Gewerbe: Was ist das genau?

08.01.2019 16:00 | Ein Unternehmen gründen

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Franchising bietet Gründungswilligen interessante Möglichkeiten, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Egal, an welche Branche der zukünftige Franchisenehmer denkt, mit Franchising ist so ziemlich alles möglich: Ein eigener Food Truck, eine eigene Bar, ein Online-Business, ein mobiler, umweltfreundlicher Waschservice für Auto, eine Lagerbox-System im urbanen Raum – der Fantasie sind hier wahrlich keine Grenzen gesetzt! Allerdings sorgen die unterschiedlichsten Formen der Geschäftstätigkeit auch dafür, dass der rechtliche Status der Franchisenehmer aus rechtlicher Perspektive durchaus interessant ist: Man ist selbstständig und führt eigenständig seinen eigenen Betrieb, zeitgleich ist man einem Franchisegeber unterstellt. Da es sich beim Franchising meist um eine Gewerbetätigkeit handelt, möchten wir Ihnen heute aufzeigen, was es mit einem Gewerbe und der Gewerbeanmeldung im Franchise-Kontext auf sich hat.

Was genau definiert ein Gewerbe?

Bei einem Gewerbebetrieb handelt es sich um eine selbstständige Tätigkeit, mit der man sich am wirtschaftlichen Handel beteiligt und mit der man beabsichtigt, einen finanziellen Gewinn zu erzielen. Jedoch sind land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten sowie freie Berufe von dieser Definition ausgenommen. Da der Unternehmer mit seinem Gewerbe das Ziel verfolgt, mit einer Vielzahl von Geschäften Gewinne zu verzeichnen, muss er den Gewinn natürlich versteuern: Für den Gewinn aus der Gewerbetätigkeit ist das Einkommensteuer- und Gewerbesteuerrecht relevant.

Gewerbe vs. freie Berufe – was ist der Unterschied?

Das Gewerbe wird in Deutschland in folgende Bereiche eingeteilt:

  • Industrie
  • Handwerk
  • Verlagswesen
  • Hausgewerbe

Bei einem Hausgewerbe handelt es sich um ein Kleingewerbe, was im eigenen Haus mit nicht mehr als zwei Mitarbeitern ausgeführt wird.

Zu den freien Berufen gehören sogenannte Katalogberufe, sie sind im Paragraph 18 des Einkommensteuergesetzes aufgeführt. In der Regel gehören hierzu solche Berufe, die einen höheren Bildungsgrad erfordern. Die bekanntesten freien Berufe sind unter anderem Arzt, Anwalt, Künstler, Journalisten, Musiker oder aber Dolmetscher und Übersetzer. Auch die Freiberufler üben ihre Tätigkeit selbstständig und eigenverantwortlich aus, sie machen dies allerdings, ohne ein Gewerbe auszuführen. Da sie keine Gewerbetreibenden sind, sind sie somit auch von der Gewerbesteuer ausgenommen. Freiberufler arbeiten meist nach Abgabeterminen, Kunden- oder Auftragsaufkommen. Haben Freiberufler jedoch nur einen einzigen Auftraggeber, spricht man von der sogenannten Scheinselbstständigkeit, die rechtlich geahndet wird.

Der Franchisenehmer: Ein selbstständiger Unternehmer

Die meisten Franchisenehmer arbeiten als Gewerbetreibender. Sie sind selbstständige Unternehmer, die das Geschäftskonzept eines Franchisegebers an ihrem eigenen Standort umsetzen und ausüben. Auch wenn es sich somit um die Geschäftsidee des Franchisegebers handelt, betreiben die Franchisenehmer ihr Gewerbe auf eigene Rechnung und tragen die volle Verantwortung und das gesamte unternehmerische Risiko für Ihren Standort. Oft ist beim Franchising die Rede davon, dass es sich hierbei nur um eine eingeschränkte Selbstständigkeit handelt. Das ist insofern zutreffend, da man als Franchisenehmer das Konzept, die Marke und Corporate Identity gemäß den Vorgaben des Franchisegebers zu halten hat. Diese sorgen dafür, dass der eigene Standort einheitlich mit den systemweiten Standards der Franchisemarke übereinstimmt. Dies ist entscheidend für das Franchising, es stellt allerdings in gewisser Weise eine Einschränkung in unternehmerischer Hinsicht dar.

>>> Erfahren Sie hier mehr zu dem Thema: Handelt es sich beim Franchising wirklich um eine eingeschränkte Selbstständigkeit?

Was spricht für die Selbstständigkeit des Franchisenehmers?

Beim Franchising handelt es sich um eine Partnerschaft selbstständiger Unternehmer: Franchisegeber und Franchisenehmer gehen eine geschäftliche Beziehung miteinander ein. Der Franchisenehmer ist hier nicht als ein angestellter Mitarbeiter zu verstehen, es ist ein Geschäftspartner auf Augenhöhe. Die rechtlichen Grundlagen der beiden Vertragspartner werden im Franchisevertrag aufgeführt. Rechtlich gesehen ist es dabei ganz gleich, wie der Vertrag bezeichnet wird, denn der Inhalt ist entscheidender. Übliche Bezeichnungen sind hier Franchisevertrag, Arbeitsvertrag, Lizenzvertrag oder aber Partnervertrag.

Darüber hinaus bestätigen folgende Merkmale die Selbstständigkeit des Franchisenehmers:

  • Der Franchisenehmer hat ein eigenes Gewerbe angemeldet
  • Er vertreibt Produkte und Waren im eigenen Namen und auf eigene Rechnung
  • Der Franchisenehmer selbst trägt das wirtschaftliche Risiko seiner Unternehmung
  • Er kann über seine Arbeitszeiten selbst frei bestimmen
  • Als Gewerbetreibender muss er seine Einnahmen selbst versteuern.

Und wie meldet man nun ein Gewerbe an?

Die Anmeldung des Gewerbes muss immer von dem Gewerbetreibenden selbst übernommen werden. Wenn ein Franchisenehmer also als Einzelunternehmer einen Betrieb gründet, so hat er sein Gewerbe auch als der Inhaber anzumelden. Die Anmeldung eines Gewerbes kann sich je nach Bundesland unterscheiden: In manchen Regionen übernimmt die Industrie- und Handelskammer oder aber die Handwerkskammer die Gewerbeanmeldung, in anderen Fällen geschieht es beim Gewerbeamt in der Stadt oder Gemeinde, wo das Unternehmen seinen Sitz hat.

Die Gewerbeanmeldung kann auf den verschiedensten Wegen geschehen. Und zwar liegt es immer am jeweiligen Gewerbeamt selbst, welche Arten für die Anmeldung möglich sind. In Berlin kann der komplette Anmeldungsprozess online erfolgen, was natürlich sehr bequem ist. Bei anderen Gewerbeämtern kann das Anmeldeformular online heruntergeladen und ausgefüllt werden. Da das Formular allerdings auch persönlich unterschrieben werden muss, können Sie den Antrag per Post einreichen. Ein persönliches Vorsprechen ist in diesem Fall nicht notwendig.

Mit welchen Kosten muss man bei der Anmeldung eines Gewerbes rechnen?

Die Anmeldung eines Gewerbes ist reine Formsache und in der Regel schnell erledigt. Die Rechtsgrundlage hierfür ist die Gewerbeordnung. Je nach Gemeinde oder Stadt wird eine unterschiedlich hohe Gebühr für die Gewerbeanzeige fällig. Meist liegt diese zwischen 10 und 20 Euro, der deutschlandweit höchste Betrag liegt bei 60 Euro – wobei diese hohe Summe eher eine Ausnahme darstellt.

Hinweis für die Anmeldung des Gewerbes:

Darüber hinaus können je nach Art des Gewerbes noch weitere Kosten anfallen. Die Gewerbeordnung regelt, welche Gewerbearten einer besonderen Erlaubnispflicht unterliegen. So kann es der Fall sein, dass Sie aufgrund der Gewerbeerlaubnis zusätzlich ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Auszug aus dem Gewerberegister vorlegen müssen. Hierfür müssten Sie mit zusätzlichen Kosten rechnen.

Welche Ämter und Behörden werden von Ihrer Gewerbeanmeldung informiert?

  • Das Finanzamt
  • Die Industrie- und Handelskammer
  • Die Berufsgenossenschaft
  • Das Statistische Landesamt
  • Im Falle von Handwerksberufen wird die Handwerkskammer informiert
  • Handelsregistergericht

Gibt es bestimmte Voraussetzungen, um ein Gewerbe anzumelden?

In Deutschland darf jeder gewerblich tätig sein, das Ausüben eines Gewerbes ist nicht an eine Erlaubnis gebunden. Lediglich die Bekanntgabe, also die Gewerbeanmeldung, ist verpflichtend. Hierzu müssen nur folgende grundsätzliche Voraussetzungen erfüllt sein: Die Volljährigkeit und die Geschäftsfähigkeit, zudem ist wichtig, welche Art von Gewerbe ausgeübt wird.

Die Gewerbeanmeldung stellt auf dem Weg ins Unternehmertum nur den ersten Schritt dar. Im weiteren Verlauf müssen zukünftige Franchisenehmer Ihr Unternehmen auch beim Finanzamt registrieren und die Meldung an die Krankenkasse weitergeben.

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