Brezelbäckerei Ditsch: Wir nehmen den Gründer Wilhelm Ditsch unter die Lupe

01.12.2018 07:30 | Ein Unternehmen gründen

wilhelm ditsch unter lupe

Von wegen Franchising! In der Brezelbäckerei Ditsch herrscht eine andere Unternehmensform, und dafür mag es gute Gründe geben. Sie sollen im Folgenden ein wenig näher erläutert werden, ausgehend von den Anfängen. Und damit kommt ihr Gründer Wilhelm Ditsch ins Spiel, der anderes im Sinn hatte, als sein Know-how gegen Zahlung von Gebühren preiszugeben. Vom romantischen Flair der Altstadt angehaucht setzte er sich zunächst das ehrgeizige Ziel, die besten Brezeln in ganz Mainz unters Volk zu bringen.

Brezelbäckerei Ditsch weit über sich hinausgewachsen

Heutzutage findet man Filialen beinahe überall dort, wo einen der Hunger packen kann. Das sind in der Regel belebte Plätze, die schon mal einen Tagesmarsch voneinander entfernt liegen. Franchisenehmer sind dabei nicht gefragt, wohl Mitarbeiter, die von besonderen Vorteilen profitieren und auf ihre Art Karriere machen können. Das doppelte Goldjubiläum steht demnächst hat, dann hat das Traditionsunternehmen ein ganzes Jahrhundert auf dem Buckel. Noch lange nicht auf halber Strecke wurde der Generationswechsel im Hause durch den ambulanten Verkauf bei öffentlichen Festen eingeläutet, mittlerweile hat man sich 200-fach deutschlandweit niedergelassen. Der Weg hinaus mag seine Ursache durchaus in vielleicht zunächst beengten häuslichen Verhältnissen haben.

Im Umkreis sehr beliebt war die Brezelbäckerei Ditsch

Doch seiner Herkunft blieb man treu und vorerst auch dem Handwerk, erst dem Enkel gelang die Rationalisierung durch Einführung der Brezelschlingmaschine. Wenn die Erbfolge dermaßen gesichert ist, denkt man wohl nicht daran, als Franchisegeber in Erscheinung zu treten. Wilhelm Ditsch verließ sich ganz auf seine Frau, als es daranging, die Heimatgemeinde mit Laugengebäck zu versorgen. Bis in die 1980er Jahre hat es gedauert, dass man sich nach Standorten außerhalb umsah, sie wurden auch durch Stände bestückt, mit denen man allerdings nicht länger durch die Lande zog. Inzwischen ist das Unternehmen an die Schweiz veräußert und stolz auf seine britische Tochter. Versuche, sich New York anzusiedeln, wurden kurzfristig wieder aufgegeben.

Expansion ursprungsnah mit überworfenen Prinzipien

Den Brezelkönig jedoch hat man sich zuvor noch einverleibt. Es macht halt doch mehr Sinn, im großen Stile zu betreiben, was einer allein nicht mehr fertigbringen kann. Das war früher anders, und hätte es den entschlossenen Gründergeist nicht gegeben, wäre es wohl kaum dazu gekommen. Dennoch bleibt ein Hauch von Nostalgie; wer bei Ditsch einkauft, muss sich nicht verwaltet fühlen. Lange Zeit verharrte alles im familiären Rahmen, sogar knapp sechzig Jahre nach der Grundsteinlegung waren lediglich fünf Mitarbeiter registriert. Bald darauf jedoch nahm die Entwicklung einen rasanten Auftrieb, allein in einem einzigen Jahrzehnt konnte der Umsatz mehr noch als verdoppelt werden. Das führen Eingeweihte auf ein verstärktes Engagement im Handel zurück.

Nur vom Ansatz her wiederzuerkennen

Es muss ja auch mehr übrigbleiben, wenn man Größeres bewegt, auf Qualität kann dabei indes nicht verzichtet werden. Richtungsweisendes hat man Ditsch noch vor Ablauf des letzten Jahrtausends attestiert, zwei Jahre nach der Übergabe bekleidete der lange Zeit sehr moderat gewachsene Betrieb den 43. Platz der bedeutendsten Systemgastronomen. Entscheidend dazu beigetragen hat die um Croissants und Pizzas erweiterte Produktion für Abnehmer in der ganzen Welt und Vorgebackenes, das über Supermärkte vertrieben wird. So etwas hätte Wilhelm Ditsch sich wohl nicht träumen lassen, wobei er längst das Zeitliche gesegnet haben dürfte.

Verwandtschaftliche Beziehungen

Ob man sich aus Pietät ihm gegenüber so lange zurückgehalten hat? Man kann darüber nur spekulieren, möglich ist es schon. Wenn einer die Fäden in der Hand hält, kann er auch über den Ruhestand hinaus seinen Einfluss derart geltend machen, dass vieles in anderen Köpfen Spukende schlicht unterbleibt.

  • Es muss ja nicht jeder in die Welt hinaus,
  • der sich zu Hause heimisch fühlt.

Dies bedeutet aber nicht, dass ihm Nachfolgende ebenso empfinden müssen, vielleicht haben sie andere Pläne und werden an deren Ausführung gehindert. Anstatt jedoch eigene Wege einzuschlagen, setzen sie sich jeder, wie er kann und nach dem Gebot der Stunde mit ihrem Erbe auseinander.

Wie einem Bilderbuch entlehnt

Wilhelm Ditsch war gewiss ein Bäckermeister, wie man ihn sich vorstellt und von denen es heute nur noch wenige gibt. Dennoch kommen sie zurecht, indem sie ihren Kundenkreis erfreuen, doch eine Menge Geld ist damit nicht zu machen. Ob denen, die möglichst wenig bezahlen wollen, das auf Dauer bekommt, ist eine andere Frage. Sie werfen selbst den Ofen an und wundern sich womöglich, wie die Stromrechnung ansteigt. Es kann durchaus sein, dass sich die Trends der Neuzeit über kurz oder lang umkehren, jedes Produkt hat seine Lebensphase, sich behaupten kann einer, der das nahende Ende rechtzeitig erkennt.

Was zählt, ist der Geschmack

Ditschs handgemachte Brezeln wurden jahrzehntelang mit Behagen verspeist, ihr Image wirkt noch immer nach. Doch jemand, der sich nach wie vor die Finger danach leckt, würde wohl kaum den Weg bis nach Rheinhessen dafür auf sich nehmen, da begnügt er sich lieber mit dem guten Eindruck. Und selbst, wenn er dort wohnt, wo das passende Getränk dazu von Haus aus schon gereicht wird, nützt ihm das in der Ferne wenig. Man kann das verschlungene Salzgebäck auch beim Kaffee verspeisen oder gut durchgeweicht mit Bier. Wichtig ist, dass ein Name nicht untergeht, der inzwischen ganz anderes als einstmals bezeichnet.

Altvordere in Ehren halten

Interessieren Sie sich für Möglichkeiten, die das Franchising bietet, wenn Sie statt in Erinnerungen zu schwelgen auf dem neuesten Stand sein wollen, backen Sie Ihr eigenes Brot, wenn Sie wissen möchten, was hineinkommt. Aber sehen Sie zu, dass Sie auch die richtigen Zutaten dafür beschaffen können. Das ist kaum noch möglich, so wie es vor hundert Jahren gang und gäbe war. Wer will auch morgens um vier schon in der Backstube stehen? Für Wilhelm Ditsch war das noch eine Selbstverständlichkeit, ohne ihn wären verschiedene Nachbarn wahrscheinlich gar nicht erst auf den Geschmack gekommen.

Ihre Nachfahren haben anderes zu tun, als sich darum zu kümmern, nicht auszuschließen ist, dass sie die Geschichten von damals gründlich satt haben und keineswegs daran interessiert sind, herauszufinden, welche Brezel am besten schmeckt. Dennoch erzeugt es immer wieder Aufmerksamkeit, wenn jemand auffallend aus der Reihe tanzt. Beweisen Sie Mut zur Lücke, nehmen Sie sich vor, was Ihnen keiner nachmachen kann und ziehen es durch.

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