Karl Albrecht und Theo Albrecht: Die Aldi-Gründer im Unternehmerportrait

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aldi gruender

Über 90 % der Menschen in Deutschland waren schon mindestens einmal bei Aldi einkaufen. Der berühmte deutsche Discounter ist vom Lebensmittelhandel heute kaum noch wegzudenken. Doch welche Geschichte verbirgt sich eigentlich hinter den Brüdern Theo und Karl Albrecht, und wie kam es zur Gründung des Unternehmens?

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Die bescheidenen Anfänge der Brüder

Zum Zeitpunkt ihres Todes zählten beide Brüder zu den reichsten Männern der Welt, doch spiegelt das in keinster Weise ihre bescheidenen Anfänge wider. Karl, 1920, und Theodor zwei Jahre später wurden in Essen geboren und waren die einzigen zwei Söhne des Bäckers Karl Albrecht Senior. Dieser besaß ein kleines Bäckereigeschäft, das später von seiner Frau Anna als Tante-Emma-Laden geführt wurde. Die beiden Söhne begannen bereits als Kinder in dem Laden zu arbeiten. Sie halfen unter anderem bei der Bestandsaufnahme. In der Zeit, als ein großer Teil der Menschen in Deutschland von der Wirtschaftskrise betroffen waren, konnten sich viele die Grundnahrungsmittel nicht leisten. In dem Familienbetrieb wurden daher teils Schuldscheine als Bezahlung angenommen. Die beiden Brüder wurden von ihrer Mutter losgeschickt, um die Schulden einzutreiben.

Auch die Familie Albrecht war finanziell in Bedrängnis. Ihr familiärer Betrieb musste sich gegen das immer beliebtere Filialsystem bewähren. Die Geschäfte in ihrer Umgebung, die sich über zwei oder drei Standorte erstreckten, konnten ihre Produkte billiger verkaufen und stellten damit eine ernst zu nehmende Bedrohung für die Familie dar. Die beiden Brüder wurden von den Eltern also zur Sparsamkeit erzogen.

Sie schlossen eine Verkaufslehre im Dritten Reich ab. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Karl Albrecht an der Ostfront und wurde dort schwer verletzt. Sein Bruder Theo wurde nach Afrika geschickt und kümmerte sich dort um die Verpflegung. Dies brachte ihm das Thema Logistik unter extremen Umständen bei.

Der Aufbau von Albrecht

Nach Ende des Krieges übernahmen die beiden Brüder das Geschäft ihrer Mutter und verfolgten ihre eigenen Expansionspläne. Sie stellten das Unternehmen nun auf genau das Filialsystem um, das ihnen in ihren Jugendjahren das Leben schwer gemacht hatte. Und sie waren erfolgreich damit. Doch was unterschied das System der beiden Gründer von dem anderer Geschäfte?

  • Kleines Sortiment
  • Kleinere Preise
  • Versorgung der vom Krieg getroffenen Bevölkerung

Was die Menschen wirklich brauchten, waren Grundnahrungsmittel und das zu einem leistbaren Preis. Der Krieg hatte seine Spuren hinterlassen und Theo und Karl beschlossen nun genau darauf einzugehen. Die Kunden brauchten keine große Auswahl, sondern leistbare Preise, und genau das gaben sie ihnen. Die Sparsamkeit aus ihrer Kindheit hatte ihnen beigebracht, das billigste einzukaufen und nur die kleinsten Preise zu akzeptieren, und genau das ermöglichte ihnen nun nicht nur das Überleben mit ihrem Unternehmen, sondern auch dessen Expansion.

Mitte der 50er gab es bereits 100 Filialen in Nordreinwestfahlen, die sich nun Albrecht nannten. Die Brüder wurden mit dem Geschäft reicher und reicher und übersiedelten schließlich auch in das Reichenviertel Essens. Sie lebten abgeschieden und zurückgezogen und mieden in der Regel den Kontakt zu den Nachbarn. Diese wiederum brachten den Aldi-Gründern nicht viel mehr als Geringschätzung entgegen.

Vom Tante-Emma-Laden zum Discounter

Anfang der 60er Jahre wurde das Discountersystem in den USA immer beliebter. Auch in Europa und damit in Deutschland verbreitete sich das System rasant und ermöglichte es Geschäften, die Produkte immer günstiger anzubieten. Auch die Albrecht Brüder übernahmen das System und gingen damit sogar noch weiter. Folgende Merkmale waren nun in den Filialen zu beobachten:

  • Karge Ladenausstattung
  • Selbstbedienung
  • Gestapelte Ware
  • Wenig Personal

Schnell wurden acht Angestellte pro Standort entlassen und nur zwei für die Kassa behalten. Die Ware wurde nun unkompliziert auf Paletten gestapelt und die Ausstattung der Geschäfte hielt sich sehr karg. 1962 wurde das Unternehmen dann umbenannt auf Albrecht Discount, kurz Aldi und zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch ein bestimmtes Image kreiert. Das Geschäft sei für die armen Leute, nicht für die Mittelschicht, hieß es, und wer dort einkaufen ginge, könne sich nichts Besseres leisten. Die Aldi-Taschen wurden also schnell zum Grund für Scham und Spott.

Die Trennung der Brüder

Anfang der 60er kam es zu einem Streit der beiden Brüder, der in der Trennung des Unternehmens in Aldi Süd und Aldi Nord resultierte. Karl weigerte sich den Verkauf von Zigaretten zuzulassen. Seiner Meinung nach wären diese ein gefundenes Fressen für Ladendiebe. Sein Bruder Theo beharrte darauf, dass Zigaretten als Symbol der Männlichkeit auch männliche Kundschaft in die Aldi-Läden locken würden.

Die Geschäftsstellen wurden nun in Aldi Nord, von Theo übernommen und Aldi Süd, von Karl übernommen, aufgeteilt. Die beiden Brüder führten ihre Unternehmen in gemeinsamer Ansprache, aber es gab dennoch Unterschiede.

Auch privat hielten sie den Kontakt. Beide Brüder waren verheiratet und hattes jeweils zwei Kinder. In ihrer Erziehung hielten sie sich an die strengen Regeln der Sparsamkeit, die sie auch in der Geschäftswelt einsetzten.

Ein einschneidendes Erlebnis im Leben der Albrechts

1971 wurde Theo Albrecht beim Verlassen der Zentrale von Aldi Nord überfallen und entführt. Das Ereignis wurde zunächst von der Familie geheim gehalten, doch schon bald sickerten Informationen und Gerüchte an die Öffentlichkeit. Für die Albrechts, die ihre Privatsphäre und Abgeschiedenheit sehr schätzten, war dies ein Ärgernis. Die Entführer verlangten sieben Mio. D-Mark Lösegeld und dieses wurde auch übergeben. Nach 17 Tagen war der Geschäftsmann wieder frei. Später wurden beide Täter gefasst und zu acht Jahren Haft verurteilt. Theo scheute ab diesem Zeitpunkt keine Kosten mehr, wenn es um seine Sicherheit ging.

Die Wende zum modernen Discounter

Karl und Theo Albrecht sind ohne Frage zwei der größten Begründer unseres heutigen Discountersystems. Mitte der 70er Jahre hatte sich Aldi in ganz Westdeutschland ausgebreitet und die beiden Gründer beschlossen, ihre Zielgruppe zu erweitern. Dies erfolgte durch eine Ergänzung des Sortiments um:

Luxusgüter wie italienische Rotweine, Champagner und Lachs zu unschlagbaren Preisen lockten nun auch Kunden in stabilerer finanzieller Situation in die Filialen und andere Güter, wie Kleidung zu extrem niedrigen Preisen, lockten noch mehr Menschen in die Geschäfte.

2010 verstarb Theo Albrecht im Alter von 88 Jahren. 2014 folgte sein Bruder Karl mit 90 Jahren. Die beiden Gründer haben jedoch ein Imperium in der Discounterwirtschaft hinterlassen. Von kleinen Läden, die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg leistbare Lebensmittel boten, bis zu einer der erfolgreichsten Discounter-Ketten weltweit, haben die beiden Brüder es mit sehr wenig sehr weit gebracht.

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