Geschäftsführer: Über dessen Rolle im Franchising

10.11.2018 15:00 | Ein Unternehmen gründen

geschaeftsfuehrer

Ein Geschäftsführer leitet die Geschäfte eines Unternehmens. Da es sich beim Geschäftsführer um den gesetzlichen Vertreter eines Unternehmens handelt, obliegen ihm umfangreiche Sorgfaltspflichten, denen er nachzukommen hat. Die Frage ist nur: Wie gestaltet sich die Rolle eines Geschäftsführers im Franchising? Hier gibt es ja schließlich den Franchisenehmer allerdings auch den Franchisegeber. Hier klären wir Sie heute im Detail zu dem Thema auf!

Was macht eigentlich ein Geschäftsführer?

Ein Geschäftsführer leitet ein Unternehmen. Er trägt die Verantwortung für das Unternehmen und ist der gesetzliche Vertreter. Als Geschäftsführer vertritt er sein Unternehmen sowohl nach innen wie auch nach außen. Sprich: Der Geschäftsführer ist der gesetzliche Vertreter eines Unternehmens und verfügt über das Recht, seinen Mitarbeitern Weisungen zu geben.

Seine Hauptaufgabe besteht darin, das Unternehmen verantwortlich zu managen. Dem Geschäftsführer obliegt es daher, alle wichtigen Entscheidungen zu treffen. Aus diesem Grund sind eine hohe Durchsetzungsfähigkeit und eine selbstsichere Persönlichkeit wichtige Voraussetzungen für das Dasein als Geschäftsführer. Aber abgesehen von strategischem Denken ist auch ein gewisses Fingerspitzengefühl im menschlichen Miteinander wichtig: Schließlich leitet der Geschäftsführer ein gesamtes Unternehmen inklusive seiner Mitarbeiterschar, ein guter Draht zu den Mitmenschen ist deshalb sehr entscheidend.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Bezeichnungen Geschäftsführer, CEO, Inhaber sowie Vorstand?

Die Bezeichnungen CEO und Geschäftsführer meinen ein und dieselbe Tätigkeit. In beiden Fällen handelt es sich um den Unternehmensleiter. Der Anglizismus CEO hat sich heutzutage mehr und mehr bei uns durchgesetzt – vor allem in international tätigen Unternehmen findet der Begriff häufiger Anwendung als die deutsche Bezeichnung Geschäftsführer.

Vom Vorstand sowie Vorstandsvorsitzenden ist vor allem in Aktiengesellschaften (AG) die Rede. Denn bei dieser Unternehmensform übernimmt ebendieser die Geschäftsführung der AG. Kaufleute können eine Personenfirma gründen – sie sind in diesem Fall der Inhaber, der die Geschäfte führt und auch persönlich haftet.

Haftet ein Geschäftsführer persönlich?

Während der Inhaber einer Personengesellschaft wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und Kaufleute einer Personenfirma persönlich haften, haftet ein Geschäftsführer grundsätzlich nur mit dem Stammkapital. Es sei denn, er missachtet unternehmerische Gesetze oder Regeln, dann macht er sich selbst schuldig und kann dafür belangt werden.

Ist ein Existenzgründer automatisch auch ein Geschäftsführer?

Das liegt immer an der Rechtsform, für die sich ein Gründer entscheidet. Bei einer regulären Gründung eines Einzelunternehmens oder eines Start-Ups übernimmt der Gründer nahezu zwangsläufig auch die Aufgaben eines Geschäftsführers. Sobald ein kleines Unternehmen wächst, können weitere Geschäftsführer neben dem CEO für die unterschiedlichen Bereiche eingesetzt werden. So kann es einen Chief Finance Officer (CFO) für die Finanzen oder aber einen Chief Marketing Officer (CMO) für das Marketing geben. Diese sind in der Regel dem CEO unterstellt.

Unterscheidet sich die Geschäftsführung in den unterschiedlichen Rechtsformen?

Je nach Rechtsform wird die Geschäftsführung anders bezeichnet:

  • Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) wird von allen Gesellschaftern geleitet. Diese verfügen alle über das gleiche Recht zur Vertretung sowie gemeinsamen Geschäftsführung.
  • In einer Kommanditgesellschaft (KG) sind die Komplementäre für die Geschäftsführung verantwortlich. Sie fungieren hier als persönlich haftende Gesellschafter.
  • In Aktiengesellschaften (AG) übernimmt der Vorstand beziehungsweise die Vorstandsvorsitzenden die Führung der Geschäfte.
  • Auch Genossenschaften werden von gewählten Vorständen vertreten.
  • Bei einer GmbH oder Unternehmergesellschaft (UG) kann es mehr als einen Geschäftsführer geben – und dabei muss es sich hier nicht einmal um den ursprünglichen Gründer handeln.

So weit, so gut – nur wie verhält sich das Ganze beim Franchising?

Die Geschäftsführung im Franchising – das sollten Sie darüber wissen!

Auch beim Franchising gibt es eine Geschäftsführung, allerdings stellt dieses Vertriebsmodell eine Besonderheit dar. Denn beim Franchising gibt es zwei Geschäftsführer-Ebenen. Zum einen gibt es den Franchisegeber, der den Geschäftsführer der Systemzentrale leitet, und zum anderen den Franchisenehmer, der der Geschäftsführer beziehungsweise Inhaber des Franchisebetriebes ist. In gewisser Weise steht daher der Franchisegeber über dem Franchisenehmer, es handelt sich hierbei um eine sogenannte de-facto-Hierarchie.

Die de-facto-Hierarchie der Franchise-Geschäftsführer

Wer sich als Franchisenehmer selbstständig macht, der führt seinen eigenen Franchisebetrieb in finanzieller und rechtlicher Sicht eigenständig. Er ist der Geschäftsführer seines eigenen Betriebes. An sich ist er also ein selbstständiger Unternehmer, allerdings hat er per Franchisevertrag den Weisungen aus der Systemzentrale Folge zu leisten. Aus diesem Grund handelt es sich bei einem Franchisenehmer nur um einen eingeschränkt freien Unternehmer.

Der Franchisegeber als Geschäftsführer des gesamten Franchisesystems verfügt über Weisungs- und Kontrollrechte gegenüber seinen Geschäftspartnern. Beim Franchisegeber handelt es sich um den Initiator des Franchisesystems, er hat ursprünglich das unternehmerische Konzept entworfen und verfügt über die Schutzrechte seiner Marke. Die Franchisenehmer entrichten die einmalige Franchiselizenzgebühr, unterzeichnen den Franchisevertrag und werden so Teil des Franchisenetzwerkes. Sie erhalten auf diese Weise die Rechte der Marke und die Pflicht, das vorgegebene Geschäftsmodell umzusetzen. Diese Vorgaben umfassen beispielsweise den Markenauftritt, das Corporate Design, die Produktion der Ware oder aber die Erbringung eines Service. Wer sich nicht an diese Vorgaben hält, muss mit Bußen rechnen. Per Franchisevertrag ist der Franchisegeber zu Kontrollen berechtigt – nur so kann er sicherstellen, dass seine Marke identisch und einheitlich am Markt auftritt.

Darüber hinaus gibt es eine vertikale Arbeitsteilung zwischen den beiden Geschäftsführern. So übernimmt der Geschäftsführer der Franchisezentrale gebündelt für all seine Geschäftspartner zahlreiche administrative sowie klassische Geschäftsführertätigkeiten. Diese umfassen beispielsweise einen zentralen Einkauf, logistische Aspekte rund um die Waren sowie die Zurverfügungstellung ausgearbeiteten Marketingmaterials. Die Franchisenehmer kommen ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer ihres Franchisebetriebes nach. Hier fokussieren sie sich auf das operative Geschäft. Dies beinhaltet die Ausführung des Tagesgeschäfts, die Akquise von Neukunden sowie die Kundenbindung.

Besonderheiten eines Geschäftsführers im Franchising:

  • De-facto-Hierarchie zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer
  • Franchisenehmer kann nicht frei und alleine über alle unternehmerischen Entscheidungen verfügen
  • Franchisenehmer sind zwar finanziell und rechtlich unabhängige Geschäftsführer, allerdings haben sie sich per Franchisevertrag an gewisse Regeln und Vorgaben des Franchisesystems zu halten
  • Franchisegeber ist nicht weisungsbefugt gegenüber den Mitarbeitern seiner Geschäftspartner

Wer sich also für eine Gründung mit Franchising entscheidet, der sollte in der Lage sein, als Geschäftsführer zu agieren. Als Franchisenehmer werden Sie für Ihren eigenen Betrieb verantwortlich sein: Sie werden unternehmerisch eigenständig über Ihren Betrieb und Ihre Mitarbeiter verfügen, wobei Sie die Regeln und Vorgaben des Geschäftsführers von ganz oben zu befolgen haben. Sind Sie bereit für die nächste berufliche Herausforderung?

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