Internationalisierung in der Franchisewirtschaft: Strategien im Überblick

09.12.2018 15:00 | Ein Unternehmen gründen

internationalisierung

Bei dem heutigen globalen Wirtschaftsgefüge sind die nationalen Märkte stark miteinander vernetzt. Dank Digitalisierung werden Grenzen, Zeitzonen und Distanzen überwunden, so dass viele Businesses früher oder später an eine Internationalisierung denken. Denn sobald ein nationaler Markt absatztechnisch erobert wurde, kann man sich direkt der nächsten Herausforderung stellen und weitere Absatzmärkte einnehmen. Auch beim Franchising haben sich spezifische Modelle für eine effiziente und nachhaltige Internationalisierung herausgebildet. Hier möchten wir Ihnen heute die unterschiedlichen Strategien in der Franchisewirtschaft genauer vorstellen.

Franchising goes international: So geht die Internationalisierung mit einem Franchisesystem!

Gerade das Erfolgsmodell Franchising hat sich als ein effizientes Instrument bewiesen, wenn Unternehmen eine Expansion ins Ausland planen. In der Tat sind die weltweit bekanntesten Marken Franchisesysteme und verdanken vor allem auch ihren internationalen Erfolg dem Franchising! Teilweise gibt es sogar Unternehmen, die lediglich für ihre Internationalisierung ihrer Marke das Franchisemodell gewählt haben, während sie primär ein herkömmliches Filialsystem in ihrem Heimatland betreiben.

Franchising: Der Weg des Vertriebsmodells nach Europa

Das Franchising erfuhr vor allem im 20. Jahrhundert einen starken Aufwind in den Vereinigten Staaten und wurde zu dem Erfolgsmodell für Existenzgründer. Vor allem in den 1960er Jahren kam Franchising dann über den Atlantik nach Europa geschwappt. Es handelte sich dabei um eine erfolgreiche Strategie für die Internationalisierung etablierter US-amerikanischer und kanadischer Marken. Damals brach ein wahrer Franchising-Boom aus! Während die nordamerikanischen Marken von einem Zugang zu internationalen Märkten profitierten, konnten sich zahlreiche Europäer mit dem Geschäftsmodell ihrer Wahl selbstständig machen und einen eigenen Betrieb aufbauen. Existenzgründung leicht gemacht.

Was sind die Vorteile an der Internationalisierung einer Franchisemarke?

Dank Franchising ergibt sich eine Win-Win-Situation sowohl für die ausländischen Franchisegeber als auch für die inländischen Gründer.

  • Die Franchisemarke kann auf relativ unkomplizierte Art und Weise schnell wachsen und neue Absatzmärkte einnehmen.
  • Die Internationalisierung und die Expansion der Franchisemarke ist zu überschaubaren Kosten möglich, da nationale Franchisenehmer für die Kosten ihres eigenen Geschäftsaufbaus aufkommen.
  • Ein gut funktionierendes Geschäftssystem wird dank regionalem Marktwissen der nationalen Franchisepartner an den neuen Markt angepasst.
  • Von einer Internationalisierung profitiert eine Marke, da sie international gesehen bekannter und sichtbarer wird, was zudem eine Wertsteigerung darstellt.
  • Geographische Grenzen werden abgebaut, während neue Märkte erschlossen werden können.

Das gilt es bei der Internationalisierung zu beachten!

Das Franchising bietet also sehr gute Möglichkeiten für die internationale Expansion. Allerdings sollte man hier durchaus beachten, dass dem Prozess der Internationalisierung sehr viel Vorbereitungszeit und eine sehr intensive Planung vorausgeht. Denn hierbei müssen zahlreiche Dinge bedacht, strategisch geplant und gemanagt werden – und selbstverständlich sollte man hierfür auch eine gewisse Summe an Kapital einplanen. Auch wenn Franchising eine relativ kostengünstige Expansionsmöglichkeit darstellt, so geht dem Ganzen eine intensive Vorbereitungszeit voraus, um das theoretische und betriebswirtschaftliche Grundgerüst für dieses Modell zu schaffen.

Welche Modelle bietet das Franchising für die Expansion?

Das Franchising nutzt vier verschiedene Strategien für die Internationalisierung einer Marke:

  • Master-Franchising

Bei diesem Modell wird eine Master-Franchise-Lizenz in einem dreistufigen Modell vergeben: Der internationale Franchisegeber vergibt die Lizenz für das Geschäftskonzept an einen nationalen Master-Franchisenehmer, der dann mit sogenannten Sub-Franchisenehmern eine größere Region oder ein ganzes Land entwickelt. Der Master-Franchisenehmer muss im Zuge der Internationalisierungsstrategie zunächst das Konzept an die lokalen Marktbedingungen und gesetzlichen Rahmenbedingungen anpassen und es in einem Pilotbetrieb testen. Läuft die Pilotphase erfolgreich ab, rollt er das System auf das gesamte zu entwickelnde Gebiet aus.

  • Abkommen zur Gebietsentwicklung

Auch der Area Developer nimmt eine Gebietsentwicklung vor. Dem Gebietsentwickler wird eine Region zugesichert, die er innerhalb eines bestimmten Zeitraumes mit einer bestimmten Anzahl an Betrieben zu entwickeln hat. Dieses Area Development ist vertraglich bindend. Der Unterschied zum Master-Franchising ist, dass der Area Developer die Region alleine mit seinen eigenen Betrieben entwickelt. Er kann also keine Sub-Franchisenehmer unter Vertrag nehmen.

  • Direktes Franchising

Beim direkten Franchising vergibt der internationale Franchisegeber selbst die Lizenzen an nationale Franchisepartner. Bei diesem Modell ist also keine weitere Partei wie ein Master-Franchisenehmer oder aber ein Gebietsentwickler eingeschaltet. In diesem Fall übernimmt der Franchisegeber direkt die Rekrutierung, Schulung und Betreuung des nationalen Netzwerkes. Teilweise wird zu diesen Zwecken eigens ein Auslandsbüro gegründet.

  • Joint Venture Abkommen

Bei dieser Form handelt es sich um eine Unternehmensbeteiligung, die sich meist in einer Kooperation zwischen mindestens zwei unabhängigen Partnern äußert. In Form eines Gemeinschaftsunternehmens arbeiten sie zusammen an einem Projekt zusammen. Dieses Modell bietet sich für Existenzgründer an, die lieber als selbstständige Tochterfirma auftreten, während sie ihr unternehmerisches Risiko minimieren können. Es ist daher eine Alternative zur Gründung eines Einzelunternehmens, die sich auch für die Internationalisierung anbietet.

Internationalisierung – aber wie?

Um mit einem Unternehmen oder Franchisesystem international zu expandieren, bieten sich die oben genannten vier Strategien an. Hier gilt es herauszufinden, welches Modell sich am besten für Ihr Unternehmen eignet.

Welche Strategie für welches Unternehmen?

Bei den vier Modellen gibt es nicht eine beste Methode für den internationalen Markteintritt – und zwar liegt das ganz einfach daran, dass es immer auf den Einzelfall und das Geschäftsmodell an sich ankommt. Was für ein Unternehmen funktioniert, muss nicht die perfekte Option für ein anderes Geschäftskonzept sein. Aus diesem Grund ist eine tiefgründige Entwicklungs- und Planungsphase vorab auch so entscheidend. In dieser Zeit gilt es, alle möglichen Szenarien durchzuspielen und das für Sie beste Modell zu entwickeln.

Eine wohlüberlegte Finanzierung – die Basis einer Internationalisierungsstrategie

Nicht nur bei einem nationalen Franchisesystem auch bei der internationalen Expansionsvariante kommt es darauf an, dass das Projekt auf einer guten, finanziellen Basis steht. Aus diesem Grund ist es entscheidend, dass auch für die internationalen Franchisepartner passende Gebühren gesetzt werden.

Beim Kalkulieren der Gebühren sollten auf jeden Fall folgende Aspekte Beachtung finden:

  • Über was für eine Größe verfügt das Marktgebiet?
  • Wie reif ist der lokale Markt?
  • Wie steht es um die Nachfrage der Marke vor Ort?
  • Mit was für Umsätzen und Gewinnen können die lokalen Partner rechnen?

Ebenso sollten Sie bedenken, wie viel Unterstützung Sie den Partnern vor Ort bieten müssen – auch dies sollte finanziell kalkuliert werden. Hier kommen zum einen die rechtlichen Gebühren, Übersetzungen und Markenrechte zum Tragen, allerdings sollten Sie auch praktischere Aspekte, wie die Reisekosten, etc. mit einplanen. Oft werden diese Kostenpunkte in der theoretischen Planung unterschätzt. Setzen Sie diese Kosten daher eher großzügig an!

Auch die laufenden Kosten sollten von Ihnen vorab genauestens kalkuliert werden. Diese Gebühren sollten all die Unterstützungsleistungen finanziell kompensieren, die Sie gerade in den ersten, anfänglichen Jahren bieten. Und darüber hinaus sollten jegliche Gebühren stets fair angesetzt werden: Denn schließlich handelt es sich beim Franchising um eine partnerschaftliche Geschäftsbeziehung auf Augenhöhe – und nur, wenn die Franchisenehmer von Ihrem Konzept profitieren und leben können, nur dann kann Ihr Franchisesystem auch wirklich nachhaltig florieren.

Andere aktuelle Artikel

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Übrige Zeichen: 250