Selbstständigkeit anmelden: Wie geht das?

21.07.2018 14:00 | Ein Unternehmen gründen

selbststaendigkeit anmelden

Sie würden sich gerne selbstständig machen, scheuen sich aber vor den bürokratischen Hindernissen? Deutschlandweit gibt es über 500.000 Gründer pro Jahr. Würden auch Sie sich gerne dazu zählen? Dieser Artikel klärt Sie über die unterschiedlichen Arten von Existenzgründungen auf und nimmt Sie an die Hand, wie Sie Ihre Selbstständigkeit anmelden können.

Existenzgründung – das sagt der deutschlandweite Gründungsmonitor!

Jeder einzelne Gründer hegt eigene Gründe, Motivationen und Träume, die ihn dazu veranlasst haben, sich selbstständig zu machen. Der Wunsch nach einer Gründung entsteht oft in den unterschiedlichsten Lebensphasen oder –Situationen.

Der KfW Gründungsmonitor ist das deutschlandweite Barometer, was die Existenzgründungen im Blick behält. Überraschenderweise haben die Untersuchungen ergeben, dass die Gründungen in Vollzeit rückläufig sind, während die nebenberufliche Selbstständigkeit immer interessanter geworden ist. Für viele ist es reizvoll, eine Gründung in Teilzeit auszuprobieren, anstatt direkt komplett ins kalte Wasser zu springen. Eine halbe Millionen Existenzgründer wählten das Teilzeit-Modell, lediglich 250.000 Gründer entschieden sich für die Selbstständigkeit in Vollzeit. Wiederrum andere gründen aus der Arbeitslosigkeit heraus. Etwa jede siebte Gründung geschieht aus der Arbeitslosigkeit. Und wiederrum andere gründen direkt nach dem Absolvieren des Studiums, sobald sie die Universität verlassen.

Folgende 4 Gründungssituationen sind möglich:

  • Von einer bestehenden Beschäftigung in die Existenzgründung in Vollzeit
  • Nebenberuflich selbstständig machen
  • Selbstständig machen aus der Arbeitslosigkeit
  • Raus aus die Uni, rein in die Businesswelt als Gründer

Die unterschiedlichen Gründungsmodelle im Überblick

Werfen wir einmal einen Blick auf die unterschiedlichen Modelle, die bei der Gründung in Frage kommen können.

Nebenberufliche Selbstständigkeit

Dieses Modell ist möglich, wenn Sie noch abhängig beschäftigt, arbeitslos oder Student sind. Mit einer Gründung im Nebenerwerb können Sie erste Erfahrungen sammeln und ein Gefühl für die Selbstständigkeit bekommen. Ebenso steht Ihnen die Tür offen, Ihr Business zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Vollzeitbeschäftigung auszubauen.

Die nebenberufliche Selbstständigkeit boomt: In den letzten Jahren hat dieses Modell verstärkt an Bedeutung gewonnen. Über die Hälfte aller Gründungen finden in Form der nebenberuflichen Selbstständigkeit statt. Der KfW Gründungsmonitor hat beobachtet, dass vor allem Frauen dieses Modell wählen. Die Gründung im Nebenerwerb hat zwei Vorteile: Sie birgt weniger Risiko, da Sie weiterhin den Lohn aus der abhängigen Beschäftigung erhalten und zum anderen ist der Kapitalbedarf für solch eine Gründung meist geringer.

Hier ist es allerdings wichtig, dass Sie ein paar bestimmte Kriterien beachten: Und zwar gilt für die Arbeitszeit der Richtwert von maximal 18 Stunden pro Woche, der nicht überschritten werden sollte. Schließlich bildet Ihre abhängige Beschäftigung noch immer Ihren Arbeitsmittelpunkt. Und darüber hinaus sollte das Einkommen aus der nebenberuflichen Beschäftigung Ihr Arbeitseinkommen als Angestellter nicht überschreiten. Sobald Sie planen, Mitarbeiter einzustellen, wird ebenfalls eine hauptberufliche Selbstständigkeit unterstellt. Darüber hinaus müssen Sie in jedem Fall Ihren Chef über Ihre nebenberufliche Tätigkeit in Kenntnis setzen und um Erlaubnis bitten.

Gründen als frischer Uni-Absolvent

Auch dies ist machbar. Die Gründung von Studenten oder wissenschaftlichen Mitarbeitern wird sogar gefördert. Hier stehen bundesweite Gründerstipendien zur Verfügung, die umfangreiche Zuschüssen für die Startphase zur Verfügung stellen.

Aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen

Rund 20 Prozent aller Gründungen beruhen auf dieser Gründungssituation. Auch hier können Gründungszuschüsse in Anspruch genommen werden. Unter anderem gibt es hier die sehr attraktiven Zuschüsse für die ersten Monate Ihrer Selbstständigkeit, die Sie nicht einmal zurück zahlen müssen.

Gründen mit Franchising

Dies ist die Top-Möglichkeit für diejenigen, die sich selbstständig machen möchten, denen aber die zündende Geschäftsidee fehlt. Als Franchisenehmer erhalten Sie die Nutzungsrechte einer Marke, die bereits erfolgreich am Markt etabliert ist. Zudem steht Ihnen der Franchisegeber mit Rat und Tat zur Seite, so dass Sie das Projekt Existenzgründung nicht vollkommen alleine angehen müssen.

Franchising ist eine attraktive Möglichkeit für jegliche Gründungssituation: Es gibt sowohl Modelle in Vollzeit als auch in Teilzeit und auch frische Absolventen können Franchisenehmer werden. Natürlich richtet sich Franchising auch an Arbeitslose, die an einer Gründung interessiert sind. Hier ist wirklich alles ist denkbar in jeglichen Wirtschaftssektoren und –Branchen!

Selbstständig mit einer Unternehmensnachfolge

Dies stellt noch wiederrum einen weiteren Weg in die Selbstständigkeit dar. So können Sie ein bereits gegründetes und laufendes Unternehmen oder aber Franchisebetrieb übernehmen. Die Unternehmensnachfolge ist definitiv eine anspruchsvolle Art und Weise, um sich selbstständig zu machen, allerdings bietet es auch zahlreiche Vorteile.

Selbstständigkeit anmelden – worauf gilt es zu achten?

Vorab gilt es zu klären, um was für eine Art von Selbstständigkeit es sich handelt. Es gibt nämlich einen Unterschied, ob Sie Freiberufler oder Gewerbetreibender sind. Bevor Sie also Ihre Selbstständigkeit anmelden möchten, müssen Sie herausfinden, ob Ihre Tätigkeit in die Kategorie der freiberuflichen Tätigkeiten fällt oder es sich um ein Gewerbe handelt. Diese Bestimmung ist deshalb so entscheidend, weil sie darüber bestimmt, wo Sie Ihre Selbstständigkeit anmelden müssen.

Welche Berufe machen Sie zu einem Freiberufler?

Die Abgrenzung zu einem Gewerbe ist nicht immer zu 100 Prozent eindeutig. Allerdings obliegt dem Finanzamt die Zuständigkeit der Anerkennung von freien Berufen. Bei freiberuflichen Tätigkeiten handelt es sich vor allem um künstlerische, erzieherische, wissenschaftliche oder schriftstellerische Tätigkeiten. Klassische freie Berufe sind die sogenannten Katalogberufe wie Rechtsanwalt, Steuerberater, Ingenieur oder Dolmetscher. Ähnliche Berufe wären Künstler, Fotografen, Unternehmensberater und Diätassistenten. Wenn Ihre Existenzgründung in diesen Bereich fällt, dann unterliegen Sie nicht einer Gewerbeordnung.

Selbstständigkeit als Freiberufler

Als Freiberufler ist es sehr simpel, seine Selbstständigkeit anzumelden: In diesem Fall benötigen Sie lediglich eine Steuernummer und schon kann es losgehen. Diese erhalten Sie vom Finanzamt – und zwar sollten Sie sich bei dem Amt innerhalb von 4 Wochen nach Aufnahme Ihrer Geschäftstätigkeit melden, um den steuerlichen Erfassungsbogen zu erhalten, der Sie mit Ihrer Steuernummer versieht. Das ist auch das einzige Amt, an das Sie sich zu wenden haben. Falls Sie direkt ein größeres Unternehmen als Freiberufler gründen und sogar Mitarbeiter einstellen, müssen Sie auch noch beim Arbeitsamt vorbeischauen, um eine sogenannte Betriebsnummer zu bestellen. Je nach dem, um was für einen freien Beruf es sich handelt, ist eine Mitgliedschaft in der Standeskammer zusätzlich verpflichtend.

Selbstständigkeit anmelden als Gewerbetreibender

Wenn Sie ein Gewerbe anmelden möchten, so ist dies mit mehr Aufwand verbunden. Zunächst einmal geht es zum Gewerbeamt. Zudem sollten Sie vorab prüfen, ob Sie zusätzliche Genehmigungen für das Eröffnen Ihres Betriebes bedürfen. Diese Informationen erfahren Sie von der Industrie- und Handelskammer. Falls es sich um einen Handwerksberuf handelt, benötigen Sie einen Eintrag in der Handwerkskammer.

Das Gewerbeamt kommuniziert daraufhin automatisch alle wichtigen Infos an die Berufsgenossenschaft, das Ordnungsamt, das Finanzamt sowie die Industrie- und Handelskammer – auch als IHK bekannt – oder aber eben die Handwerkskammer, HWH. Sollten Sie als Gewerbetreibender Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen oder aber Franchisebetrieb anstellen, müssten Sie zusätzlich auch noch bei der Bundesagentur für Arbeit vorbeischauen. Die Kosten für die Anmeldung beim Gewerbeamt variiert je nach Stadt und Gemeinde, sie kann zwischen 15 und 100 Euro betragen.

So gehen Sie richtig bei der Anmeldung Ihrer Selbstständigkeit vor

Es ist ratsam, wenn Sie sich beim Finanzamt, einem Steuerberater oder einem Gründungszentrum vorab Hilfe suchen. Vor allem dann, wenn Sie unsicher sind, in welche Kategorie Ihre selbstständige Tätigkeit fällt.

Ebenso ist es hilfreich, wenn Sie recherchieren, welche Dokumente Sie zur Anmeldung benötigen. Dies kann die Wartezeiten für die Anmeldung verkürzen und den gesamten Prozess beschleunigen.

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