Unternehmensstruktur im Franchising: Das sollten sie wissen!

15.04.2018 13:50 | Ein Unternehmen gründen

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Wenn Sie als Franchisegeber ein eigenes Franchisesystem entwerfen möchten, dann gilt es Einiges zu beachten. Ein sehr wichtiger Aspekt ist hier, dass Sie sich für eine Unternehmensstruktur beim Franchising entscheiden, die reproduzierbar ist, die sich an die ändernden Marktbedingungen anpassen lässt und die zudem auch noch für potentielle Franchisenehmer attraktiv ist. Denn damit sich Ihre Geschäftspartner mit Ihrem Unternehmen identifizieren können, spielt zum einen natürlich die Unternehmensphilosophie eine wichtige Rolle, aber zum anderen kommt hier auch die Unternehmensstruktur zum Tragen.

Die Rolle der Unternehmensstruktur beim Franchising!

Die Unternehmensstruktur ist wichtig, allerdings können Sie sich vorab schon einmal merken, dass es optimale Unternehmensstruktur wohl nicht gibt. Denn ständig hören wir von Umstrukturierungen – selbst bei den großen Konzernen, die als am Markt fest etablierte Player gelten. Nun ja, das bestätigt die Aussage, dass es die optimale Struktur wohl nicht gibt. Sagen wir so, die Fähigkeit, sich im Laufe der Zeit anpassen zu können, ist entscheidend. Es ist ebendiese Fähigkeit, die bei einer jeden Unternehmensstruktur einer Schlüsselrolle zukommt. Denn eines ist sicher: Der Markt ist ständig in Bewegung. Es kommt zu neuen (disruptiven) Entwicklungen, zu neuen Trends, neue wichtige Player tun sich auf, die den Markt nachhaltig verändern. Eine gewisse Flexibilität ist also gefordert.

So lässt sich die Unternehmensstruktur darstellen:

Und zwar lässt sich die Unternehmensstruktur aus zwei Winkeln betrachten:

I. Über den Aufbau des Unternehmens, dann spricht man von der Aufbauorganisation.

II. Über den Ablauf der Prozesse, in diesem Fall spricht man von der sogenannten Ablauforganisation.

Wenn Sie Ihr Unternehmen im Rahmen einer Aufbauorganisation betrachten, dann stehen folgende drei Komponenten im Vordergrund:

  • Die rechtliche Struktur des Unternehmens: Darunter fällt vor allem die Frage nach der Rechtsform Ihres Unternehmens.
  • Die Führungsstruktur: Wie steht es um die Verantwortlichkeiten, welche Abteilungen werden benötigt? Hier spielen die Aufgaben und Hierarchien der einzelnen Gründer, Abteilungen und Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Ein Organigramm ist hier für eine übersichtliche Unternehmensstruktur sehr hilfreich. Ebenso zählt hierzu, ob es sich um eine flache oder eher zahlreiche strenge Hierarchien handelt. Wichtig sind vor allem klar definierte Ansprechpartner und Vorgesetzte. Dies stellt einen effizienten Ablauf und eine klare Kommunikation sicher.
  • Die räumliche Struktur: Welche Standorte hat Ihr Unternehmen? Wodurch zeichnen sich diese aus? Handelt es sich bei allen Standorten um Büros oder gibt es auch Produktionsanlagen sowie einzelne Verkaufsstandorte? Oder handelt es sich an allen Standorten um exakt dieselben Standorte mit identischen Aufgaben? Letzteres wäre beim Franchising der Fall. Für eine bessere Einsicht in die räumliche Struktur hilft es, wenn Sie zusätzlich eine Karte verwenden. Das gibt auch einen guten Aufschluss darüber, was Ihre weitere Standortplanung angeht.

Wenn Sie Ihre Unternehmensstruktur nun auch Sicht der Ablauforganisation betrachten möchten, liegt Ihr Augenmerk vor allem auf den Prozessen. Jedoch geht es hier nicht primär – wie man vielleicht vermuten würde – um die Verbindung der einzelnen Prozesse wie beispielsweise Einkauf, Beschaffung, Produktion und Fertigung sowie Fertigung und Verkauf. Hier geht es vor allem um eine effiziente Organisation der Abläufe. Wenn Sie Ihr Unternehmen gemäß einer Ablauforganisation beleuchten, fragen Sie sich vor allem, wo genau Ihre Kernkompetenzen liegen, die Ihre betriebliche Leistungserstellung ausmachen.

Worauf kommt es beim Franchising an?

Werfen wir nun einmal unseren Blick auf das Franchising. Worauf kommt es hier an, wenn wir die Unternehmensstruktur aus Sicht des Franchisings betrachten? Im Folgenden arbeiten wir die einzelnen Punkte ab, die Sie bedenken sollten, wenn Sie Ihr Unternehmen franchisieren. Diese Aspekte sind wichtig für die Unternehmensstruktur.

Die ersten Schritte beim Aufbau eines Franchisesystems

Wenn Sie ein Franchisesystem entwerfen, starten Sie zunächst mit der Erstellung Ihres Businessplans und einem Pilotbetrieb, dem sogenannten Erstbetrieb. Sie wählen für Ihren Businessplan eine bestimmte Unternehmensstruktur und argumentieren schlüssig, warum Sie sich genau für diese Struktur entschieden haben. In Ihrem Erstbetrieb testen Sie, inwieweit sich Ihr Geschäftskonzept, die operativen Abläufe und die gewählte Unternehmensstruktur für das Franchising in der Praxis eignen.

Dies ist eine sehr fordernde Aufgabe, denn hier legen Sie das Fundament für Ihr Franchisesystem. Hier gilt es zu beachten, dass manche Geschäftskonzepte vielleicht als Stand-Alone-Modelle einwandfrei laufen und problemlos funktionieren, sie allerdings an ihre Grenzen kommen, wenn es um darum geht, das Konzept zu vervielfältigen. Aus diesem Grund sollten Sie die einzelnen Prozesse in Ihrem Geschäftsmodell kompakt und klar strukturiert niederschreiben. Das ist ein wichtiger Schritt, bevor Sie Ihr Konzept franchisieren. Dieser Prozess hilft Ihnen nämlich, Ihre eigenen Schwachstellen und Lücken aufzuspüren.

Das multiplizierbare Konzept

Das Wichtigste beim Franchising ist definitiv, dass es sich um ein multiplizierbares Konzept handeln muss. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass man glaubt, dass man mit einem laufenden Erstbetrieb und einem klar abgesteckten rechtlichen Rahmen bereits ein multiplizierbares Konzept entwickelt hat. Falsch gedacht: Natürlich benötigen Sie darüber hinaus auch ein klares und gut strukturiertes Geschäftskonzept entwickeln. Ihr Geschäftsmodell sollte aus diesem Grund so aufgebaut sein, dass die einzelnen Franchisepartner es an den verschiedensten Standorten eins zu eins reproduzieren können. Je komplexer ein Franchisesystem ist, desto aufwändiger wird es, die Qualitätsstandards zu überwachen und zu kontrollieren. Dies hat zur Folge, dass der Franchisepartner vor Ort oft Probleme hat, das Geschäftsmodell an seinem eigenen Standort aufzubauen – denn in solch einem Fall ist das System zu unübersichtlich.

Die Systemzentrale und die einzelnen Franchisebetriebe

Darüber hinaus gilt es zu bedenken, dass Sie von Ihrer Franchisezentrale aus, das gesamte System managen möchten. Aus diesem Grund sollten die einzelnen Prozesse übersichtlich, klar und strukturiert sein. Der Franchisezentrale kommt eine sehr führende und entscheidende Rolle bei Ihrer Unternehmensstruktur zu. Sie übernimmt die Arbeitsteilung des Franchisesystems, die Betreuung der Partner und zahlreiche administrative Aufgaben. Viele Funktionen werden in der Franchisezentrale kostengünstig gebündelt – unter anderen fallen die Auswahl und Rekrutierung neuer Geschäftspartner, die Systemintegration der neuen Partner und die Betreuung der laufenden Franchisenehmer hierunter. Darüber hinaus übernimmt die Zentrale oft viele betriebswirtschaftliche Aufgaben, die die einzelnen Standorte dann nicht in einzelner, mühsamer Eigenarbeit ausführen müssen.

Die Aufgabenteilung zwischen Franchisezentrale und der einzelnen Partner sieht oft so aus, dass die Zentrale denkt und lenkt, während die Franchisenehmer aktiv am Kunden sind und verkaufen.

Attraktivität für potentielle Geschäftspartner

Dies ist ein weiterer Punkt, der oft beim Aufbau eines Franchiseunternehmens in Vergessenheit gerät. Anfangs wurde bereits erwähnt, dass sich eine gute Unternehmensstruktur dadurch auszeichnet, dass sie sich neuen Marktgegebenheiten anpassen kann. In der Tat: Die Unternehmensstruktur ist vielen Einflussfaktoren unterworfen. Und genau aus diesem Grund sollte dieser Aspekt bei dem Aufbau Ihres Franchisesystems nicht unterschätzt werden. Denn eines ist sicher: Der Aufbau eines Systems ist nicht nur aufwändig, sondern auch zeit- und kostenintensiv. Achten Sie darauf, dass Ihre Unternehmensstruktur wandelbar bleibt. Dies ist auch wichtig für eine nachhaltige Attraktivität und intensive Partnerbindung. Auch wenn ein Geschäftskonzept der aktuellen Marktsituation entsprechend gut positioniert ist, kann sich dies in der Zukunft ändern. Analysen Sie beim Aufbau dementsprechend die Marktbedingungen, prüfen Sie Ihren Pilotbetrieb auf Herz und Nieren und seien Sie stets sehr kritisch, wenn es um die Betrachtung Ihres Geschäftsmodells geht. Die zahlreichen marktbezogenen Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren sollten auf keinen Fall vernachlässigt werden.

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