Teil I - Wie kann Private Equity dem deutschen Franchising helfen?

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28.06.2018 16:45 | Franchise-Experte

Private Equity Franchise Artikel Teil 1

Private Equity (PE) Investitionen in deutsche Franchisemarken sind vergleichsweise rar. Und selbst wenn deutsche Giganten, wie JAB Holdings solche Investitionen ttigen, dann fllt auf, dass JAB z.Zt. kein deutsches Franchise in seinem Portfolio hat. Da finden sich vor allem Marken aus den USA, Skandinavien und Grobritannien.

Dabei ist die Frage ob PE Firmen Franchisesystemen ntzlich sein knnen. Um das herauszufinden, habe ich mir Roark Capital Group angeschaut. Seit fast 20 Jahren ist Roark eine der ganz groen PE Firmen in den USA. Wie die Artikelserie ber PE zeigen wird, knnen alle Beteiligten, die Franchisenehmer, der Franchisegeber und natrlich auch die PE Firma profitieren. Der erste Teil liefert den Kontext. Teil zwei und drei analysieren die Trends.

Roark der Name fr PE im U.S. Franchising

Roark hat sich vor allem einen Namen als einer der bekanntesten Investoren in der U.S. Franchisewelt gemacht. Insgesamt fhren die Marken, in die die PE Firma investiert hat ber 20.000 Geschfte in den USA. Zustzlich zum U.S. Markt sind einige im Ausland ttig.

Nach einem wahren Shoppingwahn, der 2014 begann, hat Roark Ende 2017 Buffalo Wild Wings fr $2,9 Mrd. gekauft, inklusive R Taco, das wiederum zu 80% Buffalo Wild Wings gehrt. Die beiden neuen Marken wurden mit dem Traditionsfranchise Arbys unter einem Dach als Inspire Brands vereint.

Buffalo Wild Wings erfllt Roarks wichtigste Investitionskriterien, nmlich ein starkes und erfahrenes Management-Team, vorhersehbare Liquiditt und hohe Wettbewerbsfhigkeit.
Einige Beobachter werteten die Akquisition als Restrukturierungsprojekt, da Buffalo Wild Wings in den letzten Jahren einige Federn gelassen hatte.1 Roarks erfolgreiche Umstrukturierung von Arbys sorgte bereits dafr Buffalo Wild Wings Aktienkurs steigen zu lassen.

Ist dieser Optimismus gerechtfertigt? Kann Buffalo Wild Wings ein hnlicher Erfolg werden wie Arbys? Ausgehend von Roarks historischen Investitionen werden Buffalo Wild Wings Franchisenehmer sich freuen, dass ihr Umsatz vermutlich steigen wird. Allerdings kann man nicht erwarten, dass Buffalo Wild Wings in den nchsten Jahren rasant an neuen Restaurants zulegen wird.

Super Marken, super Ressourcen, super Geschichte?

Wenn man alte Pressemitteilung ber Roarks frhe Investitionen durchstbert, gewinnt man den Eindruck, als habe die PE Firma lediglich Geld in Marktfhrer gepumpt, um deren Potential zu maximieren. Allerdings wird bei nherem Hinsehen klar, dass Roark einiges stemmen mussten, um diese Marken wieder in Richtung Fahrtwind zu schubsen.

Beispielsweise sagte Roarks Vorsitzender, Neal Aronson ber die Akquisition von Carvel im Jahre 2001: Es ist unser Ziel, Carvels treue regionale Folgschaft zu einer nationalen zu machen. Dazu meinte Carvels damaliger CEO Steven Fellingham: Wir haben nun die ntigen Ressourcen, um in weitere Regionen zu expandieren und auf dem derzeitigen Markenbewusstsein aufzubauen.

Diese Statements lieen allerdings die seit Jahren sinkende Anzahl an Franchisenehmer gefhrten Geschften auer Acht. Zwischen 1998 und 2001 fiel die Anzahl dieser Geschfte um eine jhrliche Rate von 6%. Ein Jahr spter verlie Fellingham seinen Posten, wurde durch Steve Romanielle abgelst und die Marke begann wieder zu wachsen.

Dieser Trend wurde leider Opfer der Wirtschaftskrise von 2008. Noch im Jahr 2016 gab es rund 100 weniger Franchisenehmer gefhrte Carvels als in den drei Jahren vor der Akquise.

Als nchstes kaufte Roark FASTSIGNS im Jahr 2003. Die Pressestatements unterschieden sich nicht weiter von denen, die man 2001 gemacht hatte. FASTSIGNS ist Klassenbester in einer wachsenden und stark fragmentierten Branche. FASTSIGNS hat alles, was wir suchen eine fhrende Position im Markt, vorhersehbarer Umsatz und ein starkes Franchisenetzwerk. Und hnlich wie Carvels Fellingham 2001 lie FASTSIGNS CEO und Mitbegrnder Gary Salomon 2003 verlauten: Um auf FASTSIGNS Erfolg aufbauen zu knnen, haben wir nach einem Partner wie Roark gesucht. Wir brauchen mehr als nur finanzielle Ressourcen. Wir haben nach jemanden gesucht, der unser Geschft versteht, unsere Kunden und unsere Vision von zuknftigen Wachstum, so dass wir unser Potential voll ausschpfen knnen.

Auch diesmal war das Augenmerk auf das zuknftige Potential gerichtet. Kein Wort darber, dass FASTSIGNS seit Jahren stagnierte. Die Anzahl der Franchisenehmer gefhrten Geschfte und der Durchschnittsumsatz der Geschfte stieg kaum an (jhrliche Rate von 1% zwischen 2000 und 2003). Im Gegensatz zu Fellingham behielt Salomon allerdings seinen Posten bis 2009 in dem Jahr, indem er Vorstandsvorsitzender wurde. Heute gibt es ca. 200 mehr FASTSIGNS Franchises als zu der Zeit, in der Roark sich einbrachte.

Die Akquisition von Auntie Annes im Jahr 2010 war dann eine ganz andere Geschichte. Der Legende nach begann alles mit einem Telefonat zwischen Erik Morris von Roark und dem damaligen Besitzer von Auntie Annes, Sam Beiler, ein entfernter Verwandter der Grnder. Wie Carvel und FASTSIGNS war Auntie Annes Marktfhrer. Anders als Carvel und FASTSIGNS konnte Auntie Annes jdeoch bereits zum Zeitpunkt seiner Akquisition durch Roark positve Trends in allen Bereichen aufweisen. Beiler wollte einfach etwas anderes machen, und Roark konnte ein gut laufendes Unternehmen kaufen. Es gelang der PE Firma, auf diesem Erfolg weiter aufzubauen.

Als es um den Kauf von Corner Bakery ging, hnelten die Pressestatements erneut denen von Carvel und FASTSIGNS. Diesmal lagen die Statements ber eine tolle Marke (Roarks Aronson ber Corner Bakery) und Roark bietet der Marke eine einmalige Chance (Mike Hinslop, Corner Bakerys CEO) etwas nher an der Realitt. Die Franchisenehmer gefhrten Bckereien wuchsen schneller als der Branchenschnitt. Deren Durchschnittseinnahmen hatten sich in den Jahren vor der Akquisition zwar nicht viel bewegt, aber das nderte sich nach Roarks Investition.

Eine bessere Zukunft fr Franchisenehmer vielleicht

Was bedeutet all das fr Buffalo Wild Wings? Was knnen wir von der Geschichte der Roark Marken lernen?

Um das herauszufinden, habe ich mir Wachstum gemessen an der Anzahl der Franchisenehmer gefhrten Geschfte sowie deren Durchschnittseinnahmen nher angeschaut. Und zwar fr die drei Jahre bevor Roark eine Marke ergatterte und fr die drei Jahre nach dem Einkaufstermin. Marken, die nach 2013 akquiriert wurden, sind von dieser Analyse ausgeschlossen, weil die Daten fr 2017 noch nicht erhltlich sind.

Insgesamt gab es Daten ber die Anzahl der Franchisenehmer gefhrten Geschfte fr 29 Marken. Informationen ber den Durchschnittsumsatz dieser Geschfte gab es fr 11 Marken. Alle Daten sind in den in den USA blichen Franchise Disclosure Documents verffentlicht.

Wie die Grafik zeigt, hat Roark allein zwischen 2014 und 2016 ganze 12 Marken gekauft.

Private Equity Franchise Artikel Teil 1 Grafik Roark Geht Einkaufen

Teil II wird sich anschauen, inwieweit die Marken von Roarks Management profitierten und ob sie schneller wuchsen.

Autor: Peter Schwarzer ist Managing Director von LeOS Franchise Consulting.©

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