Individualismus im Franchising: Ein Widerspruch in sich?

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Heute wird es ein wenig wissenschaftlich! Und zwar möchten wir heute auf die Begrifflichkeiten Individualismus und Kollektivismus eingehen. Beide scheinen eine Rolle beim Franchising zu spielen, aber stellen sie nicht eigentlich einen Widerspruch in sich dar? Wir klären Sie auf!

Individualismus und Kollektivismus – widersprüchliche Dimensionen im Franchising!

Der niederländische Kulturwissenschaftler Geert Hofstede hat diese Begrifflichkeiten stark geprägt. Der niederländische Forscher führte eine umfassende Befragung von IBM-Mitarbeitern in mehr als 60 Ländern durch, die zu einer der aufwändigsten und anerkanntesten Umfragen der kulturvergleichenden Forschung zählt. In seiner wirtschaftswissenschaftlich relevanten Forschung analysierte er die Zusammenhänge zwischen nationalen Kulturen und Unternehmenskulturen anhand des US-amerikanischen IT- und Beratungsunternehmens. Seine Forschungsergebnisse zeigten, dass nationale und sogar regionale Kulturgruppen einen Einfluss auf das Verhalten von Unternehmen haben. Er konnte sechs Kulturdimensionen identifizieren, die eine Rolle spielten: Machtdistanz, Individualität, Maskulinität, Unsicherheits-/Ungewissheitsvermeidung sowie langfristige Orientierung.

Individualismus vs. Kollektivismus

Bei der Individualismus- vs. Kollektivismus-Dimension geht es primär um die Prioritätensetzung in einer Gesellschaft: Geht sie vom Individuum oder einer Gruppe aus?

Die individualistisch ausgeprägte Gesellschaft:

Haben wir es mit einer individualistisch geprägten Gesellschaft zu tun, dann ist die Bindung zwischen den einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft sehr locker. Bei einer kollektivistisch geprägten Gesellschaft ist die Bindung dafür umso enger. Der Mensch in einer individualistischen Kultur achtet primär auf sich selbst und schaut lediglich nach seinen engsten Verwandten. In diesem Kontext ist es wichtig, seinen eigenen Weg zu gehen und gegen den Strom zu schwimmen. Exemplarisch werden hier oft die USA angeführt, die als die Kultur gelten, wo der Individualismus am stärksten ausgeprägt ist. Aber auch die anderen westlichen Länder gelten in der Regel als hoch individualistisch.

Die kollektivistisch geprägte Gesellschaft:

Beim Kollektivismus steht die gesamte Gruppe im Vordergrund, man fühlt sich einer Gruppe zugehörig und kümmert sich gegenseitig umeinander. Das Wohl der Allgemeinheit ist wichtiger als die Selbstverwirklichung des Einzelnen. Rund 70 bis 80 Prozent der Weltbevölkerung zählen zum Kollektivismus – hier gelten vor allem asiatische, afrikanische und lateinamerikanische Länder als kollektivistische Kulturen. China wird oft als Pendant zu den USA genannt: Es ist als kollektivistische Kultur bekannt, wo der Kommunismus eine eher „unfreie“ Marktwirtschaft hervorgebracht hat.

Wie verhält es sich mit dem Individualismus und Kollektivismus im Franchising?

Für uns im Franchising ist der Individualismus dahingehend interessant, da es auf den ersten Blick so scheint, als hätten wir es mit einem Widerspruch an sich zu tun: Ein Franchisenetzwerk kann natürlich nur als großes Ganzes, also als eine Kollektive, funktionieren, die unter demselben Markennamen gemeinsam und einheitlich am Markt auftritt. Zeitgleich sprechen Franchisegeber aber vor allem Geschäftspartner an, die beruflich Neues wagen und neue Wege gehen möchten – ergo Individualismus macht eine Existenzgründung überhaupt möglich. Kommt es hier etwa zum Widerspruch?

Der Individualismus im Franchising:

Ein Franchisegeber setzt auf die Kooperation mit Franchisenehmern, um mit seinem etablierten Franchisesystem weiter expandieren zu können. Er appelliert daher an den Individualismus seiner zukünftigen Franchisepartner, die Neues wagen und beruflich neue Wege gehen möchten.

  • Der Franchisenehmer in spe: Der Unternehmertyp

Als potentieller Franchisepartner eignen sich vor allem diejenigen als Geschäftspartner, die über gewisse persönliche Eigenschaften verfügen, die förderlich für das Unternehmertum sind. Und das Unternehmertum an sich stellt eine essentielle, marktwirtschaftliche Organisationseinheit dar, die nur funktionieren kann, wenn ein Individuum ehrgeizig, willensstark und motiviert eine klare unternehmerische Vision verfolgt. Die Marktwirtschaft wurde in der stark individualistischen Gesellschaft der USA auf die Spitze getrieben und sozusagen perfektioniert – mehr Wirtschaftsliberalismus ist nun wirklich nicht möglich! Unternehmer zeichnen sich durch den Mut aus, Neues zu wagen, sie sind überzeugt von ihrem Vorhaben und stechen als Individuen in der Gesellschaft hervor. Nur so war letztlich auch der wirtschaftliche und technologische Fortschritt möglich!

  • Der Franchisenehmer in spe: Selbstverwirklichung steht an erster Stelle!

Darüber hinaus spielen individualistische Tendenzen eine Rolle, wenn es um eine Existenzgründung geht. Denn Gründer hören auf ihr Herz und lauschen ihrer inneren Stimme: Es ist wichtiger einer Tätigkeit nachzugehen, die auch wirklich erfüllend ist, als einfach nur als Angestellter Vorschrift nach Dienst zu machen. Bei einer Gründung geht es ganz klar um die eigene Selbstverwirklichung – und das ist wiederum ein explizit individualistisches Element: Man stellt seine eigenen Bedürfnisse über die der anderen!

Der Kollektivismus im Franchising:

Allerdings spielt auch der Kollektivismus eine durchaus wichtige Rolle im Franchising: Schließlich profitieren die einzelnen Franchise-Unternehmer von der Schlagkraft und der Stärke der gesamten Franchisemarke. Sie alle treten zwar als Individuen am Markt auf, aber sie wären um Längen weniger erfolgreich, würden sie Einzelkämpfer sein.

  • Gemeinsam sind wir stark: Die gemeinsame Arbeitsteilung

Und zwar kommt beim Franchising auch der Kollektivismus zum Tragen: Der Erfolg des gesamten Franchisenetzwerks ist nur möglich, wenn alle als Gruppe an einem Strang ziehen. Jeder einzelne Franchisenehmer führt seinen eignen Standort, trägt die unternehmerische Verantwortung für seinen Betrieb und verwirklicht seine Träume. Allerdings profitiert jeder Franchisepartner davon, dass das gesamte System von höchster Effizienz und Standardisierung geprägt ist: Und zwar gibt es eine klare Arbeitsteilung untereinander, jeder fokussiert sich auf seine Kerntätigkeiten und nur so kann die Kollektive auch so gut funktionieren. Bei einer Gründung in Eigenregie sieht es da anders aus…

Gemeinsam sind wir stark: Keiner tanzt aus der Reihe!

Ein weiteres Element, was für den Kollektivismus im Franchising spricht, ist der einheitliche Markenauftritt am Markt. So profitiert jeder einzelne der Franchisenehmer davon, dass sie als großes Ganzes unter dem Deckmantel einer erfolgreichen Franchisemarke auftreten können. Auch wenn hier individualistische Tendenzen unterdrückt werden müssen, so profitiert die gesamte Franchisemarke davon, dass keiner aus der Reihe tanzt und sich alle an die Vorgaben der Gruppe halten, damit die Marke weiter wachsen, an mehr Bekanntheit gewinnen und mehr Marktanteile einnehmen kann.

Individualismus im Franchising: Widersprüchlich aber essentiell!

Sie sehen also: Im Franchising kommt es auf beides an. Das arbeitsteilig organisierte Vertriebsmodell kann nur funktionieren, wenn es mutige Franchise-Unternehmer gibt, die von der beruflichen Selbstverwirklichung träumen und über eine große Portion Ehrgeiz und Leidenschaft für das Unternehmertum verfügen. Es ist schließlich jeder einzelne Franchisenehmer, der zum großen Erfolg der kollektiven Marke ganz individuell beiträgt.

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