Incoterms: Frei Haus - und was Sie sonst als Franchisepartner noch wissen müssen!

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incoterms lieferung

Der Begriff „Incoterms“ sagt Ihnen nichts oder Sie haben ihn schon einmal gehört, die Bedeutung aber wieder vergessen? Kein Problem, wir klären Sie auf! Im internationalen Handel sind die Incoterms nämlich wichtige Richtlinien, die auch Ihr Unternehmen oder Franchise betreffen könnten, sobald Sie global Geschäfte machen.

Incoterms steht für „International Commercial Terms“, also zu Deutsch „Internationale Handelsklauseln“. Dieser auf den ersten Blick recht nebulöse Ausdruck ist heutzutage für weltweit agierende Unternehmen unabdingbar geworden. Die Internationale Handelskammer (International Chamber of Commerce, ICC) gibt nämlich mit den Incoterms Standards zu den Lieferbedingungen von Waren vor. Das wird für Ihr Unternehmen spätestens dann relevant, wenn Sie mit einem Geschäftspartner außerhalb der Europäischen Union handeln möchten. Aber auch wenn Sie das erst mal nicht vorhaben, weil Sie zum Beispiel in der Startphase einer Gründung stecken, ist Wissen über die Incoterms sicherlich nie verkehrt. Vielleicht geraten Sie mal in eine Diskussion über Lieferbedingungen? Dann können Sie mit diesem Fachwissen glänzen!

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Welche Rechte und Pflichten haben Sie als Unternehmer?

Doch was genau steht nun in den Incoterms? In erster Linie regeln sie, welche Rechte und welche Pflichten der Käufer und der Verkäufer von Waren jeweils haben. Folgende Fragen sollen rechtssicher geklärt werden:

  • Zu welchem Zeitpunkt geht die Ware in den Besitz des Käufers über?
  • Wer haftet zu welchem Zeitpunkt für Beschädigungen oder den Verlust der Waren?
  • Wer trägt welche Kosten bezüglich des Transports?
  • Wer übernimmt die Versicherungskosten?

Die Incoterms sind dabei nicht verpflichtend – theoretisch können Sie auch bei jedem Vertrag neu und ohne die ICC-Standards festlegen, wie genau die Lieferbedingungen geregelt werden sollen. Doch die Incoterms geben sehr gute Anhaltspunkte, sind in mehr als 120 Ländern anerkannt und finden deshalb laut eigenen ICC-Angaben in über 90 Prozent aller internationalen Kaufverträge Anwendung. Dabei muss in einem Vertrag explizit Bezug auf die Incoterms genommen werden, damit sie auch Gültigkeit haben – logisch.

In der aktuellen Fassung der Incoterms, die seit 2010 gilt, gibt es elf Klauseln. Allerdings hat die Internationale Handelskammer bereits angekündigt, dass ab 1. Januar 2020 eine überarbeitete Version der Incoterms in Kraft treten wird. Was genau sich ändert und wie viele Klauseln es dann geben wird, das möchte die Handelskammer in diesem Herbst veröffentlichen. Die aktuell gültigen Klauseln werden jeweils durch drei Buchstaben abgekürzt: EXW, FCA, CPT, CIP, DAT, DAP, DDP, FAS, FOB, CFR und CIF. Wenn Sie dabei nur Bahnhof verstehen – keine Angst, eine ausführliche Erklärung folgt.

Was bedeuten die Klauseln im Einzelnen?

EXW: Ex Works / Ab Werk: Die minimal verpflichtende Klausel der Incoterms sieht lediglich vor, dass der Verkäufer dem Käufer die Ware an einem beliebigen Ort zur Verfügung stellt. Der Käufer muss sich dann um Transport, Zoll, Versicherung & Co. selbst kümmern.
FCA: Free Carrier / Frei Frachtführer (benannter Lieferort): Hier muss der Verkäufer die Ware an einen vom Käufer bestimmten Ort beziehungsweise zu einem sogenannten Frachtführer bringen.

CPT: Carriage Paid To / Frachtfrei (benannter Bestimmungsort): Wie bei FCA muss der Verkäufer die Ware zu einem bestimmten Ort/zum Frachtführer transportieren. Zusätzlich dazu übernimmt der Verkäufer alle Kosten, die dafür entstehen.
CIP: Carriage and Insurance Paid to / Frachtfrei versichert (benannter Bestimmungsort): Zusätzlich zu CPT liegt es in der Hand des Verkäufers, eine Versicherung gegen Verlust oder Beschädigung der Ware während des Transports abzuschließen.
DAT: Delivered At Terminal / Geliefert Terminal (benannter Terminal im Bestimmungshafen/-ort): Die Lieferung ist dann abgeschlossen, wenn die Ware vom Beförderungsmittel entladen wurde und an einem sogenannten Terminal dem Käufer zur Verfügung. Ab dann trägt der Käufer alle Kosten und Risiken.
DAP: Delivered At Place / Geliefert benannter Ort (benannter Bestimmungsort): Hier muss der Verkäufer nicht nur zum Terminal liefern, sondern direkt an den vom Käufer bestimmten Ort.
DDP: Delivered Duty Paid / Geliefert verzollt (benannter Bestimmungsort): Die maximal verpflichtende Bedingung sieht vor, dass der Verkäufer sowohl an den gewünschten Ort liefert als auch alle Gebühren für Zoll und Einfuhr bezahlt.
Detailliertere Beschreibungen stellt die Internationale Handelskammer auf Ihrer Homepage zur Verfügung, die ausführlichste Version können Sie als Buch käuflich erwerben. Die vier weiteren Klauseln sind nur für den Transport auf Schiffen geeignet, deshalb hier nur kurz die Bedeutung der Abkürzungen:

• FAS: Free Alongside Ship / Frei längsseits Schiff (benannter Verschiffungshafen)
• FOB: Free On Board / Frei an Bord (benannter Verschiffungshafen)
• CFR: Cost and Freight / Kosten und Fracht (benannter Bestimmungshafen)
• CIF: Cost Insurance Freight / Kosten, Versicherung und Fracht (benannter Bestimmungshafen)

Wenn Sie von den Incoterms Gebrauch machen wollen, dann sollten Sie sich in jedem Fall das detaillierte Vertragswerk der Internationalen Handelskammer durchlesen und – wenn nötig – Fragen abklären. Die ICC Deutschland hat ihren Sitz in Berlin und hilft bei solchen Problemen weiter.

In jedem Fall sind die Incoterms eine komplexe Thematik, die etwas Einarbeitung erfordert – aber für das internationale Wachstum Ihres Unternehmens oder für globale Franchising-Beziehungen ist dies früher oder später nötig. Der internationale Außenhandel ist nämlich klar von den Incoterms geprägt, als Unternehmer kommen Sie daran nicht vorbei. Die ICC gibt an, dass täglich etwa 200.000 Mal die Incoterms zu Rate gezogen – eine beeindruckende Zahl.

Vorteile der Incoterms

Die Incoterms sollen vor allem internationale Handelsbeziehungen vereinfachen. Doch welche Vorteile bieten sie, nach Angaben der ICC, konkret?
• Eindeutige Regelungen der Vertragspflichten für beide Seiten
• Schnellere Vertragsabschlüsse
• Vermeidung von Missverständnissen
• Juristischen Auseinandersetzungen wird vorgebeugt

Nachteile bezüglich der Incoterms zu finden, ist schwer – klar, die Richtlinien sind umfangreich und wenn Sie zum ersten Mal einen Vertrag mit den Incoterms vorbereiten, werden Fragen und Probleme auftauchen. Doch wenn Sie im Vergleich dazu alle Klauseln selbst schreiben wollten, so sehen Sie bereits: Ein Anhaltspunkt ist immer hilfreich und spart Ihnen vermutlich Zeit und Aufwand.

Im Überblick: Das Wichtigste zu den Incoterms

Die International Commercial Terms stellen also einen wichtigen Standard im internationalen Handel dar. Als Unternehmer, Franchisegeber, Franchisenehmer oder Existenzgründer sollten Sie sich spätestens dann damit beschäftigen, wenn Sie erstmals einen Vertrag mit einem Geschäftspartner außerhalb der EU abschließen möchten. Dass das nicht auf Anhieb komplett reibungsfrei funktionieren wird, sollte Ihnen bewusst sein. Allerdings lässt sich durch die Incoterms tendenziell Aufwand sparen, rechtliche Unsicherheiten werden vermieden. Durch ein genaues Aufführen von allen Rechten und Pflichten können Sie als Unternehmer beruhigter Verträge abschließen und so Ihr Business weiterbringen.

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