeit und Überforderung eintreten. Weiterhin gehen die Hochschulabsolventen oftmals mit falschen Erwartungen in die Zusammenarbeit.

Alles geht ihnen zu langsam und vor allem die Steigerung des Gewinns. Franchising ist ein System, das Zeit zum Reifen braucht. In den ersten Jahren muss der Franchisenehmer viel investieren und versuchen das Geld letztlich durch eine gute Unternehmensführung und -vermarktung wieder einzunehmen. Ist der Break Even erst einmal erreicht, stellen sich dann auch Gewinne ein, die sich mit zunehmender Bekanntheit und wachsenden Erfolg steigern können. Bis dahin ist allerdings Geduld gefragt.

Lieber Praxiswissen statt blanke Theorie

Wie schon zuvor angedeutet, ist es oftmals vorteilhafter, bereits in dem Bereich gearbeitet zu haben, in welchem man sich als eigenständiger Unternehmer selbstständig machen möchte. Eine kaufmännische Ausbildung ist eine beliebte Voraussetzung für den Einstieg in das Franchising. Der Franchisegeber stellt somit sicher, dass der Bewerber schon mindestens drei Jahre Erfahrung in diesem Bereich vorweisen kann. Die Franchisenehmer haben dadurch bereits Einblicke in die wirtschaftlichen Problematiken, in die speziellen unternehmerischen Abläufe und den typischen Alltag in einem Unternehmen sammeln können.

Doch auch jede andere Ausbildung oder auch nur bloß jahrelange Arbeitserfahrung werden gerne von den Franchisegebern gesehen. Ein Franchisenehmer, der sich beispielsweise bei einem Unternehmen in der Beautybranche bewirbt und eine kosmetische Ausbildung vorweisen kann, wird ganz schnell einen Partner finden.

Denn durch die gesammelte Erfahrung in diesem Bereich, kann der zukünftige Franchisenehmer nicht nur Anregungen anbringen, welche die geschäftlichen Abläufe vereinfachen könnten, sondern kann seine Angestellten auch mit Rat und Tat unterstützen. Ihm werden beispielsweise Verstöße gegen die Hygienevorgaben leichter auffallen und schlampige Arbeit und schlechte Ausführung leichter ins Auge stechen. Dementsprechend kann der Franchisenehmer für seinen Angestellten als Vorbild fungieren. Diese werden den Existenzgründer auch mit mehr Respekt behandeln und seine Autorität nicht infrage stellen, wenn er das nötige Fachwissen vorweisen kann.

Wie schon ausgeführt reicht Praxiswissen oder ein Hochschulabschluss jedoch nicht aus. Es kommt bei der Führung eines Unternehmens vor allem auch auf die persönlichen Stärken an. Neben dem unternehmerischen Denken und dem richtigen Umgang mit Partnern, Kunden und Personal, sollte der Franchisenehmer jedoch vor allem auch viel Leidenschaft mitbringen. Ein Geschäft lässt sich nur schlecht leiten, wenn man wenig Gefallen daran hat. Das ist auch sehr wichtig, wenn man mal Rückschläge verkraften muss oder mit unvorhergesehenen Problemen konfrontiert ist. Wer mit Herz und Seele dabei ist, wird eher gewillt sein, alles zu tun, um das Unternehmen wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.

Franchising und Fortbildung

Eine Voraussetzung, welche die deutsche EU-Kommission und der Europäische Verhaltenskodex für Franchising aufgestellt haben, ist die Vermittlung der Erfahrung, des Wissens und des benötigten Know-Hows, um in der Branche Erfolg verbuchen zu können. Dieses Wissen sollte zu Beginn der Partnerschaft in Form einer intensiven Schulung vermittelt werden.

Viele Unternehmen verpflichten ihren zukünftigen Existenzgründer beispielsweise zu einem mehrwöchigen oder unter Umständen sogar einem mehrmonatigen Training. In dieser Zeit erlernen die Franchisenehmer die Grundlagen, die nötig sind, um zukünftig ihren Alltag als Leiter eines Unternehmens zu bestreiten.

In diesen Schulungsmaßnahmen können Prozesse und Abläufe thematisiert werden, wie beispielsweise die Anwerbung von Kunden, die Marketingstrategien, die Personalführung, Arbeitsrecht und Hinweise zur Einhaltung der Gesetze (z. B. Datenschutz, Hygiene- und Qualitätsstandards), kaufmännisches Basiswissen, aber auch praktische Fähigkeiten.

So fordert das BackWerk von seinen Franchisenehmern beispielsweise, dass sie auch die Arbeiten eines normalen Angestellten bewerkstelligen. Sie müssen Brötchen und andere Leckereien im Backofen herstellen, an der Kasse die Waren scannen und auch für die Sauberkeit der Verkaufsflächen und der gesamten Niederlassung sorgen. So kennen sich die Franchisenehmer bestens aus, bleiben jedoch stets auf dem Boden der Tatsachen und vergessen in der Regel nie, ihre Mitarbeiter mit dem nötigen Respekt zu behandeln.

Im weiteren Verlauf werden beständig Weiterbildungen angeboten, die dem Franchisenehmer den letzten Schliff verpassen sollen. Außerdem wird der Franchisepartner so stets auf dem neusten Stand gehalten und weiß immer über die neusten Innovationen und neuen Regelungen Bescheid. Auch der Markt wird analysiert und Möglichkeiten und Lösungen gefunden, um Marktlücken nutzen zu können und die angebotenen Produkte und Dienstleistungen attraktiver für den Endkunden zu gestalten. Die Franchisenehmer werden also auch ohne Hochschulabschluss auf die zukünftige Arbeit vorbereitet und dies nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis!

Fazit

Es ist definitiv nicht nötig, über einen Hochschulabschluss zu verfügen, um eine Karriere als Franchisenehmer zu starten. Denn das Franchising ist ein breit gefächertes System, das in sämtlichen Bereichen seine Anwendung findet und umgesetzt werden kann. Dadurch eröffnen sich viele Möglichkeiten, um seine Zukunft zu gestalten.

Sollte man den Anforderungen des einen Franchisegebers nicht genügen, wird es andere geben, die den zukünftigen Existenzgründer mit offenen Armen empfangen. Ein Hochschulabschluss kann allerdings dennoch von Vorteil sein, um die unternehmerischen Zusammenhänge besser zu verstehen und möglicherweise schneller Gewinn zu generieren.

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