Was ist Franchising und welche Vorzüge bietet es?

04.02.2019 18:10 | Ein Unternehmen gründen

Was ist Franchising?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich selbständig zu machen. Eine sichere und erfolgversprechende Option ist Franchising. Doch was ist Franchising, welche Vorzüge bietet es und wie unterscheidet sich Franchising von anderen Unternehmensformen?

Definition Franchising

Unter Franchising versteht man die Kooperation zwischen einem Franchisegeber und einem Franchisenehmer: Bei einem Franchising gehen die beiden Franchisepartner einen Vertrag ein, wobei der Franchisenehmer rechtlich und finanziell selbständiger und unabhängiger Unternehmer bleibt.

Der Franchisegeber räumt dem Franchisenehmer das Recht ein, die etablierte Geschäftsidee zu nutzen. Der Franchisenehmer entrichtet eine Gebühr, um Waren und Dienstleistungen gemäß den Standards des Franchisegebers zu vertreiben. Der Franchisegeber unterstützt den Franchisepartner in der Regel mit entsprechender Schulung, aber auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel im Marketing.

Mithilfe von Franchise-Standorten baut der Franchisegeber weitgehend identische Betriebe auf, die dem Vertrieb von Waren Dienstleistungen oder Technologien dienen. Franchising dient für den Franchisegeber der Expansion. Franchisenehmer profitieren von einem erprobten Geschäftsmodell, verpflichten sich aber auch, das Unternehmen nach dem Konzept des Franchisegeber zu betreiben.

Franchising ist kein neues Konzept. Erste Formen des Franchisings gab es bereits im Mittelalter, als etwa Feudalherren Steuernbetreibern erlaubten, einen bestimmten Anteil der Einnahmen einzubehalten.

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Franchise heute: Mehr als Nutzungsrechte

Franchising, wie wir es heute kennen, hat seinen Ursprung in den USA. Zu den ersten Unternehmen des modernen Unternehmensmodells Franchising gehört zum Beispiel McDonald‘s. Die Fast-Food-Kette hat unterdessen dank Franchising Standorte rund um den Globus, mit inzwischen mehr als 31.000 Partnern.

Während sich frühes Franchising auf die Abtretung von Markenrechten und die Weitergabe von Betriebsgeheimnissen beschränkte, bietet das heutige Geschäftsmodell Franchising weit mehr. Franchisenehmer erwerben nicht nur das Recht, das Geschäftskonzept zu nutzen, sondern profitieren auch vom Wissen des Franchisegebers. Man wird Teil eines Netzwerkes mit allen Rechten und Pflichten sowie Vor- und Nachteilen. Diese enge Kooperation zwischen beiden Franchisepartnern verspricht mehr Erfolg – und dadurch auch mehr Gewinn.

Leistungspakete des Franchisegebers

Franchisegeber heute bieten neben einem erprobten Geschäftsmodell ein umfangreiches Leistungspaket für den Franchisegeber:

  • Nutzung einer etablierten Marke
  • Vertrieb eines markterprobten Produktes oder einer Dienstleistung
  • Erprobte Methodik in Vertrieb und Vermarktung
  • Training und Schulung für den Franchisenehmer und deren Mitarbeitende
  • Marketingmittel und Unterstützung in der Kommunikation
  • Standardisierung der betrieblichen Abläufe, was für konstante Qualität und Einheitlichkeit sorgt
  • Networking und Wissenstransfer mit anderen Franchise-Unternehmern

Das Leistungspaket unterscheidet sich von Franchisegeber zu Franchisegeber. Ein Vergleich zwischen den unterschiedlichen Franchiseunternehmen lohnt sich. Die Checkliste für Franchisenehmer hilft, das passende Franchiseunternehmen zu finden.

In welchen Branchen ist Franchising anzutreffen?

Franchise-Unternehmen gibt es beinahe in allen Branchen, ganz egal ob Gastronomie, Bekleidung, Feinkost, Immobilien oder gar im sozialen Bereich, wie zum Beispiel in der Seniorenbetreuung. Besonders erfolgreich ist Franchising da, wo ein direkter Kontakt mit dem Endverbraucher wichtig und notwendig ist, wie zum Beispiel bei der Vermarktung von Dienstleistungen oder beim Vertrieb von Produkten, die persönliche Beratung und Service erfordern.

Vorteile des Franchising

Franchising ist in Deutschland beliebt – es gibt circa 1.000 aktive Franchisesysteme in Deutschland. Diese Anzahl ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Doch warum ist Franchise so erfolgreich?

Bessere Chancen für Finanzierung

Die Chance, dass Kreditgeber wie Banken ein neues Unternehmen unterstützen, ist größer bei einem Franchise-Unternehmen. Schließlich handelt es sich hier um eine bereits erprobte Geschäftsidee. Das Risiko für Geldgeber sinkt bei einem etablierten Geschäftskonzept.

Rascher Markteintritt

Geschäftsidee und Businessmodell bestehen bereits, dies erleichtert den Markteintritt enorm. Zudem erhält der Franchisenehmer Unterstützung durch den Franchisegeber, zum Beispiel bei der Standort- und Immobilienauswahl. Die Planungsphase für den Neugründer fällt wesentlich kürzer aus als bei einer individuellen Unternehmensgründung – somit kann sich der Unternehmer rascher dem gewinnbringenden Tagesgeschäft widmen.

Minimiertes Gründungsrisiko

Fehler passieren – Franchisenehmer profitieren von der Erfahrung des Franchisegebers und können somit allfällige frühere Gründungsfehler von Anfang an vermeiden.

Ausgereifte Marketingstrategie

Franchisenehmer können auf das Tagesgeschäft an ihrem eigenen Standort fokussieren, während der Franchisegeber eine Marketingstrategie für alle Standorte erarbeitet. Dies verspricht mehr Professionalität, und Erfolg.

Bekannte Marke

Bei einem etablierten Franchisekonzept profitiert der Gründer von der bereits vorhandenen Bekanntheit der Marke. Dies erleichtert die Kundenakquise.

Vorteile bei Einkauf

Als Teil einer Franchisesystems profitieren Franchisenehmer bei Lieferanten von besonderen Konditionen und Einkaufsvorteilen. Auch die Kreditwürdigkeit wird höher eingestuft als bei einem Einzelunternehmer.

Know-How und erprobte Standards

Franchisegründer können bewährte Prozesse übernehmen, und sich somit auf das Kerngeschäft, die Kundenakquise und -betreuung konzentrieren. Um Weiterentwicklung, Vermarktung und Controlling kümmert sich der Franchisegeber.

Und die Nachteile?

Franchising ist trotz aller Vorzüge nicht für jeden Unternehmertyp geeignet, und bringt auch einige Nachteile mit sich.

Bewährte Prozesse: Sich an Spielregeln handeln

Franchisenehmer erhalten Nutzungsrechte für ein bestehendes Geschäftskonzept. Die Standardisierung der Prozesse und der Geschäftsidee sind, wie oben erläutert, ein Vorteil für einen raschen Markteinstieg und minimiertes Gründungsrisiko. Gleichzeitig bedeutet diese Standardisierung auch, dass der Unternehmer weniger Freiheiten hat als wenn er sich etwa als Einzelunternehmer selbständig macht. Franchisenehmer gehen einen Franchisevertrag ein, welcher ihnen Rechte einräumt, sie aber auch zur Einhaltung von Spielregeln verpflichtet.

Teil eines Systems: Der Franchisegeber verdient mit

Um die Geschäftsidee nutzen zu können, verpflichtet sich der Franchisenehmer, regelmäßig entsprechende Gebühren an den Franchisegeber zu entrichten. Damit verbunden ist aber natürlich auch ein großes Interesse vonseiten Franchisegeber vorhanden, daß neu gegründete Standorte erfolgreich und gewinnbringend sind.

Man wird als Ganzes wahrgenommen

Als Franchisenehmer wird man Teil eines Systems, eines Netzwerk. Dies gilt im Positiven wie auch im Negativen. Ein beschädigter Ruf der Marke oder eines einzelnen Standortes wirkt sich negativ auf den Ruf aller Franchisepartner aus, da die Marke als Gesamtheit wahrgenommen wird.

Fazit: Franchising bringt viele Vorteile mit sich, eignet sich aber nicht für jeden Unternehmer. Wer unabhängig und eigenständig bleiben will, ist mit einer individuellen Unternehmensgründung besser bedient. Wer von den Vorteilen des Franchisings profitieren will, sollte sich unbedingt im Vorfeld über verschiedene Franchisekonzepte informieren, diese miteinander vergleichen und auch Zahlen und Fakten penibel prüfen.

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