Diversifikation/Diversifizierung im Franchise-Glossar

Was bedeutet Diversifikation?

Wenn ein Unternehmen eine Diversifikation vornimmt, dann handelt es sich im Wesentlichen um eine Ausweitung des Tätigkeitsfeldes oder aber der Produktpalette eines Unternehmens. Solch eine Diversifizierung stellt das Gegenteil einer Monostruktur dar. Aufgrund der Diversifikation werden die Wahlmöglichkeiten erhöht, was für Unternehmen eine wirtschaftlich attraktivere Chance darstellen kann. Zudem kann sie dazu führen, dass Risiken abgebaut werden.

Diversifikation Franchise Geld

Gibt es einen Unterschied zwischen Diversifikation und Diversifizierung?

Die beiden Begriffe bedeuten im Kern dasselbe. In der Wirtschaftswissenschaft ist die Rede von einer Produktdiversifikation, wenn ein Unternehmen seine Produktpalette erweitert. Etymologisch gesehen stammt das Wort Diversifikation aus dem Lateinischen, es setzt sich aus dem Adjektiv diversus und dem Verb facere zusammen und bedeutet so viel wie verschieden und machen. Eine Diversifikation geht daher logischerweise mit einer Diversifizierung einher, die quasi dasselbe bedeutet.

In welchen Bereichen kommt eine Diversifikation zum Tragen?

Das Konzept ist vor allem in der Wirtschafts- aber auch in der Finanzwirtschaft relevant.

In der Betriebswirtschaft geht es dabei um eine Spezialisierung auf mehrere Gebiete, was in einem vielfältigeren Angebot resultiert. Bei einer Diversifikation, führt ein Unternehmen ein Programm aus , was auf eine breitere Vielfalt abzielt. Mit Blick auf die Produktions- und Absatzstruktur werden neue Produkte auf neuen Märkten eingeführt. Dieser Schritt wird meist gewählt, um das Portfolio des Unternehmens breiter aufzustellen und so dank weiterem Standbein die wirtschaftliche Zukunft abzusichern.

In der Finanzwirtschaft handelt es sich bei der Diversifizierung um eine sehr verbreitete Investmentstrategie. Dadurch dass in unterschiedlich riskante Anlageformen investiert wird, streut man das Risiko und vermeidet einen möglichen Totalverlust der Investition.

>> Lesen Sie auch: Investitionskosten im Franchising: Unser Überblick

Was für Arten der Diversifikation gibt es?

An sich gibt es drei Richtungen, wie sich die Diversifikation äußern kann.

Im Fokus stehen die horizontale, die vertikale sowie die laterale Diversifikation.

  • Horizontale Diversifikation:

Bei dieser Richtung geht es um eine Ausweitung des Produktprogrammes. Es werden neue, verwandte Produkte oder Services in den Leistungsumfang eines Unternehmens aufgenommen, die in einem engen Zusammenhang mit dem Kerngeschäft stehen. Diese Art von Produktdiversifikation findet auf derselben Wirtschaftsstufe beziehungsweise in derselben Branche statt. Die neuen Produkte stehen im Zusammenhang mit der bisherigen Produktlinie des Unternehmens.

Beispiel: Ein Unternehmen produziert neben Computern nun auch Smartphones. Beide Produkte fallen in den Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik.

  • Vertikale Diversifikation:

In diesem Fall werden neue Produkte in das Portfolio aufgenommen, die Teil einer vor- oder nachgelagerten Produktionsstufe des Kerngeschäftes sind. Hier ist oft die Rede von einer Rückwärts- oder Vorwärts-Integration. In diesem Fall blickt das Unternehmen auf die Wertschöpfungskette und schaut, wie es seine Fertigungs- oder Wertschöpfungstiefe noch weiter ausbauen kann.

Beispiel: Ein landwirtschaftlicher Betrieb eröffnet ein Restaurant und verarbeitet seine Produkte zu Speisen. In diesem Fall würde das Bauernhof-Café eine nachgelagerte Stufe darstellen. Sollte ein Restaurant auf die Idee kommen, eigene landwirtschaftliche Produkte für die Restaurantküche anzubauen, so würde es sich hier um eine Diversifikation auf einer vorgelagerten Stufe handeln.

  • Laterale Diversifikation:

Hier wird das Kerngeschäft um ein neues Produkt oder einen neuen Service erweitert, ohne dass es einen technischen noch wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem bisherigen Produktsortiment gibt.

Beispiel: Ein Autohersteller produziert nun auch Küchengeräte.

>> Erfahren Sie mehr: Geschäftsführer: Über dessen Rolle im Franchising

Wie verlaufen Diversifikationsstrategien?

Eine Diversifikation verläuft entweder intern oder extern. Entweder betreibt ein Unternehmen in Eigenregie Forschungen und entwickelt seine eigene Eintrittsstrategie oder aber der Markteintritt findet über Akquisitionen und Kooperationen statt.

  • Externe Diversifikation:

Auch durch Merger and Akquisitions sowie Fusionen und Beteiligungen an Joint Ventures lässt sich die Geschäftstätigkeit ausweiten. Da dies meist durch eine Akquisition stattfindet, ist diese Diversifizierung externer Qualität, sie wurde nicht vom Unternehmen heraus initiiert.

  • Interne Diversifikation:

In diesem Fall lanciert das Unternehmen aus eigener Kraft heraus neue Produkte oder Services. Dies geschieht aufgrund von Forschungstätigkeiten und Marktanalysen, die letztlich zu eigenen Entwicklungen und Innovationen geführt haben. Zudem kann sich eine interne Diversifizierung auch durch den Erwerb einer Lizenz oder den Zukauf von Waren äußern.

Die unterschiedlichen Parameter bei der Diversifikation

Je nach dem welcher Parameter Anwendung findet, äußert sich die Diversifizierung auf einer anderen Ebene: Das Produktsortiment wird erweitert, so dass das Unternehmen mit einem weiteren Standbein auf neue Märkte dringen kann. Sprich: Dank Diversifikation wird ein gewisses Risiko durch eine Verteilung beziehungsweise Streuung minimiert.

Da durch eine Diversifikation das Leistungsprogramm eines Unternehmens ausgebreitet wird, es so weitere Produkte anbietet und auf neue Teilmärkte dringt, gilt eine Ausweitung des Tätigkeitsfeldes als ein interessantes Mittel der Wachstums- und Risikopolitik. Die Idee dahinter ist: Kommt es in einem der Teilmärkte zu marktspezifischen Absatzeinbrüchen, so kann dies durch positive Zahlen im anderen Marktsegment ausgeglichen werden.

Die Erweiterung des Kerngeschäftes stellt eine Wachstumsstrategie eines Unternehmens dar, da durch das Vordringen in neue Geschäftsfelder und Märkte wirtschaftliche Risiken gesenkt werden können und ein zweites Standbein mehr Sicherheit für ein Unternehmen bedeutet. Gerade wenn es sich um eine vertikale Diversifikation handelt, können meist Produktionskosten eingespart werden. Dieser Kostenaspekt ist für viele Unternehmen interessant, wenn sie sich für eine Produktdiversifikation entscheiden.

Was für Gefahren gehen mit der Diversifikation einher?

Auch wenn die Diversifikation als Wachstumsstrategie eines Unternehmens gilt und zeitgleich das wirtschaftliche Risiko minimieren kann, so gelten Diversifikationen nichtsdestotrotz als riskant. Denn schließlich lässt sich das Kundenverhalten nicht zu hundert Prozent antizipieren! Sollten dem Unternehmen keine Erkenntnisse zu der Zielgruppe oder Erfahrungen mit dem Produkt vorliegen, so handelt es sich um eine durchaus risikoreiche Strategie.

Auch wenn sich durch eine Diversifikation Produktionskosten einsparen lassen, so geht dies meist zulasten einmaliger Mehrkosten. Denn im Zuge der Erschließung des neuen Marktes sowie der Produktionsumstellung fallen Kosten an: Es müssen neue Maschinen erworben und spezifisches Know-How akquiriert werden, damit die Diversifikation erfolgreich gelingen kann.

Zahlreiche Experten raten dazu, dass sich Unternehmen eher auf das Kerngeschäft als auf ein breiteres Produktsortiment fokussieren sollten. Denn ein Unternehmen, was der Marktführer seiner Sparte ist, kann allein durch ein erfolgreiches Kerngeschäft ausreichendes Wachstum generieren – auch ohne Diversifikation. Von daher ergibt es meist mehr Sinn, die Marktführerschaft anzustreben als dass man in unterschiedliche Geschäftsfelder vordringt. Darüber hinaus haben auch Analysen von Consulting Unternehmen bestätigt, dass Marktführer in der Regel eine doppelt so hohe Kapital-Rentabilität wie ihre Konkurrenz aufweisen.

Eva Tegeder, Punkt Franchise ©

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Bewerten Sie diesen Artikel als Erste/r