Die Lizenzvereinbarung: Chancen und Risiken für Existenzgründer

17.03.2018 08:40 | Ein Unternehmen gründen

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Wenn es um Franchisesysteme geht, ist oft auch die Rede von Lizenzvereinbarungen. Es scheint es so, als wären Lizenzsystem und Franchisesystem ein und dieselbe Sache. Dem ist allerdings nicht so. Beim Franchising erwirbt der Franchisenehmer zwar die Lizenz für eine gewisse Marke von seinem Franchisegeber, darüber hinaus erhält er allerdings auch zahlreiche Unterstützungen und Hilfen durch den Franchisegeber. Diese würde er bei einer reinen Lizenzvereinbarung nicht erhalten. Denn diese umfasst lediglich die Rechte zur Nutzung der Marke. Dies kann sich vorteilhaft wie auch nachteilig für den Lizenznehmer entwickeln. Dieser Artikel über die genauen Unterschiede sowie die Chancen und Risiken, die damit einhergehen auf.

Lizenz- und Franchisekonzepte: Wo liegen hier nochmal genau die Unterschiede?

Wie bereits erwähnt unterscheiden sich Lizenzkonzepte von umfassenden Franchisesystemen, da diese nur die reine Lizenzvergabe beinhalten. Der Vorteil für die Lizenznehmer besteht also darin, dass sie sich nicht an ein strenges Franchisesystem binden, was ihnen eine hohe Konformität und die Einhaltung gewisser Standards und Richtlinien durch den Franchisegeber auferlegt. Denn im Fall von Lizenzvergaben ist der Lizenzgeber relativ passiv: Er gestattet seinem Lizenznehmer lediglich die Nutzung seiner geschützten Rechte und teilt die dafür relevanten Geschäftsgeheimnisse mit ihm. Weitere Leistungen hat der Lizenzgeber nicht zu erbringen. Aufgrund dessen werben viele Lizenzsysteme mit sehr niedrigen Gebühren, schließlich handelt es sich nur um eine einmalige Lizenzvereinbarung. Hierbei kann es sich um ein einfaches oder exklusives Recht zur Nutzung von bestimmten gewerblichen Schutzrechten handeln. Diese Rechte können beispielsweise die Nutzung einer bestimmten Marke, einer Software, eines Patentes, eines Gebrauchsmusters oder lediglich Know-How umfassen. Der Arbeitsaufwand für den Lizenzgeber bleibt bei einer Lizenzvereinbarung also sehr überschaubar.

Bei einem Franchisesystem sieht das anders aus: Hier erhält der Franchisenehmer abgesehen von der reinen Lizenz, um die Marke, die Produkte und Services im Namen des Franchisegebers vermarkten zu dürfen, darüber hinaus auch entsprechenden Support und umfassende Serviceleistungen durch seinen Geschäftspartner. Der Franchisenehmer zahlt zwar für die Nutzung der Rechte der Schutzmarke, er wird dafür aber auch komplett bei der Ausführung seiner Tätigkeit umsorgt. Der Franchisegeber wird in gewisser Weise zum Dienstleister des Franchisenehmers.

Die Besonderheiten eines Franchisesystems sind der einheitliche Marktauftritt sowie die Rundum-Sorglos-Unterstützung durch den Franchisegeber. Die Franchisegeber unterstützen ihre Franchisenehmer sehr weitreichend: Bereits vor Eröffnung des Franchisebetriebes sind sie zur Stelle und geben wertvolle Tipps bei der Standortwahl und bieten Hilfe bei Finanzierungsfragen an. In intensiven Schulungen und Trainings lernen die Franchisenehmer all das Wissen, was für das Franchisesystem relevant ist. Genau das garantiert dann nämlich auch den einheitlichen Markenauftritt. Alle Franchisebetriebe sind exakt identisch aufgebaut und funktionieren nach demselben System, mit exakt denselben Arbeitsschritten. Jeder Franchisebetrieb funktioniert nach demselben Prinzip. Das sorgt letztlich auch für eine hohe Identifikation des Kunden mit der Marke. Und genau deshalb ist die Unterstützung und das intensive Training durch den Franchisegeber vor und nach der Eröffnung auch so wichtig.

Das macht das Lizenzsystem aus:

Im Rahmen des Lizenzsystems entrichtet der Lizenznehmer also einmalig eine Gebühr, um die Schutzrechte zu erwerben. Davon abgesehen wird der Lizenznehmer keine weitere Unterstützung durch den Lizenznehmer erhalten. Aufgrund dessen kann der Lizenznehmer von geringeren Lizenzgebühren profitieren und besitzt komplette unternehmerische Freiheit.

Das wiederum macht ein Franchisesystem aus:

  • Ein einheitlicher Markenauftritt
  • Umfassende Unterstützung und Hilfestellung vor und nach der Eröffnung des Franchisebetriebes
  • Franchisenehmer reproduziert die Marke und das Geschäftskonzept eins zu eins an seinem Standort
  • Zugriff auf ein abgerundetes Marketingpaket
  • Franchisenehmer hat sich komplett an Vorgaben des Franchisegebers zu halten

Auf den Punkt gebracht heißt das, dass Lizenzsysteme mehr oder weniger die abgespeckte Variante eines Franchisesystems darstellen. Gleichbedeutend ist jedes Franchisesystem also auch ein Lizenzsystem, da es im Kern die Nutzung der Lizenz beziehungsweise der Schutzrechte des Franchisegebers beinhaltet.

Was sind die Vorteile eines reinen Lizenzsystems?

Bei einem Lizenzsystem wird dem Lizenznehmer also viel mehr unternehmerische Freiheit eingeräumt: Der Lizenznehmer agiert unter eigenem Namen und ist darüber hinaus auch komplett eigenständig selbstständig. Der Unterschied zu Franchisesystemen ist, dass der Franchisenehmer zwar rechtlich und finanziell selbstständig ist, er aber trotzdem den Vorgaben des Franchisegebers unterliegt. Das heißt, er hat genau die Produkte und Services anzubieten, wie der Franchisegeber es ihm vorschreibt. Des Weiteren verpflichtet er sich zu einer exakten Übernahme der Produkte und Services wie durch den Franchisegeber vorgegeben. Reinen Lizenznehmern werden wiederum mehr Freiheiten eingestanden: Sie können selbst entscheiden, was sie in ihrem Sortiment anbieten möchten. Aus diesem Grund kombinieren sie meist unterschiedliche Lizenzen aus verschiedenen Geschäftsbereichen. Dementsprechend hat der Lizenzgeber wenig Einfluss auf den Lizenznehmer. Er gesteht ihm einzig die Nutzung seiner gewerblichen Schutzrechte zu und hat damit seine Pflicht erfüllt.

Eine reine Lizenzvergabe stellt aber auch für den Lizenzgeber eine sehr praktische Lösung dar. Denn heutzutage sind kostengünstige, schnelle Lösungen gefragt. Und genau das wird durch eine Lizenzvergabe erreicht: Durch einen Lizenzvertrag können Lizenzgeber international neue Wege gehen und auf eine relativ schnelle Art und Weise in neue Märkte vordringen. Darüber hinaus kann der Lizenzgeber so die Kosten einer Expansion sehr gering halten. Und davon profitiert letztlich auch der Lizenznehmer, der eine etablierte Marke in sein Sortiment aufnehmen kann, die im besten Fall bereits eine hohen Markenbekanntheit besitzt.

Die Chancen einer Lizenzvereinbarung auf einen Blick:

  • Der Lizenznehmer besitzt komplette Selbstständigkeit ohne Vorgaben „von oben“
  • Unternehmerische Freiheit ermöglicht Lizenznehmer verschiedene Lizenzen zu kombinieren
  • Lizenznehmer kann kostengünstig expandieren, er übergibt lediglich Rechte zur Nutzung von gewerblichen Schutzrechten
  • Schnelle Expansion für den Lizenzgeber, schneller Markteintritt für den Lizenznehmer

Welche Risiken stellt ein Lizenzsystem dar?

Im Rahmen einer reinen Lizenzvergabe erhält der Lizenznehmer keine weitere Unterstützung durch den Lizenzgeber. Gerade wenn der Lizenznehmer noch frisch ist, was seine Selbstständigkeit angeht, wird er also von niemandem an die Hand genommen und muss seine ersten Schritte in die Selbstständigkeit alleine gehen. Dementsprechend kann es hier eher dazu kommen, dass der Lizenznehmer Fehler macht, die in der ersten Gründungsphase typisch sind. Der Vorteil von Franchisesystemen besteht ja letztlich in der umfassenden Unterstützung, die dafür sorgt, dass die Franchisenehmer komplett an die Hand genommen werden und so unter besten Voraussetzungen in ihre Existenzgründung starten können.

Darüber hinaus sollten internationale Lizenzvergaben mit Vorsicht genossen werden: Während nationale Lizenzvergaben den Rechten der nationalen Gesetzgebung unterliegen, stellen internationale Lizenzvergaben ein gewisses Risiko für den Lizenzgeber dar. Denn in anderen Ländern herrschen andere Rechte, was beispielsweise den Wettbewerb oder aber den Schutz des geistigen Eigentums angeht. Ein Unternehmen, was eine internationale Lizenzvergabe plant, sollte sich also intensiv mit dem Zielmarkt auseinandersetzen, um sicherzustellen, dass es am Ende keine bösen Überraschungen gibt.

  • Lizenznehmer ist vollständig auf sich alleine gestellt
  • Internationale Lizenzvergaben sollten mit Vorsicht genossen werden, um rechtlich abgesichert zu sein
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