Unterschiede: Franchise-, Lizenz- und Vertriebssysteme

28.12.2018 09:52 | Ein Unternehmen gründen

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Sie hören immer wieder die Begriffe Franchisevertrag, Lizenzvertrag und Vertriebssysteme und können sich eigentlich nur eins darunter vorstellen, nämlich klassisches Franchising?

Wenn es dazu kommt, die beiden Begriffe zu unterscheiden, sind Sie sich unsicher?

Wir verschaffen Ihnen endlich Klarheit!

Worin besteht der Unterschied zwischen Franchisesystemen und Lizenzsystemen?

Zunächst einmal besteht der Unterschied zwischen Franchise und Lizenz darin, dass der Begriff des Franchisings eigentlich ein Neologismus ist – und hier fängt auch schon das Problem an. Denn im Gegensatz zum Begriff „Franchising“ ist der Begriff „Lizenz“ sowohl in der deutschen Rechtssprache als auch unter Fachleuten, insbesondere Anwälten, klar definiert und jeder versteht, was gemeint ist.

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Im Grunde genommen ist die Lizenz ein Recht, das dem Lizenznehmer gewährt wird, um eine bestimmte Nutzungserlaubnis zu haben. Dieses Recht wird gegen die Zahlung der Lizenzgebühr eingeräumt.

„Also ist die Lizenz genau das Gleiche wie Franchising“, werden Sie sich jetzt sicher sagen, hier ist allerdings Vorsicht angesagt. Zwar beinhaltet Franchising in etwa das gleiche Konzept wie die Lizenz, allerdings wird hier noch etwas hinzugefügt: Der Franchisenehmer hat nicht nur jegliche Nutzungsrechte, sondern ist auch dazu verpflichtet, eng mit dem Franchisegeber zusammen zu arbeiten und seine Anweisungen, etwa in Bezug auf die Corporate Identity zu respektieren. Franchising ist also etwas, das in Bezug auf die Rechte und Pflichten über eine Lizenz hinausgeht.

Allerdings kann man beim Franchising nicht nur von Pflichten sprechen, sondern auch beinahe von Dienstleistungen vonseiten des Franchisegebers an den Franchisenehmer.

Da es sich beim Franchising in der Tat um eine beidseitige Kooperation zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer handelt, hat nicht nur der Franchisenehmer die Pflicht, sich an das bestehende System anzupassen: Auch der Franchisegeber ist sozusagen verpflichtet, dem Franchisenehmer alle möglichen Informationen und passende Schulungen zu bieten, damit dieser in der Lage ist, das Konzept professionell umzusetzen und die bestehende Marke des Franchisegebers zu angemessen als Franchisenehmer zu vertreten.

Im Gegenzug dazu ist der Franchisenehmer zu einer ausführlichen Berichterstattung und einer engen Zusammenarbeit mit dem Franchisegeber verpflichtet und kann mitunter nicht jede Entscheidung „auf eigene Faust“ fällen, sondern ist von der Entscheidung des Franchisegebers abhängig – beispielsweise bei der Auflösung des Franchiseunternehmens aus wirtschaftlichen Gründen – hier kann der Franchisenehmer dazu verpflichtet sein, die Aktivität nach besten Möglichkeiten weiterzuführen, wenn im Franchisevertrag eine Pflicht zur Umsetzung des Geschäftskonzeptes genannt ist.

An dieser Stelle könnte man sich denken, dass eine Lizenz wohl die bessere Methode ist. Auf der anderen Seite bedeutet dies jedoch gleichzeitig, dass der Lizenznehmer weniger Unterstützung vonseiten des Lizenzgebers erhält: Weniger Verpflichtungen bedeutet Weniger Unterstützung. Auch der Lizenzgeber hat von seiner Seite aus relativ wenig Einfluss auf die mehr oder weniger gute Umsetzung des Geschäftskonzeptes durch den Lizenznehmer, was durchaus ein Risiko zur Verwässerung der Marke birgt.

Franchising ist also eine beidseitige Medaille, die sowohl für den Franchisenehmer als auch für den Franchisegeber aus einem sogenannten Recht und einer Pflicht zur Umsetzung besteht. Letzteres, also die Pflicht zur Umsetzung kann für den einen oder anderen Franchisenehmer mitunter schwierig sein: Wenn das Geschäft nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hätte und man gerne selber Dinge ändern würde, wie man es sich so vorstellt.

Dies ist leider in einem Franchise-Business nicht möglich: Der Franchisenehmer muss sich streng an die Vorgaben des Franchisegebers halten, die im Franchisevertrag geregelt sind und den der Franchisenehmer unterschrieben hat. Im Gegenzug dazu erhält der Franchisenehmer eben die notwendige Unterstützung vonseiten des Franchisegebers. Umso wichtiger ist es, seinen zukünftigen Franchisegeber diesbezüglich auf Herz und Nieren zu prüfen um zu vermeiden, dass der Franchisenehmer sozusagen nur die „Nachteile“ kauft und kaum Unterstützung des Franchisegebers erhält. Denn auch hier gilt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Wenn Sie die vorherigen Zeilen aufmerksam gelesen haben, könnten Sie durchaus zur Schlussfolgerung kommen, dass ein Lizenzsystem ja viel „besser“ ist als ein Franchisesystem, da die Lizenz nur ein Recht ohne eine Pflicht enthält. In der Theorie ist dies korrekt. Allerdings ist dies in der Praxis entweder schwierig möglich oder selten der Fall. Einige Franchisesysteme sind allerdings so etwas wie versteckte Lizenzsysteme. Dies lässt sich daran erkennen, dass sich im Franchisevertrag keine tatsächliche Verpflichtung zur Umsetzung vonseiten des Franchisenehmers, aber auch keine Verpflichtung zu einer sonstigen Unterstützung von Seiten des Franchisegebers an den Franchisenehmer zu finden ist.

Der Nachteil am klassischen Franchising, also inklusive beidseitiger Verpflichtung zur Umsetzung bzw. Unterstützung besteht daher darin, dass bei schwieriger Auftragslage oder finanziellen Problemen die Aktivität nicht einfach eingestellt werden kann: Der Franchisenehmer ist aufgrund des Franchisevertrages aber auch aufgrund der Untersetzung die er vom Franchisegeber erhält, dazu verpflichtet, sein Bestes zu geben um entsprechend der Richtlinien das Franchise-Geschäft zu führen.

Die Abgrenzung zu anderen Vertriebsystemen

Als Alternative zu Franchisesystemen und Lizenzensystemen gibt es noch eine ganze Menge an Vertriebssystemen, die dem angehenden Unternehmen die Wahl zur Qual machen, wie zum Beispiel:

  • Handelsvertreter: Der Unterschied zwischen dem Vertriebspartner und dem Handelsverteter besteht darin, dass der Handelsvertreter im eigenen Namen und auf eigene Rechnung Verträge abschließt.

  • Vertrags- oder Vertriebshändler: Diese Form eignet sich vielmehr für erfahrene Unternehmer. Bei diesem Vertriebssystem steht der Vertrieb der Waren im Vordergrund und die Struktur ist weniger starr und eingebunden als bei einem Franchisesystem. Beim Vertragshändlersystem verfügt letzterer über das Recht die Produkte im eigenen Namen und auf eigene Rechnung zu verkaufen. Nicht selten findet man in diesen Modellen auch Alleinvertriebsrechte.

  • Kommissionär: Der Kommissionär ähnelt dem Handelsvertreter. Er handelt im eigenen Namen aber auf fremde Rechnung, nämlich die des Kommittenten, also des Herstellers der verkauften Ware.

  • Filialen: Äußerlich erscheinen Filialen wie Franchisebetriebe und lassen sich daher durch den Kunden kaum unterscheiden. Der Unterschied zwischen einer Filiale und einem Franchisebetrieb ist erst durch einen Blick in die innere Struktur erkennbar.

Wenn Sie sich für ein Franchisesystem ein Lizenzsystem oder ein anderes Vertriebssystem entschieden haben oder entscheiden werden, sollten Sie dennoch eins im Hinterkopf behalten: Das Wichtigste ist, dass Sie sich mit der Marke des Unternehmens, dessen „Partner“ sie werden identifizieren können und sich persönlich in der Zukunft mit diesem Unternehmen sehen, sowie das das Unternehmen ihren persönlichen Werten entspricht.

Nachdem Sie diese Entscheidung getroffen haben, sollten Sie sich durch einen Anwalt, der auf Franchising/Lizenzen und Vertriebssysteme spezialisiert ist, im Hinblick auf die Wahl der passendsten Lösung auf dem Weg zu einem fairen Franchisevertrag beraten lassen.

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