Was tun, wenn es brennt? Wie Franchisenehmer professionell mit Konflikten umgehen

Mundo Mediation Franchise-Experte
Mundo Mediation Wirtschaftsmediation und Konfliktmanagement

In langfristigen Geschäftsbeziehungen kommt es häufig zu Konflikten. Das ist nicht angenehm, gehört aber dazu. In solch einer Situation gilt es, professionell mit dem Konflikt umzugehen. Häufig schafft ein erfolgreich gelöster Konflikt die Grundlage für eine dauerhafte Verbesserung der Zusammenarbeit. Mundo Mediation bietet Ihnen Mediations- und Konfliktmanagement-Leistungen zur Unterstützung bei geschäftlichen Auseinandersetzungen.

23.11.2018 17:25 | Franchise-Experte

MUNDO Franchise Expertenbeitrag Konflikte was tun

Am Anfang einer Franchise-Beziehung steht immer viel Motivation und Enthusiasmus. Der Markt ist gro und die Aussichten sind vielversprechend. Was aber, wenn die Dinge nicht so eintreten, wie erwartet und es zu Konflikten kommt?

Doch zunchst ein Schritt zurck. Bevor es soweit kommt, knnen Sie einiges tun, um Konflikte zu vermeiden. Um Missverstndnissen gleich vorzubeugen: Konflikte zu vermeiden bedeutet nicht, Streit aus dem Weg zu gehen. Vermeiden Sie unntige Konflikte und kmmern Sie sich professionell um die kritischen Themen und Auseinandersetzungen.

Identifikation und Bewertung von Franchise-Systemen

Der erste Schritt zur Konfliktvermeidung ist die frhzeitige gedankliche Beschftigung mit Risiken und die realistische Einschtzung der Erfolgsaussichten. Franchise-Geber sind auch Verkufer, die ihr Franchise-System attraktiv darstellen. Nutzen Sie vorhandene Tools (z. B. Checklisten) und sprechen Sie mit anderen Franchisenehmern desselben Franchisegebers ber deren Erfahrungen. Fhren Sie eine Risikoanalyse durch und spielen Sie verschiedene Szenarien (best case / worst case) durch.

Verhandlung und Abschluss des Franchise-Vertrags

Ist der Vertrag fair, und werden Ihre Anforderungen ausreichend bercksichtigt? Franchisegeber argumentieren oft, dass es sich um einen nicht verhandelbaren Standardvertrag handelt. Das stimmt meistens nicht. Hier legen Sie die Grundlage fr eine hoffentlich langjhrige Geschftsbeziehung. Bleiben Sie bei Punkten, die fr Sie wichtig sind, hartnckig. Zugestndnisse zu machen, um ein schwieriges Thema schnell vom Tisch zu bringen, rcht sich spter hufig. Holen Sie sich Rat bei einem erfahrenen Anwalt und ziehen Sie gegebenenfalls jemanden mit Verhandlungserfahrung hinzu. Unterschreiben Sie nicht, wenn Sie noch ein komisches Gefhl im Bauch haben.

Das operative Geschft

Auch wenn Sie am Anfang alles richtig gemacht haben, sind schwierige Situationen insbesondere beim Start und in der Wachstumsphase eines Unternehmens unvermeidlich. Tatschlich liegt in jedem Konflikt aber auch der Kern zu einer Weiterentwicklung. Konflikte kann es zwischen Ihnen und dem Franchisegeber geben, zum Beispiel ber Gebietsschutz, die Produktpalette, die Franchisegebhr und vieles mehr. Andere mgliche Konfliktquellen sind das Verhltnis mit Investoren sowie Ihre Geschftsbeziehungen mit Lieferanten und Kunden. Wenn Sie Ihr Unternehmen nicht allein gegrndet haben, kann es auch zu Konflikten mit Ihrem Grndungspartner kommen.

Jetzt kommt es darauf an, mit dem Konflikt professionell umzugehen.

Sprechen Sie Dinge, die aus Ihrer Sicht nicht gut laufen, frhzeitig an. Warten Sie nicht, bis die Situation eskaliert. Oft beruhen Konflikte auf Missverstndnissen, die durch frhzeitige Klrung ausgerumt werden knnen. Versuchen Sie, die Interessen Ihres Konfliktpartners zu verstehen. So knnen Sie auch rechtzeitig erkennen, ob es mglicherweise eine einfache Lsung gibt. Falls nicht, knnen Sie so frh wie mglich die notwendige Schritte einleiten.

Kommunizieren Sie klar und deutlich. Argumentieren Sie mit Fakten. Stellen Sie sicher, dass Ihre Argumente und Aussagen durch vorhandene Dokumente untersttzt werden.

Wenn Sie den Konflikt nicht allein lsen knnen

Wenn sie die Situation nicht selbst durch Gesprche und Verhandlungen lsen knnen, aber eine Auseinandersetzung vor Gericht noch vermeiden mchten, stehen Ihnen verschiedene Mglichkeiten der alternativen Konfliktlsung offen. Diese sollten Sie kennen, denn je nach Art des Konfliktes passen manche besser als andere. Hier ein kurzer berblick (ohne Anspruch auf Vollstndigkeit):

I. Schiedsgerichtsverfahren

Bei einem Schiedsgerichtsverfahren werden Streitigkeiten statt durch ordentliche Gerichte durch ein von den Parteien eingesetztes Schiedsgericht entschieden. Bei Vereinbarung einer Schiedsgerichtsklausel wir der ordentliche Rechtsweg in der Regel ausgeschlossen. Der Schiedsspruch ist dann bindend. Der Vorteil liegt in der schnelleren Durchfhrung des Verfahrens. Eine Schwierigkeit kann unter Umstnden sein, dass sich die Parteien auf den oder die Schiedsrichter einigen mssen. Wie bei einem ordentlichen Gericht wird hier ein Urteil (hier der Schiedsspruch) gefllt, das die Parteien dann akzeptieren mssen. Ein Dritter entscheidet also ber Ihren Streitfall.

II. Schlichtung

Bekannt sind Schlichtungsverfahren zum Beispiel aus Tarifverhandlungen oder durch ffentlichkeitswirksame Meinungsverschiedenheiten wie bei dem Projekt Stuttgart 21. Die Schlichtung ist ein Verfahren, bei dem sich die Streitparteien auf einen Schlichter einigen, der neutral und unparteiisch ist. Die Aufgabe des Schlichters ist, zwischen den Parteien zu vermitteln. Darber hinaus gibt der Schlichter am Ende des Verfahrens eine Empfehlung, wie der Streit beizulegen ist (Schlichterspruch). Dieser Schlichterspruch ist nicht bindend, und die Parteien knnen diesen Akzeptieren oder ablehnen. Streitbeilegung durch einen Ombudsmann und ber eine Gtestelle sind ebenfalls Schlichtungsverfahren.

III. Mediation

Mediation allein ist ein umfangreiches Feld mit einer groen Vielfalt mglicher Ausprgungen. Dies kann deshalb nur eine kurze und vereinfachte Beschreibung sein.

Eine Mediation ist im Wesentlichen eine moderierte Verhandlung. Der Mediator ist neutral und unparteiisch oder vielmehr allparteilich. Das bringt zum Ausdruck, dass er die Interessen aller Parteien wahrnimmt. Der Mediator erforscht die Interessen der Konfliktparteien und hilft ihnen bei der Entwicklung von Lsungsoptionen sowie bei der Kommunikation. Der Mediator nimmt keinerlei Bewertung vor und gibt auch keine Empfehlung, wie der Streit beigelegt werden kann. Wohl aber hinterfragt er whrend der Mediation die Aussagen und Positionen der Parteien. Der wesentliche Vorteil der Mediation liegt darin, dass die Parteien bei der Entwicklung von Lsungen und bei der Erzielung einer Einigung absolut selbstbestimmt bleiben.

Je nach Konfliktfall kommen unterschiedliche Arten der Mediation zur Anwendung. Bei Franchise-Konflikten, bei denen es hufig um harte Themen (z. B. ums Geld) geht, bietet sich die Interessenbasierte Mediation an. Hierbei stehen die Interessen der Parteien im Vordergrund. Bei der Mediation wird dabei - oft durchaus hart - um ein Ergebnis gerungen. Ein fr beide Parteien akzeptables und tragfhiges Ergebnis ist dann die Basis fr Fortbestand und Normalisierung der Geschftsbeziehung.

Andere Anstze der Mediation gehen den umgekehrten Weg und versuchen, zuerst die Beziehung zwischen den Parteien zu verbessern. Dies wird erreicht, indem die Konfliktursachen tief in den Gefhlsebenen der Parteien gesucht und dann offenbart werden. Dadurch soll das Verstndnis fr die Gegenseite erhht und so eine einvernehmliche Lsung erleichtert werden. Diese Mediationsanstze sind dann erfolgversprechend, wenn die Parteien eine persnliche Beziehung haben, zum Beispiel bei familiren Streitigkeiten oder auch bei organisationsinternen Konflikten.

IV. Neutrales Gutachten

Geht es bei dem Konflikt um rein sachliche Themen, bei denen ermittelt werden kann, ob eine Partei im Recht ist, knnen die Parteien sich auf einen neutralen Gutachter einigen. Dieser bewertet den Grund des Streites und informiert die Parteien ber das Ergebnis. Das Ergebnis ergibt sich also quasi aus dem Sachverhalt. Hierbei kann es herausfordernd sein, einen Gutachter zu finden, der den Sachverhalt tatschlich unabhngig und neutral bewertet. Oft stellt sich auch heraus, dass der Sachverhalt doch nicht einfach mit ja/nein oder richtig/falsch bewertet werden kann.

V. Konfliktmoderation

Eine Konfliktmoderation dient dazu, den Hintergrund eines Konfliktes zu erleuchten und gemeinsam eine Vorgehensweise zur Lsung des Konfliktes zu erarbeiten. Der Moderator untersttzt die Parteien dabei, dies zielgerichtet und in einer strukturierten Weise zu tun.

VI. Verhandlung durch Unterhndler

Wenn Sie in einem Konflikt feststecken, belastet Sie das mglicherweise in einer Art und Weise, dass Ihnen eine konstruktive Vorgehensweise schwerfllt. Oder eine vernnftige Kommunikation mit Ihrem Streitgegner funktioniert nicht mehr. Dann kann es fr Sie hilfreich sein, einen erfahrenen Konfliktmanager und Verhandler zu Rate zu ziehen. Gleiches gilt, wenn Ihnen Verhandlungserfahrung fehlt oder die Gegenseite mchtiger erscheint. Der Unterhndler vertritt Ihre Interessen und verhandelt in Ihrem Namen. Dabei hat er gengend Abstand zum Thema, um Ihnen ehrliches Feedback zu geben und erfolgversprechende Lsungsoptionen aufzuzeigen.

Fazit

Viele Konflikte im Franchising lassen sich durch gute Vorbereitung (Risiko-Analyse, best case / worst case-Scenarios, klare und faire Vertragsgestaltung) vermeiden. Tritt ein Konflikt ein und kann nicht durch direkte Gesprche und Verhandlungen gelst werden, steht ein Portfolio von alternativen Konfliktlsungsmethoden zur Verfgung, durch die ein Rechtsstreit vermieden werden kann. Die passende Methode ergibt sich aus der Art des Konflikts. Die Art des Streitbeilegungsverfahrens kann uns sollte im Franchisevertrag vereinbart werden.

© Oliver Knura / Mundo Mediation 2018

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