Unternehmenskauf: So funktioniert’s im Franchising

05.04.2018 15:05 | Ein Unternehmen gründen

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Sie möchten auf eigenen Beinen beruflich durchstarten? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dieses Projekt mit einem Unternehmenskauf anzugehen? Eine Firmenübernahme ist nämlich eine sehr interessante Alternative zur Neugründung. Ein Unternehmenskauf ist eine Option, die meist gar nicht Betracht kommt. Dabei handelt es sich hierum um eine sehr attraktive Möglichkeit. Denn wenn ein Unternehmenskauf gut vorbereitet und geplant wird, ist es meist risikoärmer als eine Existenzgründung mit einer Geschäftsidee. Dieser Artikel erläutert Ihnen, was es generell bei einem Unternehmenskauf zu beachten gibt und wie sich das Ganze beim Franchising angehen lässt.

Was gibt es bei einem Unternehmenskauf zu beachten?

Bei einem Unternehmenskauf handelt es sich um eine Akquisition oder Übernahme eines Unternehmens. Dieser Kaufprozess liegt einer wirtschaftlichen und rechtlichen Transaktion zugrunde, bei der ein Unternehmen auf den Käufer übertragen wird.

Rechtlich gesehen läuft diese Transaktion mit einem sogenannten Unternehmenskaufvertrag ab. Bei diesem Dokument handelt es sich um einen sehr komplexen Vertrag, der in der Bundesrepublik kaum gesetzlich geregelt ist. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie also in jedem Fall eine sehr genaue wirtschaftliche Prüfung vornehmen. Diese Prüfung wird auch als Due Diligence bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Risikoprüfung, die alle wichtigen rechtlichen, organisatorischen, steuerlichen und finanziellen Aspekte auf sehr detaillierte Art und Weise und mit gebotener Sorgfalt durchleuchtet. Der Käufer macht sich im Rahmen der Due Diligence also einen Gesamtüberblick über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens und prüft rechtliche sowie steuerrechtliche Aspekte. Für die wirtschaftliche Akquisition sind darüber hinaus noch der Kaufpreis, die Kaufmotive des Käufers sowie die Finanzierung wichtige Aspekte, die es zu beachten gilt.

Unternehmenskauf: Die einfachere Variante als eine Neugründung?

Bei einem Unternehmenskauf übernimmt der Käufer das gesamte, bestehende Unternehmen inklusive Marke, Corporate Identity, Inventar, Kundenstamm sowie Personal. Und dies gilt sowohl für herkömmliche Unternehmen als auch für Betriebe in der Welt des Franchising! Wenn man ein bereits bestehendes Geschäft übernimmt, ist dies oft ein einfacherer und sicherer Weg in Ihre Selbstständigkeit.

Die Vorteile bei einem Unternehmenskauf

Die nachfolgenden Punkte zeigen Ihnen auf, warum ein Unternehmenskauf oft einfacher und sicherer als eine Neugründung ist:

  • Von null auf hundert!

Bei einem Unternehmenskauf übernimmt man nicht nur ein etabliertes Geschäftskonzept, sondern man profitiert auch von einem bereits gut funktionierenden Geschäftstreiben. So spart man sich als Käufer die nervenraubende Aufbauphase und teilweise langwierige Durststrecken. All diese Hürden wurden bereits genommen und der Markteintritt hat bereits erfolgreich stattgefunden!

  • Erfahrung pur!

Anstatt dass Sie Ihre Mitarbeiter aufwändig einarbeiten müssen, können Sie auf bereits sehr erfahrenes Personal zurückgreifen. Der Vorteil daran: Wenn Sie selbst neu sind, können Sie von dem Wissen und der Erfahrung Ihrer Mitarbeiter profitieren. Das ist vor allem auch in Ihrer eigenen aufregenden Einarbeitungsphase hilfreich, da Sie so vor gravierenden Fehlentscheidungen bewahrt werden können.

  • Erfolgreiches Geschäftsmodell:

Bei einem Unternehmenskauf profitieren Sie zudem von eingespielten, optimierten Prozessen. Das Unternehmen verfügt über seine etablierten Vertriebskanäle und kann wertvolle, gefestigte Kundenbeziehungen vorweisen. Die angebotenen Produkte und Services des Unternehmens haben sich bereits bei den Kunden bewährt.

  • Kennzahlen für eine bessere Planungssicherheit

Dadurch dass sich das Unternehmen bereits seit einigen Jahren am Markt bewiesen hat, liegen wichtige wirtschaftliche Kennzahlen und Erfahrungswerte aus vergangenen Jahren vor. Diese Daten und Werte sind unglaublich wertvoll, weil Sie Ihnen eine größere Planungssicherheit für die Zukunft geben.

Was sollten Sie zusätzlich bei einem Unternehmenskauf beachten, wenn es sich um ein Franchisesystem handelt?

Wenn Sie einen Franchisebetrieb kaufen möchten, dann erstehen Sie auch wie bei einem herkömmlichen Unternehmenskauf das gesamte funktionierende Geschäftsmodell. Dies beinhaltet abgesehen von den angebotenen Produkten und Services darüber hinaus auch alle systemrelevanten Komponenten. Je nach Industrie, Branche und Franchisesystem können sich diese unterscheiden. Als Käufer eines Franchisesystems sollten Sie das gesamte Vergütungsmodell, die Akquise-Prozesse für die Franchise- und Lizenznehmer sowie deren Einarbeitung, die gesamte historische Expansion des Unternehmens und das Franchisehandbuch genauestens unter die Lupe genommen werden.

Eine detaillierte Verkaufsdokumentation macht den Unterschied!

Wenn Sie verschiedene Franchiseunternehmen für einen potentiellen Unternehmenskauf prüfen, sollten Sie darauf achten, dass der aktuelle Franchisegeber alle wichtigen, relevanten Infos sorgfältig und detailliert aufbereitet hat. So sollten Sie als zukünftiger Käufer darüber informiert werden, wie es um die Beschaffungsseite und spezielle Lieferkonditionen steht und Sie sollten zudem einen Überblick über die erfolgreichsten und am meisten frequentierten Geschäftslokale erhalten. All diese Informationen stellen einen wichtigen Mehrwert für Ihre Kaufentscheidung dar und sollten im Idealfall entsprechend aufbereitet sein.

Auf diese Punkte kommt es bei der Unternehmensnachfolge im Franchising an:

  • Die Marke und Alleinstellungsmerkmale des Franchisesystems

Was macht das Besondere an dem Franchisesystem aus? Wie schlägt sich das Unternehmen mit seiner direkten Konkurrenz? Gibt es viele weitere Franchise-Alternativen im selben Bereich, die vielleicht interessanter sein können? Achten Sie darauf, dass sich Ihr Franchisesystem mit seiner Idee klar von Mitbewerbern abgrenzt und dies auch für die Kunden deutlich ist. Das ist eine wichtige Voraussetzung für Ihren langfristigen Erfolg.

Ein erfolgreiches Markenkonzept ist schließlich mehr als nur ein fancy Logo, eine hübsche Webpräsenz und ein paar ansprechende Flyer. Hier kommt es vielmehr darauf an, dass die Arbeitsprozesse, Abläufe und Systeme klar für die bestehenden und zukünftigen Franchisenehmer strukturiert sind. Die Unternehmenskultur ist auch wichtig – sie kann den entscheidenden Mehrwert für zukünftige Franchisenehmer darstellen. Was die Abgrenzung zu anderen Marken und Franchisekonzepten angeht, so sollte Ihr zukünftiges System sich klar von der Konkurrenz differenzieren und sowohl für die Branche als auch für die Kunden aufgrund seiner Alleinstellungsmerkmale hervorstechen.

All diese Informationen sollten Sie in der Verkaufsdokumentation des Verkäufers wiederfinden. Sie stellen wichtige Kernunterschiede dar, die detailliert beschrieben und herausgearbeitet werden sollten.

  • Die Ertragsfähigkeit der Franchisenehmer

Diese Grundregel macht den Unterschied: Ein Franchisesystem ist umso wertvoller, je nachhaltiger die Erträge der Franchisenehmer sind. Denn es ist schließlich die Ertragsfähigkeit ebendieser, die den langjährigen Erfolg und eine starke Marktetablierung beeinflussen. Darauf gilt es also beim Erwerb eines Franchisesystems zu achten.

Die erfolgsreichsten Franchisesysteme sind aus diesem Grund nicht diejenigen Unternehmen, die ausschließlich vorteilhaft für den Franchisegeber sind. Denn solche Systeme sind zum Scheitern verurteilt. Franchising basiert auf einem gerechten, fairen Geben und Nehmen. Liegen viele Franchisepleiten und eine hohe Fluktuationsrate vor, ist dies augenscheinlich nicht der Fall. Darüber hinaus führt dies auf lange Sicht gesehen zu ganz anderen Problemen: Denn so wird das Image des Franchisesystems leiden und das wiederum senkt den Firmenwert unter Umständen enorm.

Achten Sie also darauf, dass sich Ihr potentielles Franchisesystem durch eine geringe Franchisenehmerfluktuation sowie nachhaltige Erträge bewährt. Recherchieren Sie dazu in den Verkaufsunterlagen Informationen über die Erträge der Franchisenehmer. Dies sollte bei Ihrer Kaufentscheidung Berücksichtigung finden.

  • Überprüfung der bestehenden Verträge

Dies ist ein ganz entscheidender Punkt! Prüfen Sie alle Verträge kritisch. Angefangen von Lieferantenbeziehungen, die Konditionen der einzelnen Lieferverträge, aber auch die Franchisenehmerverträge. Stellen Sie sicher, dass alle Verträge professionell abgeschlossen wurden und sie somit wasserdicht sind. Sie wollen sich selbst in keinem Fall einem offensichtlichen Risiko aussetzen. Lassen Sie aus diesem Grund sämtliche Verträge von einem erfahrenen Franchise-Anwalt prüfen. Vorsicht ist besser als Nachsicht!

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