Systemaufbau: Der Wareneinkauf im Franchising

13.08.2018 07:30 | Ein Unternehmen gründen

systemaufbau wareneinkauf

Die gewünschte Einheitlichkeit beim gemeinsamen Auftritt im Franchising kommt nicht von ungefähr. Sich das allseits bekannte Logo überzustreifen ist eine Sache, eine andere, die geforderten Standards systemweit gewährleisten zu können. Eine wichtige Rolle spielt dabei neben vorgegebenen Zubereitungsweisen und Umgangsformen die zentrale Beschaffung der Ware. Sie garantiert außer vergünstigten Konditionen auch eine durchgängig hohe Qualität. Der Kunde bekommt im Norden das Gleiche wie im Süden, wenn er bei seiner Marke bleibt.

Der Franchisegeber schafft die Grundlage für beständiges Franchising

Wenn jeder nur sehen wollte, dass er irgendwie zurechtkommt und dabei seinen eigenen Vorteil wahrt, wären regionale Unterschiede sicher nicht leicht zu vermeiden. Manche Franchisenehmer sitzen vielleicht näher an der Quelle, anderswo könnte Minderwertiges verwendet werden, weil sich Gelegenheit und Motiv dazu anbieten würden. Der vermeintliche Nutzen Einzelner dürfte damit die Grenzen des Systems sprengen, weil deren reduzierte Leistung auf alle zurückfiele. Das Siegel wäre befleckt, auch wenn viele keine Schuld daran trügen. Schon begännen die Mauern der Festung zu bröckeln und könnten sogar bald in sich zerfallen, nur weil wenige meinen, sie müssten schlauer sein als die anderen. Und denen schadeten sie damit unter Umständen mehr noch als sich selbst.

Warenversand durch das gesamte Verbreitungsgebiet im Franchising

Dass zur Vermeidung solchen Wildwuchses mitunter längere Lieferwege in Kauf genommen werden müssen, ist zunächst nicht zu vermeiden. Dezentrale Zwischenlager könnten eine Lösung dafür sein, auch eine Intensivierung des Verkehrs oder Möglichkeiten der Aufbewahrung über einen längeren Zeitraum. Von Bedeutung ist dies ohnehin eher bei Frischeartikeln, ansonsten eventuell ein Platzproblem.

  • Es kann jedoch den Nerv von Franchisesystemen treffen;
  • Franchisegeber in der Aufbauphase müssen sich ernsthafte Gedanken darum machen.

Und wenn für angeworbene Geschäftspartner auch zu einem Fünftel ein Freiraum bei der Beschaffung von Geliefertem besteht, darf er nicht zulasten anderer Beteiligter ausgenutzt werden.

Willkommenes Zubrot wird mit anderen Maßstäben gemessen

Undenkbar wäre etwa, dass Blumenläden nebenbei auch Spielzeug feilbieten würden, mit Pflegemitteln oder Grußkarten sieht es schon anders aus. Was im Detail nicht vorgeschrieben werden kann, lässt sich dennoch durch Rahmenvereinbarungen festlegen. Und wer im Zweifel sein sollte, täte gut daran, sich vorab zu vergewissern, damit keine Missstimmung aufkommt. Es mag zwar verlockend sein, auch eigene Wege zu gehen, doch allein der Einkaufsvorteil durch die große Menge dürfte nur schwer zu erreichen sein. Franchisegeber dagegen wären gut beraten, der Entwicklung vorzugreifen, wenn sie mit Lieferanten feilschen. Das bald noch einiges mehr aus dem Abnahmevolumen werden wird, sollte sie großzügig stimmen, anstatt auf ihrer Tarifstruktur zu beharren.

Beim Einkauf schon ganz gezielt an übermorgen denken

Schließlich erzeugt ein Entgegenkommen dieser Art ja auch einen wichtigen Impuls für das beidseitige Weiterkommen, sodass hiermit eine Hand die andere wäscht. Sollte sich aber jemand trotz aller Versuche, seine Zweifel zu zerstreuen, uneinsichtig zeigen, finden sich sicher noch weitere Lieferanten, die aufgeschlossener sind oder einen längeren Arm vorzuweisen haben. Eingehandelte Rabatte oder ähnliche Vergünstigungen müssen nicht zwangsläufig und in voller Höhe weitergegeben werden, sie können auch dazu beitragen, das System als Ganzes weiter voranzubringen. Damit es nicht zu Mutmaßungen in der Richtung führt, dass man sich übervorteilt fühlen könnte, sollte zumindest ansatzweise Transparenz herrschen über getätigte Einnahmen und deren Verwendung.

Statt Geheimniskrämerei die Karten auf den Tisch

Je mehr im Ungewissen bleibt, was nicht jedermanns Geschmack entsprechend ans Tageslicht gezerrt gehört, desto üppiger können die Gerüchte sprießen. Schafft ein Franchisegeber es jedoch, Vertrauen in seine Vorgehensweise zu erzeugen, wird man ihm umso eher folgen und möglicherweise auf eigene Bestrebungen verzichten, die auch problematisch werden können. Zumindest wird man größere Bereitschaft zu Absprachen zeigen, wenn offensichtlich wird, dass einer nicht nur an sich denkt. Franchisenehmer könnten sich ebenso zusammentun, um im ergänzenden Sortiment Geschlossenheit zu demonstrieren. Das würde ihrem Geldbeutel nicht weniger gut bekommen als dem Gemeinschaftsgeist.

Jedes kleine Extra kann ein Goldschatz sein

Dem entgegen steht das Bestreben, sich voneinander abzuheben und nicht im Einheitsbrei zu versickern. Gerade die Zusatzgeschäfte üben ihren besonderen Reiz aus und setzen manches Mal Akzente, die nicht zu verachten sind. Es soll ja schon Kundenscharen gegeben haben, die einzig und allein deshalb ihren Kauf an einer ganz bestimmten Stelle tätigen wollten, damit sie in den Genuss eines Werbegeschenkes kommen, das mittlerweile schon arg von sich reden gemacht hatte. Doch solche Glücksmomente im Geschäftsleben gehören zu den Ausnahmefällen, im Alltag zählen ein redliches Gebaren und die Zuversicht darauf, sich auf die bewährten Eigenschaften des Angebotenen verlassen zu können.

Nicht auf Kosten anderer profilieren

Ein System wächst aber auch dadurch, dass man sich etwas einfallen lässt. Der eine Partner wird hierhin außergewöhnliche Kontakte unterhalten, ein anderer dort. Warum sollte jeder sein eigenes Süppchen kochen, wenn er doch auch vom dem anderer naschen kann? Es hängt nicht nur von der Beschaffenheit des selbst gewählten Sortiments ab, ob es weitere Nutznießer finden kann, sondern auch vom Eigendünkel. Mancher würde sich vielleicht fragen, warum er jemandem auf die Sprünge helfen sollte, der es nur darauf anlegt und aus seiner Position heraus nichts weiter beiträgt. Echte Partnerschaft braucht ab und zu eben einen Anstoß von erfahrener Seite.

Über die eigenen Grenzen hinaus

Bereitgestellte Ware abzunehmen heißt ja nicht, dass man keine Verbesserungsvorschläge unterbreiten dürfte, wenn sie es denn tatsächlich sind. Eine dafür nötige Einarbeitung in die Zusammenhänge erfordert nicht nur einen Zeitaufwand, der unangemessen sein kann, sondern auch die Bereitschaft dazu, den eigenen Aufgabenbereich zur Diskussion zu stellen. Es kann vergebene Liebesmüh sein, doch ebenso die Chance dazu, Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Eine eingeengte Perspektive verstellt den Blick, ihre Erweiterung ist gelegentlich von Nutzen. Nicht immer lohnt sich die Mühe, manchmal jedoch führt sie zu ungeahnter Einsicht.

Unmut bei Partnern ernst nehmen

Basiskontakte sollten niemals unterbleiben. Anstatt sie regelmäßig anzuknüpfen, kann man sich auch vor Zurückweisungen hüten, wenn offenbar ein Grund vorhanden ist. Der Franchisegeber muss immer ein offenes Ohr haben für die Belange seiner Partner, auch wenn sie kaum zu artikulieren sind. Erkennbare Unzufriedenheit entsteht nur selten aus einer Laune heraus, meist liegt das Motiv dafür ein Stückchen tiefer und sollte an die Oberfläche befördert werden. Böses Blut gärt meist im Stillen, wo es sich verheerend aufstauen kann.

Andere aktuelle Artikel

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Übrige Zeichen: 250