Ltd gründen: Wieso, weshalb, warum?

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Ltd gründen: Wieso, weshalb, warum?

Mittlerweile seit drei Jahren geistern angsterweckende Meldungen rund um den „Brexit“ in deutschen Medien herum. Eine der am häufigsten geäußerten Befürchtungen: Die Wirtschaft in Deutschland leidet unter dem bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens. Besonders betroffen sein werden wohl Firmen, die als „Limited“ agieren. Diese britische Rechtsform für Unternehmen ist auch in Deutschland verbreitet. Wie gründet man also eine Ltd, und was bedeutet der Brexit für die Rechtsform?

Die Limited ist eine Rechtsform für Unternehmen, die in Deutschland besonders in den 2000er-Jahren beliebt war. Zu vergleichen ist die Limited Company am ehesten mit der deutschen Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder der Unternehmergesellschaft. Dass eine britische Rechtsform sich auch in Deutschland durchgesetzt hat, hat vor allem organisatorische Gründe: Für eine Ltd. sind die Hürden niedriger als für eine GmbH. Zum Beispiel benötigen Gründer hier keine notarielle Beglaubigung, und das einzuzahlende Mindest-Stammkapital beträgt nur ein britisches Pfund.

Seit 2009: Die Alternative zur Limited

Überhaupt möglich wurde der „Siegeszug“ der Ltd. in Deutschland Anfang dieses Jahrtausends durch EU-Regelungen. Das Gesellschaftsrecht in der Europäischen Union sieht nämlich vor, dass sich eine Firma prinzipiell in jedem EU-Mitgliedsstaat niederlassen darf. Einzige Voraussetzung ist ein Geschäftssitz in dem jeweiligen Land, was allerdings auch als sogenannte „Briefkastenfirma“ geht. Das Unternehmen besorgt sich also eine Geschäftsadresse im Ausland, arbeitet aber in Wirklichkeit von einem anderen Land (in diesem Fall Deutschland) aus. Wichtig zu beachten: Es gelten für die Gründung und Anmeldung die Gesetze aus dem Staat, in dem die Firma gemeldet werden soll.

Diese Möglichkeit gibt Firmen die Gelegenheit, auch Gesellschaftsformen aus dem Ausland zu nutzen. Besonders beliebt war in Deutschland dabei wie bereits erwähnt die Limited Company. Das niedrige Stammkapital und das recht einfach verständliche Rechtssystem in Großbritannien lockten viele deutsche Gründer an, die meist über eine Agentur den Unternehmenssitz im Vereinigten Königreich anmeldeten und von den Vorteilen der Ltd. profitierten. Mitte der 2000er-Jahre waren so etwa 30.000 eigentlich deutsche Unternehmen als Limited registriert.
Heute sieht die Situation etwas anders aus: Immer mehr Limiteds verschwinden vom Markt oder ändern die Rechtsform. In erster Linie spielt hier eine Gesetzesänderung aus dem Jahre 2009 eine Rolle: Seitdem gibt es in Deutschland die Rechtsform der „Unternehmergesellschaft“. Diese bietet ähnliche Pluspunkte wie die Ltd. und erfordert ebenso nur ein Stammkapital von einem Euro.

Ist die Limited noch zeitgemäß?

Angesichts der Vorteile der Unternehmergesellschaft müssen sich potenzielle Gründer dieser Frage stellen. Und oftmals lautet die Antwort „nein“. Laut Udo Kornblum, zitiert in diesem Artikel der „Zeit“, waren schon 2016 nur noch 9.000 Limiteds auf dem deutschen Markt. Durch die große Ähnlichkeit der Ltd. mit der Unternehmergesellschaft – und noch dazu dem gelten deutschen Rechtssystem bei der UG, mit dem die meisten Gründungsinteressierten besser vertraut sind – fällt die Entscheidung mittlerweile häufig für die Unternehmergesellschaft.

Ein weiterer Faktor, der in diese Entscheidung hineinspielt, ist der Brexit: Seit nunmehr gut drei Jahren ist klar, dass Großbritannien aus der EU austreten möchte. Tausende Verhandlungen haben aber bislang zu keinem klaren Ergebnis geführt. Der aktuell anvisierte Austrittstermin ist der 31. Oktober diesen Jahres – schon mehrfach wurde das Datum allerdings verschoben.
Was die Limiteds betrifft, ist die genaue Regelung noch nicht bekannt. Vor allem entscheidend ist hier die Niederlassungsfreiheit für Unternehmen in der EU, die bei einem harten Brexit wahrscheinlich nicht mehr gelten würde. Die Anerkennung der Limited in Deutschland würde also fehlen, und Limited Companies müssten entweder die Rechtsform ändern oder deutlich strengere Bedingungen akzeptieren. Eine komplexe Fragestellung, die aktuell nicht abschließend beantwortet werden kann. Klar ist in jedem Fall: Die Situation für Limiteds ist durch den Brexit unklar, die (bislang) endlosen politischen Diskussionen verunsichern Firmen und Gründungsinteressierte.

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Bei Franchises spielt die Limited übrigens generell nur eine untergeordnete Rolle: Franchisegeber können meist ohnehin ein hohes Stammkapital vorweisen und sind deshalb selten als Unternehmergesellschaft oder Limited organisiert. Und auch „kleine“ deutsche Franchisenehmer bevorzugen für ihre Gründung eher die Gründung einer Personengesellschaft (GbR, OHG, KG, …) oder einer UG.

Wie Sie eine Limited gründen können

Auch wenn momentan vieles gegen die Gründung einer Ltd. spricht, möchten wir gerne die wichtigsten Eigenschaften und den Gründungsprozess einer Limited Company darstellen. Die Besonderheiten einer Limited im Überblick:

  • Gründung und Gesellschaftsvertrag nach britischem Recht
  • Kapitalgesellschaft mit beschränkter persönlicher Haftung für den oder die Gründer
  • Stammkapital beträgt mindestens ein britisches Pfund

Da sich die meisten Unternehmer im britischen Rechtssystem nicht auskennen, ist eine Rechtsberatung oder sogar die Unterstützung einer spezialisierten Agentur quasi Pflicht. Durch die professionelle Hilfe können Sie eine Limited recht einfach gründen, müssen allerdings mit Kosten für die Beratung rechnen.
Vorsicht gilt auch bei der Besteuerung: Auch wenn eine Adresse im Vereinigten Königreich vorgewiesen werden muss, unterliegt das Unternehmen nicht automatisch den britischen Steuer-Regelungen. Im Gegenteil: Es gilt deutsches Steuerrecht, wenn das Unternehmen ausschließlich in Deutschland tätig ist.

Die Vor- und Nachteile einer Limited Company

Größte Vorteile einer Ltd. sind wohl das geringe Stammkapital und der vergleichsweise wenig aufwändige und mit wenig Anforderungen verknüpfte Gründungsprozess. Zumindest mithilfe einer Agentur lassen sich Limiteds auch von Deutschland aus schnell und unkompliziert eröffnen. Allerdings gelten diese Vorteile wie bereits festgestellt in ähnlicher Art und Weise auch für die deutsche Unternehmergesellschaft.
Ein Pluspunkt, den die UG nicht zu bieten hat, ist die internationale Anerkennung: Auf globaler Ebene sind Unternehmen vertrauter mit der Limited, da diese in einigen Ländern verwendet wird und der Gesellschaftsvertrag auf Englisch verfasst ist. Missverständnisse in Gesprächen mit internationalen Geschäftspartnern und Kunden können so vermieden werden, und eventuell springt sogar ein Imagegewinn für Ihr Unternehmen heraus.
Auf der Seite der Nachteile finden sich folgende Punkte:

  • britisches Rechtssystem
  • laufende Pflichten, zum Beispiel zur Buchführung (auf Englisch)
  • fehlende Anerkennung / Bekanntheit in Deutschland

Vor allem das britische Rechtssystem kann zu Problemen führen, denn hier benötigen Sie Expertise oder müssen sich diese über (teils teure) Beratungsgespräche erarbeiten. Dass die Buchführung auf Englisch erledigt werden muss und ebenso wie in Deutschland Jahresabschlüsse veröffentlicht werden müssen, kann ebenso problematisch sein. Als Limited muss man alle Regelungen aus dem Vereinigten Königreich einhalten, was in der Praxis normalerweise zu erhöhtem Verwaltungsaufwand führt.

Auch bei Kontakt mit deutschen Geschäftspartnern oder Kunden könnte die Rechtsform zu Verwirrung führen – obwohl die Limited jahrelang eine der beliebtesten Rechtsformen hierzulande war. Der Umgang mit Limiteds ist dennoch ungewohnt und eventuell müssen Sie Ihren Gesprächspartnern erst einmal die Besonderheiten der Ltd. vorstellen. Ein weiteres wichtiges Thema ist das Geschäftskonto. Die Eröffnung eines solchen Kontos ist für Limiteds nicht bei jeder Bank möglich. Informieren Sie sich also gut, bevor Sie sich für eine Ltd. entscheiden!

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