Unternehmensverkauf: So funktioniert's im Franchising

23.01.2019 16:30 | Ein Unternehmen gründen

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Als Unternehmer kann es vorkommen, dass man aus der Geschäftswelt aussteigen möchte. Ein Unternehmensverkauf kann viele Gründe haben. Letztlich kommt es darauf an, dass man einen adäquaten Nachfolger findet, den man für fit und qualifiziert hält. Schließlich hat man sich meist über Jahre oder aber sein ganzes Leben hinweg dieses Business aufgebaut. Aus diesem Grund stellt ein Unternehmensverkauf eine sehr emotionale Angelegenheit dar. Darüber hinaus ist es auch in rechtlicher Hinsicht ein sehr komplexer Vorgang – vor allem wenn im Rahmen des Franchisings ein Betrieb oder gesamtes Franchisesystem verkauft werden soll. Hier klären wir Sie über die Tücken und Wissenswertes auf, damit dieses Unterfangen möglichst problemlos vonstatten gehen kann.

Was unterscheidet den Unternehmensverkauf im Franchising von einer herkömmlichen Unternehmensnachfolge?

Es kommt zu einem Unternehmensverkauf, wenn ein Unternehmer sein gesamtes Business verkauft. Dieses umfasst nicht nur das Konzept und die Marke, sondern beinhaltet auch das gesamte Inventar wie auch Mitarbeiter und Kundenstamm.

Was sind die Gründe für einen Unternehmensverkauf?

Die Ursachen können ganz vielfältig sein. So kann der Unternehmer erkrankt sein, in die Rente gehen wollen oder aber verstorben sein. Auch für den Todesfall gelten die regulären Nachfolgeregelungen, sollte das Unternehmen nicht vererbt werden.

Eine Unternehmensnachfolge kann durchaus interessant für Existenzgründer sein: Anstatt dass man in Eigenregie oder mit Franchising selbst neu gründet, so kann man auch einfach ein etabliertes Unternehmen übernehmen. Und zwar ist dies nicht nur bei herkömmlichen Unternehmen der Fall, auch Franchisestandorte und ganze Franchisesysteme stehen teilweise zum Verkauf. So gibt es Vor- und Nachteile, die für eine Unternehmensnachfolge sprechen. In der Tat sprechen viele Chancen für den Kauf eines etablierten Unternehmens, allerdings grämen sich angehende Gründe oft vor der Komplexität und den Risiken einer solchen Übernahme. Selbstverständlich müssen bei einem Unternehmensverkauf eine Risikoprüfung, eine Unternehmensbewertung und vertragliche Änderungen durchgeführt werden, dafür erhält man allerdings ein etabliertes Unternehmen inklusive des Kundenstamms und eingearbeiteten Mitarbeitern, so dass man nicht bei Null starten muss.

Welche Vorteile sprechen für die Unternehmensübernahme?

Wenn Sie ein laufendes Unternehmen übernehmen, dann sparen Sie auf jeden Fall sehr viel Zeit, da Sie nicht in Eigenregie einen festen Kundenstamm aufbauen müssen und direkt durchstarten können. In diesem Fall sind sogar schon Ihre Mitarbeiter eingearbeitet und Sie können sich umfassend von Ihrem Vorgänger zu sämtlichen Themen briefen lassen. Ein Zugriff auf detaillierte wirtschaftliche Kennzahlen und Daten geben Ihnen darüber hinaus mehr Planungssicherheit. Aus unternehmerischer Sicht gesehen kaufen Sie also nicht die Katze im Sack, sondern Sie wissen sehr wohl, was Sie als Nachfolger erwartet.

Wie steht es um die Nachteile?

Auch wenn Sie eine Bewertung des zu verkaufenden Unternehmens durchführen, kann es trotz allem zu Fehleinschätzungen kommen – eine Garantie gibt es nun mal nie! So kann es sein, dass Sie sich in finanzieller Hinsicht übernehmen und sich mit einer zu hohen Investitionssumme übernehmen. Oder aber der Kaufwert des Unternehmens wird falsch eingeschätzt. Es könnte auch sein, dass Sie letztlich im Verborgenen auf Probleme stoßen und Sie nicht-bilanzierte Verluste vorfinden.

Wie läuft der Unternehmensverkauf im Franchising ab?

Auch beim Franchising werden Franchisenehmer älter, gehen in Rente oder aber erkranken. Es kommt auch vor, dass sich Franchisenehmer wie Franchisegeber beruflich noch einmal umorientieren möchten. Es ist vieles möglich!

Kommt es zum Unternehmensverkauf, sollten Sie einen Blick in den Franchisevertrag werfen und schauen, was in diesem Rechtsdokument zu den Nachfolgeregelungen erwähnt wird. Sie werden erschrecken, aber in den meisten Fällen werden Sie hier keine weiteren Informationen vorfinden. Die einzige Regelung, die im Franchisevertrag zu dem Thema niedergeschrieben ist, ist, dass der Franchisegeber seinem Geschäftspartner einen Strich durch die Rechnung machen kann – er kann von seinem Sonderkündigungsrecht bei Betriebsübergängen Gebrauch machen. Damit der Besitzerwechsel des Franchisestandortes legitim ist, benötigt der neue Franchisenehmer eine Unterschrift des Franchisegebers unter seinem Franchisevertrag.

Wie gestaltet sich der Nachfolgeprozess beim Franchising?

Dieser Nachfolgeprozess kann durchaus einige Monate in Anspruch nehmen, da der Käufer letztlich auch von dem ausscheidenden Franchisenehmer eingearbeitet werden sollte. Dies umfasst eine Art on the job-Training.

Wenn Sie als Franchisenehmer einen Unternehmensverkauf vornehmen möchten, dann sollten Sie in jedem Fall Ihren Franchisegeber mit in diesen Prozess einbinden. Er weiß schließlich, worauf es beim Ausführen des Geschäftskonzeptes ankommt und hat ein gutes Gespür für potentielle Franchisenehmer. Zudem verfügt er über das gesamte Wissen, was das Franchisesystem und den gesamten Erfahrungsschatz angeht.

An was sollten Sie als Verkäufer denken?

Wenn Sie derjenige sind, der den Unternehmensverkauf durchführen möchte, dann ist es vor allem wichtig, dass Sie den Nachfolgeprozess gut planen und einen detaillierten Plan erarbeiten. Hier spielt auch mit rein, dass man nicht von heute auf morgen seinen Franchisestandort verkaufen kann. Es ist ein zeitintensiver Prozess, in dem Sie vor allem zu Ihrem potentiellen Käufer ein tiefes Vertrauensverhältnis aufbauen sollten – und das braucht nun einmal seine Zeit!

Was ist wichtig, wenn Sie sich in der Rolle des Käufers befinden?

Wer zum ersten Mal Unternehmerluft schnuppert, der sollte klein anfangen und sich nicht direkt übernehmen. Hier bietet es sich an, einen Betrieb mit einer kleinen zweistelligen Zahl an Mitarbeitern zu übernehmen, damit Sie zunächst einmal ein gutes Gefühl für die praktische Unternehmerwelt bekommen. Je nach Branche oder aber Franchisemarke ist es wichtig, dass Sie bereits über Erfahrung und Expertise in dem Bereich verfügen – sprich: Es kann sein, dass ein Meisterbrief oder andere Zertifikate angefordert werden. Ebenso sollten Sie einem überschaubaren Radius nach zum Verkauf stehenden Unternehmen suchen.

Bevor Sie sich dann für einen Betrieb entscheiden, müssen Sie eine Due Diligence Prüfung und Unternehmensbewertung durchführen. Im Zuge dessen sollen Sie potentielle Risiken erkennen und den Wert des Unternehmens überprüfen. Dabei gilt: Je komplexer das Unternehmen ist, desto mehr Zeit wird dieser Prozess beanspruchen. Kalkulieren Sie Ihren erwarteten Cashflow und rechnen Sie durch, ob sich die Unternehmensnachfolge für Sie rechnet.

Unternehmensverkauf unter Franchisegebern – an was muss hier gedacht werden?

Wird ein neuer Franchisegeber gesucht, lässt sich der Unternehmensverkauf meist einfacher durchführen, da es sich in diesem Fall um einen regulären Unternehmensverkauf handelt. Denn die Franchisenehmer haben keine Sonder- beziehungsweise Vetorechte. Damit Sie als neuer Franchisegeber von den Franchisepartnern angenommen werden, bietet es sich an, dass Sie frühzeitig zu dem Franchisenetzwerk in Kontakt treten und Ihre Geschäftspartner kennenlernen. Ein reibungsloser Unternehmensverkauf ist dadurch gekennzeichnet, dass Ihre Geschäftspartner Sie akzeptieren, annehmen und als neuen Franchisegeber schätzen.

Allerdings liegen die Ansprüche an einen neuen Franchisegeber oft um einiges höher als beim Unternehmensverkauf von Standorten, die in Franchisenehmer-Hand sind. Als neuer Franchisegeber müssen Sie selbstverständlich über ein üppiges finanzielles Budget verfügen und fachlich so wie unternehmerisch für das Führen eines Franchisesystems geeignet sein.

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