Genossenschaft gründen: Wie funktioniert das?

25.08.2018 17:00 | Ein Unternehmen gründen

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Die Gründung einer Genossenschaft verfolgt drei Prinzipien: Hier geht es vor allem um Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Um eine eingetragene Genossenschaft gründen zu können, bedarf es mindestens drei Gründungsmitglieder. Wie es geht und was es genau dabei zu beachten gilt, erfahren Sie hier!

Als Existenzgründer eine Genossenschaft gründen – das gilt es zu beachten!

Eine eingetragene Genossenschaft ist die optimale Rechtsform für mehrere Existenzgründer, die gemeinsame wirtschaftliche, kulturelle oder soziale Interessen verfolgen. Für sie eignet sich eine Genossenschaft, da sie auf diese Weise mit vereinten Kräften erreichen können, was einzeln nur schwer möglich wäre. Hierzu müssten sich insgesamt mindestens drei natürliche Personen zusammenschließen, um eine autonome, sich selbst verwaltende Genossenschaft gründen zu können. Eine Genossenschaft lässt sich später unkompliziert um weitere Mitglieder erweitern. Die Gründer werden Genossen genannt.

Für wen eignet sich eine Genossenschaft?

Bei einer eingetragenen Genossenschaft – abgekürzt als eG – handelt es sich um eine Form der Kapitalgesellschaft. Die eingetragene Genossenschaft muss den Namen ihrer Firma mit dem Zusatz eG kennzeichnen. Die Rechtsform bietet sich für mehrere Gründer oder aber als Kooperation von juristischen Personen – sprich zwei mittelständischen Unternehmen geeignet. Genossenschaften werden gegründet, allerdings spielen sie verglichen mit anderen Rechtsformen eher eine untergeordnete Rolle.

Die Genossenschaft fungiert als juristische Person. Gerade für Existenzgründer stellt sie eine interessante Rechtsform dar, da sie eine unkomplizierte Gründung ermöglicht, die nur eine begrenzte Haftung erfordert. Wie bereits erwähnt verfolgt eine Genossenschaft die Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Die Absicht der Mitglieder ist es, Wissen zu teilen, ihre Chancen auf dem Markt zu verbessern und leichter Aufträge zu erhalten.

Wo finden Genossenschaften vor allem Anwendung?

Diese Rechtsform hat sich somit primär in der Landwirtschaft, im Gesundheitssektor und bei Banken etabliert. In der Praxis finden sich eingetragene Genossenschaften in folgenden Ausprägungen wieder:

  • Volks- und Raiffeisenbanken
  • Kreditgenossenschaften
  • Wohnungsbaugenossenschaften
  • Energiegenossenschaften
  • Winzergenossenschaften
  • Einkaufsgenossenschaften
  • Dienstleistungsgenossenschaften
  • Konsumgenossenschaften
  • Absatzgenossenschaften
  • Bezugsgenossenschaften

So können Sie in 5 Schritten eine Genossenschaft gründen!

Wer eine Genossenschaft gründen möchte, der benötigt zunächst einmal zwei weitere Mitglieder – hierbei kann es sich um natürliche über juristische Personen handeln. Im nächsten Schritt gilt es ein Unternehmenskonzept zu erstellen. Denn ganz am Anfang stehen zunächst die eigentliche Gründungsidee und das Wirtschaftskonzept. Ausgehend von einer Idee, für die es einen gemeinsamen Bedarf an einem gemeinschaftlichen Unternehmen gibt, wird die Genossenschaft gestaltet. Steht diese fest, muss ein Businessplan aufgestellt werden, der einen Zeitraum über drei Jahre abdeckt und aufzeigt, wie die Genossenschaft wirtschaften möchten. Im Konkreten heißt das: Wie werden sich die Ein- und Ausnahmen gestalten? Welche Investitionen müssen getätigt werden? Wie kann die Finanzierung aussehen? Dieses Wirtschaftskonzept stellt die Basis der Genossenschaft dar und dient dem genossenschaftlichen Prüfungsverband, um seine Gründungsprüfung durchzuführen.

1. Schritt: Aufstellung der Satzung

Die Genossenschaft bedarf einer Struktur, die festlegt, wie die Genossenschaft arbeiten soll, welche Aufgaben ihr zu Teil werden und mit welchen Kompetenzen sie ausgestattet wird. Im Zuge dessen wird eine Gründungssatzung erarbeitet, die festsetzt, wer welche Ämter innerhalb der Genossenschaft nachkommt.

2. Schritt: Einberufung der ersten Generalversammlung

Die erste Generalversammlung der Mitglieder wird einberufen. Hier wird die schriftlich niedergelegte Satzung verabschiedet und der Vorstand sowie der Aufsichtsrat einbestellt. Die Genossenschaft wird durch Unterschrift unter die Gründungssatzung gegründet, im Zuge dessen werden auch die Organmitglieder gewählt.

Die Genossenschaft besteht aus folgenden Organen:

  • Vorstand: Bis zu 20 Mitgliedern ist ein Vorstandsmitglied ausreichend. Handelt es sich um eine größere Genossenschaft, müssen es mindestens zwei Personen sein. Der Vorstand kümmert sich um die Geschäftsführung und die Vertretung der Genossenschaft nach außen.
  • Aufsichtsrat: Der Aufsichtsrat besteht aus mindestens drei Personen. Sollte die Genossenschaft aus unter 20 Mitgliedern bestehen, kann per Satzung darauf verzichtet werden.
  • Generalversammlung: Alle Mitglieder der Genossenschaft sind Teil der Generalversammlung. Sollte die Anzahl der Mitglieder größer als 1.500 sein, kann eine Vertreterversammlung zusammenkommen, um Entscheidungsfindungen zu erleichtern. Sie wählt den Vorstand und kann über Änderungen der Satzung verfügen.

3. Schritt: Durchführung einer Gründungsprüfung

Hier prüft ein genossenschaftlicher Prüfungsverband das Wirtschaftskonzept und die Satzung der Genossenschaft. Diese Prüfung zielt darauf ab, die Genossenschaft in das Genossenschaftsregister des Amtsgerichts einzutragen.

4. Schritt: Anmeldung der Genossenschaft beim Genossenschaftsregister

Zur Anmeldung beim Genossenschaftsregister müssen alle erforderlichen Unterlagen – notariell beglaubigt – eingereicht werden. Hierunter fallen der schriftliche Gesellschaftsvertrag, die Abschriften der Urkunden über die Bestellung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sowie eine Bescheinigung des Prüfungsverbandes. Wird ein positives Gutachten erstellt, dann wird die Genossenschaft daraufhin unter notarieller Beglaubigung eingetragen.

Beim Genossenschaftsregister handelt es sich um ein öffentlich zugängliches sowie elektronisch geführtes Register, was alle relevanten Informationen über eingetragene Genossenschaften enthält.

5. Schritt: Nach der Eintragung ist die Genossenschaft rechtswirksam

Mit der Eintragung in das Genossenschaftsregister und dem Vorliegen des Registerauszuges, ist die Genossenschaft rechtswirksam gegründet worden.

Wichtige Fakten rund um Genossenschaften: Startkapital und Haftung

Das Startkapital wird im Gesellschaftervertrag der eingetragenen Genossenschaft dargelegt. Um eine Genossenschaft zu gründen, bedarf es kein Mindestkapital. Es obliegt dem Genossenschaftsverband zu prüfen, ob die Eigenkapitalausstattung passend gewählt wurde.

Die Haftung kann auf das Vermögen der Gesellschaft im Genossenschaftsvertrag begrenzt werden. Zu diesem Zwecke muss in der Satzung jedoch ausdrücklich eine Nachschusspflicht der Mitglieder ausgeschlossen werden. Es kann allerdings auch eine davon abweichende Haftungssumme in der Satzung vereinbart werden. Die Haftungsbeschränkung tritt mit der Eintragung ins Genossenschaftsregister in Kraft, davor haften die Mitglieder unbeschränkt – hiervon ist auch das Privatvermögen betroffen.

Eine weitere Besonderheit an Genossenschaften zu anderen Kapitalgesellschaften ist, dass diese personenbezogen ist. Das bedeutet, dass die Genossenschaft aus ihren Mitgliedern und nicht aus den Kapitaleinlagen besteht. Da die Mitgliedschaft unabhängig von Kapitalanteilen ist, kann dies jedoch schwankende Mitgliederbestände zur Folge haben. Eine Mitgliedschaft in einer eingetragenen Genossenschaft kann jederzeit gekündigt werden und muss nicht wie eine Aktie erst noch verkauft werden.

Letztlich hat eine eingetragene Genossenschaft noch gewissen Folgepflichten nach zu kommen. Hierzu zählen unter anderem auch die Aufstellung eines Jahresabschlusses, der daraufhin von dem Genossenschaftsverband geprüft wird.

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