Was ist eine Genossenschaft?

14.03.2018 08:00 | Ein Unternehmen gründen

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Viele kennen Raiffeisen, Einkaufsgemeinschaften oder andere Zusammenschlüsse, die als Genossenschaft firmierten, noch aus Erzählungen oder dem Stöbern in Archiven. Einst waren sie zahlreich gesät, eine nach der anderen hat indes längst aufgegeben. Das kann am Wandel von Idealen liegen, aber auch im allmählichen Schwinden ihrer wirtschaftlichen Schlagkraft begründet sein. Die Entwicklung schreitet unaufhörlich fort, manches, was früher gut und richtig war, hat inzwischen ausgedient.

Wie viel, nicht was ist eine Genossenschaft noch wert?

Offensichtlich wenig, denn sonst gäbe es ja mehr davon. Doch einige leben weiter. Mitglieder können sowohl natürliche Personen sein als auch deren juristische Variante. Sie tun sich zusammen, um durch ihr gemeinsames Vorgehen einen Vorteil für ihre Zwecke zu erzielen, wie auch immer sie beschaffen sein mögen. Manche wohnen auf diese Weise günstiger, andere bestellen das Feld und bekommen, was sie dafür brauchen, ohne überzogene Preise in Kauf nehmen zu müssen. Auch Handwerker solidarisieren sich gelegentlich in ähnlicher Form, Bankverbindlichkeiten lassen sich dem Vernehmen nach so schmerzfreier regeln, doch vieles ist bereits passé und gehört ins Museum.

Durch was ist eine Genossenschaft gekennzeichnet?

Es geht ihr weniger darum, möglichst schnell reich zu werden, sondern eher um das Fördern Angeschlossener in sozialer oder kultureller Ausrichtung. Denen, die dazugehören, soll es besser gehen und gewährleistet sein, dass sie sich nicht in eine Abhängigkeit begeben müssen. Das ist ein hehres Ziel fürwahr, doch auch der Vorstand will bezahlt sein für sein verdienstvolles Wirken. Vereint lassen sich oft angenehmere Konditionen aushandeln und Aufwendungen beschränken - doch um welchen Preis? Historische Vorbilder, deren Wirken man in Glasvitrinen nachvollziehen kann, hatten es sich beispielsweise zur Aufgabe gemacht, für würdige Beerdigungen zu sorgen oder den Deichbau auf die Beine zu stellen.

Die Köpfe zusammenstecken und entscheiden

Der Einzelne wäre damit überfordert, zusammen kann das Werk gelingen, wenn die Rollen gut verteilt sind. Die Gemeinschaftskasse springt ein, sobald es hier und da zu knapp wird, Kooperationen können zudem andere Absichten verfolgen. Teilweise dem Vereinswesen angelehnt treten Miteigentümer oder Träger von Genossenschaften derweil manchmal gar als Geschäftspartner mit mehreren Funktionen in Erscheinung. Sie können sowohl Lieferanten wie Kunden sein als auch Finanziers. Ganz unter sich regelt man hinter verschlossener Tür, was sonst ein Anknüpfen verschiedener Beziehungen erfordern würde. Wie man dabei verfährt, geht Außenstehende zunächst einmal nichts weiter an.

Nicht alles geschieht auf freiwilliger Basis

Wenn drei sich einig sind und eine den gesetzlichen Vorgaben entsprechende Satzung zustande bringen, können sie eine Genossenschaft begründen und weitere Mitglieder durch übereinstimmenden Beschluss aufnehmen. Man kann jedoch auch zum Beitritt gezwungen sein, etwa dann, wenn man zum Grundeigentümer in einem festgelegten Gebiet wird. Das trifft für manche Jäger zu, auch auf vor Sturmfluten zu Schützende und Ortsansässige in einer Realgemeinde. Nicht ersparen können Unternehmer sich die Teilhabe an ihrer Berufsgenossenschaft, wobei es auf die Feststellung der Zugehörigkeit einer für sie maßgebenden Branche ankommt. Nur damit wird der Zugang zur gesetzlichen Unfallversicherung gewährt.

Umfassendes Regelwerk für Angebote

Insgesamt existiert eine Vielzahl von Bestimmungen, vor allem nach Überschreiten der Landesgrenze in südöstlicher Richtung, durch die der innere Zusammenhalt mit der Ausprägung verschiedener Organe geregelt ist. Produktionsgenossenschaften treten als Arbeitgeber auf, durch eine Mitgliedschaft erwirbt man den Anspruch auf einen Arbeitsplatz. Es hat nichts mit Geheimbündelei zu tun, was sich hinter den Mauern vermeintlich verschworener Gemeinschaften abspielt, vieles bleibt unverbindlich. Man gehört dazu, kann von angebotenen Leistungen Gebrauch machen, muss es aber nicht. Verpflichtungen sind eher freiwilliger Natur, obwohl es Ausnahmen gibt.

Verpflichtung zum Gewinnstreben

Was Genossenschaften Franchisemodellen gegenüber fehlt, ist in der Regel das nicht vorhandene Recht dazu, Weisungen auszusprechen und Kontrolle auszuüben. Es kommt auch weniger darauf an, aus dem Vorhandenen am meisten zu machen. Das Profitstreben spielt oft so gut wie keine Rolle, während man im Franchising absolut gewinnorientiert vorgeht. Zudem wäre es kaum denkbar, dass jemand, dem der Eintritt gewährt wurde, seine Aktivität vorübergehend einstellen könnte, um sie erst bei nächstbester Gelegenheit wieder aufzunehmen. Solidarisches Verhalten ist zwar hier wie dort gefragt, doch in ganz anderem Maße. Mitunter wird der eigene Vorteil sogar über das Gemeinwohl gestellt.

Leistung setzt sich durch

Auch mit der Gleichberechtigung sieht es ein wenig anders aus. Undenkbar wäre, dass einer, der nur die Hälfte zahlt, dennoch über eine volle Stimme verfügen kann. Zudem erwirbt jemand, der sich einkauft, keinen Anteil am Eigentum, das in den Händen des Franchisegebers verbleibt. Gesellschaftsrecht steht individuell getroffenen Vereinbarungen gegenüber, Wettbewerb kann es beim Franchising auch im eigenen Hause geben. Dazu kommt es etwa, wenn eine der tragenden Säulen den Erwartungen an ihre Stabilität nicht gerecht wird oder zwei Ambitionierte ein Auge auf denselben Standort geworfen haben. Im Auswahlverfahren setzt sich der Beste durch, alle anderen bleiben zurück.

Überkommenes anpassen

Die Kräfte zu bündeln, ist sowohl dem einen wie dem anderen eigen, nur verfahren sie dabei nach verschiedenem Muster. Gewachsen Europäisches wetteifert mit dem amerikanischen Modell, das sich nicht erst durchzusetzen beginnt. Dennoch verharrt man EU-weit auf Traditionellem, das mit der Zeit zu gehen versucht, wobei das Franchising weit voraus ist. Über das klassische Modell hinausgehend greift man dort gern zu Lösungen, bei denen ein Geschäftsbetrieb einem anderen angegliedert ist oder auch zu Weitergehendem. Der Partnerschaftsgedanke wird im Gegensatz zur horizontalen Ebene in vertikalem Verlauf umgesetzt.

Angeleitet selbstständig

Beim Franchising hat man sich nach Vorgegebenem zu richten, Freiheiten einzelner Unternehmer sind stärker eingeschränkt, was jedoch nicht nachteilig sein muss. Viele Probleme, mit denen man unter anderen Bedingungen arg zu kämpfen hat, sind bereits gelöst, man muss sich nur noch danach richten. Wie es mit der Unterstützung von kollegial Agierenden aussieht, wenn kein Druck dahintersteht, erweist sich dagegen im Einzelfall. Darauf bauen kann man allemal, doch wenig einfordern, wenn es darauf ankommt.

Träume verwirklichen

Seine Unabhängigkeit zu wahren, ist manchmal nichts als eine Illusion, sich darauf zu verlassen, dass andere helfen, wenn es nottut, ein gewagtes Spiel. Die Freiheit zur Entscheidung bleibt dem Franchisenehmer unbenommen, eingegangene Verpflichtungen andernorts können auch ein unüberschaubares Ausmaß annehmen, wenn sie nicht zu kalkulieren sind. Die Bewerbungsprozesse sind ähnlich langwierig, Ladeneinrichtungen für den assoziierten Einzelhandel werden von Genossenschaften höchstens nach besonderer Absprache zur Verfügung gestellt. Auch damit kann Selbstständigkeit beginnen.

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