Preisbindung im Franchising - Was Sie wissen sollten!

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Preisbindung im Franchising - Was Sie wissen sollten!

In einem Franchiseunternehmen hat der Franchisegeber eine Geschäftsidee, die er auf den Markt bringen möchte. Im Prinzip unterscheidet sich dies erstmal nicht von einer Gründung eines Einzelhandels. Entscheidet sich der Gründer für Franchising, ist dies allerdings risikofreier. Hat der Franchisegeber nach seiner Existenzgründung in einem Pilotbetrieb getestet, ob seine Geschäftsidee funktioniert und ein Konzept ausgearbeitet, wird die Marke langsam bekannter. Jetzt gilt es dies auch überregional zu schaffen, um sich ein Netzwerk aufzubauen.

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Der Franchisegeber sucht sich passende Franchisenehmer, die seine Geschäftsidee in einem Betrieb an einem anderen Standort vermarkten. Natürlich muss vorher sichergestellt sein, dass das Geschäftskonzept auch an anderen Standorten funktioniert. Auf diese Weise baut sich der Franchisegeber ein Netzwerk mit unterschiedlichen Partnern an unterschiedlichen Standorten auf. So greift seine Geschäftsidee auch überregional.

Preise in Franchiseunternehmen

Obwohl man in einem Franchiseunternehmen Hand in Hand arbeitet und Synergieeffekte erzielt werden sollten, sind Franchisegeber und Franchisenehmer jeweils selbständig und eigene Unternehmer. Natürlich müssen die Franchisenehmer hinter der Marke stehen und diese auch mit einem einheitlichen Marketingkonzept und Einrichtung verkaufen.

Dennoch haben sie auch Freiräume und können ihre eigenen Entscheidungen treffen. Allerdings tritt an diesem Punkt eine Schwierigkeit ein, die schon seit Jahren von unterschiedlichen Gerichten diskutiert wird – die Preisbindung. Ist eine Marke erstmal bekannt, ist es auch wichtig, dass sich die Preise nicht von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden.

Die Kunden gehen mit entsprechenden Erwartungen in ein Geschäft, Restaurant etc. und möchten nicht erfahren, dass die von ihnen beanspruchten Leistungen an einem anderen Standort wesentlich günstiger angeboten werden. Dies beschädigt die Darstellung einer einheitlichen Marke und kann Kunden auch abwandern lassen. Es sollte in einem Franchiseunternehmen zumindest darauf geachtet werden, dass die Preise in einer Region übereinstimmen.
Dabei muss man sich Folgendes vorstellen. Der gleiche Betrieb mit Sitz an unterschiedlichen Standorten - dürfen hier dann auch die Produkte beziehungsweise Dienstleistungen zu den gleichen Preisen angeboten werden? Grundsätzlich erstmal ja! Jedoch mit einigen Einschränkungen, da diese Preise nicht verbindlich sein dürfen.

Und an dieser Stelle wird es schwierig. Der Franchisegeber ist darauf bedacht, dass seine Marke möglichst einheitlich auf dem Markt präsentiert wird. Dennoch darf er den Franchisenehmern keine Preise vorgeben, da diese selbständige Unternehmer sind. Allerdings ist es in dem Netzwerk beim Franchising wichtig, dass die Marke auf dem Markt bekannt wird und eine gute Reputation hat.

Dafür ist Werbung, die überregional geschaltet wird, ein wichtiges Medium, damit alle Partner in dem Franchiseunternehmen wirtschaftliche Erfolge erzielen können. Mit Werbung geht allerdings auch meistens die Angabe von Preisen für bestimmte Produkte einher. Um die Marke auf dem Markt geschlossen darzustellen, sollten hier auch einheitliche Preise präsentiert werden. Und genau dieser Punkt ist in einem Franchiseunternehmen nicht so einfach und es müssen spezielle Richtlinien beachtet werden.

Das Kartellrecht

Das Kartellrecht regelt unter anderem, dass der Wettbewerb auf dem Markt fair abläuft und sich einzelne Unternehmen nicht zusammentun und absprechen. Darunter fällt vor allen Dingen die Absprache bezüglich der Preise für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Diese sogenannte Preisbindung ist laut Kartellrecht strengstens verboten und wird mit einem hohen Bußgeld bestraft. Franchisenehmer und Franchisegeber sind zunächst selbständige Unternehmer und dürfen somit keine Absprachen bezüglich der Preise treffen. In dem Fall kollidieren sie mit dem Kartellrecht. Bei der Vereinbarung fester Preise zwischen Unternehmen spielt auch die Wirtschaftsstufe der Unternehmen keine Rolle.

Es ist also nicht wichtig, ob die Unternehmen auf der gleichen oder einer unterschiedlichen Wirtschaftsstufe stehen. Preisabstimmung ist mit einer der schwersten Verstöße gegen das deutsche und europäische Kartellrecht. Aber wie können dann Franchiseunternehmen besondere Produkte oder aber auch Aktionen bewerben?

Die Preisbindung ist nicht erlaubt, allerdings ist es möglich einen Höchstpreis für die Produkte festzulegen. Des Weiteren dürfen auch unverbindliche Preisempfehlungen ausgesprochen werden und bei Sonderaktionen darf der Franchisegeber die Preise kurzfristig hierfür festlegen. Wird ein neues Produkt auf den Markt eingeführt, darf der Franchisegeber auch hier den Preis während dieser Phase festlegen.

Preisbindung - Überblick

Zusammengefasst dürfen also folgende Preise festgelegt werden:

• Höchstpreise für Produkte oder Dienstleistungen
• Unverbindliche Preisempfehlungen
• Preise bei Sonderaktionen
• Preis in der Einführungsphase eines neuen Produktes

Es ist allerdings nicht immer so offensichtlich bestimmte Vorgehensweisen und Vereinbarung nicht als unzulässig einzustufen. In diesem Fall ist die Werbung im Fernsehen ein gutes Beispiel. Bewirbt ein Franchiseunternehmen Produkte in einer Sonderaktion mit einem festgelegten Preis im Fernsehen, ist diese Werbung natürlich auch in ganz Deutschland zu sehen. Jedoch darf das Franchiseunternehmen im Hintergrund nicht von den Franchisenehmern verlangen, dass sie diese Aktion alle auch durchführen. In diesem Falle würde es sich dann um eine unzulässige Preisbindung handeln und manche Franchisenehmer würden unter Zwang an der Aktion teilnehmen.

Um dieser Schwierigkeit aus dem Weg zu gehen ist es üblich, dass der Werbeaktion hinzugefügt wird, dass diese Aktion nur von teilnehmenden Händlern durchgeführt wird. Damit sollen die einzelnen Franchisenehmer frei entscheiden können, ob sie an dieser Aktion teilnehmen oder nicht. Sie sind also nicht verpflichtet sich an diese Aktion und damit auch an die vorgegebenen Preise zu binden. Soweit ist es erstmal klar.

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Allerdings kann bei diesen Aktionen auch der Anschein erweckt werden, dass sich die Franchisenehmer verpflichtet fühlen an den Aktionen teilzunehmen. Denn die Kunden haben die Werbung gesehen und gehen dann mit der Erwartung in den Betrieb in ihrer Nähe, dass dieser an der Aktion teilnimmt.

Ist dies nicht der Fall werden die Kunden enttäuscht und wandern ab. Damit macht der einzelne Franchisenehmer dann Verluste. Allerdings gehört es zum Wettbewerb in der Wirtschaft dazu, dass sich einzelne Unternehmer unter Druck gesetzt fühlen, Produkte für einen bestimmten Preis anzubieten.

Es reicht also nicht alleine aus, sich unter Druck gesetzt zu fühlen, dass man gegen das Kartellrecht verstößt.
Um nicht mit dem Kartellrecht zu kollidieren, ist es wichtig bei Sonderaktionen auf folgende Dinge zu achten:

• Der Hinweis, dass nur teilnehmende Unternehmen die Aktion durchführen, muss deutlich wahrnehmbar platziert werden
• Der Sonderpreis sollte mit dem üblichen Sternchen markiert werden, um eine Einschränkung deutlich zu machen
• Bei Fernsehwerbung muss der Hinweis lang genug gezeigt werden

Diese Schwierigkeiten treten besonders in einem Franchiseunternehmen auf, da hier bei vielen Dingen Absprachen gehalten werden müssen. Werden jedoch die zuvor genannten Punkte bei einer Sonderaktion beachtet, steht dieser nichts mehr im Weg.

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