Masterfranchising: Vor- und Nachteile eines Masterfranchisenehmers

letztes Update: 24/05/2019

masterfranchising vor und nachteile

Das Franchising hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem äußerst bewährten Geschäftsmodell entwickelt. Unternehmer sind dabei auf der Suche nach motivierten Existenzgründern, die sich gegen eine Gebühr das Recht erkaufen, deren Marke und deren Geschäftskonzept zu nutzen. Die verschiedenen Anforderungen und Regelungen, welche von beiden Parteien eingehalten werden müssen, sind in einem Franchisevertrag festgehalten. Die Franchisegeber haben somit die Möglichkeit, zu expandieren und dadurch ihren Umsatz zu steigern. Ihr geschäftliches Risiko erhöht sich jedoch nicht, da die Franchisenehmer als steuerrechtliche und rechtliche selbstständige Unternehmer gelten.

Im Laufe der Jahrzehnte verspürten immer mehr Franchisegeber den Wunsch, auch im Ausland Präsenz zu zeigen. Dies gab zum Anlass, dass das Masterfranchising geboren wurde. Die Prinzipien sind im Grunde fast gleich. Der Masterfranchisegeber vergibt seinen Masterfranchisenehmern die Lizenz zur Verwendung seines Geschäftsmodells. Der Masterfranchisenehmer übernimmt dieses im Ausland und vergibt wiederum selbst Lizenzen an Franchisenehmer im Zielland. In der Theorie klingt das Modell recht unkompliziert und scheint hauptsächlich Vorteile zu bringen. Doch in der Praxis gibt es doch das ein oder andere Hindernis, mit dem sich der Masterfranchisenehmer auseinandersetzen muss.

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Vorteile für den Masterfranchisenehmer

Der Nutzen, den der Masterfranchisenehmer aus dem System zieht, ist offensichtlich: Er expandiert mit seiner Marke auf internationaler Ebene und erlangt Bekanntheit und Wiedererkennungswert auf der ganzen Welt. Doch was springt für den Masterfranchisenehmer bei diesem Deal genau heraus?

Die Kosten

Im Ausland werden die Karten des Franchisesystems neu gemischt. Da, der Masterfranchisegeber außerhalb des eigenen Landes keine eigenen Niederlassungen eröffnen muss, verringern sich für ihn die Investitionskosten. Diese werden natürlich hauptsächlich vom Masterfranchisenehmer getragen. Deswegen ist es auch wichtig, dass der Masterfranchisenehmer über ein großes Eigenkapital verfügt. Dieses muss im Durchschnitt deutlich höher sein, als die Investitionssumme eines Franchisenehmers. Das klingt zunächst einmal nach einem großen Nachteil, doch dafür senken sich die abzuleistenden Gebühren enorm. Denn viele Leistungen, von welchen die Franchisenehmer im Ursprungsland profitieren können, werden im Ausland nicht angewandt werden können.
Das liegt zunächst natürlich daran, dass sich die Sprachen unterscheiden. Zum Beispiel kann die Werbung, die der Masterfranchisegeber in den USA seinen Franchisenehmern zur Verfügung stellt, in Deutschland nicht übernommen werden. Das kann weiterhin auch noch den Hintergrund haben, dass sich die Mentalität komplett unterscheidet. Was bei Franzosen oder Italienern wahre Begeisterungsströme auslöst, kann in England nur ein müdes Lächeln hervorrufen.

Die Gründung

Wurde die Lizenz oder der Vertrag erst einmal an den Masterfranchisenehmer vergeben, bedeutet dies, dass dieser die Verwaltung und Verantwortung über ein bestimmtes Gebiet erhalten hat. Dies kann lediglich eine Region im Zielland sein, oder ein gesamtes Land umfassen. Dies kommt jedoch hauptsächlich bei kleinen Ländern, wie Hawaii, Angola oder Luxemburg vor. Der Masterfranchisenehmer ist zunächst dazu verpflichtet, so genannte Pilotbetriebe zu eröffnen, die den hiesigen Markt erkunden sollen. Es wird sich versichert, dass das Unternehmen im Ausland guten Anklang findet und vor allem auch, dass das bisherige Konzept funktioniert und anwendbar ist. Gegebenenfalls müssen Änderungen in Absprache mit dem Masterfranchisegeber vorgenommen werden, um das Gelingen des Projekts zu garantieren.

Ist der Zeitpunkt erreicht, an welchem klar wird, dass das Franchisenetzwerk ausgebaut werden kann, beginnt der spaßige Teil für den Masterfranchisenehmer. Dieser agiert in der ihm zugeteilten Region oder dem ihm überlassenen Land nun nämlich wie ein Franchisegeber. Es ist an ihm die Bewerbungen durchzugehen, zum Vorstellungsgespräch einzuladen und auszuwählen, wer dem Franchisenetzwerk beitreten darf, oder eben nicht. Dies erfordert außergewöhnliches Geschick in den Bereichen Management und Unternehmensführung, weswegen offensichtlich wird, dass nicht jeder das Talent zum Masterfranchisenehmer besitzt. Es werden in erster Linie Bewerber mit viel Erfahrung ausgesucht, welche die Qualitäten einer echten Führungskraft besitzen.


Durch die ihm überlassene Verantwortung ist es dem Masterfranchisenehmer möglich, noch selbstständiger zu arbeiten und unabhängiger vom Masterfranchisegeber Entscheidungen zu treffen. Dies wird vor allem im Laufe der Zeit auffällig. Der Masterfranchisegeber hat im Grunde genommen nämlich keine rechtliche Verbindung zu den Franchisenehmern des Masterfranchisenehmers. Die Verhandlungen, Weisungen und die Zusammenarbeit laufen also stets über den Masterfranchisenehmer.

Der Masterfranchisenehmer handelt also so gut wie komplett selbstständig im Ausland. Für Unternehmertypen, die motiviert und ehrgeizig sind und ihrer Kreativität und ihrem Innovationsgeist freien Lauf lassen wollen, eröffnen sich so ganz neue Möglichkeiten. Sie sind weniger eingeschränkt vom Franchisesystem und können sich ihr eigenes Filialnetz aufbauen. Die Masterfranchisenehmer profitieren somit von allen Vorteilen, die sie bei der Gründung eines eigenen Franchiseunternehmens hätten, ohne sich mit dem aufwendigen Aufbau eines eigenen Unternehmens auseinandersetzten zu müssen. Die Erweiterung des Franchisenetzwerkes beginnt in Folge dessen weitaus schneller, als bei einer herkömmlichen Gründung und die Betriebe multiplizieren sich in rasanter Geschwindigkeit. Eine absolute Win-Win-Situation also!

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Besondere Einblicke

Ein Unternehmen im Ausland zu eröffnen, ist kein leichtes Unterfangen. Man kennt sich mit den dort gegebenen Sitten und Regelungen nicht aus und die nötigen Kontakte fehlen häufig, die Unwissenheit aus dem Weg räumen könnten. Eine nur allzu logische Schlussfolgerung für einen Unternehmer ist es also, sich vor Ort einen Geschäftsmann zu suchen, der in seinem Namen das Unternehmen dort vertritt und sich um alle Angelegenheiten kümmert.

Der beauftragte Masterfranchisenehmer kennt sich nämlich nicht nur mit Land und Leute aus, sondern hat tiefe Einblicke. Dies beginnt zunächst mit der Kultur des ausgesuchten Landes. Kultur und Gesellschaft lässt sich nicht nur durch die Politik und das Essen definieren, sondern vor allem auch durch die Grundsätze. Worauf legen die Kunden besonderen Wert? Und wie können diese Prinzipien in die Unternehmensstruktur eingebaut werden, um den größtmöglichen Profit zu erreichen? Dies können einfach Dinge, wie die Kleiderordnung des Personals, oder die Namen der Produkte und Dienstleistungen sein. Es kann jedoch auch viel umfassender sein: die Marketingstrategie, das soziale Agieren und das Verhalten mit der Kundschaft und den Geschäftspartnern. Der ausländische Geschäftsmann hat schnell mal einen Fauxpas begangen, der dem Landsmann nie passiert wäre.

Weiterhin hat der Masterfranchisenehmer im eigenen Land einen besseren Einblick darüber, was es steuer- und wirtschaftsrechtlich zu beachten gibt. Ein Masterfranchisegeber hat oftmals Niederlassungen in mehreren Ländern auf der ganzen Welt. Wenn er sich die Zeit nehmen müsste, sich in die einzelnen Vorlagen der ansässigen Behörden einzulesen, würden die 24 Stunden eines Tages niemals für die anstehende Arbeit ausreichen. Er ist also darauf angewiesen, dass der Masterfranchisenehmer in diesen Bereichen Erfahrung aufweisen kann. Im Gegensatz zur Zusammenarbeit mit den üblichen Franchisenehmern, entfallen auch Hilfeleistungen wie die Erstellung des Businessplans und der Gang zur Bank, um Finanzierungsfragen zu klären. Der Masterfranchisegeber geht davon aus, dass sein zukünftiger Geschäftspartner diese Hürden leicht ohne ihn bewältigen kann.

Ein Unternehmen ist stets darauf angewiesen, die Veränderungen auf dem Markt zu beobachten. Denn ein guter Unternehmer zeichnet sich dadurch aus, dass er auf gegebene strukturelle Änderungen dementsprechend reagieren kann, um den Erfolg seines Unternehmens fortzusetzen. Für den Masterfranchisenehmer ergibt sich auch hier die ganz besondere Chance, sein Können unter Beweis zu stellen und selbstständig zu agieren. Im eigenen Land liegt es nämlich an ihm, diese Abweichungen an den Masterfranchisegeber zu melden und Maßnahmen einzuleiten.

Nachteile für den Masterfranchisenehmer

Wie alles im Leben, hat natürlich auch das Konzept des Masterfranchisings nicht nur eine Sonnenseite, sondern eben auch eine Schattenseite.

Arbeit, Arbeit, Arbeit

Masterfranchisenehmer müssen sich nicht nur um die Leitung ihrer eigenen Filialen mit den dazugehörigen Angestellten kümmern, sondern sind zudem auch noch verantwortlich für die Fragen und Belange ihrer Franchisenehmer. Trotz der Hilfe vom Masterfranchisegeber, der seinen Masterfranchisenehmer immerhin mit Anleitung und Know-how versorgt, bedeutet dies immer noch viel Arbeit für den Masterfranchisenehmer. Gerade in der Anfangsphase muss sich der Masterfranchisenehmer mit hohen Investitionskosten, Arbeit- und Zeitaufwand herumschlagen.

Da das Projekt sich zu dieser Zeit noch in den Startlöchern befindet, muss der Masterfranchisenehmer viele Stunden in den Pilotbetrieben verbringen, um das Konzept zu perfektionieren. Denn auch wenn aller Anfang schwer ist, entscheidet er maßgeblich über das Gelingen oder Scheitern eines Projekts. Doch auch nach Jahren noch sind die Anforderungen an einen Masterfranchisenehmer ganz anders, als die eines Franchisenehmers. Denn mit mehr Macht steigt auch die Verantwortung.

Mit gehangen, mit gefangen

Für viele Franchisenehmer besteht der eine große Vorteil darin, dass man das Unternehmersein für sich selbst ausprobieren kann. Die Lizenzverträge verfügen zwar meistens über eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren, doch diese Zeit kann man ausgiebig nutzen, um Erfahrung zu sammeln, und sich darüber bewusstwerden, ob die Selbstständigkeit etwas für einen ist. Wer sich allerdings dafür entscheidet eine Masterfranchisingpartnerschaft einzugehen, sollte sich seiner Sache schon ausgesprochen sicher sein.

Diese Zusammenarbeit ist darauf ausgerichtet, dass der Masterfranchisenehmer sich sein eigenes Netzwerk im Zielland aufbaut, und die Aufgaben des Masterfranchisegebers im Ausland übernimmt und dessen Interessen vertritt. Dies ist eine Partnerschaft, die auf Dauer ausgelegt ist und mit der viel Verantwortung einhergeht. Die meisten Masterfranchisenehmer haben jedoch im Vorhinein das Franchisesystem schon ausprobiert und sich selbst davon überzeugt, dass sie für das Unternehmertum gemacht sind. Für sie besteht also nicht die Gefahr, dass sie sich für den falschen Beruf entschieden haben.

Fazit

Das Masterfranchiseprogramm ist ein Konzept, das zwar sowohl Vorteile als auch Nachteile in sich vereinigt, dessen positiven Aspekte aber dennoch überwiegen. Viel Wert sollte allerdings darauf gelegt werden, dass man den richtigen Partner an seiner Seite hat. Denn jedes Konzept kann noch so gut ausgearbeitet sein, wenn die Chemie zwischen den Parteien nicht stimmt, ist das Projekt von Anfang an schon zum Scheitern verurteilt.

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