Unternehmergesellschaft: Was versteht man unter einer UG?

03.04.2018 16:55 | Ein Unternehmen gründen

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Nicht zu verwechseln mit einer Unternehmensgruppe weist die Unternehmergesellschaft durchaus Ähnlichkeiten dazu auf. Wie bei einer GmbH ist die Haftung beschränkt, der große Unterschied zu ihr besteht im symbolischen Charakter des ansonsten recht stattlichen Stammkapitals. Die UG ist keine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, doch auch hierzu bestehen Parallelen. Wie funktioniert das sperrig anmutende Konstrukt genau und weshalb erfreut es sich in letzter Zeit dermaßen wachsender Beliebtheit?

Die Unternehmergesellschaft als kleine Schwester der GmbH

Bei der Unternehmensform UG handelt es sich eher um eine Variante als um etwas Eigenständiges. Dem Vorbild der GmbH angelehnt kann bei ihrer Gründung auf Kapitalansammlung nahezu verzichtet werden. Ein einziger Euro dient gewissermaßen als Platzhalter dafür, weshalb sie auch als 1-Euro-GmbH bezeichnet wird, um ihr wesentliches Merkmal kenntlich zu machen. Die dermaßen in der Haftung des Eigentümers beschränkte Unternehmergesellschaft genießt kein hohes Ansehen in den Augen derer, die Vorleistungen für sie erbringen sollen, eine Umwandlung ist möglich, wenn dennoch genügend erwirtschaftet worden ist. Zum Einstieg auch ins Franchising mag sie freilich gut geeignet sein.

Unternehmensform UG zum Karriere-Sprungbrett erwählen?

Ziemlich unverfänglich kann man auf diese Weise seine Erfahrungen machen und womöglich schnell vorankommen. Jeder weiß aber, dass nicht viel dahintersteckt und man Risiken eher scheut, als sie einzugehen bereit ist. Das kann eine gute Ausgangsbasis für das Franchising sein, muss es aber nicht. Viele Franchisegeber verzichten weitgehend auf Eigenkapital derer, mit denen sie eine Partnerschaft eingehen wollen, andere fordern hohe Summen. Wie auch immer – man legt mit Gründung einer Unternehmergesellschaft eigene Initiative an den Tag, lässt aber auch erkennen, dass man zunächst keine großen Sprünge machen will. Das kann vernünftig sein, ist aber nicht für jeden interessant. Man stellt jedoch unter Beweis, dass man sich Gedanken über die geeignete Unternehmensform gemacht hat.

Vereinfachte Rechtsform als Trainingsparkett

Die Unternehmergesellschaft kann als eine Art Ansparmodell betrachtet werden, als Vorstufe zu größeren Unternehmungen, wobei einigermaßen gefahrlos abgewartet werden kann, was daraus wird. Wer damit möglichst schnell aufsteigt, könnte sich so zum Kandidaten für Franchise-Unternehmen profilieren, die eingeschlagene Richtung aber bleibt fragwürdig. Franchisegeber werden sich mit Kapitalgesellschaften kaum liieren wollen, ihnen ist es lieber, wenn man einzubringendes Geld anderweitig beschafft. Dessen ungeachtet ist ein Ausstieg jederzeit leicht möglich, sofern sich ein willkommener Anlass dafür bietet. Viele machen von der Unternehmensform UG Gebrauch, nachdem sich herausgestellt hat, dass die Abwicklung der angelsächsischen Limited problematisch sein kann.

Der Gründungsaufwand hält sich in Grenzen

Nichtsdestotrotz sind gewisse Formalien zu beachten, die mit einer Gewerbeanmeldung nur bedingt zu vergleichen sind.

  • Obwohl es lächerlich gering ist, muss das Stammkapital explizit vorhanden sein.
  • Bei der Gründung kann auf ein Vertragsmuster und den Zusatz der Rechtsform nicht verzichtet werden.
  • Der Sitz der Gesellschaft ist zu benennen, ebenso die Gesellschafter.
  • Das Ergebnis ihrer Versammlung muss beigefügt und die Eignung des Geschäftsführers nachgewiesen werden.

Schließlich bedarf auch der gewählte Firmenname einer Überprüfung hinsichtlich seiner Wettbewerbstauglichkeit, ein Notar muss hinzugezogen werden, damit der Eintrag im Handelsregister seine Richtigkeit hat. Zahlreiche Berater bieten ihre Hilfe dabei, nicht zuletzt verschiedene Banken.

Allzu leicht sollte man es sich nicht machen

Ganz aus dem hohlen Bauch heraus ist die Gründung einer Unternehmergesellschaft demnach nicht zu vollziehen, kann aber dennoch ganz bequem online erledigt werden. Hier und da werden sogar Gratis-Pakete angeboten, anderswo die Kosten beziffert. Von möglichen Gewinnen ist vorschriftsmäßig ein Viertel aufzuheben, damit die 25.000 Euro für eine GmbH sich ansammeln können. Dabei wird jedoch kein Druck aufgebaut, man kann sich damit so viel Zeit lassen, wie man möchte, und wenn es überhaupt nicht klappt, macht das weiter nichts aus. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass gelegentliche Nachfragen von Amtswegen auf dem Tisch des Hauses landen, die Firmengründung ist kein Spiel. Um im Franchising aufzutrumpfen, kann es günstiger sein, wenn Privatpersonen über Geld verfügen.

Bei Insolvenz und übergroßem Wachstum

Spannend kann es werden, wenn Zahlungsunfähigkeit droht. Der GmbH ähnlich sind die Gesellschafter auch hier dazu verpflichtet, sich unverzüglich zu beraten, um die nötigen Schritte einzuleiten. Zwar muss nicht bis zur vollen Höhe des Stammkapitals gehaftet werden, doch völlig ungeschoren kommen selbst sie nicht davon. Über ihr beschlussfähiges Gremium hinausgehend kann sogar die Bildung eines Aufsichtsrats verlangt werden, doch das nur dann, wenn mehr als 500 Mitarbeiter in einer Unternehmensform UG beschäftigt werden. Sollte die Kapitalgrenze erreicht worden sein, steht einer GmbH-Gründung nichts mehr im Wege, was unter anderem auch von der Rücklegungspflicht entbindet. In Österreich kann sie zudem derart privilegiert sein, dass man sich zunächst mit 10.000 Euro begnügt.

Meist viele Pflichten und kaum Rechte

Als juristische Person unterliegt die Unternehmensform UG gemeinhin der Gewerbe- und auch der Körperschaftssteuerpflicht, Jahresabschlüsse sind zu veröffentlichen. Anders als bei der GmbH dürfen keine Sacheinlagen geltend gemacht werden. Sind 12.500 Euro an Barvermögen vorhanden, kann entweder eine Unternehmergesellschaft mit Stammkapital in dieser Höhe gegründet werden oder aber eine GmbH, bei der nur die Hälfte eingezahlt werden muss. Das alles ist auf den ersten Blick eher verwirrend als besonders hilfreich, will aber wohlüberlegt und zielstrebig durchdacht sein. Im Grunde kommt es darauf, vorher zu wissen, was man mit seinem Geld anfangen kann und darf, sobald es erwirtschaftet worden ist. Auch nach Abzug aller Kosten kann man längst nicht immer frei darüber verfügen.

Als Startkapital Initiative einbringen

Im Franchising herrschen mitunter andere Bedingungen. Da weiß man, wo es langgeht, und muss sich auch nicht unbedingt in Unkosten stürzen, bevor man sich durch Eigenleistung in die Lage dazu versetzt hat. Dennoch gilt es auch hierbei, sämtliche Bedingungen detailliert zu studieren und die Auswirkungen dessen zu kennen, was man akzeptiert. Wer eine GmbH auf die Beine gestellt und über verschiedene Fährnisse hinweggesteuert hat, bringt in jedem Fall genügend Erfahrung dafür mit, als ebenbürtiger Partner anerkannt zu werden. Wie es dabei um die Auflösung der bisher betriebenen Rechtsform bestellt ist, kann pauschal nur schwer vorhergesehen werden.

Erste Spuren ziehen Kreise

Es käme dann wohl auf geschicktes Verhandeln an, womit die Grundzüge der angestrebten Partnerschaft gleich festgelegt wären. Genauso gut ist es möglich, relativ unbedarft als Franchisenehmer einzusteigen und muss keinen Nachteil bedeuten. Von der Pike auf lernt sich manches doch am besten.

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