Kleinunternehmerregelung: Was ist das & was bedeutet die Regelung fürs Franchising?

04.04.2018 15:00 | Ein Unternehmen gründen

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Wer eine bestimmte Umsatzgröße nicht überschreitet, kann als Kleinunternehmer tätig sein. Er braucht keine Mehrwertsteuer abzuführen, weil er sie nicht eingenommen hat. Die Veranlagung beim Finanzamt erledigt sich im Handumdrehen, auch für die Buchführung braucht es nicht viel Zeit. Getätigte Einnahmen werden einfach den Ausgaben gegenübergestellt, und schon ist der Gewinn ermittelt. Das scheint zunächst einmal sehr bequem zu sein, kann sich aber nachteilig auswirken.

Die Kleinunternehmerregelung muss offiziell beantragt werden

Einfach loslegen und damit hat sich’s – so einfach ist das nicht. Bevor man als Kleinunternehmer Aufträge bearbeiten kann, ist die Genehmigung dafür bei der Steuerbehörde einzuholen. Sie wird nicht automatisch oder auf eine bloße Absichtserklärung hin erteilt, es muss glaubwürdig versichert werden, dass der Erlös aus dem geplanten Umsatz in den nächsten zwölf Monaten insgesamt unter 17.500 Euro bleibt. In dem darauf folgenden Jahr des Bestehens darf es dann schon etwas mehr sein: annähernd das Dreifache. Das ist schon eine ganze Menge und erleichtert den Einstieg in die Welt des großen Geldes. Doch die Sache hat auch einen Haken, der als vermeintlicher Vorteil in Erscheinung tritt.

Mit der Kleinunternehmerregelung vom Vorsteuerabzug befreit

Der Kleinunternehmer braucht in seinen Rechnungen keine Mehrwertsteuer zu veranschlagen und darf seine Leistungen deshalb zu Preisen anbieten, die günstiger sind als bei jenen, die dieser Regelung nicht unterliegen. Demzufolge kann er

  • aber auch keinen Vorsteuerabzug geltend machen
  • und seine Auftraggeber ebenso wenig.

Das reduziert gemeinhin den zu versteuernden Gewinn, und darauf wollen viele nicht verzichten. Der Kleinunternehmer genießt allerdings den Vorzug, benötigte Ware ohne Berechnung der Mehrwertsteuer erstehen zu können, was im alltäglichen Leben meist unter den Tisch fällt, im Franchising aber von erheblicher Bedeutung sein mag.

Eine Vorzugsbehandlung anderen gegenüber genießen

Denn in dem vom System Gelieferten können sich durch entsprechende Preisgestaltung auch Gebühren verstecken. Ist Verkaufsware anderweitig nicht beziehbar, sollte das eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn sie sich aber nun durch Steuerabzug mindern ließen, wäre das unfair anderen Franchisenehmern gegenüber, die nicht von der Umsatzsteuer befreit sind. Sie mögen darüber hinwegsehen, damit die Kleinen erst einmal zu ihrem Recht kommen, es könnte aber auch ihren Unmut erwecken. Muss man hierbei an eine Verzerrung des Wettbewerbs denken? Grundsätzlich gibt es keine Befreiung von der Steuerpflicht für Existenzgründer.

Nur halbherziger Eintritt in ein Franchisesystem?

Der Kleinunternehmer wäre ihnen gegenüber klar im Vorteil und dürfte deswegen kaum als Franchisepartner akzeptiert werden. Ihm würde man wohl sagen, dass er sich seine Sporen erst noch verdienen muss, andererseits ist der Einstieg in ein Franchisesystem auch durch die Beschränkung auf ein Nebenverdienst möglich. Solange alles im Rahmen bleibt und keiner Anstoß daran nimmt, ist nicht viel dagegen einzuwenden, und wenn die Einnahmen stattliche Ausmaße annehmen, entfällt die Regelung ja sowieso – vorausgesetzt, die Kosten fressen den Gewinn nicht auf. Und 50.000 Euro sind schon eine Stange Geld. Eigentlich wäre es dumm, darauf zu verzichten.

Nur bedingt mit Entgegenkommen zu rechnen

Man legt sich gleichwohl auch selbst eine Beschränkung auf, wenn man seinen Umsatz im Gründungsjahr dermaßen eingrenzt, kann sich aber sicher das eine oder andere noch für die Folgezeit aufheben. Die Frage ist, wie andere darüber denken, wenn jemand sich dergestalt als Schlaumeier profiliert, wo sie selbst doch vom ersten Tage an bluten mussten. Man wird vielleicht folgern, da hielte sich jemand ein Hintertürchen offen, denn der Ausstieg fällt nicht schwer. Es lassen sich demnach aber auch weniger ernsthafte Absichten unterstellen; der eine wird sich womöglich gönnerhaft zeigen, ein anderer solches Gebaren weit von sich weisen. Wie auch immer – davon muss man sich nicht ins Boxhorn jagen lassen, es zählt das Ergebnis.

Vorausschauende Planung führt zum Erfolg

Im Grunde ist es sehr vernünftig, seinen Umsatz so zu prognostizieren, dass er sich in der Anfangszeit auf ein Drittel des eigentlich Angestrebten beschränkt. Die Initialkosten können immens sein, sie müssen nicht auf Jahrzehnte verteilt werden. Es dürfte ohnehin nicht leicht sein, das, was vom Auftragsvolumen übrigbleibt, von jetzt auf gleich zu verdreifachen. Um dies zu erreichen, muss klug vorgearbeitet werden, da kann ein wenig staatlicherseits angebotene Kostenersparnis gar nicht schaden. Wenn die Zeit gekommen ist, zahlt man sich ja doch nur dumm und dusselig. Mit der Hälfte vom Einkommen ist es nicht getan, es fallen unter Umständen auch Gewerbe- und Körperschaftssteuern an.

Auch die Bequemlichkeit hat ihren Preis

Und ein Gutteil davon muss im Voraus entrichtet werden, was den Vorsteuerabzug so wertvoll macht. Wie man es auch dreht und wendet: Wer viel verdient, muss einiges davon abgeben, manchmal sogar mehr als verträglich. Da wäre es doch nur gescheit, im Kleinen zu beginnen, und das gilt auch fürs Franchising. Die dafür investierte Zeit kann jedoch auch als verloren angesehen werden, wenn nichts weiter daraus wird. Also spricht demgegenüber manches für den großen Schritt, Risiken tragen muss man allemal, wenn man sich über Durchschnittliches erheben will. Man könnte allerdings auch so empfindlich scheitern, dass man es kein zweites Mal versucht.

Nicht jeder muss Millionär werden

Im Franchising besteht vielerorts die Möglichkeit, erst einmal klein anzufangen, um bald größer aufzusteigen. Es steht jedoch nicht immer Druck dahinter; wer Freude an seinem Auskommen gefunden hat und dabei bleiben möchte, den lässt man hier und da auch gewähren. Das mag bekömmlicher sein, als gleich Millionen auf den Tisch zu legen, die Chance zur Bescheidenheit bietet sich nur nicht überall. Es kann aber auch geschehen, dass sich anfängliches Zögern zu wahrem Heldenmut wandelt, nachdem man einmal Blut geleckt hat. Überfordern Sie sich nicht, halten Sie sich möglichst alle Optionen offen.

Jedenfalls eine Erfahrung wert

Versuchen Sie es ruhig mit der Kleinunternehmerregelung, wenn Sie erste Erfahrungen unter entschärften Bedingungen sammeln wollen, oder vertrauen Sie sich einem Franchisegeber an, der Verständnis für Ihre besonderen Belange aufbringt. Möglicherweise finden Sie sogar jemanden, mit dem Sie alles unter einen Hut bringen können. Wichtig ist auch, dass man sich nicht mehr zumutet, als man vertragen kann. Mit der Zeit sehen Sie klarer. Man muss nicht unbedingt gleich nach den Sternen greifen, wenn man groß herauskommen will. Ein moderater Einstieg trägt manchmal weiter als der Absturz mit Pauken und Trompeten. Probieren Sie’s!

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